Big Bad Wolves – die dunkle Seite des Rachefilms

In Sachen Rachefilm gibt es natürlich auch noch ganz andere Möglichkeiten als schöne Bilder aus Dänemark und Afrika. Schöne und schreckliche Bilder aus Israel etwa, wo der Rache-Thriller Big Bad Wolves spielt. Dieser Film von Aharon Keshales und Navot Papushado zeigt, wie ein verzweifelter Vater aus dem mutmaßlichen Mörder seiner Tochter heraus bekommen will, wo er den Kopf des Mädchens vergraben hat. Für Juden ist es nämlich auferstehungstechnisch unglaublich wichtig, dass der komplette Körper am jüngsten Tag vorhanden ist. Zwar ist Gidi (Tzahi Grad) nicht besonders religiös, aber das ist nun mal das Einzige, was er für seine ermordete Tochter noch tun kann.

In den märchenhaft schönen, lichtdurchfluteten Wäldern im Norden Israels findet eine grässliche Serie von Mädchenmorden statt. Ein Verdächtiger ist der Religionslehrer Dror (Rotem Keinan). Es wird nicht verraten, warum er verdächtigt wird, aber das spielt letztlich auch keine Rolle. Der Polizist Miki (Lior Ashkenazi), selbst Vater einer Tochter, will den Verdächtigen außerhalb des offiziellen Protokolls mit der Hilfe einiger professioneller Schläger dazu bringen, die Morde zu gestehen. Ein zufällig anwesender Jugendlicher filmt diesen Vorfall heimlich mit seinem Handy. Bald verbreitet sich das Video von dem brutalen Übergriff im Internet, was einerseits als schrecklicher Fall von Polizeigewalt in den Medien diskutiert wird, weshalb Miki seinen Job verliert. Andererseits wird dadurch aber auch bekannt, dass der Lehrer Dror verdächtigt wird, der gesuchte Mädchenmörder zu sein. Was für viele bedeutet, dass er es dann wahrscheinlich auch gewesen ist. Dror hat ab jetzt ohnehin verloren, ob er es nun gewesen ist oder nicht.

Big Bad Wolves - die isrealische Variante des Rachefilms.

Big Bad Wolves – die isrealische Variante des Rachefilms. Screenshot von http://trailers.apple.com/trailers/magnolia/bigbadwolves/

Für den Vater des letzten Opfers ist die Sache damit klar, er nimmt das Gesetz einfach selbst in die Hand. Gidi kauft ein einsam gelegenes Haus und entführt den Verdächtigen, um ihn dort so lange zu quälen, bis er verrät, wo er den Kopf des Mädchens versteckt hat. Dabei interessiert Gidi nicht die Bohne, dass Dror möglicherweise gar nicht der gesuchte Mädchenmörder ist. Auch der jetzt arbeitslose Miki ist weiterhin hinter dem mutmaßlichen Serienkiller her und landet schließlich ebenfalls in dem abgelegenen Versteck. Einerseits will er auch, dass Dror gesteht, andererseits findet er die Methoden des verzweifelten Vaters doch zu drastisch, so dass er sich schließlich selbst in Ketten wieder findet. Der Folterprozess ist auch für die Zuschauer ziemlich qualvoll – allerdings nicht ohne Witz, denn Gidi muss immer wieder seine besorgte Mutter am Telefon beruhigen und schließlich steht auch noch sein alter Vater vor der Tür.

Alles in allem zeigt sich aber bald sehr deutlich, warum Folter als Mittel der Wahrheitsfindung nicht taugt: Wenn der Schmerz zu überwältigend wird, gesteht der Gefolterte so ziemlich alles – was aber den Folterer nicht weiter bringt. Denn der verzweifelte Dror erfindet schließlich irgendein Versteck, damit der Peiniger aus dem Haus verschwindet und er und Miki eine Gelegenheit zur Flucht bekommen. Während Gidi am angegebenen Ort wie ein Irrer gräbt, um den Kopf zu finden, gelingt es Miki tatsächlich, sich zu befreien. Er lässt allerdings den inzwischen schwer lädierten Dror zurück. Ein verhängnisvoller Fehler, denn der wütende Gidi bringt Dror um, ohne dass diesem noch der Ort zu entlocken ist, wo Mikis Tochter versteckt ist – denn Miki kehrt zu Gidis Haus zurück, nachdem er erfahren hat, dass seine Tochter inzwischen ebenfalls vermisst wird.

Dass Quentin Tarrantino findet, dass es sich um den besten Film des Jahres 2013 handelt, mag auch daran liegen, dass Django Unchained ja schon 2012 heraus gekommen ist, und nur bei uns erst 2013 anlief. Es gab aber im vergangenen Jahr auch nicht so wahnsinnig viele richtig gute Filme, die meisten haben mich enttäuscht, dieses ganze Superhelden- und Fantasyzeug mag ich ohnehin nicht besonders, aber auch Endzeit-Dramen wie World War Z oder Elysium fand ich von der Grundidee zwar spannend, aber nicht besonders überzeugend umgesetzt. Es gibt zunehmend leider die unschöne Tendenz, mit immer neuen Möglichkeiten von optisch wahnsinnig beeindruckenden Specialeffects eine schwache Story übertünchen zu wollen. Heraus kommen jede Menge frustrierend schlechte Filme.

Insofern ist Big Bad Wolves ein gutes Beispiel, wie man es anders macht: Man kann eine nervenzerfetzend spannende Geschichte auch völlig ohne Digitalschnickschnack inszenieren. Big Bad Wolves ist sozusagen eine dunkle, boshafte, aber originelle Variante von In einer besseren Welt. Während In einer besseren Welt die Gewaltfrage völlig humorfrei, aber doch im hellen Tageslicht betrachtet, zieht sich Big Bad Wolves mit einem Augenzwinkern in den düsteren Keller zurück. Keine Frage: Die Welt ist schlecht. Und zwar durch und durch. Aber für den einen oder anderen Witz durchaus tauglich.

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