Härter und gnadenloser: Snabba Cash II

Nachdem ich die Snabba-Cash-Verfilmung Easy Money ja so unglaublich gut fand, hatte ich nun endlich die Gelegenheit, den zweiten Teil zu sehen. Es ging auch ganz gut, obwohl es die schwedische Version mit englischen Untertiteln war. Aber es wird ja so viel Spanisch, Serbisch und Arabisch gesprochen, dass man ohnehin immer wieder auf Untertitel angewiesen wäre, selbst wenn man Schwedisch verstünde, was ich nicht tue.

Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht so richtig glücklich mit Snabba Cash II war – und das lag eindeutig nicht an der Sprache. Ich bin ja durchaus jemand, der sich ganz gern Originalversionen mit Untertiteln ansieht – Big Bad Wolves oder die zweite Staffel von Hatufim habe ich mir auch auf Hebräisch mit englischen Untertiteln angesehen und mein Hebräisch ist nicht viel besser als mein Schwedisch.

Screenshot: Snabba Cash II

JW erfährt, dass Nippe ihn gelinkt hat

Natürlich ist Joel Kinnaman wie immer unglaublich gut – aber die Geschichte geht in eine Richtung, die mir nicht gefallen will. Jetzt fürchte ich nämlich, dass Snabba Cash III noch schlimmer wird. Denn anders als im Buch, wo der smarte Johan Westlund im zweiten Teil gar nicht vor kommt, wird die Wende zum immer Schlimmeren in der Film-Fortsetzung sehr ausführlich zelebriert – was ja an sich eine lobenswerte Tugend des realistischen skandinavischen Krimis ist. Aber in diesem Fall macht es die Geschichte kaputt, die mir im dritten Band der Jens-Lapidus-Trilogie so gut gefallen hat: Die dummen Arschlöcher werden reingelegt und abgezockt – und die smarten Arschlöcher kommen davon. Denn Verbrechen lohnt sich am Ende doch, wenn man es nur geschickt genug anfängt. Und vermeidet, sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Auch bei Jens Lapidus mutiert Johan Westlund zum Verbrecher – aber eben zu einem eher intellektuellen als handgreiflichen Verbrechertypus, einem, der es nicht nötig hat, die Drecksarbeit selbst zu erledigen.

Screenshot: Snabba Cash II

Nippe bringt es auf den Punkt

Der JW im Buch perfektioniert in den fünf Jahren, die er im Knast absitzt, sein geniales Geldwäschesystem und studiert nebenbei Jura und BWL, ganz zu schweigen von der konkreten Verbrecherausbildung, die er im Knast noch gratis mitbekommt. Weil er noch immer ein Chamäleon ist, das sich seiner Umgebung anpasst, schafft er es, von den harten Jungs im Knast in Ruhe gelassen zu werden – im Gegenteil, er genießt sogar ein gewisses Ansehen, weil man über ihn Geldgeschäfte abwickeln kann. Denn seine Knastwärter waren so freundlich, ihm einen Computer zur Verfügung zu stellen, mit dem er Informationen und Anweisungen auf Speicherkarten nach draußen schmuggeln kann – auf diese Weise regelt er über Strohmänner seine Geschäfte. Das ist alles sehr smart – so smart, dass ein Undercover-Ermittler in den Knast eingeschleust und auf JW angesetzt wird, um heraus zu finden, wie dieses Geldwäschesystem funktioniert. Es ist ja nicht so, dass die schwedischen Behörden völlig bescheuert wären. Der Undercover-Bulle, der aus der schwedischen Elite stammt, schafft es dann auch, JWs Vertrauen zu gewinnen und ihn, als er seine Strafe verbüßt hat, in die besseren Kreise der Stockholmer Gesellschaft einzuführen. Denn anders als JWs Schnöselfreunde, die nichts mehr mit ihrem gefallenen Freund zu tun haben wollen, hat Hägerström ja eine Mission.

Screenshot Snabba Cash II

Screenshot Snabba Cash II

Ganz anders im Film: Hier war JW im Knast zwar auch ganz fleißig und hat eine Trading-Software entwickelt, die sein falscher Freund Nippe aber hinter seinem Rücken als eigenes Produkt verkauft. Als Johan wegen guter Führung Freigang bekommt, um einen Geschäftstermin wahrzunehmen, erfährt er, dass der Deal längst gelaufen ist und er ausgebootet wurde. Das wars dann auch gleich wieder mit der guten Führung – natürlich ist Johan stinksauer auf Nippe und taucht bei Nippes Schnösel-Gelage in einem feinen Restaurant auf.

Screenshot: Snabba Cash II

Screenshot: Snabba Cash II

Wie zu erwarten ist, endet das Wiedersehen damit, dass JW Nippe niederschlägt und keinesfalls in den Knast zurück will. Im Gegenteil, er holt auch noch den seinetwegen an den Rollstuhl gefesselten Mrado da raus, mit dem er sich inzwischen angefreundet hat. Spätestens jetzt ist völlig klar, dass es für Johan keinen Weg zurück in ein bürgerliches Leben geben kann – seine Eltern lassen ihn fallen, sein bester Freund hat ihn verraten, er hat gegen sämtliche Auflagen verstoßen, sogar Sophie, die ihn wirklich geliebt hat, will jetzt nichts mehr von ihm wissen und der einzige, der ihm jetzt noch helfen kann und will, ist ein durch Johans Schuss am Ende des ersten Teils querschnittsgelähmter Geldeintreiber, der sich mit der Serbenmafia angelegt hat. Mrado hat natürlich einen Plan, er will Radovans Geldwäsche-Knecht abziehen, der heimlich auf Pferde wettet. Und nur JW kann ihm dabei helfen.

Screenshot Snabba cash II

Screenshot Snabba cash II


Aber natürlich gibt es jede Menge Komplikationen, denn Radovan will, dass ausgerechnet Johans alter Taxikumpel Mahmoud den konkurrierenden Dealer Jorge erledigt, während Jorge gerade wegen eines blöden Autounfalls eine große Ladung Kokain verloren hat und mal wieder komplett am Arsch ist. Allerdings hat Jorge mindestens so viele Leben wie eine Katze und kommt mal wieder knapp davon, während der in die Enge getriebene JW Mahmoud und einen weiteren Typen von der Serbenmafia erschießt, der zuvor wiederum Mrado erschossen hat. Alles in allem ist der zweite Teil sehr viel weniger subtil als der erste und deutlich härter – im Grunde hat sich alles jetzt schon auf ein unversöhnliches Ende hin zugespitzt, das dann in Teil drei vermutlich exekutiert wird.

Screenhot Snabba Cash II

Screenhot Snabba Cash II


Genau das ist der Punkt, der mir nicht gefällt. Denn beim Buch hatte mir gerade so gut gefallen, dass JW zwar von den Stockholmer Schnöseln niemals als gleichberechtigter Mensch akzeptiert wird, sie aber doch mit ihm Geschäfte machen. JW ist natürlich igitt, weil er im Knast gesessen hat und die subtilen Kleiderregeln für die Jagdgesellschaft nicht kennt, aber ihr Geld vertrauen sie ihm trotzdem an, weil er eine gute Rendite verspricht. Dass JW sich am Ende mit den Millionen, die er bei diesen Typen eingesammelt hat, ins Ausland absetzt, geschieht den Blödmännern einfach nur recht. Und klar, man gönnt ihm auch, dass die schöne, verwöhnte Natalie, die nach dem Attentat auf ihren Vater Radovan erstaunlich abgebrüht die Führung der Serbenmafia übernimmt, Gefallen an dem hübschen Kerl findet. Sie will mit ihm ins Geschäft kommen – seine kriminellen Aktivitäten sind für ihre Zwecke hervorragende Referenzen. Alles in allem findet sie JW also wahnsinnig sexy – und der ist so nicht blöd, Natalie von der Bettkante zu schubsen. Im Gegenteil, er kapiert sofort, dass sie zusammen unschlagbar sein werden.

Screenhot Snabba Cash II

Screenhot Snabba Cash II

Keine Ahnung, wie das im Film ausgehen wird, aber ich fürchte, dass JW nicht davon kommt – im Buch muss er selbst ja auch niemanden umbringen und mit Taschen voller Geld durch die Gegend fahren. Das löst er alles viel eleganter, in dem er sein Geld für sich arbeiten lässt. Am Ende von Snabba Cash II ist er schon viel zu ramponiert, um da noch mal hinzu kommen. Der feine Anzug ist jedenfalls hin, wobei er ja auch im blutverschmierten Hemd noch gut aussieht. Überhaupt fällt mir gerade auf, dass es unter Filmemachern einen Wettstreit zu geben scheint, wer Joel Kinnaman am spektakulärsten zurichten kann – er musste ja schon in The Killing heftig einstecken und in Robocop wird er nicht nur zwischendrin und am Schluss heftig zerlegt, sondern erscheint auch gleich am Anfang mit zerschlagener Augenbraue, genau wie in Snabba Cash II. Doch, eigentlich bin ich schon gespannt auf den dritten Teil. Die Frage ist nur, wann wir den hierzulande endlich mal sehen können.

Screenhot Snabba Cash II

Screenhot Snabba Cash II

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