Geht doch – Team Dortmund gewinnt dank Psycho

War doch gar nicht so schlimm! Seit dem Eskimo habe ich es nicht mehr geschafft, mir einen kompletten Tatort reinzuziehen – inzwischen bin ich soweit, dass ich nach einer Viertel-, spätestens nach einer halben Stunde einfach um- oder gar ausschalten kann, wenn ich es nicht mehr ertrage. Nachdem ich mir jahrzehntelang Sonntagabends schon aus Tradition eigentlich immer den Tatort (oder Polizeiruf) angesehen habe, heißt das schon etwas. Aber wenn es einfach zu schlecht wird, muss man auch mal zu radikalen Maßnahmen greifen. Und der Tatort wird immer schlechter, zumindest im Durchschnitt. Natürlich kann aber auch sein, dass ich inzwischen einfach so viele gute und schlechte Krimis gesehen habe, dass ich nach einer Viertelstunde entscheiden kann, ob es sich lohnt, noch über eine Stunde Lebenszeit zu investieren oder ob ich mir lieber was Vernünftiges ansehe. Im Zeitalter von Internet und Terabyte-Festplatten ist niemand mehr gezwungen, sich das aktuelle Fernsehprogramm antun zu müssen.

Aber wie gesagt, den Tatort gestern fand ich gar nicht so schlecht, obwohl auch der deutliche Längen hatte – irgendwann ist es einfach nicht mehr spannend, noch eine Minute und noch eine Minute und noch eine Minute dabei zuzusehen, wie Polizisten hektisch in zugegebenermaßen sehr dekorativ verschrammelten Kellergewölben herumstolpern oder auf einem Hochhausdach am Rand des Abgrunds stehen. Das ist irgendwann halt nur noch nervig. War doch klar, dass das zuletzt verschwundene Mädchen noch irgendwo zu finden sein muss. Und klar war auch, dass Faber nicht springt – wie sollte es denn sonst mit dem Dortmunder Tatort weitergehen?!

Es gab ja genügend Nebenkriegsschauplätze, mit denen man auch Sendeminuten füllen konnte, was im Falle des erpresserischen Dealer-Callboys sogar recht unterhaltsam war. Und ja, junge Polizistinnen können auch schwanger werden und absolut nachvollziehbar entscheiden, dass dieser Job mit einem Kind schwer vereinbar ist, wenn man nicht gerade Charlotte Lindholm ist – und diese Ermittlerin beziehungsweise ihre Drehbuchschreiber haben ganz schön nachgelassen, seit sie es mit einer Alleinerziehenden zu tun haben. Voller Einsatz und zwischendurch Windeln wechseln ist halt nicht so richtig glaubwürdig. Wobei man der Lindholm ja die Superermittlerin eher abnimmt als die Supermutter, aber egal, in dem Dortmunder Fall will Nora ja nicht Supermutter werden und Daniel sollte mal lieber damit klar kommen, falls er nicht unbedingt Hausmann werden will. Denn Nora ist jobmäßig ja wohl eindeutig besser auf Zack als ihr Lover und Kollege.

Insofern hat Dror Zahavi solide Krimikost geliefert – der durchgeknallte Psycho-Kommissar Faber und sein Team ist momentan ja das Interessanteste, das die inzwischen doch recht unübersichtliche Palette der aktuellen Tatortermittler zu bieten hat. Ob sich Zahavi im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen ein bisschen mehr trauen darf als die anderen, weil er Israeli ist? Fällt mir nur gerade auf, weil ich zuletzt ja über Hatufim und Big Bad Wolves geschrieben habe. War Zufall, ehrlich.

Aber ein so bisschen mehr israelisches Psychodrama schadet dem Tatort jedenfalls nicht.

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