Battleship: In God We Trust, All Others We Track

Verfilmungen von Spielen haben mich noch nie interessiert, schon weil ich die gängigen Computerspiele nicht spiele – für mich ist der Computer in erster Linie ein Recherche-Instrument, eine Schreibmaschine und ja, auch Fernseher-Ersatz. Aber kein Spielzeug. Ich spiele höchsten mal Brettspiele, dann aber auch weniger um des Spielens willen als vielmehr wegen der sozialen Interaktion. Aber als ich hörte, dass der US-Spiele-Hersteller Hasbro 200 Millionen Dollar in die Hand genommen hat, um das altbekannte Spiel „Schiffe versenken“ zu verfilmen, wurde ich doch neugierig. Schiffe versenken kenne ich noch gut aus langweiligen Schulstunden. Und ja, die Besetzungsliste gab auch einen Ausschlag.

Battleship gehört jedenfalls nicht zu den ganz schlechten Alien-Filmen, von denen ich bereits einige nicht bis zu Ende ansehen konnte. Aber auch nicht zu den guten – alles in allem ist der Streifen ungefähr so gaga wie sich bei den bereits erwähnten Eckdaten erwarten lässt. Immerhin ist der Film wenigstens witzig, so ist auf den Terminals zur Navigation und Zielerfassung der Slogan „In God Ie Trust All Others We Track“ zu lesen – und der Film kam noch vor den Snowden-Enthüllungen in die Kinos. Damit hat er den ganz schlechten Alien-Filmen wie The Darkest Hour oder Independance Daysaster schon einiges voraus. Allein der Anfang, wie der nutzlose kleine Bruder (Taylor Kitsch) des wackeren Marine-Offiziers Stone Hopper (Alexander Skarsgård) beim Versuch, eine Frau zu beeindrucken, maximalen Sachschaden verursacht, weil er ihr einen Chicken-Burrito besorgen will und der Imbiss schon geschlossen hat – köstlich. Dass die umworbene Blondine (Brooklyn Decker) auch noch die Tochter von Admiral Shane (Liam Neeson) und somit von Stones Vorgesetzten ist, bringt den großen Bruder so auf die Palme, dass er den kleinen quasi an den Haaren in die Marine schleift, damit er ihn künftig unter Aufsicht hat.

Battleship: In God We Trust All Others We Track

Battleship: In God We Trust All Others We Track Bild via
http://ywpop.tistory.com/

Wobei Alex sich zwar einige Zeit zusammen nimmt, aber wie zu erwarten nicht gerade durch Disziplin auffällt, weshalb er eigentlich gefeuert werden soll – wenn seine Einheit nicht gerade im Rahmen des internationalen RIMPAC-Manövers im Pazifik unterwegs wäre und die Erde nicht gerade von den ersten fünf Schiffen einer Alieninvasion erreicht würde.

Zum Glück sind die Aliens nicht so auf Zack, dass sie unbemerkt landen würden, im Gegenteil, eins ihrer Schiffe stürzt ab und die Wrackteile verursachen weltweit aufsehenserregende Schäden, so dass die Menschen gewarnt sind. Die (für meinen Geschmack viel zu menschenähnlichen, hier waren die mysteriös unsichtbaren Energiefresser in The Darkest Hour deutlich besser) Aliens wollen eine Radarstation auf Hawaii übernehmen, um mit ihren Artgenossen im All zu kommunizieren. Sie spannen einen undurchdringlichen Schutzschirm über die restlichen Schiffe – die natürlich über beeindruckende Transformerqualitäten verfügen – und sind somit mit irdischen Mitteln nicht mehr angreifbar. Abgesehen von den paar Schiffen jener Manöver-Flotte, die zufällig innerhalb des Schutzschildes gelandet sind, natürlich. Zufällig handelt es sich dabei ausgerechnet um die USS Sampson unter dem Kommando von Stone Hopper, die Myōkō unter dem Befehl des Japaners Nagata und die John Paul Jones mit Alex Hopper an Bord, der es inzwischen immerhin zum Lieutenant gebracht hat.

Die blonde Admiralstochter ist übrigens Physiotherapeutin, die sich – genau, ausgerechnet auf jener Insel mit der Radarstation – um versehrte Veteranen kümmert. Als die Aliens angreifen, macht sie grade mit einem verbitterten Kriegsversehrten einen Spaziergang, der beide Beine verloren hat und und lernen soll, mit seinen Prothesen umzugehen. Wegen seiner künstlichen Beine wird er noch für einen Cyborg gehalten. Aber er wird die ihm zufallende Aufgabe als alter Soldat natürlich vorbildlich lösen – die Aliens dürfen die Radar-Station nicht rechtzeitig in Betrieb nehmen, um ihr Signal per Satellit nach Hause senden zu können.

Auf dem Wasser nehmen die Stone-Brüder den Kampf auf – nur wird leider ausgerechnet das Schiff des erfahrenen großen Bruders recht bald versenkt, so dass der junge Heißsporn Alex Kommando übernehmen muss. Und der ist entschlossen, den Aliens so richtig einen vor den Latz zu knallen, womit er das Leben der Restmannschaft aufs Spiel setzt. Glücklicherweise ist der Japaner Nagata noch unter den Überlebenden, der Alex beibringen kann, wie man Schiffe versenken richtig spielt. Denn die ganzen raffinierten elektronischen Ortungsssysteme an Bord sind ausgefallen – aber zum Glück gibt es ja noch das Tsunami-Warnsystem NOAA, mit dem anhand der Wasserverdrängung der jeweiligen Standort der feindlichen Schiffe ermittelt werden kann – und aus diesen Bewegungsprofilen lässt sich wiederum berechnen, wo der nächste Schuss hingehen muss. Das klappt ein, zwei mal auch ganz gut, aber um den Aliens so richtig einen vor den Bug zu geben, braucht es keinen kleinen Zerstörer, sondern ein richtiges Schlachtschiff – gut, dass mit der USS Missouri ein solches als Museumsstück im nächsten Hafen liegt. Auch das ist natürlich wieder nichts als ein guter Witz, aber die Opas vom Museumsverein machen das alte Streitross in Rekordzeit gefechtsfähig – die gute alte analoge Technik funktioniert halt auch nach 70 Jahren noch. Keine Frage, es gelingt mit viel Mühe und Glück, das Alienschiff, das die Energie für den Schutzschirm liefert zu zerstören und dann kann die RIMPAC-Flotte den Rest erledigen.

Wenn man an dick aufgetragenen Geballer-Filmen Vergnügen findet, kann man in den gut zwei Stunden mit Battleship schon eine Menge davon haben – für 200 Millionen Dollar sollte man das aber auch erwarten können. Ansonsten ist der Film frei von jedem Anspruch und die Verherrlichung von Militär und Marine ist durchaus ernst gemeint, wobei man es natürlich auch totkomisch finden kann, wie Liam Neeson ohne seinem Gesicht allzu viel Regung zuzumuten, den knorrigen Supersoldaten gibt. Ach ja, Rihanna spielt auch mit, was aber nicht stört, weil sie nur schießt und nicht singt.

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