Inside the NSA

Die US-Spitzelbehörde NSA fristete bisher ein Dasein im Schatten der Überwachungsgiganten CIA, FBI oder der nach 9/11 geschaffenen DHS. Bekannt geworden ist die NSA jetzt vor allem, weil ein 29jähriger Techniker, der als Computerfuzzi für einen Dienstleister der NSA arbeitete, seinen Job nicht mehr ausgehalten hat. Nun kann man sich natürlich fragen, warum einer seinen gut bezahlten Job und das damit verbundene angenehme Leben aufgibt, um den Rest seiner Tage als Staatsfeind von den US-Behörden gejagt zu werden. Julian Assange oder Bradley Mannings sind traurige Beispiele für das, was mit Menschen passiert, die der US-Regierung an Bein pinkeln, in dem sie veröffentlichen, was diese Regierung tut. Es ist ja nicht so, dass diese Leute sich böse Lügengeschichten ausgedacht hätten – das ist überhaupt nicht nötig, denn die Realität ist schlimm genug, wenn nicht schlimmer.

Deshalb hat mich die Dokumentation Inside the NSA so enttäuscht. Zuvor hatte ich The Gatekeepers gesehen – eine Doku, in der ehemalige Chefs des israelischen Geheimdienstes Shin Bet (das ist der für die innere Sicherheit in Israel zuständige Geheimdienst, während der Mossad im Ausland tätig ist) auspacken und erstaunlich offen über das reden, was sie in ihrer Geheimdienstzeit getan und gedacht haben. Ich war total von den Socken, was die israelischen Geheimdienstler vor laufender Kamera so alles erzählen. Insofern hatte ich hohe Erwartungen, was die NSA-Sendung betraf.

Die wurden aber auf ganzer Linie enttäuscht – Inside the NSA ist ein 45minütiger Werbefilm für eben diese Behörde, in dem die Macher immer wieder darauf hinweisen, dass sie jetzt erstmalig noch nie gezeigte Bilder zeigen, die einem dann erstaunlicherweise kein bisschen neu vor kommen, denn irgendwie kennt man sämtliche gezeigten Ereignisse schon aus den Nachrichten der vergangenen Jahre bis zum Erbrechen.

Vielleicht habe ich aber einfach nur zu viele Spionagethriller gesehen – die Bilder von Einsatzzentralen mit allerlei raffinierter Technik und vielen großen Bildschirmen kennt man ja aus zahlreichen Filmen und Fernsehserien. Natürlich kann man schon einige interessante Details erfahren, etwa, dass die Aufklärung über Bedrohungen durch Terroristen von 9/11 kaum eine Rolle gespielt hat, während der Terror jetzt als Bedrohung Nr. 1 gesehen wird.

Seit 2001 wurde die NSA massiv aufgerüstet, sowohl was das Budget, als auch was neue Technik und Personal angeht. Nebenbei wird dafür geworben, was man als mathematisch oder sonstwie begabter junger Mensch doch für tolle Karrierechancen bei der NSA hat. Es werden jede Menge Spezialisten gebraucht, Kryptologen, Analytiker, Computer- und Technik-Experten aller Art aber auch Fremdsprachenspezialisten und Kulturwissenschaftler sind gefragt. Denn letztlich nützt die modernste Technik nichts, wenn man nicht auch die schlausten Köpfe hat, die den ganzen Kram auswerten. Aber das hätte man auch ohne diese Doku gewusst.

Sehr viel mehr über die herrschenden Zustände in den USA erfährt man aus dem dokumentarischen Film Kapitalismus eine Liebesgeschichte von Michael Moore. Es ist kein kapitalismuskritischer Film im eigentlichen Sinne. Moore dokumentiert lediglich die Auswirkungen des Kapitalismus auf das Leben der Menschen, insbesondere, wenn die Krise kommt. Da gibt es beklemmende, haarsträubende, empörende Fakten ohne Ende – Michael Moore IST ein Empörter, der die Auswüchse des Systems anprangert, ohne Werbung für eventuelle Alternativen zu machen. Vermutlich, weil er nicht daran zu glauben wagt, dass es eine Alternative geben könnte. Aber das ist eine andere Frage, die ein anderes Mal diskutiert werden soll.

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