House of Cards: Knallharter Macht-Poker

Wer die dänische Politik-Serie Borgen schätzt, kommt auch an der US-Serie House of Cards nicht vorbei – wobei House of Cards noch deutlich härter und zynischer ist. Aber hier steht ja auch keine idealistische Außenseiterin im Mittelpunkt, die erst als Premierministerin das große Einmaleins der Macht lernen muss. Der Protagonist dieser ersten Serie des Streaming-Dienstes Netflix ist bereits ein Virtuose der Machtausübung: Der Kongressabgeordnete Frank Underwood (Kevin Spacey) ist als Majority Whip dafür verantwortlich, die Abgeordneten seiner Partei bei Abstimmungen auf Parteilinie zu halten. Oder wie er in der ersten Folge selbst erklärt, sei er dafür verantwortlich, die Rohre durchzupusten, damit die Scheiße abfließen kann.

Frank Underwood spricht zu seinem Publikum, womit er die Zuschauer zu seinen Komplizen macht, die er quasi an die Hand nimmt, um sie in seine geheimen Ränke einzuführen: Er genießt es, der Macher hinter den Kulissen zu sein. Dort sorgt er mit Versprechen, Deals, Erpressung und notfalls auch Mord dafür, dass die Abgeordneten in seinem Sinne funktionieren – er hat nicht nur sämtliche Fäden in der Hand, er zieht auch unfehlbar an den richtigen. Die Macher der Serie haben sich dabei von einer gleichnamigen britischen Serie inspirieren lassen, die von der BBC produziert wurde.

Allerdings wird der Underwood versprochene Posten des Außenministers vom neuen Präsidenten und Parteifreund Garrett Walker an einen anderen vergeben. Das kann Frank nicht hinnehmen: Skrupellos arbeitet er an seinem Racheplan, spinnt Intrigen und vergrößert er seinen politischen Einfluss, um sein Ziel doch noch zu erreichen. Dabei wird er von seiner ebenfalls knallhart agierenden Ehefrau Claire unterstützt – bis er ihr bei einem ihrer Projekte in die Quere kommt. Die Underwoods kämpfen auch untereinander mit harten Bandagen, auch wenn sie sich in der Regel unterstützen, um ihre übergeordneten Ziele zu erreichen.

Als dritte im Bunde gibt es noch die ehrgeizige junge Reporterin Zoe Barnes, an die Frank gezielt Informationen durchsickern lässt. Sie begreift einerseits schon, dass Frank sie für seine Zwecke instrumentalisiert, andererseits will sie sich als Journalistin einen Namen machen, was ihr mit den Insider-Informationen von Frank auch schnell gelingt. Sie bildet sich zumindest streckenweise ein, die Sache mit Frank kontrollieren zu können, aber natürlich lässt sich der alte Fuchs nicht von einem jungen Ding vorführen, so abgebrüht und schlau diese Zoe ihrerseits auch ist.

In Deutschland wurde die zu recht hochgelobte und mit mehreren Emmys ausgezeichnete Serie ausgerechnet auf SAT1 ausgestrahlt, wo sie auf ein unterdurchschnittliches Publikumsinteresse stieß, was aber eindeutig gegen das Privatsender-Publikum und nicht gegen die Serie spricht. Die ist nämlich durchaus spannend und gut gemacht – allein dem großartigen Kevin Spacey dabei zuzusehen, wie er vermeintliche Freunde abserviert und gleichzeitig seine Gegner für seine Interessen einspannt, bereitet großes Vergnügen. Bemerkenswert ist auch, dass mit Netflix erstmals ein Internet-TV-Anbieter ein solches Projekt gestemmt hat und nicht die üblichen Verdächtigen wie HBO, Showtime oder AMC. Ich freue mich jedenfalls sehr auf die zweite Staffel.

Ein kleines Appetit-Häppchen gibt es hier:

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