Das geduldige Raubtier

Das Ende der zweiten Staffel von Mr. Robot springt noch einmal sehr weit in die erste Staffel zurück – es beginnt mit jenem Streit zwischen Tyrell Wellick und Mr. Robot im Auto, im Hintergrund diese Achterbahn in Coney Island. Nur dass es dieses Mal Elliot ist, der mit Tyrell streitet – wir wissen ja längst, dass Mr. Robot und Elliot identisch sind. Nur dass Elliot das nicht immer klar ist, doch dazu später.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot Alderson (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot Alderson (Rami Malek)

Tyrell Wellick jedenfalls ist keine von Elliots Halluzinationen, er existiert wirklich und nimmt Elliot ins neue geheime Hauptquartier mit, das von der Dark Army eingerichtet wurde, um Stufe zwei auszuführen – Elliots Plan zur Zerstörung sämtlicher analoger Unterlagen, die von E-Corp in einem speziell dafür eingerichteten Hochsicherheitsgebäude eingelagert werden. Anhand dieser Papiere will E-Corp nämlich die während des Five-Nine-Hacks zerstörte elektronische Datenbasis rekonstruieren: Sämtliche Eigentumstitel, Bank- und Grundbuchauszüge und so weiter, also alles, das benutzt werden kann, um Eigentum den jeweiligen Eigentümern zuordnen zu können.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Elliot kann nicht fassen, dass er derjenige ist, der sich das alles ausgedacht haben soll – aber er kapiert natürlich sofort, was los ist, als Tyrell ihm die dazugehörigen Dateien zeigt: Dank des FBI-Hacks über die von der Dark Army präparierte Femtozelle hat Elliot Tyrell und der Dark Army eine Backdoor geöffnet, über die wiederum nun wertvolle Informationen über die Aktivitäten von E-Corp gewonnen werden konnten. Und Stage 2 ist ein sehr raffinierter Hack, der genau auf diesen Informationen beruht: Der Plan ist, die Batterien, die das Lagergebäude bei einem Stromausfall mit Energie versorgen sollen,zu zerstören und das dabei entstehende Gas zu entzünden: Die Explosion wäre stark genug, das ganze Gebäude komplett in die Luft zu jagen. Doch Elliot hat – wie schon bei der Idee, Steel Mountain durch eine Gasexplosion zu zerstören – Skrupel. Er will die Menschen im Gebäude nicht töten. Doch dieses Mal legt er sich nicht mit seinem Alter Ego an, sondern mit dem zu allem entschlossenen Tyrell.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström)

Tyrells Frau Joanna hat dank Elliots Handy-Hack inzwischen herausgefunden, was hinter den Geschenken und den Anrufen steckt – das ist nämlich niemand anders als Scott Knowles. Er wollte sich rächen – genau an dem Tag, an dem er zum CTO von E-Corp befördert wurde, hat Tyrell seine Frau ermordet. Die auch noch schwanger war. Joanna ist von Scotts Lamento allerdings wenig beeindruckt, sie provoziert Scott mit Beleidigungen, bis er die Beherrschung verliert und sie zusammenschlägt. Aber abgesehen davon, dass Joanna auf so etwas steht, ist klar, dass sie das benutzen wird, um Scott zu zerstören. Jetzt muss sie nur noch ihren neuen Lover von ihrem Racheplan überzeugen – aber den hat sie eh in der Tasche.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene (Carly Chaikin) and Dom DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene (Carly Chaikin) and Dom DiPierro (Grace Gummer)

Für Darlene läuft es deutlich schlechter.  Sie wird jetzt vom FBI verhört – durch das Gespräch mit Agent DiPierro erfahren wir, dass Cisco tatsächlich tot ist, aber Vincent überleben wird – um dann als fsociety-Mitglied und somit als Terrorist für sehr lange Zeit im Knast zu verschwinden. Insofern hat Darlene wenigstens Vincent das Leben retten können. Nun gibt sie sich sehr cool und lässt Dom auflaufen, die sämtliche Register zieht, um, Darlene zum Reden zu bringen. Doch die besteht auf ihre Rechte – aber Doms Chef macht Darlene schnell klar, dass sie als Terroristin und somit als feindliche Kämpferin gilt, und für die gelten keine Rechte.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Was das FBI schon alles weiß

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Was das FBI schon alles weiß

Das bringt Darlene natürlich erst recht nicht zum Reden – Dom überzeugt ihre Chef, dass sie etwas anderes versuchen will: Sie zeigt Darlene, was das FBI tatsächlich schon alles weiß – und das ist erschreckend viel. Dom erklärt die FBI-Strategie mit der des geduldigen Räubers – man legt sich auf die Lauer und wartet auf die richtige Gelegenheit – wie eine Python. Manche dieser Schlangen warten ein Jahr lang auf ihre Beute. (Vermutlich ist auch kein Zufall, das Python eine Programmiersprache ist.)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Darlene

Als mutmaßlicher Urheber des Five-Nine-Hacks steht allerdings Tyrell im Mittelpunkt der FBI-Ermittlungen – und gleich darunter ihr Bruder Elliot. Aber auch Darlene kommt in dem Schaubild vor – als Kopf von fsociety. Und nebenbei erfahren wir jetzt auch, dass Romero durch einen blöden Zufall durch eine verirrte Kugel bei einer Schießerei in der Nachbarschaft getötet wurde. Die Dark Army hatte nichts damit zu tun. Insofern besteht Hoffnung für Trenton und Mobley – und die wird auch bestätigt, wenn man die Folge bis ganz zu Ende sieht: Die beiden leben noch – wobei man sich auch fragen kann, wie lange, denn ausgerechnet Leon hat die letzten Worte der Staffel – und der gehört zur Dark Army. Aber er hat Elliot im Knast beschützt – ich denke nicht, dass er den beiden gefährlich wird.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot mit Mr. Robot und Tyrell

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Elliot mit Mr. Robot und Tyrell

Doch zuvor versucht Elliot wie erwähnt, Tyrell von der Ausführung von Stufe 2 anzuhalten – er setzt sich an den Computer, um sein eigenes Werk zu zerstören. Doch Tyrell holt die Waffe, die Elliot ihm offenbar gegeben hat, um ihn davon abzuhalten, genau das zu tun, was er jetzt vor hat. In Staffel eins hatte Elliot als Mr. Robot auch Romero schon damit gedroht, ihn zu erschießen, falls er das Projekt sabotieren bzw. einfach nicht mehr mitmachen würde, aber nicht abgedrückt. Jetzt hat aber Tyrell die Waffe in der Hand – und Mr. Robot versucht Elliot zu überzeugen, dass er besser auf Tyrell hören und den Computer nicht anfassen solle.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell und Mr. Robot

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Tyrell und Mr. Robot

Das überzeugt Elliot wiederum, dass Tyrell und Mr. Robot ein und derselbe seien – und deshalb nimmt er an, dass beide nicht real seien: Der einzige, der wirklich anwesend und real ist, sei er selbst und es sei an der Zeit, wieder die Kontrolle zu übernehmen. Doch damit liegt Elliot falsch – Tyrell schießt ihn tatsächlich nieder. Interessant ist dann Tyrells Anruf bei Angela – sie hat offenbar erwartet, dass er sich bei ihr meldet – und sie macht sich auf den Weg, denn es sei das beste, wenn Elliot, wenn er wieder aufwacht, sie zuerst sehen würde. Klar, Elliot muss überleben, sonst ist eine dritte Staffel ziemlich witzlos, auch wenn es genügend andere interessante Figuren gibt.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Mobley (Azhar Khan) und Trenton (Sunita Mani)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Mobley (Azhar Khan) und Trenton (Sunita Mani)

Doch wie für Mr. Robot typisch hat die finale Folge wieder eine ganze Reihe Antworten gegeben, die nur wieder neue Fragen aufwerfen. Vor allem: Welche Rolle spielt Angela bei der ganzen Sache nun tatsächlich? War Whiterose wirklich dermaßen überzeugend, oder war sie von Anfang an Teil des Plans? Der Verdacht lag ja schon am Anfang der ersten Staffel nahe, als Angela das Netzwerk von Allsafe mit Ciscos CD infiziert hat. Jetzt heißt es wieder warten – und spekulieren, was wohl passiert, wenn Stage 2 ausgeführt wurde – und das wird es, so wie ich Tyrell einschätze. Doch, alles in allem bin ich mit dem Finale zufrieden. Übrigens glänzte diese Folge einmal mehr mit einer sehr guten Musikauswahl: Als Titelmusik gab es Hall of Mirrors von Kraftwerk.

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Leon (Joey BadA$$)

Screenshot Mr. Robot, eps2.9_pyth0n-pt2.p7z: Leon (Joey BadA$$)

Blindspot – im toten Winkel

Nachdem Blindspot ja einen ziemlich starken Start auf Sat.1 hingelegt hatte, habe ich auch einmal reingesehen – es muss ja nicht alles schlecht sein, was im Privatfernsehen läuft. Wobei das meiste schon katastrophal ist, es ist einfach unfassbar, was sich die Leute so reinziehen, auch wenn ich gar nicht so arrogant sein will, wie ich jetzt wahrscheinlich wirke: Ich will mich ja auch nach einem anstrengenden Tag einfach mal beim Glotzen entspannen. Aber bitte ohne mir dafür komplett das Hirn wegschießen zu müssen.

Und dafür ist Blindspot gar nicht so schlecht. Obwohl ich die Serie gar nicht dermaßen gut finde, habe ich mir jetzt doch schon erstaunlich viele Folgen davon angesehen – denn mit jedem Teil wird es spannender, weil die Geschichte hinter den Geschichtchen eine ganz, ganz üble sein muss. Während mich die ersten Folgen eher an The Blacklist erinnert haben – eine Serie, die ich für ein paar Folgen ziemlich unterhaltsam fand, dann aber aufgegeben hatte, weil es einfach immer mehr vom Gleichen war – fühlte sich Blindspot nach einigen Folgen eher nach Person of Interest an, was auch nicht gerade die Champions-League unter den Fernsehserien repräsentiert, aber schon deutlich besser als viele andere Serien ist- noch so eine Serie, die bei den Emmys komplett bisher leer ausgegangen ist, fällt mir dabei auf – obwohl (oder am Ende vielleicht gerade weil?) Person of Interest mit ihrer Vision einer kompletten Überwachung von allem und jedem gesellschaftlich nun wirklich relevant ist. Vielleicht hat die NSA entsprechende Nominierungen kassiert. Würde mich nicht wundern.

Blindspot: Ukweli Roach (Dr. Borden), Ashley Johnson (Patterson), Kurt Weller (Sullivan Stapleton), Jane Doe (Jamie Alexander), Tasha Zapata (Audrey Esperanza), Edgar Reade (Rob Brown) und Bethany Mayfair (Marianne Jean-Baptiste)

Blindspot: Ukweli Roach (Dr. Borden), Ashley Johnson (Patterson), Kurt Weller (Sullivan Stapleton), Jane Doe (Jamie Alexander), Tasha Zapata (Audrey Esperanza), Edgar Reade (Rob Brown) und Bethany Mayfair (Marianne Jean-Baptiste)

Es gibt in Blindspot zwar keine allgegenwärtige Maschine, keinen Harold Finch und keinen Mr. Reese, dafür aber eine Art Mrs. Reese, nämlich jene tätowierte, weibliche Kampfmaschine, die unter anderem fließend Chinesisch, Russisch und Bulgarisch spricht und sich leider nicht daran erinnern kann, wer oder was sie eigentlich ist und deshalb erstmal Jane Doe genannt wird, wie alle nicht identifizierbaren weiblichen Personen in den USA. Eines Tages kriecht Jane auf dem belebten Times Square mitten in New York aus einer Reisetasche – sie ist völlig unbekleidet und hat auch sonst nichts bei sich, nur ihr Körper ist mit frischen Tattoos übersät, die, wie sich bald herausstellen soll, allesamt Hinweise auf schwere Verbrechen enthalten, wenn man sie nur richtig entschlüsselt. Wobei das auffälligste Tattoo das einfachste ist: Kurt Weller, FBI.

Special Agent Weller (Sullivan Stapleton) kann sich zwar auch erstmal keinen Reim drauf machen, warum ausgerechnet sein Name auf den Rücken jener unbekannten Schönheit (Jaimie Alexander) tätowiert wurde, aber er übernimmt mit seinem Team die Ermittlungen. Das Team besteht aus Special Agent Edgar Reade (Rob Brown, fand ich in Treme schon toll), der Jane gegenüber extrem misstrauisch ist und bleibt, Special Agent Tasha Zapata (Audrey Esperanza), die sich von den falschen Leuten Geld geliehen hat, um ihre Spielschulden zu begleichen und Special Agent Patterson (Ashley Johnson), einer unglaublich begabten Forensikerin, die leider zu oft Arbeit mit nach Hause nimmt, was natürlich total verboten ist, auch wenn ihren Chefin Bethany Mayfair (Marianne Jean-Baptiste) sie deckt.

Mayfair ist die stellvertretende Direktorin des New Yorker FBI-Büros und somit die direkte Vorgesetzte von Kurt und seinem Team. Und, wie sich im Laufe der Staffel herausstellen wird, eine von vier Personen, die von Operation Daylight wissen, einem gigantischen, illegalen Überwachungsprogramm, mit dessen Hilfe bereits zahlreiche Kapitalverbrechen aufgeklärt werden konnten. Die dafür nötigen Informationen wurden erfundenen Informanten zugeschrieben – und nur Myfair, der CIA-Direktor Tom Carter und Sofia Varma, eine hochrangige Vertreterin des Weißen Hauses, hatten Kenntnis davon.

Blindspot: Jane Doe (Jamie Alexander)

Blindspot: Jane Doe (Jamie Alexander)

Aber leider weisen einige der Tattoos von Jane auf Operation Daylight hin – irgendwer muss also noch davon wissen. Deshalb ist CIA-Mann Carter dafür, die Sache CIA-mäßig zu regeln – er will, dass Jane verschwindet. Aber wie man sich denken kann, geht die Sache anders aus, denn sonst gäbe es noch reichlich Folgen ohne die markante Hauptfigur, die sich nach und nach an immer mehr Details aus ihrem Vorleben erinnert und sich sozusagen allmählich selbst auf die Spur kommt – das genau ist der Umstand, der diese Serie für mich spannender macht, als The Blacklist es war – hier war ja von Anfang an klar, dass Raymond Reddigton das überlegene Mastermind hinter allem ist und den ganzen FBI-Apparat für seine persönliche Rache benutzt. Wofür das FBI in Blindspot benutzt werden soll, ist weniger klar – aber immerhin gibt es hier etwas, dem man erstmal auf die Spur kommen muss.

Wobei Blindspot schon deutliche Schwächen hat – ich finde die Figuren zwar alle recht interessant, aber von subtiler Charakterzeichnung halten die Macher dieser Serie leider wenig, hier wird eher zum Holzschnittmuster gegriffen: Der wortkarge Weller, der seinem Vater nicht verzeihen kann, dass er ein schlechter Vater war, und sich selbst nicht, dass er nichts tun konnte, als seine Kindheitsfreundin Taylor Shaw verschwand, die geniale Patterson, die sich in ihre Arbeit vergräbt, erst recht, nachdem ihr Freund umgebracht wird, mit dem sie gerade erst Schluss gemacht hatte, weil sie sich eben für ihre Arbeit und gegen ihn entschieden hatte, die aufrechte FBI-Chefin Mayfair, die eigentlich gegen die illegale Überwachung war, nun aber die Ergebnisse ihrer Arbeit schützen will: Wenn bekannt wird, dass mit Daylight illegal Beweise beschafft wurden, dann müssen sämtliche dingfest gemachten Verbrecher wieder entlassen und die Verfahren neu aufgerollt werden. Und ist da natürlich Jane, die vielleicht Taylor Shaw, vermutlich aber Alice Kruger ist, deren Gedächtnis mit einer experimentellen Droge ausradiert wurde. Ist sie eine russische Superspionin, eine hyperintelligente Terroristin oder am Ende noch etwas ganz anderes?

Überhaupt wird ziemlich dick aufgetragen, wobei das durchaus Spaß machen kann: Es gibt eine Menge Sachschaden, sehr viel Geballer und es werden jede Menge Verschwörungstheorien bedient, wobei wir inzwischen ja auch wissen, dass vieles davon tatsächlich Verschwörung und keineswegs Theorie ist – dass wir alle von Regierungen, Unternehmen und mehr oder weniger geheimen Diensten ausführlichst ausgeforscht werden, ist eine Tatsache, die wir im Alltag zwar gern verdrängen – ein bisschen mehr Paranoia bei der Nutzung von Smartphone, Computer und vor allem Social Media wäre durchaus angebracht. Wobei hier natürlich die richtige Eingebung zur rechten Zeit und der vorhersehbare Zufall deutlich zu oft strapaziert werden – wirklich geniale Serien wie Breaking Bad oder Mr. Robot leben ja davon, dass bestimmte Dinge, die sich die schlauen Protagonisten ausgedacht haben, im entscheidenden Moment eben nicht funktionieren, und sie dann zu noch viel verwegeneren Alternativen greifen müssen, damit sie die Sache irgendwie überleben, obwohl alles gerade grandios schief geht. So subtil ist Blindspot nicht – hier ist klar, dass eine unmögliche Mission dank der unglaublichen Fähigkeiten der jeweiligen Protagonisten irgendwie noch glimpflich ausgehen muss, damit es überhaupt noch eine weitere Folge geben kann.

Hat nicht einmal einen Vornamen und ist doch meine Lieblingsfigur: Patterson (Ashley Johnson)

Hat nicht einmal einen Vornamen und ist doch meine Lieblingsfigur: Patterson (Ashley Johnson)

Und es kommen dann auch verschwundene Passagierflugzeuge vor, die an unerwarteten Orten wieder auftauchen – und dann von Terroristen benutzt werden sollen, um das GPS-Satellitensystem der USA zu zerstören, was Team Weller knapp verhindern kann. Hier wächst Patterson einmal mehr über sich hinaus, in dem sie aus der Ferne Anweisungen gibt, wie Weller und Jane, denen es gelungen ist, an Bord einer einstmals entführten und jetzt als Abschussrampe für Raketen zu missbrauchenden Maschine zu gelangen, das Flugzeug erst übernehmen und schließlich auch wieder landen können. Und natürlich gibt es auch illegale Medizin-Experimente, um aus Soldaten willenlose Kampfmaschinen zu machen und Ärger mit dem OPR in Person von Chief Inspector Jonas Fisher, der es auf Mayfair abgesehen hat und ihr nachweisen will, dass sie ihr Büro nicht im Griff und sie selbst Dreck am Stecken hat.

Bemerkenswert finde ich vor allem, dass die weiblichen Protagonisten in Blindspot interessanter und komplexer sind als die männlichen – was andererseits auch wieder ein bisschen schade ist, denn sowohl Sullivan Stapleton als Kurt Weller als auch Rob Brown als Edgar Reade hätten als Schauspieler gewiss mehr zu bieten als die ziemlich eindimensionalen spröden FBI-Typen, die sie abliefern müssen. Aber so haben vor allem Jane, Patterson und Mayfair ihr Show – und das ist auch gut so. Insofern bleibt mein Fazit zu Blindspot durchwachsen: Kann man sich durchaus ansehen, wenn man auf Actionserien steht, in denen die Probleme der Gegenwart zumindest angesprochen werden, aber es gibt durchaus Serien, die besser sind.

Emmy Awards 2016: Diversität und Monokultur

Weil ich ja leider nachts schlafen muss, um tagsüber für meinen Job fit zu sein, konnte ich mir die Verleihung der 68. Emmy Awards heute erst als Feierabend-Event reinziehen – ohne Werbung zwischendurch waren es etwas über zwei Stunden, das kann man schon aushalten, auch wenn sich alle Preisträger bei Cast, Crew und Familie bedanken müssen (immerhin in wechselnder Reihenfolge), was dann irgendwann doch langweilig wird, genau wie die unvermeidlichen Politwitze: Donald Trump hat eine ganze Reihe von RL-Memes gesetzt, denen man einfach nicht entkommen kann. Make the Emmys Great Again. Make Television Great Again. And somehow we make the Mexicans pay for that. And so on.

Nichtsdestotrotz war Jimmy Kimmel gut in Form, und alles in allem ist der Abend ja gut ausgegangen: Rami Malek hat den Emmy als bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie gewonnen, was mich natürlich sehr freut, wobei für mich auch okay gewesen wäre, wenn Bob Odenkirk ihn für Better Call Saul bekommen hätte. Und klar, auch die anderen waren alle sehr gut, aber Mr. Robot ist nun mal die beste der hier nominierten Serien, auch wenn Better Call Saul nur knapp dahinter liegt.

68. Primetime Emmy Awards: Rami Malek gewinnt als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie (Mr. Robot)

68. Primetime Emmy Awards: Rami Malek gewinnt als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie (Mr. Robot)

Ich denke, dass hier durchaus eine Rolle gespielt haben könnte, dass Rami Malek der einzige nicht eindeutig weiße männliche Schauspieler unter den Nominierten in dieser Kategorie war – was seiner Performance keinen Abbruch tut, denn Rami Malek ist einfach der beste denkbare Elliot Alderson. Aber so betont divers, wie sich die Emmys dieses Mal gegeben haben, liegt der Verdacht nahe – und das kritisiere ich ausdrücklich nicht: Vor wenigen Jahren noch hätte ein arabisch-stämmiger Schauspieler vermutlich gar keine Chance gehabt, eine Hauptrolle in einer stylischen, coolen, sehr ambitionierten US-amerikanischen Primetime-Serie zu spielen.

Unter den Nominierten waren insgesamt durchaus zahlreiche Afroamerikaner, so hat beispielsweise Courtney B. Vance den Emmy als beste Hauptdarsteller in einer Mini-Serie gewonnen oder Sterling K. Brown den als bester Nebendarsteller, die beste weibliche Nebendarstellerin in der Kategorie war Regina King. Und natürlich sind auch die Master-of-None-Autoren (und Darsteller) Aziz Ansar und Alan Yang Vertreter von Minderheiten – wobei der aus Taiwan stammende Alan Young bei seiner Dankesrede für den Emmy als bester Autor einer Comedy-Serie daran erinnert hat, dass es ungefähr genauso viele Amerikaner ostasiatischer wie italienischer Herkunft gibt – was sich aber in der Film- und Fernsehgeschichte der USA bisher nicht niedergeschlagen habe, im Gegensatz zu den Italienern mit ihren ikonischen Mafia-Dramen. Und er forderte die asiatischen Eltern auf, ihren Kindern Kameras statt Geigen in die Hand zu geben – dann hätten sie vielleicht auch mal eine Chance.

Primetime Emmy Awards 2016: Susanne Bier gewinnt für die beste Regie in einer Mini-Serie (The Night Manager)

Primetime Emmy Awards 2016: Susanne Bier gewinnt für die beste Regie in einer Mini-Serie (The Night Manager)

Und insofern geht natürlich auch total in Ordnung, dass Jeffrey Tambor einen Emmy für seine Darstellung von Moira Pfefferman in Transparent wieder eine Auszeichung bekommen hat – und der gleichzeitig betonte, dass es hoffentlich das letzte Mal sei, dass er als Mann für die Darstellung einer Transgenderfrau herhalten musste, lieber solle man doch den echten Transgenders eine Chance geben.

Passend dazu hat Jill Soloway, die einen Emmy für die beste Regie in einer Comedy-Serie – eben Transparent – bekommen hat, die Kleiderordnung für Frauen souverän missachtet: Die Kombination von Bluse (mit Schleife) und Blazer war gewagt, aber total misslungen, rausgerissen haben das nur die roten Sportschuhe. Vor der Verweigerung der üblichen Highheels habe ich echt Respekt – mir ist ohnehin ein Rätsel wie andere Frauen Folterwerkzeuge mit 8 bis 10 Zentimeter Absatzlänge (oder gar mehr) einen Arbeitstag oder Abend am Fuß ertragen können. Wenn die Schuhe sehr gut gepolstert sind, kann ich das auch mal für ein paar Stunden ab, aber laufen in dem Sinne geht damit einfach nicht. Es gibt so vieles, was Frauen sowieso immer noch aushalten müssen – warum dann auch noch unbequeme Schuhe?! Männer tun sich das doch auch nicht an!

Wo wir aber gerade bei Frauen sind: Mich hat natürlich auch der Emmy für Susanne Bier gefreut, die als beste Regisseurin einer Miniserie den Preis für ihre Arbeit mit The Night Manager bekam. Es gibt ja nun wirklich nicht viele weibliche Regisseurinnen und noch weniger international anerkannte – aber vielleicht ändert sich das ja nun auch langsam mal. Wobei mich dann doch schon wieder ein bisschen genervt hat, dass Veep mit Emmys förmlich überhäuft worden ist. Ja, eine Comedyserie über eine erste weibliche US-Präsidentin ist schon lustig, und die Entschuldigung von Julia Louis-Dreyfus für das eigenartige politische Klima in den USA – eigentlich hätten sie ja eine Comedy-Serie machen wollen, nun sei Veep aber leider eine Dokuserie über den traurigen alltäglichen Wahnsinn – fand ich auch total sympathisch – aber ab und zu hätte in Sachen Comedy auch mal eine andere Serie irgendwas gewinnen können, so ging Silicon Valley komplett leer aus.

Genau wie bei den Dramaserien, wo Game of Thrones wieder so ziemlich alles abgeräumt hat: ja, das ist gewiss eine grandiose Serie, aber für alle, die es nicht so mit Drachen und epischen Schlachten haben, gibt es auch noch ziemlich gutes Fernsehen – so fällt mir gerade auf, dass es nicht eine einzige Nominierung für Halt and Catch Fire gab, was auch eine ziemlich gute Serie ist. Oder für Manhattan. Und tolle Serien wie Fargo oder Better Call Sauldie ebenfalls nominiert waren, konnten dieses Mal keinen Blumentopf gewinnen. Und bei den Mini-Serien war es nicht besser, da hat The People vs. O. J. Simpson fast alles andere platt gemacht.

Wobei, ich muss zugeben, dass es sympathische Ausreißer gab, etwa den Emmy für die beste männliche Gast-Rolle, der an Peter Scolari ging, der in Girls Hannahs Vater spielt oder für Margo Martindale, die sozusagen das weibliche Pendant in The Americans gab. Insofern sind auch die Emmys längst noch nicht so ausgewogen und perfekt, wie sie sich gerade feiern. Aber immerhin schon sehr viel weiter als die Oscars – was auch ständig betont wurde. Jimmy Kimmel hat das in löblich kritischer Selbstanalyse ja während der Show definiert:“Was wir hier in Hollywood noch mehr schätzen als Vielfalt, ist, uns selbst dafür zu feiern, wie sehr wir Vielfalt schätzen.“ Das ist aber genau die Selbstreflexion, zu der das Fernsehen bereits in der Lage ist. Mal sehen, wann das in der Kino-, äh Blockbusterindustrie denn ankommt.

Ein toter Fisch im Darkroom

Nachdem ich mich von meinem Nervenzusammenbruch erholt habe, weil es in dieser Woche nur den ersten Teil der letzten Doppelfolge gegeben hat und ich noch eine weitere Woche auf das große Finale der zweiten Staffel von Mr. Robot warten muss, bin ich jetzt langsam in der Lage, eine Review zu eps2.9_pyth0n-pt1.p7z zu schreiben.

Es wird immer spannender – auch wenn dieser Teil fast ausschließlich aus Dialog bestand, und zu weiten Teilen aus ziemlich absurden Dialogen. So muss Angela in einem Dark Room, der mit einem auslaufenden Aquarium und einem C64 samt historischem Zubehör ausgerüstet ist, eigenartige Fragen beantworten, die ein kleines Mädchen stellt, das eine exakte Kopie ihres jüngeren Selbst sein könnte. Agent DiPierro hat ein deprimierendes Gespräch mit ihrer virtuellen Assistentin Alexa, das nahelegt, dass sie wirklich sehr, sehr einsam ist und Elliot redet nicht nur mit sich selbst und mit seinem unsichtbaren Freund, sondern auch mit einem Taxifahrer, der nur Arabisch spricht und einfach nicht kapiert, was Elliot von ihm will.

Screenshot Mr. Robot: Elliot Alderson (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot Alderson (Rami Malek)

Aber okay, die komplette zweite Staffel war ja bisher vor allem deshalb interessant, weil jede Folge so anders und eigen war – was man ja auch von anderen guten Serien kennt, nur ist hier oft die Erklärung, dass die Autoren und die Regisseure auch von Folge zu Folge wechseln. Das Neue an Mr. Robot ist nun aber, dass es einen Autor gibt, der alle Folgen im Kopf hat – auch wenn es dieses Mal durchaus Episoden gibt, die nicht Sam Esmail geschrieben hat – und dass Sam Esmail auch in sämtlichen Teilen die Regie übernommen hat.

Sein Erzählweise und sein Blick sind schon sehr speziell, was ich meistens mag – er hält sich in der Regel an die unterkühlte skandinavische Farbpalette im Anthrazit- bzw. Grau-Blau-Bereich, und wählt sehr spezielle Perspektiven. Für meinen Geschmack gibt es aber zu viele gewollte Unschärfen – das ist für Screenshots und Gifs immer blöd, genau wie diese Gegenschnitte, bei denen die Protagonisten immer ganz außen oder innen am jeweils konträren Bildrand zu sehen sind – das ist natürlich wahnsinnig aussagekräftig, wenn man die Serie auf dem großen Bildschirm kuckt, aber halt schlecht für tumblr und Co.

Screenshot Mr. Robot: Dominique DiPierro (Grace Gummer)

Screenshot Mr. Robot: Dominique DiPierro (Grace Gummer)

Über die gesamte Staffel war der Zweikampf zwischen Elliot und Mr. Robot wichtig – meiner Ansicht nach zu wichtig – und auch wenn Elliot sich nun mit der Existenz von Mr. Robot als alternativem Ich abgefunden hat, so ist ihm noch immer nicht klar, was das eigentlich für ihn bedeutet. Ehrlich gesagt, hatte ich ja gehofft, dass es an dieser Front nun etwas ruhiger und übersichtlicher würde, aber das ist leider nicht der Fall – stattdessen kommt Elliot auf die Idee, dass er jetzt einfach mal der stille Beobachter sein möchte, der sich anschaut, was Mr. Robot so macht, wenn er glaubt, dass er allein ist. Und Elliot schafft es auch, sich in einen solchen Zustand zu versetzen – Mr Robot übernimmt und Elliot darf einfach zuschauen. Und am Ende klappt genau das, was Elliot sich davon erhofft hatte – Mr. Robot führt ihn nach einiger Knobelei – hier taucht auch wieder eine rote Schubkarre auf, wenn auch nur als Name eines Restaurants, dessen Karte als Grundlage für allerlei Zahlenspiele dient – tatsächlich zu Tyrell Wellick. Aber natürlich ist nicht klar, ob das alles jetzt in Elliots Kopf stattfindet, oder ob Tyrell real ist, denn Elliot weiß ja, dass weder sich selbst, noch Mr. Robot trauen kann. Das geht mir inzwischen doch ziemlich auf die Nerven.

Screenshot Mr. Robot: Was geht hier vor?

Screenshot Mr. Robot: Was geht hier vor?

Aber es passieren ja auch andere Dinge – so hat Agent DiPierro einen weiteren frustrierenden Dialog mit ihrem Chef, der will, dass sie, nachdem sie einmal mehr in eine Schießerei mit Dark-Army-Beteiligung geraten ist, endlich mal Ruhe gibt und nach Hause geht. Aber natürlich will Dom jetzt erst recht dran bleiben: Sie weiß, dass sie auf der richtige Spur ist, der jüngste Vorfall ist ja die Bestätigung dafür – und sie betont, dass es möglicherweise kein Terrorangriff von fehlgeleiteten Radikalen mehr ist, sondern ein kriegerischer Akt gegen die USA: Die chinesische Regierung könnte beteiligt sein. Der Umstand, dass mehrere Zivilisten dabei umgekommen sind, spricht dafür, dass Cisco tot ist – möglicherweise auch Darlene. Dom jedenfalls ist einmal mehr davon gekommen. Und es scheint, als frage sie sich selbst, warum.

Screenshot Mr. Robot: Angela Moss (Portia Doubleday)

Screenshot Mr. Robot: Angela Moss (Portia Doubleday)

Interessant ist auch, dass die rätselhafte Partnerschaft zwischen Philip Price und Whiterose offenbar in eine Krise geraten ist – Whiterose widmet Angela immerhin 28 Minuten ihrer kostbaren Zeit, um herauszufinden, was so speziell an ihr sei, dass Philip Price sich von ihr offenbar dazu ermuntert fühle, auf seinen wie auch immer gearteten Deal mit Whiterose zu pfeifen und mit ihrer Hilfe sein eigenes Ding durchzuziehen: Er will E-Coin als offizielle Währung durchsetzen, wogegen sich die Fed sträubt – schließlich sei es die Aufgabe der US-Zentralbank, über die Währung zu wachen. Die E-Coin-Strategie von Price passt aber auch Whiterose nicht in den Kram. Sie versucht Angela davon zu überzeugen, dass der Tod ihrer Mutter und von Elliots Vater einer wichtigen Sache gedient hätte, um sie von ihren Racheplänen abzubringen. „Was hat Elliot mit all dem zu tun?“ fragt Angela, die keine Ahnung hat, wer oder was Whiterose eigentlich ist.

Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Screenshot Mr. Robot: Whiterose (BD Wong)

Und wer weiß, vielleicht war sie erfolgreich, zumindest sucht Angela ihre Anwältin Antara Nayar am Abend zuhause auf, um ihr zu sagen, dass sie den Kontakt nun für immer abbrechen wird. Aber die abgebrühte Nayar vermutet gleich, dass Angela bedroht wird – auch wenn Angela das erstaunlich ruhig und entschieden verneint. Aber bisher war so vieles anders als es zunächst schien, dass ich hier ein weiteres großes Fragezeichen sehe. Vermutlich wird in der letzten Folge vieles nicht aufgelöst, so dass wir auf die dritte Staffel warten müssen.

Und dann vermutlich auf eine vierte und gar fünfte, sofern es kein Quotendesaster geben sollte. Bei der zweiten Staffel gab es schon leichte Verluste bei den Zuschauerzahlen in den USA, was mich aber nicht wundert – diese Staffel ist düsterer und anstrengender als die erste, und es fehlt auch Elliots erfrischender Zynismus, der ja leider schon im Laufe der ersten Staffel auf der Strecke geblieben ist, weil Elliot zunehmend mit seiner kranken Psyche zu kämpfen hatte. Aber ein paar Antworten erwarte ich in der kommenden Woche doch.

Screenshot Mr. Robot: Er ist wieder da - Elliot und Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot: Er ist wieder da – Elliot und Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Neue Kult-Serie: The Path

Für Amazon-Prime-Kunden gibt es ab dem 15. September The Path ohne Aufpreis – diese Serie lohnt sich auf jeden Fall. Deshalb hier noch einmal meine Kritik vom Mai – wobei ich jetzt ergänzen möchte, dass mir in den noch folgenden Teilen besonders gefallen hat, dass es vor allem darum geht, wie man damit klar kommt, wenn man entdeckt, dass es das, woran man eben noch fest und wahrhaftig geglaubt hat, möglicherweise gar nicht gibt, dass alles nur Lug und Trug war und sich man nun neu orientieren muss.

Es ist schwer, die gewohnten Dinge loszulassen, selbst wenn man sie als falsch erkannt hat. Es ist schwer, nicht nach dem Erlöser zu suchen, und es ist auch schwer, der Versuchung der Macht zu widerstehen, wenn andere einen zu ihrem Erlöser machen wollen. Und es ist schwer, erwachsen zu werden, in dem Sinne, dass man tatsächlich tut, was man als richtig erkennt – auch wenn es dem, was man bisher gelernt hat, völlig zuwider läuft.

Marie's TV-Kritik

Pünktlich zum langen Pfingstwochenende kommt das schlechtere Wetter – was ich war nicht so schlimm finde, denn dann muss man nicht draußen in der Sonne sitzen, sondern kann drinnen in Ruhe fernsehen. Beispielsweise die neue Hulu-Serie The Path mit Aaron Paul, Hugh Dancy und Michelle Monaghan. Es geht um die Mitglieder einer Sekte, die wie die meisten Sekten von sich behauptet, eben keine Sekte, sondern eine Bewegung zu sein, eine Bewegung natürlich, die Menschen zu einem besseren Leben führen soll, einem Leben in Wahrheit und Licht, statt in Lüge und Finsternis.

Verwirklicht werden soll das meyeristische Konzept, das sich ein gewisser Steve Meyer ausgedacht hat, der nun irgendwo zurückgezogen in Peru lebt, in dem die Mitglieder die Erkenntnis-Stufen einer Art Bewusstseinsleiter emporklimmen – jede neue Stufe ist mit neuen Kompetenzen verbunden, die das jeweilige Mitglied der Bewegung hat. (Lustig ist natürlich auch dieses ganze „Steve hat gesagt…“, „Steve hätte gewollt…“…

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Brooklyn Nine-Nine: The Law. Without The Order.

Erfreut nahm ich zur Kenntnis, dass Netflix jetzt unter anderem auch die zweite Staffel von Brooklyn Nine-Nine im Programm hat. Das ist zwar keine Serie, von der ich behaupten würde, dass man sie unbedingt gesehen haben müsste, aber ich gestehe, dass ich – nach anfänglicher Fassungslosigkeit darüber, dass dermaßen alberne Cop-Serien überhaupt existieren – irgendwie dann doch hängengeblieben bin. Und nicht nur das: Ich habe mir die restlichen Folgen mit zunehmenden Vergnügen fast am Stück reingezogen. Der Humor in Brooklyn Nine Nine ist auf den zweiten Blick deutlich subtiler, als er auf den ersten Blick daher kommt. Das erklärt vermutlich auch die erstaunlich vielen Preise, mit denen Brooklyn Nine-Nine überschüttet wurde – darunter ein Golden Globe als beste Comedy-Serie.

Eigentlich hatte ich reingeschaut, weil ich neugierig war, was Stephanie Beatriz sonst noch so macht, die mir aus Short Time 12 in Erinnerung geblieben war. Was wiederum ist ein Film ist, den es sich unbedingt anzusehen lohnt. In Brooklyn 99 spielt sie Detective Rosa Diaz, eine sehr abweisende und furchteinflößende Polizistin, die sowohl Verbrecher, als auch ihre Kollegen auf Distanz hält und zu beeindruckenden Wutausbrüchen neigt (für diese Rolle bekam sie einen Imagen Award als beste Nebendarstellerin). Nur Idioten haben keine Angst vor ihr.

Etwa Detective Jake Peralta (Andy Samberg), die unglaublich erfolgreiche, aber auch hoffnungslos alberne Hauptfigur der Serie: Für ihn ist sein Job ein Kinderspiel – und das im eigentlich Sinne. Er nimmt dieses Spiel wahnsinnig ernst und will der Beste darin sein. Um dieses Ziel zu erreichen, findet er immer wieder unkonventionelle, aber effektive Wege, seine Fälle zu lösen. Er hat eine sensationelle Aufklärungsquote, treibt aber Kollegen und Vorgesetzte regelmäßig in den Wahnsinn, weil er eben ein Kindskopf ist und zwanghaft Blödsinn macht.

Was für eine Comedy ja auch okay ist,  obwohl das genau der Punkt ist, der mich an diesem Genre nervt: Ich hasse es, wenn Leute ständig so tun, als ob sie blöd sind. Denn die meisten sind das sowieso, ohne dass es auch nur einen Funken lustig ist. Warum müssen sich also die Intelligenteren ständig zum Affen machen? Gut, in dem Punkt bin ich vermutlich genau so eine Spaßbremse wie Captain Ray Holt – aber dazu kommen wir gleich.

Denn irgendwie funktioniert Brooklyn Nine-Nine für mich – Peraltas Kollegin Amy Santiago (Melissa Fumero) ist das komplette Gegenteil ihres albernen Konkurrenten: Santiago ist eine ehrgeizige Musterschülerin, die ständig allen beweisen muss, dass sie die Beste ist und sich immer exakt an die Regeln hält – auf ihre Art ist sie also auch total albern. Als einziges Mädchen, das sich zuhause gegen eine ganze Reihe Brüder durchsetzen musste, neigt sie dazu, sich ständig als die Superharte darstellen zu müssen – was wirklich lächerlich ist, denn das ist in dieser Truppe eindeutig Rosa. Aber Rosa macht einfach ihren Job, sie muss niemandem etwas beweisen.

BROOKLYN NINE-NINE: From Emmy Award-winning writer/producers of "Parks and Recreation" and starring Emmy Award winners Andy Samberg (third from L) and Andre Braugher (C), BROOKLYN NINE-NINE is a new single-camera workplace comedy about what happens when a hotshot detective (Samberg) gets a new Captain (Braugher) with a lot to prove. The new single-camera workplace comedy BROOKLYN NINE-NINE premieres this fall on FOX. Also pictured L-R: Melissa Fumero, Terry Crews, Stephanie Beatriz, Joe Lo Truglio and Chelsea Peretti. ©2013 Fox Broadcasting Co. Cr: Beth Dubber/FOX

BROOKLYN NINE-NINE: From Emmy Award-winning writer/producers of „Parks and Recreation“ and starring Emmy Award winners Andy Samberg (third from L) and Andre Braugher (C), BROOKLYN NINE-NINE is a new single-camera workplace comedy about what happens when a hotshot detective (Samberg) gets a new Captain (Braugher) with a lot to prove. The new single-camera workplace comedy BROOKLYN NINE-NINE premieres this fall on FOX. Also pictured L-R: Melissa Fumero, Terry Crews, Stephanie Beatriz, Joe Lo Truglio and Chelsea Peretti. ©2013 Fox Broadcasting Co. Cr: Beth Dubber/FOX

Santiago und Peralta jedoch stehen im ständigen Wettstreit, wer mehr Fälle lösen kann, was ein Running Gag der Serie ist. Peraltas bester Freund ist Detective Charles Boyle (Joe Lo Truglio), ein wirklich lieber und fleißiger Bulle, der aber leider ziemlich tollpatschig ist – immer wieder geschehen ihm peinliche Missgeschicke, was besonders ärgerlich ist, da er heimlich in Rosa verliebt ist und wahnsinnig gern mal mit ihr ausgehen würde – wenn er nur nicht so eine Angst vor ihr hätte.

Ihr gemeinsamer  Vorgesetzter ist Sergeant Terry Jeffords (Terry Crews), ein hünenhafter Mann, der vor einiger Zeit bei einem Einsatz überreagiert hat und sich seit dem fürchtet, eine Waffe zu benutzen. Deshalb muss er derzeit im Innendienst arbeiten – was ihm auch ganz gelegen kommt. Denn seit er eine kleine Tochter hat, findet er die Polizeiarbeit eigentlich zu gefährlich für einen verantwortungsvollen Vater.

Und dann hat die Abteilung mit Captain Ray Holt (Andre Braugher) gerade einen neuen Chef bekommen. Trotz seiner ausgezeichneten Arbeit hat er lange auf eine Beförderung warten müssen – ein schwuler schwarzer Bulle ist auch heutzutage in New York für viele noch gewöhnungsbedürftig. Aber als die Knallchargentruppe von Brooklyn Nine-Nine einen neuen Chef braucht, bekommt er endlich seine überfällige Chance. Captain Holt ist zu Peraltas Entsetzen und Santiagos Entzücken absolut humorlos und ein Freund der strikten Befolgung von Vorschriften. Aber er ist auch sehr kultiviert und fair: Wer gute Arbeit macht, wird belohnt, wer Unsinn macht, bestraft. Captain Holt ist einer, der immer sein Wort hält.

Und dann ist da noch die Sekretärin Gina Linetti, die zwar nicht mit überragenden Fähigkeiten, dafür aber mit einem robusten Selbstbewusstsein gesegnet ist. Sie ist eine, die sämtliche Fragen für das rosa Tortenstückchen bei Trivial Pursuit beantworten könnte und sie tanzt sehr gern. Sie ist so etwas wie die gute Seele des Reviers, allerdings eine, die gnadenlos auf ihren eigenen Vorteil optimiert. Aber ganz ehrlich: Wer tut das nicht? Gemeinsam löst die Crew von Brooklyn Nine-Nine nicht nur eine ganze Reihe kniffliger Fälle, sondern auch jede Menge anderer Probleme, mit denen sie zu kämpfen hat, teils durch idiotische Dienstvorschriften, teils durch idiotisches Verhalten bedingt. Und dann gibt es ja noch den öden Alltag, der irgendwie überlebt werden muss. Aber das wird mit dieser Serie bedeutend einfacher – ich freue mich auf die dritte Staffel. Und die vierte wird in den USA am 20. September starten.

eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: We can’t beat them

Die neue Folge eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx ist einerseits die Vorbereitung auf den großen Knall, der in den letzten beiden Folgen sicherlich noch kommen wird – andererseits hat mich allein der Auftakt schon wieder sehr begeistert: Der selbsterklärte Meister des Universums, Philip Price, unterhält sich in seinem Büro mit Terry Colby, der gerade ein Buch veröffentlicht hat – „Der letzte ehrliche Mann“. Das ist schon fast wieder zu viel der Ironie, aber davon gibt es in dieser Folge ohnehin eine ganze Menge, allein dass der Schwanzlutscher Donald Trump ernsthaft für die Präsidentschaftswahlen antritt, kann Terry kaum fassen.

Seinem alten Fellow Philip widmet er sein letztes Vorabexemplar – wie wir wissen, verdankt Terry dieses eigenartige Image der kurzzeitigen PR-Mangerin von E-Corp, Angela Moss, die, wie wir auch wissen, ihre durch Terry eingeleitete Blitz-Karriere bei E-Corp gerade gegen die zweifelhafte Ehre eingetauscht hat, eine Whistleblowerin zu sein: Denn Angela hat aus freien Stücken hochbrisante Unterlagen über das mächtigste Unternehmen der westlichen Welt gestohlen und geleakt. Allerdings nicht mit dem erhoffen Erfolg – wobei hier das letzten Wort vielleicht noch nicht gesprochen ist. Und überhaupt – hatte Terry Colby am Ende noch einen eigenen Plan, als er Angela bei E-Corp eingeschleust hat?

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Philip Price (Michael Cristofer)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Philip Price (Michael Cristofer)

Jetzt muss Angela jedenfalls erst einmal erfahren, was es heißt, eine Whistleblowerin zu sein – dieses Leben im Klandestinen halten die meisten nicht aus. Aber ich greife vor: Noch sitzen Philip und Terry in jenem Büro mit der humoristischen Weltkarte Europas 1914 – allein das ist ein Witz, der so gut ist, dass ich mich frage, was eigentlich ein Sam Esmail damit verbindet – ist es die europäische Kleinstaaterei, die ignorante Konkurrenz unter den alten, selbstgefälligen Kolonialmächten, die meinten, die ganze Welt unter sich aufteilen zu können?

Obwohl, Philip sagt es ja selbst, als Terry ihn fragt, warum ausgerechnet Kongo, warum überhaupt dieses Zocken mit ganzen Ländern, die Philip so ausspiele, wie andere ihre Karten. Und Philip: Ist das nicht, worum es in der Geschichte immer und überhaupt geht – imaginäre Linien in der Landschaft, die immer wieder neu gezogen würden? Es gibt dann eine noch interessante Aussage von Philip, die ich jetzt aber mal nicht spoilern will – vor allem fand ich die Musik in dieser Szene einmal mehr großartig: Im Hintergrund hört man die Gnossienes von Erik Satie. Das verrate ich gern, denn ich liebe die Musik von Satie – und vermutlich haben viele diese Musik schon gehört, ohne zu wissen, von wem sie ist – von Satie gibt es sehr viele repetitive, auf den ersten Eindruck hin sehr einfache und langsame Klavierstücke, die als Vorbild und Grundlage für die spätere Minimal Music gelten.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Buchcover "The Last Honest Man"

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Buchcover „The Last Honest Man“

Zurück zu Mr. Robot: Es geht weiter mit Japan-Punk oder wie immer man das nennt, The Head That Controls Both Right and Left Sides Eats Meats and Slobbers Even Today von Bleach und Joanna Wellick, die sich schick macht, um Elliot zu treffen: Sie will ihn dazu bringen, das Smartphone zu hacken, von dem sie glaubt, dass Tyrell mit ihr darüber Kontakt hält. Was Elliot reichlich absurd findet, denn er weiß ja, was mit Tyrell passiert ist. Oder hat Mr. Robot vielleicht doch gelogen?

Elliot weiß aber auch, dass er ein toter Mann ist, wenn er Joanna einfach sagt, dass er Tyrell erschossen hat. Also lässt Elliot sich schließlich doch darauf ein – vermutlich ist er selbst neugierig, was hinter diesem Smartphone steckt. Und Joanna ist mehr als überzeugend – sie ist wirklich verstörend mit dieser Kombination aus Betörung und Bedrohung. Mir fällt gerade auf, dass eigentlich sie das weibliche Gegenstück zu Elliot ist – auf den ersten Blick harmlos, irgendwie sympathisch, gleichzeitig aber etwas eigenartig – und am Ende immer diejenige, die die Kontrolle hat und die anderen nach ihrer Pfeife tanzen lassen kann. Joanna hofft, über den Aufenthaltsort des mysteriösen Anrufers ihren verschwundenen Ehemann aufzuspüren.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Elliot und Mr. Sutherland

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Elliot und Mr. Sutherland

Aber Elliots komplette Hardware wurde beschlagnahmt, als er vom FBI hochgenommen wurde, also muss er erstmal einkaufen gehen, er kann ja nicht mit bloßen Händen ein Polizeirevier und darüber den Anbieter der SIM-Karte in jenem Smartphone hacken. Unterwegs denkt Elliot darüber nach, wie schief alles bisher gelaufen ist – die häßliche, schmutzige Welt da draußen ist jedenfalls nicht die, für die er gekämpft hat. Schlimmer noch: Im Elektronik-Markt realisiert er, dass E-Corp durch dem Five-Nine-Hack mit der Einführung einer eigenen Cryptowährung noch mächtiger geworden ist  – und er jetzt von Rabatten profitieren kann, wenn er mit E-Coin zahlt.

Anschließend lernen wir, wie man mit aus einer leeren Pringle-Dose und etwas Zubehör eine WLAN-Antenne baut – natürlich nutzt man ein etwas weiter entferntes WLAN, wenn man etwas Illegales tun will, und dann gibt es einen schicken Retro-Hack mit Faxen für das Polizeirevier, das dann für die Datenauskunft beim Mobilfunkprovider herhalten muss. Elliot ist, wie immer in aussichtslosen Situationen, extrem cool und genial – aber Mr. Sutherland ist mit dem von Elliot gelieferten Ergebnis nicht so richtig zufrieden – von der Adresse, die Elliot ermittelt hat, würde Tyrell Wellick niemals telefonieren. Keine Ahnung, was das für eine Adresse ist, aber die Lage am Central Park lässt darauf schließen, dass es eine extrem teure Gegend ist. Wohnt dort einer von den E-Corp-Chefs?

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Darlene (Carly Chaikin)

Derweil hat Darlene mit der unwillkommenen Entdeckung von Cisco zu kämpfen, die er in Susan Jacobs Haus gemacht hat. Das war, wie sich nun herausstellt, eben jener society-Funktionär, der die Leitung der Operation in Washington hatte, bei der die abgesägten Eier des Bullen von der Wall Street durch das Oberlicht im Kongress – oder wars das Repräsentantenhaus? – gekracht sind. Auf jeden Fall wars ziemlich krass und öffentlichkeitswirksam. Ihr Kamerad wurde, von wem auch immer, schwer verletzt und Cisco hat ihn mit nach Hause genommen – aber es geht ihm so schlecht, dass er sterben wird, wenn er nicht sehr bald ins Krankenhaus gebracht wird.

Rational ist Darlene dagegen – sie weiß genau, dass man ihnen dadurch auf die Schliche kommen wird. Aber letztlich lässt sie sich von Cisco überzeugen – also bringen sie den armen Kerl in die Notaufnahme. Darlene mag eine Mörderin sein – aber sie lässt ihre Leute nicht im Stich. Irgendwie ist ein Thema dieser Folge, dass alle langsam realisieren, dass sie sich in einer ausweglosen Lage befinden, und sich besser mit dem Gedanken anfreunden, dass sie mit dem, was sie getan haben, nicht einfach so davon kommen werden.

Also sie bleiben in der Nähe des Krankenhauses, um zu erfahren, wie es um ihren Kumpel steht – was das FBI tatsächlich auf ihre Spur bringt, denn inzwischen wurde ein Phantom-Bild von Cisco veröffentlicht, von dem das FBI weiß, dass er irgendwas mit dem Five-Nine-Hack zu tun haben muss. Agent DiPierro ist dagegen, dass das Bild veröffentlicht wird – sie geht völlig zu recht von aus, dass die Dark Army Cisco jetzt schnellstmöglich killt, weil er ohnehin verbrannt ist, und sie damit einen der wenigen Zeugen verliert, der ihr bei der Aufklärung des Five-Nine-Hacks helfen könnte. Aber sie kann sich nicht durchsetzen.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx:  Angla (Portia Doubleday)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Angla (Portia Doubleday)

Was ich auch wahnsinnig gut fand, war die Geschichte, die Darlene Cisco erzählt, während sie im Krankenhaus warten: Darlene erklärt Cisco, dass er recht hatte, und sie eben nicht so speziell wäre – das sei immer nur Elliot. Und dazwischengeschnitten sind immer Szenen, wie Elliot von seiner alten Wohnung aus den Hack für Joanna ausführt, während Darlene von den Cops erzählt, die sie bei jener alten Frau aufgespürt haben, die Darlene mitgenommen hat, als sie mit fünf Jahren bei einem Familienausflug nach Coney Island verloren ging: Sie hatte überhaupt keine Angst und die freundliche Frau hätte sie wie eine Prinzessin behandelt – da hätte sie kurzzeitig geglaubt, dass sie jemand besonderes wäre. Bis die Polizei  sie aufgespürt und wieder nach Hause gebracht hätte. Sie würde sich immer wieder fragen, wie ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn sie bei dieser Frau geblieben wäre. Aber wenn sie dort geblieben wäre, hätte sie Elliot nicht.

Der sehr spezielle Elliot hingegen kann sich nach dem erledigten Job endlich um den Notruf kümmern, den er von Angela erhalten hat – sie treffen sich in einem menschenleeren U-Bahn-Waggon und Angela erklärt Elliot, dass sie dem FBI gestehen werde, dass sie die Femtozelle für den FBI-Hack platziert habe – was Agent DiPierro ja ohnehin bereits weiß. „Wir werden niemals gegen sie gewinnen – glaub mir, ich habs wirklich versucht!“ Sie verspricht Elliot, dass sie nichts sagen werde, was ihn belastet, aber es läge natürlich auf der Hand, dass man früher oder später eine Spur zum ihm und fsociety finden werde.

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx:  Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Elliot (Rami Malek)

Elliot versucht nicht, sie davon abzubringen, er gesteht sich selbst ein, dass er alle, die er beschützen wollte, in Gefahr gebracht hat. Und er stellt fest, dass er eigentlich bei Angela bleiben will. Trotzdem steht er auf, als Angela meint, dass er nun besser aussteigen solle – aber wie bereits in der allerersten Folge umarmt er seine Freundin, dieses Mal küsst er sie sogar – tut er dass, weil er ahnt, dass es ein Abschied für immer sein könnte? Nachdem er ausgestiegen ist, stehen jedenfalls zwei Unbekannte hinter ihr – und es ist sicher, dass das keine Freunde sind, Agent DiPierro hatte genau das ja schon angedroht: Beim nächsten Mal würde man ihr keinen freundlichen Deal und nichts zu essen anbieten, damit sie redet, sondern sie in eine dunkle Zelle werfen.

Der schrecklichere Cliffhanger ist aber, was bei dem Imbiss vor sich geht, in dem Darlene und Cisco sich endlich einmal aussprechen – manchmal sei es besser, einfach nichts zu tun, findet Cisco. Doch dafür ist es zu spät, denn Dom DiPierro hat die beiden endlich gefunden und fordert per Handy Unterstützung an. Doch bevor die Bullen da sind, kommt die Dark Army – auch wieder eine unglaublich gute Szene, aus der Distanz ist zu sehen, dass Dom Darlene und Cisco anspricht, sich dann aber duckt, weil sie den Angreifer mit dem Maschinengewehr kommen sieht. Ob jemand getroffen wird, ist nicht zu erkennen, es gibt reichlich Sachschaden, auf jeden Fall aber steht Dom wieder auf und schießt den Mann nieder, der zwar noch versucht, sich zum Motorrad zu schleppen, mit dem der Fahrer auf ihn wartet, sich dann aber nach Dark-Army-Manier in den Kopf schießt, weil jetzt endlich die Polizei eintrifft. Ich vermute, dass Cisco tot ist, weil er das Ziel der Attacke war – aber was ist mit Darlene…?

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Ein Abschiedskuss

Screenshot Mr Robot eps_2.8 h1dden-pr0cess.axx: Ein Abschiedskuss

Einerseits bin ich inzwischen fast froh, dass es jetzt die letzte Woche sehnsüchtigen Wartens ist – andererseits ist es mit der kommenden Doppelfolge dann erstmal wieder für ein Jahr vorbei. Aber die Drittel Staffel kommt, dass ist schon einmal eine gute Nachricht.