House of Cards: Killerschach als Serie

Wie so viele andere war auch ich sehr auf die zweite Staffel von House of Cards gespannt. Inzwischen habe ich die Hälfte gesehen – obwohl Binge Viewing dank Netflix ja sehr in ist, muss ich sagen, dass ich am vergangenen einfach keine Lust hatte, die ganze Zeit vor der Glotze zu sitzen, obwohl das Wetter eigentlich dazu geeignet gewesen wäre. Aber nach einer langen Arbeitswoche am Schreibtisch muss der nächste Sitzmarathon nun wirklich nicht sein.

Titelbild House of Cards via Wikipedia

Titelbild House of Cards via Wikipedia

Außerdem hat mich der erwartete Sog gar nicht so richtig erwischt – natürlich ist HOC2 auch wieder herrlich fies und gemein, aber irgendwie bin ich nicht so richtig glücklich. Es tritt immer mehr zu Tage, was das Manko dieser Serie ist: Die Figuren entwickeln sich nicht. Deshalb fehlt das entscheidende Etwas, das eine gut gemachte Serie von einer richtig guten Serie unterscheidet. Frank bzw. Francis Underwood ist und bleibt ein abgefeimtes Arschloch, das nun als Vizepräsident mit noch mehr Macht ausgestattet noch perfider agieren kann. Das ist von Anfang an klar und keine Überraschung. Und dass Claire ihren Kinderwunsch den Erfordernissen ihrer neuen Rolle unterordnet ist genauso absehbar – genau wie ihre knallharte Art, andere zu benutzen und abzuservieren – kennt man ja alles aus der ersten Staffel schon.

Insofern ist es, als würde man einem durchaus spannend inszenierten Schachspiel zusehen, in dem die Köpfe der Bauernopfer nur so übers Brett rollen, Türme wanken, Läufer außer Atem kommen und Springer stolpern. Aber auch die raffinierten Spielzüge ändern nichts daran, dass irgendwie das wahre Leben fehlt. Etwas weniger Raffinesse und dafür mehr menschliche Unvollkommenheit hätte den Figuren ganz gut getan. Wobei Francis, Claire und ihre Entourage ja keineswegs perfekte Menschen sind – aber sie bieten keine Überraschungen und man leidet bzw. fiebert entsprechend auch nicht mit. Höchstens ärgert man sich über die Dummheit und Naivität ihrer Gegenspieler, die regelmäßig unter die Räder kommen – und das zum Teil auch ganz wörtlich.

Während man in Breaking Bad dabei sein kann, wie sich der scheinbar leicht vertrottelte Walter White zum knallharten Gangster entwickelt oder miterlebt, wie der Loserjunkie Jesse Pinkmann es tatsächlich schafft, seine Sucht in den Griff zu bekommen und ein zuverlässiger Geschäftspartner im Drogenbusiness zu werden und Skyler White nicht zu vergessen – welche kriminelle Raffinesse sie entwickelt, um an die zur Geldwäsche benötigte Autowaschanlage zu kommen! Das ist ein ganz anderes Kaliber an Drama und Dynamik. Aber ich will nicht undankbar sein und freue mich um so mehr auf die nächste Folge von True Detective.

Klar, den Rest House of Cards werde ich auch noch weggucken, denn schlecht ist die Serie ja nicht. Aber eben auch nicht so dermaßen herausragend, wie zum Teil behauptet wird.

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