Breaking Bad: Gut, dass alles immer noch schlimmer werden kann

Die beste Serie derzeit ist selbstverständlich Breaking Bad von Vince Gilligan. Sie handelt von der Verwandlung eines besorgten Familienvaters, der sich bislang als unterbezahlter Chemielehrer durchgeschlagen hat, in einen knallharten und skrupellosen Drogenboss.

Walter White (genial verkörpert von Bryan Cranston) wird 50 und leidet daran, dass er eine fatale Fehlentscheidung getroffen hat: Er hat  vor vielen Jahren für ein paar Tausend Dollar seine Anteile an einem gemeinsam mit zwei Studienfreunden gegründeten Unternehmen verkauft. Er brauchte das Geld, weil er eine Familie gründen wollte. Später waren seine Freunde mit der Firma sehr erfolgreich und scheffelten Millionen, während Walter nach seinem Lehrerjob noch Autos waschen muss, um seine Familie durchzubringen. Doch weil es ja immer noch schlimmer kommen kann, wird seine Frau Skyler (Anna Gunn) noch einmal schwanger. Kurz danach fällt Walt bei der Arbeit um: Lungenkrebs. Als nicht gerade Gutverdiener ist Walter wie viele US-Bürger schlecht versichert – er wird sich die Behandlung nicht leisten können.

Ausgerechnet sein Schwager Hank (Dean Norris), der für die Anti-Drogenbehörde DEA arbeitet, bringt ihn auf die Idee, dass sich mit Crystal Meth ein Haufen Geld verdienen lässt. Als Walter dann auch noch ein ehemaliger, eigentlich mäßig begabter Schüler über den Weg läuft, der sich seinen Drogenkonsum mit dem Verticken von selbstgekochten Stoff verdient, kommt es, wie es kommen muss: Walter sorgt dafür, dass die Szene einen Stoff in nie gekannter Qualität bekommt, Jesse (Aaron Paul) soll den Vertrieb regeln. Natürlich kann das nicht gut gehen, weil sowohl die lokalen Dealer als auch das mexikanische Drogenkartell die neue Konkurrenz keineswegs willkommen heißen, sondern mit aller Gewalt bekämpfen.

Walt begreift, dass er größer denken muss und baut sich selbst zur einer mythischen Überfigur auf: Als Heisenberg mit schwarzem Hut und Sonnenbrille erledigt er selbst die brutalsten mexikanischen Lokalmatadore in seinem Revier. Nicht nur das Kartell, auch die DEA wird aufmerksam: Wer ist dieser Heisenberg, der die Szene mit dem geilstem blauen Zeug aller Zeiten in Aufruhr versetzt?!

Natürlich sorgt Walters Doppelleben für allerlei Komplikationen im Familienalltag. Nicht nur, dass er sich ständig neue Ausreden für seine Abwesenheiten ausdenken muss, wenn er mit Jesse tagelang in der Wüste Meth kocht. Wie soll er seiner Frau erzählen, woher plötzlich das ganze Geld kommt? Walt verstrickt sich immer tiefer in sein selbstgeschaffenes Lügengespinst und weil Skyler White ja nicht blöd ist, kriegt sie die schreckliche Wahrheit schließlich heraus. Und so wird alles schlimmer und schlimmer, weil jede Lösung eines Problems immer noch viel größere Probleme nach sich zieht. Wunderbar durchexerziert mit immer neuen bitteren Höhepunkten notwendiger, aber absehbar fataler Entscheidungen.

Alles in allem nicht nur mutiges, großartiges Fernsehen, sondern ganz großes Kino: Aus Budgetgründen spielt Breaking Bad nicht im teuren Kalifornien, sondern im sehr viel günstigeren New Mexico, wo es eigentlich nichts außer einer grandiosen Wüstenlandschaft gibt. Auf diese Weise wird aus der ohnehin sehr vielschichtigen Serie – einerseits ein beklemmendes bürgerliches Beziehungsdrama, in dem die jeweiligen Hauptfiguren über verschiedenste Abhängigkeiten mit einander verstrickt sind, changiert die Handlung andererseits zwischen Thriller, Gangsterepos und rabenschwarzer Drogenfilmsatire – auch noch ein klassischer Western. Allein wie Licht und Schatten wechseln, wenn sich die Protagonisten in der Wüste neuen Herausforderungen stellen müssen, rechtfertigt, sich diese Szenen mehr als einmal anzusehen.

Ich bin unglaublich gespannt auf die sechste und leider letzte Staffel. Okay Klugscheißer werden jetzt mokieren, dass es sich um die zweite Hälfte der fünften Staffel handelt: Meinetwegen auch das. Schlimm ist so oder so, dass das Ende nah ist.

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2 Gedanken zu „Breaking Bad: Gut, dass alles immer noch schlimmer werden kann

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  2. Pingback: Breaking Bad – ein würdiges Finale für Walter White | mariestvkritik

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