Breaking Bad – ein würdiges Finale für Walter White

Die beste Serie der Welt ist leider nun Geschichte – aber was für eine! Was für ein Finale! Natürlich war klar, dass diese Geschichte einer Hybris nicht gut enden konnte. Walter White, der bis fast zum Schluss an seiner Ausrede festgehalten hatte, alles – die ganzen Verbrechen, die seinen Weg zum abgefeimtesten Drogenboss in ganz Südwest (USA versteht sich) begleitet haben, inklusive – nur für seine Familie getan zu haben, gibt endlich zu, dass er es für sich getan hat. Weil er es konnte. Weil er gut darin war. Weil es ihm Spaß gemacht hat. Und weil er sich dadurch noch mal so richtig lebendig gefühlt hat.

Und weil er intelligent und realistisch ist, weiß er, dass nun wirklich alles zuende geht. Am Anfang der letzten Staffel gab es noch kurz den Anschein, dass die Whites mit ihrer Lebenslüge durchkommen könnten: Gemeinsam hatten Skyler und Walt eine Story über Walts angebliche Spielsucht ersonnen und damit erklärt, woher plötzlich das viele Geld kam. Ehefrau Skyler war zwar keineswegs glücklich über die kriminellen Aktivitäten ihres Partners, stellte sich dann aber als sehr kreativ und handfest im Erschaffen einer bürgerlichen Tarnung heraus, in dem sie den ehemaligen Arbeitgeber ihres Mannes mit erheblicher krimineller Energie zum Verkauf seiner Auto-Waschanlage brachte, die nun auch als Geld-Waschanlage fungieren sollte.

Überhaupt hatte sich Skyler nach langen Kämpfen wieder auf Walt eingelassen, nachdem Walt seinen mächtigen Gegenspieler, den Drogen-Oberboss Gus Frings aus dem Weg räumen konnte und somit davon ausgegangen war, dass er nun einfach aussteigen könne. Aber das mit dem Aussteigen ist nicht so einfach, wenn man bis über beide Ohren in einem Sumpf von Verbrechen steckt und dann auch noch aus Eitelkeit Fehler macht, die aufmerksame Ermittler aus dem Familienkreis nicht ignorieren können. Die Whites hatten gerade damit angefangen, ihr neues Leben als Betreiber einer gut gehenden Waschstraße zu genießen, als Schwager Hank einen entscheidenden Hinweis entdeckt, dass Walt der legendäre Heisenberg ist, den die DEA schon so lange vergeblich sucht.

Jetzt beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hank und Walt, die jeweils aus Rücksicht auf die Familie, zu der sie beide nun einmal gehören, nicht mit der Härte durchgreifen können oder wollen, die sie in ihren jeweiligen Jobs sonst an den Tag legen. Die grausame Pointe in diesem Duell ist, dass ausgerechnet die Nazi-Bande, mit der Walt eigentlich nichts zu tun haben will, deren einschlägige Dienste als professionelle Killer er aber immer wieder in Anspruch nimmt, den Kampf schließlich zu Walts Gunsten entscheidet, indem sie Hank und seinen Vertrauten Steve Gomez erschießen. Der Preis dafür ist allerdings hoch: Walt muss ihnen fast sein komplettes Drogenvermögen überlassen, um das eigene Leben zu retten.

Mit Hanks Tod haben aber auch die ganzen Familien-Sentimentalitäten ein Ende: Sohn Walter jun. realisiert, dass sein Vater der Mörder seines Onkels Hank sein muss (auch wenn das technisch nicht der Fall ist, wie Walter sen. vergeblich zu erklären versucht) und wendet sich angewidert von seinem Vater ab. Skyler ist nun endgültig mit ihrem Mann fertig. In einer Kurzschlussreaktion entführt Walt seine kleine Tochter Holly, weil ihm sonst niemand mehr geblieben ist, kommt aber relativ schnell wieder zur Vernunft – was soll ein todgeweihter Mann wie er mit einem kleinen Kind, das nach seiner Mama weint?

Er lässt Holly, versehen mit ihrem Namen und der Adresse ihrer Mutter, an einer Feuerwache zurück und verschwindet nach New Hampshire, wo er, mit einer neuen Identität versehen, nach Wegen sucht, seiner Familie den Rest seines Vermögens zukommen zu lassen, der ihm noch geblieben ist. Wenn ihm das nicht gelingt, wäre alles vergeblich gewesen – aber sein Sohn macht ihm noch einmal klar, dass seine Familie sein schmutziges Drogengeld nicht haben will. Auch wenn Skyler das gemeinsame Haus verliert und sich und die Kinder mehr schlecht als recht von einem Teilzeitjob in einer Taxizentrale durchbringen muss.

Schließlich bricht Walt zu einem letzten Feldzug auf. Er hat Skyler bereits mit einem Telefonanruf, in dem er indirekt die Verantwortung für sämtliche kriminellen Aktivitäten übernommen hat, entlastet. Jetzt spannt er seine ehemaligen Geschäftspartner Gretchen und Elliot Shwartz ein, um seiner Familie doch noch eine erhebliche Summe zukommen zu lassen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die beiden erfolgreichen Geschäftsleute und Wohltäter den Rest ihres Lebens in ständiger Angst verbringen werden. Dann räumt er mit der Nazibande auf und verwendet sein einst für Gus Frings vorgesehenes Rizin, um mit Lydia Rodarte-Quayle eine einflussreiche Mitwisserin aus dem Weg zu räumen. Seinen ehemaligen Partner Jesse Pinkman lässt er davon kommen, auch wenn der sich weigert, Walt die ersehnte finale Kugel zu verpassen. Der durch einen Querschläger verwundete Walt verblutet schließlich im Methlabor der Arischen Bruderschaft – ein vorhersehbarer Tod, der am Ende noch besser ist, als das allmähliche Krepieren an Krebs, das Walter andernfalls bevorgestanden hätte.

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