Retro-Kritik: Robocop – die Zukunft der Verbrechens-Bekämpfung

Was ist eigentlich aus der guten, alten Zukunft geworden? Es ist immer wieder komisch bis erschütternd, die Zukunftsvisionen aus anderen Zeiten anzusehen – angefangen bei Klassikern wie die Frau im Mond oder Metropolis über Raumschiff Enterprise, 2001 Odyssee im Weltraum, Dark Star und so weiter bis zu aktuellen Sci-Fi-Schinken wie Avatar. Interessant ist, dass keiner davon handelt, dass das Leben auf der Erde in der Zukunft irgendwie schöner ist. Im Gegenteil, die meisten Science-Fiction-Filme handeln entweder in einer Zeit, in der die Erde völlig abgewirtschaftet ist und die Menschen deshalb nichts anderes übrig bleibt, als in den Weltraum fliehen (die Firefly-Serie, Wall-E, Elysium…) oder sie handeln von einer Bedrohung, der die Erde ausgesetzt ist und die abgewendet werden muss (Independence Day, Armageddon, Mars Attacks…). Oder die Menschen müssen sich irgendwie damit arrangieren, dass die Erde zugrunde gerichtet ist und sie den technologischen Fortschritt nicht so richtig in den Griff kriegen (Blade Runner, Brasil, Matrix, Defiance, …). Ein besseres oder schöneres Leben auf der Erde gibt es jedenfalls nie – insofern handelt es sich um ein ziemlich pessimistisches Genre, was vermutlich das ist, was mir daran gefällt.

Auf einer Liste der besten Science-Fiction-Filme – wobei man sich sicherlich darüber streiten kann und muss, was denn nun die besten sind, entdeckte ich neben lauter alten Bekannten wie den oben bereits erwähnten und natürlich dem ganzen Alien- und Star-Wars und Terminator-Zeug auch Robocop von 1987, den ich gar nicht kannte, weshalb ich mir den aus wissenschaftlichem Interesse gleich einmal angesehen habe.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Überwachungsskandale, Cyberwar-Szenarien und der Kampfdrohnen-Debatte ist es echt gruselig, sich diesen Film anzusehen – und zwar nicht unbedingt deshalb, weil Paul Verhoeven seinem Hang zu ausufernden Gewaltdarstellungen freien Lauf gelassen hat, was gewiss nicht jedermanns Sache ist. Gewalt ist da, wo sie nötig ist, schon in Ordung, etwa bei der verhängnisvollen Fehlfunktion des Polizeiroboters ED-209 bei der Präsentation der Neuentwicklung. Das macht tatsächlich schon wieder Spaß: Die ganzen wichtigen Entscheider sitzen in ihren schicken Anzügen im Konferenzraum und das blöde Ding schießt halt stumpfsinnig vor sich hin, egal, wen es dabei trifft. Damals war es ja noch durchaus üblich, dass Computersysteme regelmäßig abstürzten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie verzweifelt man war, wenn man gerade ein wichtiges Kapitel seiner Hausarbeit geschafft hatte, und dann der Computer abstürzte, bevor man daran gedacht hatte, regelmäßig alles auf Diskette zu speichern.

Wenig überraschend erhält der Entwickler dieser Maschine den Zuschlag nicht. Dafür kommt der Konkurrent zum Zug, der einen Roboter mit menschlichen Komponenten bauen will, den Robocop eben, der sich zwar nicht an seine Vergangenheit als Mensch erinnern kann, aber irgendwie sympathischer wirkt als die andere Kampfmaschine.

Themen wie Privatisierung, Automation, Korruption und Konkurrenzkämpfe zwischen ehrgeizigen Managern, die innerhalb von Rüstungskonzernen um Macht und Einfluss kämpfen und darauf aus sind, dass ihr jeweiliges Lieblings-Projekt den Zuschlag erhält, sind ja nach wie vor aktuell. Die Idee, das mühsame und gefährliche Geschäft der Verbrechensbekämpfung künftig Maschinen zu überlassen, die nicht müde werden und immer im Einsatz sein können, die präziser schießen als die Bösewichte, selbst aber nahezu unverwundbar sind und so programmiert werden, dass sie quasi unbestechlich das Gesetz befolgen und vollstrecken, ist heute nicht weniger naheliegend und absurd zugleich wie vor gut 25 Jahren. Inzwischen werden bewaffnete Kampfdrohnen im Dreischicht-Betrieb um die Welt geflogen und können nahezu jedes beliebige Ziel treffen und vernichten – während die Besatzungen irgendwo sicher im Bunker oder im Büro sitzen. Noch drücken Menschen auf den Auslöser – und treffen dabei auch immer wieder mal den Falschen. Der Robocop dagegen trifft niemals die Falschen, er ist so programmiert, dass er nur die Verbrecher erschießt. Und die Direktive 4 verhindert, dass Robocop Angehörige des Konzern OCP (Omni Consumer Products) erledigt – was sich noch als verhängnisvoll erweist, kungelt doch einer der Vorstandsmitglieder mit der brutalsten Verbrecherbande in Delta-City.

Überhaupt geht in dem Film mit der tollen neuen Technik immer wieder etwas schief, so werden etwa bei einer bedauerlichen Fehlfunktion des in den 80er Jahren heiß diskutieren Raketen-Abwehr-Projekts SDI, das aus Laser-Kanonen im All bestehen sollte, unter anderem mehrere Alt-Präsidenten der Vereinigten Staaten getötet, weil versehentlich ein Wohngebiet in Santa Barbara beschossen wird und in Flammen aufgeht. Und dann dieses ganze Retro-Feeling – diese Computerschränke! Diese altmodischen Röhrenbildschirme! Diese 80er-Jahre Klamotten und Frisuren!

The Future of Law Enforcement ist keine schöne Sache. Noch immer nicht.

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