In einer besseren Welt

Für nicht-US-Filme gibt es bekanntlich ziemlich wenige Oscars, nämlich exakt immer nur einen pro Jahr. Insofern finde ich ziemlich spannend, dass das kleine Dänemark immer mal wieder dabei ist, zuletzt 2011 mit In einer besseren Welt, den ich inzwischen endlich auch einmal gesehen habe. Ein wirklich guter Film, keine Frage.

Es geht um Anton (Mikael Persbrandt), der ein echter Gutmensch ist, wie man in Deutschland inzwischen ja durchaus abfällig über Menschen sagt, die noch immer daran glauben, dass man die Welt durch das eigene Handeln besser machen könnte. Anton ist Arzt und arbeitet mehrere Monate im Jahr in einem afrikanischen Flüchtlingscamp in Darfur. Dort wird er immer wieder mit furchtbarsten Dingen konfrontiert, beispielsweise schlitzt einer der lokalen Warlords gern schwangeren Frauen die Bäuche auf, um nachzusehen, ob das Baby das Geschlecht gehabt hätte, auf das er gewettet hat. Anton gibt alles, um diese Frauen zu retten.

In einer besseren Welt

In einer besseren Welt – Screenshot von http://www.2501.eu/

Zu Hause in Dänemark steht seine Ehe mit Marianne (Trine Dyrholm), die ebenfalls Ärztin ist, vor dem Aus. Marianne will die Scheidung. Ihr zehnjähriger Sohn Elias (Markus Rygaard) hat aber noch ganz andere Probleme, er wird von seinen Mitschülern regelmäßig gemobbt. Dann kommt ein neuer in die Schule, Christian (William Jøhnk Nielsen), der mit seinem Vater aus London nach Dänemark zurückgekehrt ist. Christians Mutter ist gerade an Krebs gestorben und er gibt seinem Vater die Schuld daran. Christian ist einer, der sich immer wehrt, schon aus Prinzip. Als er mitbekommt, dass Elias drangsaliert wird, folgt er dem Angreifer, verprügelt ihn mit seiner Fahrradpumpe und droht ihm mit vorgehaltenem Messer noch Schlimmeres an, falls er sich wieder an Elias vergreifen sollte. Natürlich sorgt dieser Vorfall an der der dänischen Schule für große Aufregung. Gegenüber der Polizei bestreiten beide Jungs, dass ein Messer im Spiel gewesen sei. Christian schenkt Elias das Messer als Zeichen seiner Freundschaft.

Elias hat noch einen kleinen Bruder. Als Anton nach Dänemark zurückgekehrt, geht er mit den Jungs auf den Spielplatz. Der kleine Bruder streitet sich mit einem anderen Jungen, Anton greift ein. Daraufhin wird Anton vom Vater des anderen Jungen (Kim Bodnia) angegriffen, der ihm eine runterhaut, weil er seinen Sohn angefasst hat. Anton ist total auf Deeskalationskurs und zieht sich zurück, was die beiden großen Jungs nicht fassen können und als Schwäche empfinden. Anton lässt sich sogar darauf ein, diesen Lars noch einmal zu besuchen und zur Rede zu stellen, was auch wieder nicht gut aus geht, denn Lars kapiert gar nichts und haut Anton sicherheitshalber noch mal eine rein, schon weil er aus Schweden ist und den Namen Lars nicht korrekt ausspricht. Anton schafft es nicht, den Jungs klar zu machen, dass es besser ist, sich nicht provozieren zu lassen und deshalb Lars der moralische Verlierer ist. Vor allem Christian findet, dass Anton diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen kann und beschließt stellvertretend für Anton Rache zu nehmen.

Als Christian und Elias für ein Schulprojekt in Opas Scheune basteln, finden sie eine Reihe Feuerwerkskörper. Christian kommt auf die Idee, daraus eine Bombe zu bauen. Elias hat Skrupel, lässt sich am Ende aber doch darauf ein, weil er Christians Freund beleihen möchte. Als die beiden an einem frühen Sonntagmorgen die Bombe unter Lars Auto zur Explosion bringen wollen, kommen zufällig eine Mutter mit ihrer Tochter vorbei. Elias rennt den beiden in den Weg, um sie vor der Explosion zu warnen, als die Bombe hoch geht.

Unterdessen ist Anton wieder in Afrika, wo ihn der allseits verhasste Big Man, jener sadistische Warlord, auffordert, sein Bein zu retten. Anton als Arzt akzeptiert die Forderung unter der Bedingung, dass alle Bewaffneten und alle Fahrzeuge das Lager verlassen. Bei den Opfern von Big Man stößt Antons Handeln auf Unverständnis. Sie verweigern jegliche Unterstützung für den Sadisten. Allerdings hat auch Antons Duldsamkeit Grenzen. Als der inzwischen genesende Big Man zynische Witze über eine junge Frau macht, die gerade gestorben ist, wirft Anton ihn aus dem Camp und lässt zu, dass die aufgebrachte Menge den verhasste Quälgeist lyncht.

Elias ist bei der Explosion schwer verletzt worden. Christian versucht, seinen Freund im Krankenhaus zu besuchen, aber Marianne hindert ihn daran. Sie hat Angst um ihren Sohn und ist wütend. Sie beschimpft Christian als kranken Psychopathen, der ihren Sohn umgebracht habe. Christian glaubt daraufhin, dass Elias gestorben sei und beschließt, sich selbst ebenfalls umzubringen. Er fährt zu dem Silo, zu dem er Elias immer mitgenommen hat. Inzwischen ist Anton wieder in Dänemark angekommen, um seinen Sohn zu sehen. Er erfährt zum einen, dass Elias wieder gesund wird, zum anderen, dass Christian verschwunden ist. Er ahnt, wo der Junge ist, weil er Elias zuvor verboten hat, auf das hohe Silo zu klettern. Er kommt gerade noch rechtzeitig, um Christian daran zu hindern, in den Tod zu springen.

Meiner Ansicht nach hat der Film zu recht viele positive Kritiken bekommen – es handelt sich um ein überzeugend konstruiertes Drama über Gewalt, Freundschaft, Rache und Tod, das in schönen Bildern erzählt wird – die Bilder sind im Grunde immer wieder viel zu schön für die hässlichen Dinge, die passieren. Aber genau das ist es ja, was einen so rat- und fassungslos und den Film für mich so gelungen macht: Dass das Leben und diese Welt trotz der ganzen schrecklichen Dinge, die passieren, immer noch schön sein können. Und dass es für vieles keine befriedigende Erklärung gibt. Menschen treffen falsche Entscheidungen, die verhängnisvolle Entwicklungen auslösen, manchmal aber auch richtige. Menschen tun einander die schrecklichsten Dinge an, aber manchmal retten sie einander auch. Und nicht immer führt eine gute Absicht zum Guten, aber es kommt drauf an, es wenigstens versucht zu haben.

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