True Detective: Das Licht gewinnt

Jetzt ist es also schon wieder vorbei – aber diese acht (oder eigentlich neun, weil einmal wegen dieses blöden Superbowls keine neue Folge ausgestrahlt wurde) Wochen mit True Detective waren auf jeden Fall ein guter Anfang für das Serienjahr 2014. Auch wenn ich beim letzten Teil immer wieder zwischen schierer Begeisterung und „so, jetzt ist es aber gut damit!“ schwankte, als Rust und Marty während des für meinen Geschmack übertrieben ausgedehnten Showdowns quälend lange Minuten auf dem verwahrlosten Grundstück des endlich ausfindig gemachten Mörders durch mit totem Holz und allerlei Voodoo-Devotionalien verzierte Gänge auf das Finale zu irrten. Dieses ganze Irren durch leerstehende Fabrikgebäude, dunkle Lagerräume, verwinkelte Keller, düstere Katakomben oder die rattenverseuchte Kanalisation ist in so vielen Thrillern schon bis zum Anschlag ausgereizt worden, dass es mich einfach langweilt, egal wie spannend es inszeniert wird. Insofern war schon ich ein bisschen enttäuscht, genau wie bei diesem Dortmund-Tatort vor ein paar Wochen, den ich sonst gar nicht so schlecht fand.

Bei der geballten Raffinesse, mit der dieser Fall über acht einstündige Folgen ebenso spannend wie geheimnisvoll konstruiert wurde, fand ich es eben doch ein wenig platt, den letzten Teil mit derart plumpem Suspenseblabla anzureichern, der aus einem mittelmäßigem Tatort-Skript stammend könnte. Das haben Rust und Marty nach so viel Einsatz an Lebenszeit und Herzblut einfach nicht verdient, nachdem sie mit viel Scharfsinn, noch mehr Fleißarbeit und grimmiger Entschlossenheit den wahren Täter ermittelt haben. Ganz zu schweigen von den Zuschauern. Auch wenn Errol William Childress zweifelsohne ein diabolischer Typ ist, der dank seiner auffälligen Unauffälligkeit den Ermittlern jahrzehntelang immer wieder eine Nase drehen konnte.

Screenshot True Detective

Screenshot True Detective: Fast zur Strecke gebracht: Rust und Marty


Dass er zum Schluss die beiden engagierten, intelligenten, gut ausgebildeten und gut bewaffneten Helden der Geschichte mit simplen Werkzeugen wie Messer und Hammer fast umbringen kann – nun ja, da hatte ich dann doch eine ausgeklügeltere Falle zum Ende dieses dermaßen vielschichtigen Verwirrspiels erwartet. Aber die Amis lieben halt ihr Psychopathending – und so ein Psychopath ist am Ende immer ein primitives Arschloch, sofern er nicht zufällig selbst ein Serienheld ist wie Dexter Morgan oder Hannibal Lector.

Childress ist zweifelsohne ein Psychopath der primitiveren Sorte und benimmt sich wie ein solcher, genau das hat mich ein wenig enttäuscht. Aber vermutlich ist es halt so: Wenn ein verzwickter Fall endlich aufgeklärt ist, tritt Ernüchterung ein: Der Mörder war gar nicht so ein ausgekochtes Superhirn, sondern einfach ein verkorkstes Arschloch, das ziemlich viel Glück und Helfer an entscheidenden Stellen hatte. Und beides hatte Childress – als Sohn von Detective Ted Childress und Enkel von Senator Eddie Tuttle. Doch letztlich war die Aufklärung dieses alten Falls gar nicht so wichtig – die Entwicklung von Rust Cohle und Martin Hart und ihr Verhältnis zueinander war viel wichtiger.

Für Marty und Rust jedenfalls ist die Sache gerade nochmal gut gegangen – wobei es eine Weile dauert, bis man das herausfindet. Nach der Attacke liegen beide verletzt am Boden, Rust mit einem Messer im Bauch, Marty mit einem Hammer in der Brust. Doch bevor Childress Marty den Rest geben kann, wird er von der Kugel niedergestreckt, die Rust mit letzter Kraft abgefeuert hat. Zumindest Marty ist gerettet. Denn als Rust sich das lange Messer aus dem Bauch zieht – wo man doch in jedem Erste-Hilfe-Kurs lernt, dass man das nicht tun soll, weil der Verletzte dann noch viel schneller verblutet – wirkt das fast schon wie ein Fanal: Jetzt kann Rust in Ruhe sterben, weil er seine Aufgabe er ja erledigt hat. Der so lange Zeit unerledigte Fall ist endlich gelöst.

Aber natürlich ist es dann doch nicht so einfach. Es gibt noch fantastische Arbeiten der Maskenbildner-Gilde zu bewundern und wir sehen Rust im Krankenbett als Jesus auf dem Kreuzweg, mit blutunterlaufenen Augen und langen Haaren, selbst für die Dornenkrone braucht es nicht viel Fantasie. Aber die moderne Medizin ist einfach überlegen – Rusty darf nicht in die Dunkelheit, in deren Arme er sich so gern geworfen hätte – noch nicht. Und so kommt es zu jenem denkwürdigen Dialog zwischen Rust und Marty, in der die beiden feststellen, dass es am Ende immer um das Eine geht, den Kampf des Lichts gegen die Dunkelheit. Und Marty meint mit einem Blick in den sternenübersähten Nachthimmel, dass es irgendwie mehr Dunkelheit geben würde. Ausgerechnet der ewig pessimistische Rust antwortet: “Well, once, there was only dark. If you ask me, the light’s winning.”

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