Morgen hör‘ ich auf

Seit bekannt wurde, dass das ZDF ein deutsches Breaking Bad produzieren möchte, wird auf den einschlägigen auf Serien- und Film- und Medienseiten im Internet reichlich gelästert.

Und ich muss gestehen, dass ich die dort geäußerten Befürchtungen teile, dass das ZDF selbst aus einem so starken und faszinierenden Stoff wie der Verwandlung des im Leben bisher mäßig erfolgreichen Chemielehrers Walter White in einen skrupellosen Drogenbaron eine höchstens mittelmäßige Serie machen wird. Es reicht hat nicht, eine gute Vorlage zu nehmen, und die einfach nachzumachen oder schlimmer noch – sie zu „schlanden“. Denn auf deutsche Fernsehverhältnisse übertragene Serien funktionieren in der Regel nicht, egal wie originell und schmissig die Vorlage war. Was hatte beispielsweise Kanzleramt noch mit The West Wing zu tun? Genau, gar nichts. Das war wieder deutsches Fernsehen in all seinem Elend, das irgendwie kritisch und pädagogisch wertvoll sein will, gleichzeitig aber vergisst, dass es eigentlich unterhalten soll, was durchaus auf eine intelligente Art geschehen darf, die man dem deutschen Publikum aber nicht zutraut. Warum sonst fehlen in keinem Tatort diese minutenlangen Sequenzen, in denen der eine Ermittler dem anderen noch einmal erklärt, was wir gerade über den Fall wissen?

Das muss nicht sein – die geschulten Serienseher, die sich den guten echten Stoff aus dem Internet saugen, sind sogar in der Lage, komplexe, intelligente Serien in Fremdsprachen zu verfolgen, wenn man sie ihnen im deutschen Fernsehen vorenthält. Insofern ist es mehr als überfällig, diesem Publikum, das ja ebenfalls jeden Monat fast 18 Euro Rundfunkbeitrag abdrückt, zur Abwechslung auch mal mit einer guten Serie zu überraschen. Und nein, wir wollen nicht noch eine SOKO und noch ein starkes Team und auf keinen Fall noch eine Kommissarin mit oder ohne Babybauch. Insofern ist Morgen hör‘ ich auf schon ein brauchbarer Ansatz, und allzu eng an die Vorlage soll sich der als Mini-Serie angelegte Versuch ja auch nicht halten. Beim ZDF wird es ein arbeitsloser Grafiker sein, der Falschgeld druckt, um seine Familie über Wasser zu halten und nicht mehr aussteigen kann, nachdem die Mafia auf ihn aufmerksam geworden ist.

Mal sehen – vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm. Ein Remake muss nicht zwingend schlecht sein. In der letzten Zeit habe ich einige US-Versionen skandinavischer Serien gesehen, etwa The Bridge America oder The Killing, die erstaunlich gut funktioniert haben. Wobei die in den USA natürlich wissen, wie man gute Serien macht, deshalb schaffen sie es auch, aus guten Vorlagen richtig gute US-Versionen zu machen.

Wobei mir natürlich besser gefallen würde, wenn man sich nicht mit der Neuverfilmung einer guten Vorlage begnügen würde – man kann auch das beste Pferd zuschanden reiten, wenn man es zu oft laufen lässt: Beim dritten Brücke-Remake The Tunnel war dann zumindest bei mir als Zuschauer die Luft raus, irgendwann ist auch die ambitionierteste Neuverfilmung einer altbekannten Geschichte nicht mehr spannend.

Es ist ja nicht so, dass es hierzulande keine interessanten Stoffe gäbe. Im Gegenteil, es gibt Stoffe ohne Ende. Und selten, leider viel zu selten, wagen sich die deutschen Fernsehsender auch mal an eine zeitgemäße Umsetzung solcher Stoffe heran, wie der SWR im Jahr 2010 mit der Mini-Serie Alpha 0.7 – Der Feind in dir, die davon handelt, wie der Staat in die Köpfe der Menschen schauen will. Leider war die Serie alles in allem dann doch nicht so gut, wie ich nach dem durchaus gelungenen ersten Teil erwartet hatte. Ich hatte halt tatsächlich davon geträumt, dass das deutsche Fernsehen mal so etwas auf die Reihe kriegen würde wie die Kanadier mit der Sci-Fi-Serie Regenesis geschafft haben – aber das war natürlich zu viel verlangt. Doch gemessen an dem, was einem von den Öffentlich-Rechtlichen sonst zugemutet wird, war das vergleichsweise ordentlich. Auf jeden Fall hat der SWR mit Alpha 0.7 einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht, mal etwas Anderes auszuprobieren. Wenn man sich das öfter trauen würde, kämen sicherlich irgendwann auch gute und vielleicht sogar richtig gute Serien dabei heraus.

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