Tief in Louisiana: True Detective

Nachdem ich die besten Serien der Welt ja nun leider schon gesehen habe (keine Frage, dass es dabei natürlich um The Wire und Breaking Bad handelt) ist nun endlich eine neue, bereits im Vorfeld schon hochgelobte HBO-Serie angelaufen. Und ja, nachdem ich mir die erste Folge von True Detective angesehen habe, bin ich zuversichtlich, dass das vielleicht nicht das nächste wirklich ganz große Ding wird, aber doch zumindest eine richtig gute Sache. Allein der Vorspann, der einen auf das ländliche Louisiana einstimmt – das ist schon mal was anderes als der runtergekommene Großstadtdschungel von Baltimore. Wobei Louisiana bei mir gerade auch wegen der ebenfalls sehr sehenswerten Post-Katastrophen-Musik-Serie Treme positiv vorbelastet ist, zu der ich gelegentlich auch noch einmal ein paar Worte schreiben muss.

Rust Cohle (Matthew McConaughey) und Martin Hart (Woody Harrelson)  in der HOB-Serie True Detective

Rust Cohle (Matthew McConaughey) und Martin Hart (Woody Harrelson) in der HOB-Serie
True Detective

Bei True Detective geht es um einen alten Fall aus dem Jahre 1995, den beiden Ermittler Rust Cohle (Matthew McConaughey) und Martin Hart (Woody Harrelson) bearbeitet haben. Als die Prostituierte Dora Lang ermordet in einem brennenden Zuckerohrfeld gefunden wird, arbeiten die beiden Dedectives noch nicht lange als Partner zusammen und es ist schnell offensichtlich, dass es sich bei Cohle und Hart um zwei der unterschiedliche Typen handelt. Der eine ist ein verschrobener Junkie (Barbiturate, Alkohol), der andere ist ein Familienvater auf der Karriereschiene. Als 17 Jahre später ein ähnlich inszenierter Ritualmord geschieht, werden Cohle und Hart darum gebeten, Auskunft über den alten Fall zu geben. Beide sind inzwischen nicht mehr für die Polizei tätig, aber jeweils bereit, auszusagen.

Hart scheint tatsächlich Karriere gemacht zu haben. Cohle in gewisser Weise auch, er ist inzwischen hauptberuflicher Alkoholiker, der seine Routine auch für die Befragung nicht unterbrechen will – was die beiden Detectives, die am aktuellen Fall arbeiten, auch einsehen und die Befragung mit einem entsprechenden Kontingent an Bierdosen fortsetzen. Überhaupt haben sich die Ausstatter der Serie viel Mühe gegeben, allein dieser ganze Elektronikschrott im Hintergrund des Vernehmungsraums – keine Frage, dieser Teil von Louisiana ist eine total fertige Gegend, genau wie Cohle ein total fertiger Typ ist – warum ist er eigentlich von Texas nach Louisiana gekommen? Ich denke, in den kommenden sieben Teilen wird sich unter anderem auch diese Frage klären. Wir wissen aber, dass er gut zeichnet, sich mit allen möglichen Ritualen gut auskennt, bekennender Pessimist ist und überhaupt der Ansicht, dass die ganze verdammte Evolution ein Scheißfehler war.

Wie bei so viele Krimis finden die stärksten Szenen im Auto statt, wenn die unterschiedlichen Partner gezwungen sind, über längere Zeit irgendwie miteinander auszukommen. Auch bei The Killing war die spröde Sarah Linden gezwungen, unzählige Stunden auf engstem Raum mit ihrem Nachfolger Holden zu verbringen, der sie unsäglich nervt – schon weil er sie daran erinnert, dass da draußen eigentlich ein anderes Leben auf sie wartet. Ein Teil der Dynamik von The Killing entsteht allein daraus, dass Linden Holden gegenüber genau deshalb ziemlich unfair ist. Was Holden aber mit schier übermenschlichem Langmut weggesteckt, mit dem er sonst eigentlich nicht gesegnet ist. Denn eigentlich ist er viel zu emotional für seinen Job – wobei sich immer mehr herausstellt, dass die unterkühlte Linden in Sachen Job eigentlich noch viel emotionaler ist.

Bei True Detektive läuft es etwas anders – ich gehe davon aus, dass der formale Mustermensch Hart mit seiner ganzen Familie, seinem Glauben an Gott, sich selbst und den Polizeidienst an der Seite des Außenseiters Cohle im Laufe der kommenden Folgen auch noch einige Leichen aus seinem Keller holen muss. Insofern freue ich mich auf die Fortsetzung.

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