True Blood: Vampire und andere Blutsauger

Tatsächlich bin ich eine geprüfte Expertin für Vampirfilme. In meinem Medienstudium hatten wir so wunderbare Fächer wie Geschichte des deutschen Films, Filmanalyse, Fernsehanalyse, die Mediengeschichte von Sujets und Filmstoffen und so weiter – da konnte man sich für die Diplomprüfungen natürlich auch wunderbare Themen aussuchen. Für die Prüfung in Mediengeschichte von Sujets und Filmstoffen kam ich auf den Vampirfilm. Das war Anfang der 1990er Jahre noch ein vergleichsweise übersichtliches Genre – was einer der Gründe war, warum ich mich dafür entschied. Bram Stoker’s Dracula war damals gerade aktuell, und was es vorher gab konnte man mit übersichtlichem Aufwand sichten und noch mal ansehen – das war ja das Beste daran: Das man sich beim Fernsehen, Videogucken oder ins Kino gehen immer sagen konnte „ist relevant für die Uni“. Das ist es jetzt zwar nicht mehr, aber noch immer sehe ich aus wissenschaftlichem Interesse Vampirfilme an.

Es gab durchaus noch einige durchaus interessante Filme in diesem Bereich, etwa Interview mit einem Vampir oder From Dusk Till Dawn. Und ich muss zugeben, dass ich mir sogar Wir sind die Nacht angesehen habe, den ich gar nicht so schlimm fand wie befürchtet – obwohl das ja ein deutscher Film ist und es mit dem deutschen Film ja leider ist wie mit dem deutschen Fernsehen – das war früher echt mal besser. Inzwischen gibt da nicht mehr viel Gutes – da muss man sich ja nur mal die aktuellen Tatorte ansehen, selbst die, die im Vorfeld hochgelobt werden, wie der Bremer Tatort vom vorletzten Sonntag, sind nicht wirklich gut. Es werden keine originellen Ideen mehr entwickelt und erst recht keine innovativen Inszenierungen. Es gibt nur noch Massenware von der Stange – und selbst die könnte besser gemacht werden.

Es reicht halt nicht, mal „mutig“ zu sein, und ein Thema aufzugreifen, das unangenehm ist, wie die Tatsache, dass es tatsächlich kriminelle Ausländer gibt, die sich nicht integrieren wollen und sich über die deutschen Gesetze kaputtlachen – die sie aber sehr gut kennen und für sich nutzen können. Und dass Polizei und Justiz damit überfordert sind. Aber am Ende ist das Systemversagen wieder ein persönliches Ding und man fragt sich, warum man die letzten eineinhalb Stunden nichts Besseres zu tun bzw. zu sehen hatte. Wo sind die Filme, wie etwa Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff oder Werner Herzog sie gemacht hätten?! Es ist ja nicht so, dass es hierzulande keine großartige Filmtradition geben würde! Um so trauriger, dass abgesehen von wenigen Ausnahmen, nur noch Schweiger-Schweighöfer-Schrott und Schlimmeres produziert wird.

Zurück zum Vampirfilm: Durch diese schreckliche Twilight-Serie ist das ganze Genre ja in den Bereich zweifelhafter Teenie-Bespaßung abgedriftet. Seit dem herrscht im Vampirfilm-Bereich eine galoppierende Inflation, und das meiste davon ist Mist. Deshalb ist auch die Serie True Blood bisher an mir vorbei gegangen – ich hatte sie versehentlich unter „noch so eine blöde Vampir-Serie, die ich mir nicht ansehen muss“ verbucht.

True Blood - die wichtigsten Charaktere. Screenshot von hob.com

True Blood – die wichtigsten Charaktere. Screenshot von hbo.com

Bis mir auffiel, dass True Blood ja von Alan Ball geschrieben wurde, von dem auch die großartige Serie Six Feet Under ist. Und als ich auch noch feststellte, dass mit Alexander Skarsgård ein gut aussehender Quotenschwede dabei ist, wurde ich dann doch so neugierig, dass ich mal reingesehen habe. Und ich bin gleich dabei hängen geblieben – und musste mir die erste Staffel quasi am Stück reinziehen. Vieles erinnert mich durchaus an Six Feet Under – es geht halt letztlich alles um menschliche Beziehungen verschiedenster Art, um Sex, um Tod und darum, wie Menschen damit umgehen.

Außerdem: Bei True Blood handelt es sich endlich einmal um eine Frauenserie – unter meinen Lieblingsserien gibt es nicht viele davon, woran das auch immer liegen mag. Viele Serien, die ich gut finde, sind Männerserien, True Detektive ist eine Männerserie, Breaking Bad ist eine Männerserie, Sopranos, The Wire, Boardwalk Empire, Lilyhammer und so weiter – alles Männerserien, auch wenn da natürlich schon Frauen drin vor kommen. Six Feet Under ist beides, in der Tendenz aber eher eine Frauenserie, und das gilt eben auch für True Blood: Viele interessante weibliche Charaktere und dazu viele gut aussehende Männer – Stephen Moyer, Sam Trammell, Ryan Kwanten, Nelsan Ellis, um nur einige zu nennen, und Anna Paquin hat die sexyste Zahnlücke seit Vanessa Paradis und Rutina Wesley und Deborah Ann Woll sind auch ganz toll. Wobei ich natürlich weiß, dass es jede Menge ausgewiesener Frauenserien gibt, etwa dieses ganze Sex-and-the-City-Zeug. Aber die sind mir dann doch zu – blöd. Ich habe versucht, ein paar Folgen davon zu sehen, weil diese Serie ja ohne Ende gelobt wurde. Aber ich habe nicht heraus gefunden, warum.

Also True Blood: Hauptperson ist die Kellnerin Sookie Stackhouse, die Gedanken lesen kann – was meistens ziemlich unangenehm ist,weil Menschen ihre wahren Gedanken ja lieber für sich behalten, weil sie so schlimm sind. Insofern ist Sookie mit dieser Gabe meistens nicht sehr glücklich, zumal sie vehement an das Gute in den Menschen glauben will. Durch ihr mysteriöses Einfühlungsvermögen ist sie vielen der Einwohner von Bon Temps (einem verschlafenen Provinznest in Louisiana) unheimlich, sie ist eine Außenseiterin, genau wie ihr drogen- und sexbessener Bruder Jason. Der allerdings keine Gedanken lesen kann und auch sonst ein ziemlicher Trottel ist, dafür aber gut aussieht, weshalb er immer wieder schöne Frauen abschleppen kann. Die dann irgendwann tot aufgefunden werden.

True Blood ist eine neue Erfindung, synthetisches Blut, das echtes ersetzen kann – dadurch ist es Vampiren endlich möglich, offen in der Gesellschaft aufzutreten, weil sie nicht mehr auf mehr oder weniger freiwillige menschliche Blutspender angewiesen sind. Natürlich sind nicht alle Vampire bereit, ihre Lebensgewohnheiten entsprechend umzustellen, aber in Bon Temps taucht mit Bill Compton jedenfalls der erste Vampir auf, der dank True Blood endlich ein ganz normales, bürgerliches Leben führen will. Das stellt die Toleranz der Bewohner von Bon Temps auf eine harte Probe, denn viele Menschen wollen weiterhin nichts mit den unheimlichen Blutsaugern zu tun haben. Also finden sich auch hier wieder Rassisten zusammen, die Andersartige mit allen Mitteln bekämpfen wollen – jetzt sind es halt nicht Schwarze oder Schwule, sondern Vampire. Wobei Schwarze und Schwule natürlich auch weiterhin diskriminiert werden, nur weniger offen. Mit Lafayette gibt es auch einen schwarzen schwulen Transvestiten, der nicht nur der coolste Typ in Bon Temps ist, sondern auch ein Drogenhändler, der mit V dealt – Vampirblut. Das ist die abgefahrenste Droge überhaupt. Deshalb gibt es auch Menschen, die Jagd auf Vampire machen, um ihnen Blut abzuzapfen.

Im Laufe der Serie stellt sich heraus, dass es auch unter den Vampiren knallharte Businesstypen wie Eric Northman gibt, die nicht nur schräge Nachtclubs führen, in denen Menschen sich Vampiren freiwillig als Blutspender anbieten können, sondern auch Geschäfte mit dem Blut ihrer Artgenossen machen – ein Sakrileg, das selbstverständlich hart bestraft werden muss. Überhaupt herrscht unter den Vampiren keineswegs Einigkeit, die sind zum Teil jahrtausendealte Egomanen, die auf merkwürdige Traditionen bestehen und dem modernen Leben wenig abgewinnen können, während andere den kapitalistischen Lifestyle durchaus vorteilhaft für sich anwenden können.

Auch sonst wird alles Mögliche auf die Schippe genommen, es gibt Voodoo- und Exorzismus-Rituale, fanatische Anhänger christlicher Sekten, einen schlauen Sheriff und seinen idiotischen Deputy, der in den kommenden Staffeln aber auch noch zu Hochform auflaufen darf, Gestaltwandler, Mänaden und Werwölfe – überhaupt macht die Serie immer wieder Ausflüge in andere Epochen, was ich als Liebhaberin von Ausstattungsfilmen durchaus schätze, Bill Compton macht sich auch als Schnulzensänger der 20er Jahre ganz fantastisch und dem schnittigen Eric steht die SS-Uniform nicht weniger gut als der Umhang und die lange blonde Mähne als Wikingerfürst. Dazu jede Menge Sex, Drogen und Gewalt – also alles, was Spaß macht, wie die Mänade Maryann sagen würde.

Alles in allem also eine super Serie – spannend, witzig, romantisch, unterhaltsam, alles was die typische deutsche Fernsehserie also nicht ist. Lohnt sich auf jeden Fall.

Advertisements

3 Gedanken zu „True Blood: Vampire und andere Blutsauger

    • Tja, das ist schwierig – wie gesagt, so richtig gute Vampir-Serien gibt es ja bloß eine, und das ist eben True Blood. Wobei ich die Kinderserie Mona der Vampir auch ganz niedlich fand. Bei Filmen fand ich in der letzten Zeit eigentlich nur Dark Shadows gut, natürlich auch wegen Johnny Depp. Wobei ich auch finde, das Robert Pattinson ein guter Schauspieler sein könnte, den habe ich mal in The Haunted Airman (kein Vampirfilm, aber trotzdem gut) gesehen und mir deshalb auch Twilight angeschaut – aber das macht die Sache leider nicht besser…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s