Politik aus Dänemark: Gefährliche Seilschaften

Es geht wieder los! Am Donnerstag liefen auf arte die ersten beiden Folgen der dritten Staffel von Borgen – einer dänischen Polit-Serie der in Deutschland den dämlich-reißerischen Titel Gefährliche Seilschaften verpasst wurde.  Das Faszinierende an dieser Serie ist, dass es keineswegs um radikale politische Umwälzungen oder irgendwelche außergewöhnlichen Bedrohungen geht, mit denen Politfilme sonst gespickt werden, damit sie irgendwie spannend sind, sondern es geht einfach nur um das politische Tagesgeschäft von etablierten Parteien in einer modernen Demokratie und natürlich um Macht. Das an sich ist spannend genug, wenn es gut entsprechend erzählt wird – und das ist in diesem skandinavischen Serien-Leckerbissen absolut der Fall.

Die Serie dreht sich um die engagierte und anfangs noch sehr idealistische Politikerin Birgitte Nyborg, die, nachdem der Premierminister von der konkurrierenden Partei über den Vorwurf gestolpert ist, Luxus-Einkäufe seiner Frau aus der Staatskasse bezahlt zu haben, trotz eines nicht überragenden Wahlergebnisses für ihre Partei die Moderaten zur Premierministerin aufsteigt.

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Natürlich bleiben ihre politische Ideale auf dem Weg an die Spitze bald auf der Strecke, genau wie das Privatleben. Aber sie begreift natürlich, was für eine einmalige Chance sich ihr bietet und ergreift alle notwendigen Mittel, um die entscheidende Schlüsselposition zu erlangen. Selbst wenn alte Weggefährten abserviert und schwierige Kompromisse mit den politischen Gegnern erreicht werden müssen.

Birgitte lernt schnell und wird bald zur abgebrühten und gerissenen Verhandlungspartnerin, was auch ihr Mann, der Wirtschaftsprofessor ist, zu spüren bekommt. Dabei hat er ihr anfangs noch erklärt, warum Frauen nicht pokern könnten – weil sie einfach nicht dem Mumm hätten, zu bluffen. In Verhandlungen würden sich Frauen immer schlechter machen, als sie sind, Männer dagegen stellten sich immer besser dar. Birgitte setzt diese Lektion in ihren Verhandlungen geschickt um, nicht nur in der Politik, sondern auch zu Hause und verlangt, dass ihr Mann nun zurücksteckt und sich um die Kinder kümmert, damit sie Karriere machen kann.

Man kann sich denken, wie das endet. Ein ausgewachsenes Männer-Ego passt halt nicht zu dem Profil einer treu sorgenden Hausfrau, selbst wenn der Mann eigentlich einsieht, dass das einfach mal angesagt wäre. Nur noch zuhause sitzen und vergeblich auf seine Frau zu warten, die selbst im Bett noch wichtigere Dinge zu tun hat, als sich im ihm zu beschäftigen – da sucht man sich doch lieber etwas anderes. Und so ein smarter Typ wie Philipp bleibt nicht lang allein.

Natürlich ist das nicht die einzigen schwierige Beziehung dieser Serie – auch andere Menschen wie die ehrgeizige Journalistin Katrine Fønsmark oder der Spin-Doctor Kaspar Juul haben Probleme, Karriere und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Wenn der Job eine Lebensaufgabe ist, die buchstäblich die Aufgabe des eigenen Privatlebens erfordert,  um immer die maximale Performance bringen zu können, ist eigentlich klar, dass am Ende nur noch beziehungsunfähige Zombies unterwegs sind, die sich selbst und den anderen so etwas wie ein Privatleben vorspielen. Die einen berauschen sich dabei am Adrenalin, die anderen ertränken ihren Kummer in Alkohol, aber alle sind irgendwie kaputt.

Und geht es auch um die häufig ziemlich schlüpfrige Beziehung zwischen Politik und Medien – die öffentliche Meinung wird nun einmal auch über die Präsentation von Politik und der medialen Darstellung Politikerinnen und Politikern hergestellt. Zwar ist es nicht so, wie hierzulande ja im Zuge der Bundestagswahlen auch wieder herausgestellt hat, dass eine angeblich rotgrün dominierte Presse eine satte Mehrheit für die CDU einfach wegschreiben oder versenden könnte – aber um zu verhindern, dass eine überholte Klientel-Partei wie die FDP noch einmal an die Regierung kommt, reicht es vielleicht doch. Aber letztlich stolpern Politiker aber immer über ihre eigenen Fehler – die Medien greifen sie nur mehr oder weniger ungnädig auf.

Alles in allem geht es also um Beziehungen in  der modernen Arbeitswelt, um  die Arbeitsweise einer parlamentarischen Demokratie und um menschliche Schwächen. Im Grunde also gar nichts besonderes – vielleicht ist das aber die Erklärung dafür, dass die pragmatischen Dänen immer wieder fantastische Serien produzieren, während das deutsche Fernsehen mit einem vielfachen an Zuschauern und Mitteln nicht in der Lage ist, etwas ähnliches auf die Beine zu stellen. Borgen ist mit seinem realistischen Blick auf die menschenlichen Verhältnisse spannend und so gut gemacht wie Kommissarin Lund, nur eben ohne Kommissarin Lund, dafür aber mit Birgitte Nyborg. Und die will es in der dritten Staffel noch einmal wissen und gründet dafür eine neue Partei. Man kann nur hoffen, dass das nicht gut geht.

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