Tatort: Der Eskimo. Nicht nur der Titel war schlecht.

Och nö, echt jetzt? Da hab ich mich überwunden, doch mal wieder einen Tatort zu kucken, aber der hat mich einmal mehr davon überzeugt, dass es sich einfach nicht mehr lohnt. Der ARD-Tatort war mal eine fast sichere Nummer für spannende Unterhaltung. Aber warum muss es gleich dermaßen schlecht sein?! Ein grantiger Joachim Król allein rettet halt auch nichts, schon gar nicht, wenn er als Chefermittler gleich am Anfang so viel säuft, dass er sich an den Täter nicht erinnern kann, obwohl er ihm ja buchstäblich über den Weg läuft. Denn dass die geheimnisvolle blonde Frau im roten Jogginganzug ein Mann war, war ja von Anfang an klar – ein so unweiblicher Mord, da muss man nicht mal über mehrere Jahrzehnte Tatorterfahrung verfügen.

Aber sonst war die Zutatenliste gar nicht so übel, ein Arschloch von Lehrer, der umgebracht wird, ein rätselhafter Selbstmord, ein japanisches Kurzschwert, ein japanische Inschrift in einen Unterarm tätowiert, ein Pathologe, der sich mit seiner Begeisterung für seinen Beruf einen Gemüseburger erschleicht, die Amis, Außerirdische, eine Ex mit einem hübschen, jungen Liebhaber, und natürlich die unvermeidlich engagierte neue Polizistin, die ständig schikaniert wird. Da könnte man was draus machen, aber nein, die Geschichte ist trotzdem so blöd, dass sie erst gar nicht erzählt werden will, was dieser Tatort auch vehement vermeidet. Stattdessen werden Bruchstücke von mehreren Geschichten angerissen, die am Ende irgendwie zusammen hängen sollen, Hauptsache man hat für das Finale eine coole Location, etwa einen verlassenen US-Luftwaffenstützpunkt.

Oder etwas, was so aussieht. Das mit der Außerirdischen-DNA hat dem Drehbuch jedenfalls nicht gut getan. Und es war kein bisschen witzig, obwohl Außerirdische mit einem möglichst absurden Raumschiff im Zweifel immer ziemlich komisch sind, wie man aus Das Leben des Brian weiß. Nur gab es ja nicht einmal ein Raumschiff und Außerirdische, sondern nur verstrahlte Autoren, die irgendwie versucht haben, witzig zu sein. Aber was zum Teufel ist denn witzig daran, dass Kriminalhauptkommissar Frank Steier zwar Quinn The Eskimo in der Version von Manfred Mann mitsingen und sogar tanzen kann, gleichzeitig aber fest davon überzeugt ist, das der schmalzige Restaurant-Italiener Luigi und nicht Angelo heißt?! Ein paar menschliche Regungen und stinknormale Rechthaberei machen halt auch noch keinen interessanten Charakter aus. Nein, früher war nicht alles besser. Aber der Tatort gelegentlich schon.

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