Die USA in Serie

Auch mal eine interessante Ansicht:

USA-Karte mit Spielorten von TV-Serien

Wo spielt welche US-Serie?

Gefunden auf http://awesomelifestorythings.tumblr.com/

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Aus meiner Reihe Lieblingsfilme: Wir können auch anders…

Wir können auch anders…“ ist ein schräges Roadmovie von Detlef Buck, in dem zwei Brüder, die nicht lesen können, kurz nach der Wende durch die ostdeutsche Prärie stolpern und dabei eine bemerkenswerte Blutspur hinterlassen. Rudi und Moritz Kipp, wunderbar besetzt mit Joachim Król und Horst Krause, erben das Haus ihrer Großtante in der Nähe von Schwerin. Immerhin kann Moritz Auto fahren und so sind sie in seinem alten Hanomag unterwegs.

Kipp: „Der ist ja auch ziemlich alt geworden!“
Most: „Er hat vier Gänge vorwärts und einen Gang rückwärts – und er fährt.“
Kipp: „Aber nicht schnell!“

An einer Tankstelle läuft den beiden der fahnenflüchtige Sowjetsoldat Wiktor (Konstantin Kotljarov) über den Weg. Er überredet die Brüder mit Hilfe seiner Kalaschnikoff, ihn mitzunehmen.

Screenhot: Wir können auch anders

Screenhot: Wir können auch anders: Kipp und Most

Das stellt sich schon bald als sehr vorteilhaft heraus, als die drei von einer Wegelagerer-Gang angehalten und bedroht werden. Mit einer wunderschönen Western-Parodie und entsprechender Musik-Untermalung kommt es zu einem unerwarteten Showdown, denn die mit Baseball-Schlägern und Spring-Messern ausgerüsteten Rowdies haben nicht damit gerechnet, auf einen schwerbewaffneten Soldaten zu treffen. Dank Wiktor dreht sich das Blatt schnell zugunsten der drei im Hanomag und Kipp stellt in seiner sympathisch verstotterten Art fest: „Wir können auch – a- anders“. Sie zwingen die Gang-Mitglieder mit ihrem Auto rückwärts in den See zu fahren. Leider schaffen nur zwei, sich aus dem versinkenden Fahrzeug zu befreien. Das macht die Brüder und ihren bewaffneten Begleiter nun zu gesuchten Verbrechern.

Screenshot: Wir können auch anders - die Gang

Screenshot: Wir können auch anders – die Gang

Screenshot: Wir können auch anders - sie könnens tatsächlich!

Screenshot: Wir können auch anders – sie könnens tatsächlich!

Kipp und Most stolpern ab jetzt von einem Malheur ins nächste und fangen nicht nur an, ihren sowjetischen Begleiter zu mögen, sondern entwickeln auch ungenannte kriminelle Energie. Auf ihrer Flucht müssen sie die Dorfwirtin Nadine (Sophie Rois) als Geisel nehmen – was Nadine, die sich in den feschen Wiktor verguckt hat, durchaus gelegen kommt. Als die Neonazis in der Dorfkneipe zufällig im Fernsehen sehen, dass nach Kipp und Most wegen Mordes gefahndet wird, kneifen sie gemeinsam mit ihrem Schäferhund den Schwanz ein und verdrücken sich. Auch die mit der Situation völlig überforderten Dorfpolizisten geben schnell auf. Als die drei sich ein neues Fluchtfahrzeug besorgen müssen, erschießen sie versehentlich durch eine geschlossene Tür einen Angestellten im Autohaus, als sie den Chef dazu bringen wollen, ihnen die Schlüssel für sein schnellstes Auto auszuhändigen. „Das war jetzt noch Spaß, aber gleich wird es ernst!“ erklärt Kipp, der keine Ahnung hat, dass es längst mehr als ernst ist.

Screenshot: Wir können auch anders - die drei haben nochmal Schwein gehabt.

Screenshot: Wir können auch anders – die drei haben nochmal Schwein gehabt.

Danach gibt es kein Halten mehr, die Flucht wird schließlich zu Pferd und per Boot fortgesetzt – inzwischen werden die Flüchtigen von Hubschraubern und einem riesigen Polizei-Augebot verfolgt. Und doch können sie irgendwie entkommen – sie gelangen in Wiktors Heimatdorf irgendwo am stillen Don.

Umwerfend an diesem Film aus dem Jahr 1993 fand ich die Situationskomik – weil die beiden Helden der Geschichte oft gar nicht begreifen, was eigentlich gerade Sache ist, machen sie versehentlich viele Sachen richtig, die sie sonst garantiert versemmelt hätten. Auch die Dialoge sind voll subtilem Witz – nicht, weil hier einen virtuoser Schlagabtausch mit coolen Sprüchen vorgeführt würde, wie das sonst in Dialog-lastigen Filmen oft der Fall ist, sondern weil Kipp eben so beflissen wie unbeholfen ist, überhaupt Konversation zu betreiben: „Du sabbelst und sabbelst“ stellt Most missbilligend fest.

Screenshot: Wir können auch anders - Kipp mit Knarre.

Screenshot: Wir können auch anders – Kipp mit dieser praktischen „Pistole“.

Kipp redet tatsächlich gern, aber die Dinge, der er aufgeschnappt hat, bringt er nicht unbedingt in den richtigen Zusammenhängen unter. Und so redet er immer wieder artig gedrechselten Unsinn, der sich aber halbwegs vernünftig anhört. So ähnlich verhält es sich auch mit der Handlung des Films – weil Kipp und Most als Analphabeten in dieser Gesellschaft nicht wirklich überlebenstauglich sind, haben sie Strategien entwickelt, wie sie trotzdem klar kommen – und damit kommen sie mit etwas Glück auch immer wieder durch.

Screenshot: Wir können auch anders - Nadine nimmt die Parade ab.

Screenshot: Wir können auch anders – Nadine nimmt die Parade ab.

Sie meinen das alles gar nicht so, deshalb kann man ihnen auch nicht übel nehmen, dass sie eine ganze Reihe Leichen am Wegesrand zurück lassen. Wer auf feinsinnige Komik der makaberen Art steht, kann sich über diesen Film gewiss köstlich amüsieren. Zumal hier nicht so kilometerdick aufgetragen wird wie etwa bei Quentin Tarrantino. Detlev Buck setzt auf Understatement, nicht auf Specialeffects. Ich mag beides – aber in diesem Fall finde ich besonders gut, dass Buck auch anders kann.

Screenshot: Wir können auch anders - Nadine will auch mit.

Screenshot: Wir können auch anders – Nadine will auch mit.

Das Wunder eines richtig guten Fernsehfilms

Wenn im ZDF ein Film kommt, der „Das Wunder von Kärnten“ heißt, erwarte ich eigentlich nichts Gutes. In diesem Fall kann ich aber nicht nur Entwarnung geben, sondern sogar eine Empfehlung aussprechen – es ist nämlich ein wirklich guter Film.

Der österreichische Regisseur Andreas Prochaska verfilmte im Jahr 2011 die auf Tatsachen beruhende Geschichte der unerwartbaren Rettung eines ertrunkenen Mädchens. Im Jahr 1998 fiel die Vierjährige beim Spielen in einen Teich. Als die Eltern ihre Tochter finden, ist die Körpertemperatur schon bedenklich gesunken, trotzdem wird die Kleine mit dem Rettungshubschrauber in das LKH Klagenfurt gebracht. Dort hat zufällig der junge Herzchirurg Dr. Markus Höchstmann (Ken Duken) Dienst, der eigentlich eine Routine-Operation bei einem Kärntner Abgeordneten durchführen soll. Höchstmann entscheidet sich, den aussichtslos scheinenden Kampf um das Leben des Mädchens aufzunehmen, obwohl niemand sonst dem Kind eine Überlebenschance einräumt.

Screenshot: Das Wunder von Kärnten - Dr. Wenninger (Jürgen Maurer) und Dr. Markus Höchstmann (Ken Duken)

Screenshot: Das Wunder von Kärnten – Dr. Wenninger (Jürgen Maurer) und Dr. Markus Höchstmann (Ken Duken)

Um seine Lage ist Dr. Höchstmann nicht zu beneiden: Sein Chef ist auf einer Vortragsreise in den USA, eigentlich will er zu seiner Familie nach Wien, weil sein Sohn heute seinen fünften Geburtstag feiert, und die Kollegen halten ihn für einen arroganten Schnösel. Dazu kommt, dass er noch nie ein Kind operiert hat und das Krankenhaus für sein Vorhaben gar nicht ausgerüstet ist.

Allen Widrigkeiten zum Trotz will er nicht aufgeben, auch wenn seine Kollegen meinen, dass er da bestenfalls „Gemüse produziert“, weil sie davon ausgehen, dass das Kind längst einen irreparablen Hirnschaden erlitten haben muss. Höchstmann ist allerdings der Ansicht, dass die starke Unterkühlung genau das verhindert haben könnte. Er setzt sich schließlich durch und beginnt eine Rettungsoperation, die unendliche fünfzehn Stunden dauern, aber am Ende erfolgreich sein wird. Das Kind erwacht einige Tage später tatsächlich aus dem Koma und hat offenbar keine schweren bleibenden Schäden erlitten. Der Fall ist als „das Wunder von Kärnten“ in die Geschichte der Medizin eingegangen.

Screenshot: Das Wunder von Kärnten - Dr. Höchstmann (Ken Duken)

Screenshot: Das Wunder von Kärnten – Dr. Höchstmann (Ken Duken)

Obwohl ich kein großer Fan von Krankenhaus- oder Ärzte-Serien bin, gibt es eine Ausnahme, nämlich die hyperrealistische US-Serie Emergency Room, die den Alltag in der Notaufnahme eines Chicagoer Universitätskrankenhauses zeigt. Zumindest fand ich die ersten fünf Staffeln richtig gut, danach wurde es dann immer unerträglicher, weil dann einfach mal die Luft raus war und auch einige interessante Darsteller ausgestiegen sind.

Wie auch bei dieser Serie liegt der Fokus bei dem Film auf der Medizin und nicht auf dem privaten Drama. Es werden Rettungssanitäter, Ärzte und Krankenschwestern bei ihrer Arbeit gezeigt – natürlich auch mit allen dramatischen Implikationen, die ein solcher Job mit sich bringt. Sie sind ständig damit konfrontiert, dass sie mit dem, was sie tun oder lassen über Leben und Tod entscheiden. Dabei geht es oft um Sekunden – deshalb sieht man sie immer wieder durch Krankenhausflure rennen, während gleichzeitig im OP höchste Konzentration verlangt wird.

Screenshot: Das Wunder von Kärnten - Dr. Wenninger ist nicht überzeugt

Screenshot: Das Wunder von Kärnten – Dr. Wenninger (Jürgen Maurer) ist nicht überzeugt

In diesem Film wird das sehr gut umgesetzt, die ohnehin hoch dramatische Handlung wird nicht unnötig mit weiteren Drama-Elementen aufgeladen und es wird beispielsweise auch auf den Einsatz nerviger Musik verzichtet – alles in allem hört man oft nur die gedämpften Stimmen der Mediziner, das Klirren des OP-Bestecks und die Geräusche der Geräte. Das erzeugt ebenfalls Spannung, aber eine sehr viel subtilere – einer der großen Pluspunkte an diesem Film, der insgesamt ein sehr leiser, aber sehr intensiver ist. Es ist einfach atemberaubend zu sehen, wie das Team nach und nach im ganzen Krankenhaus Geräte und Bauteile zusammen sucht, um die dringend benötigte, aber nicht vorhandene künstliche Lunge zu improvisieren – da wird dann auch der Techniker von einer der OP-Schwestern mit dem Auto aus dem Feierabend geholt, der seinerseits wiederum sein Bestes gibt, in Rekordzeit natürlich. Anderseits wird dadurch auch nachvollziehbar, dass die Eltern in stundenlanger Ungewissheit allein im Flur sitzen müssen und der Kärtner Abgeordnete einfach vergessen wird – man muss halt Prioritäten setzen.

Die Filmemacher haben auf jeden Fall die richtigen gesetzt: Völlig verdient hat der Film im vergangenen Jahr den internationalen Emmy Award für den Besten Fernsehfilm gewonnen.

Derzeit ist Das Wunder von Kärnten noch in der ZDF-Mediathek abrufbar. Weitere Eindrücke gibt es hier.

Screenshot: Das Wunder von Kärnten - das Team bastelt eine künstliche Lunge

Screenshot: Das Wunder von Kärnten – das Team bastelt eine künstliche Lunge

Arn, der Kreuzritter: Schweden in Farbe

Ich komme nicht weg von den Roman-Trilogien, dieses Mal wieder schwedisch: Allerdings kommt Arn – Der Kreuzritter als sechsteilige Miniserie. Es handelt sich um die Verfilmung einer Roman-Trilogie des schwedischen Schriftstellers Jan Guillou, die ursprünglich in zwei Spielfilmen angelegt war, dann aber auf Miniserienformat von sechs Teilen mit jeweils 45 Minuten umgeschnitten wurde.

Dieses Historiendrama ist eine der teuersten Produktionen der schwedischen Filmindustrie, denn die Bücher über den Tempelritter Arn erreichten in Schweden schnell Kultstatus. Arn Magnusson spielte wohl historisch tatsächlich eine wichtige Rolle für die schwedische Reichsgründung im Hochmittelalter. Weil es sich also um so etwas wie ein Nationalepos handelt, machen auch eine Menge bekannter schwedischer Stars mit, etwa Sofia Helin, die Kommissarin Saga aus Die Brücke, die beiden Universal-Haudegen Mikael Nyqvist und Stellan Skarsgård, Gustaf Skarsgård ist als König Knut mit dabei, und auch Bill Skarsgård taucht als Sohn und Nachfolger von Knut auf, wie auch Joel Kinnaman als Sverker Karlsson, gegen den Arn (Joakim Nätterquist) seine letzte Schlacht gewinnen muss. Gut gefiel mir auch Milind Soman als Saladin.

Birger Brosa (Stellan Skarsgård) und Magnus Folkesson (Mikael Nykvist)

Birger Brosa (Stellan Skarsgård) und Magnus Folkesson (Mikael Nykvist) -Screenshot


Arn - der Mönch kann kämpfen

Arn (Joakim Nätterqvist): Zum Erstaunen aller kann der Mönch kämpfen – Screenshot

Arn Magnusson wächst als Sohn einer einflussreichen Familie der Folkunger in Västergötland auf. Als er nach einem Unfall zu sterben droht, geloben seine Eltern, ihn ins Kloster zu geben, falls Gott ihren Sohn rettet. Das Wunder geschieht – Arn wird wieder gesund. Schweren Herzens müssen seine Eltern nun ihr Gelübde einlösen und geben Arn in ein Zisterzienser-Kloster. Dort wird der Junge von Bruder Guilbert ausgebildet, der selbst als Tempelritter im Heiligen Land gekämpft hat. Es stellt sich heraus, dass Arn ein begabter Junge ist, er lernt nicht nur schnell lesen, schreiben und Latein, sondern ist auch ein sehr guter Kämpfer. Bruder Guilbert und Pater Henry, der Abt des Klosters, erkennen schließlich, dass Arn kein guter Priester, dafür aber ein guter Krieger werden wird und lassen ihn als jungen Mann wieder nach Hause. Das ist eine gute Entscheidung, denn in seiner Heimat hat sich der Konflikt mit den verfeindeten Sverkern zugespitzt, so dass seine Kampfkünste dort bald dringend benötigt werden.

Die schöne Cecilia (Sofia Heldin)

Die schöne Cecilia (Sofia Heldin) – Screenshot


Arn und sein Pferd Chamsin

Arn: Auch sein Pferd Chamsin sieht gut aus – Screenshot

Aber keine gute Geschichte ohne unlösbaren Konflikt: Arn verliebt sich in die schöne Cecilia. Deren Vater hat aber zwei Töchter, von denen nur eine heiraten kann, die andere muss ins Kloster. Cecilias Schwester Katarina hat ebenfalls ein Auge auf Arn geworfen, der lässt sie aber abblitzen. Als Cecilia ihrer Schwester anvertraut, dass sie von Arn schwanger ist, verrät Katarina sie an die Oberin des Klosters, in dem die beiden Mädchen abwechseln erzogen wurden. Riesenskandal, vor allem, da Katarina behauptet Arn habe auch mit ihr geschlafen.

Knut (Gustaf Skarsgård) ist zurück und will um seine Krone kämpfen.

Knut (Gustaf Skarsgård) ist zurück und will um seine Krone kämpfen.

Arn und Cecilia werden hart bestraft, weil sich Arn gerade auf die Seite von Knut geschlagen hat, den Sohn von König Erik, den die Sverker einige Jahre zuvor erschlagen hatten. Knut ist aus Norwegen zurückgekehrt, um sich seine Krone zurückzuholen. Als er loszieht, um den Mörder seines Vaters zu töten, ist Arn dabei, der hofft, dass er Cecilia heiraten kann, wenn sein alter Freund Knut erst einmal König ist und entsprechenden Einfluss hat. Knut kann ihm allerdings nicht helfen, im Gegenteil, die Kirche steht unter Einfluss der Sverker. Deshalb wird Arn aus dem Weg geräumt, in dem er für 20 Jahre als Tempelritter im Heiligen Land dienen muss, Cecilia wird für die nächsten 20 Jahre ins Kloster gesperrt.

Arn und Sultan Saladin (Milind Soman) respektieren sich

Arn und Sultan Saladin (Milind Soman) respektieren sich

Arn als guter Ritter fügt sich in sein Schicksal und macht sich auf den Weg nach Jerusalem, wo er als guter Kämpfer natürlich auch sehr willkommen ist. Allerdings lernt Arn auch Arabisch und studiert den Koran, er ist halt ein kluger Mann. Als er einem arabischen Edelmann, der von Räubern überfallen wird, das Leben rettet, erfährt er, dass es sich um niemanden andern als den gefürchteten Sultan Saladin handelt, den erbitterten Gegner der Tempelritter. Saladin ist sowohl von der Ritterlichkeit als auch von der Gelehrsamkeit dieses Al Gouthi, wie Arn bei den Arabern genannt wird, so beeindruckt, dass er ihn ebenfalls mit höchstem Respekt behandelt und ihm später ebenfalls das Leben retten wird.

Birger und Knut - im Film allerdings nicht Vater und Sohn

Birger und Knut – im Film allerdings nicht Vater und Sohn

Zuhause in Schweden ergeht es Cecilia weniger gut, die Äbtissin des Klosters nimmt ihr nicht nur das Kind gleich nach der Geburt weg, sondern misshandelt sie so sehr, dass der Bischof einschreiten muss, weil Knut inzwischen König ist und es möglicherweise nicht gut aussehen würde, wenn Cecilia in Obhut des Klosters umkäme. Etwas besser wird es, als Blanca im Kloster auftaucht. Blanca wird ebenfalls schikaniert, aber Cecilia hat eine Verbündete. Blanca ist die künftige Königin, die Knut im Kloster in Sicherheit gebracht hat, bis seine Macht gefestigt ist und er sie heiraten kann. Das geschieht auch bald, allerdings haben Knut und Blanca nicht die Macht, Cecilia vor dem Ende ihrer 20 jährigen Strafe zu erlösen, denn die Kirche ist mächtiger. Außerdem weigert sich Cecilia, einen anderen als Arn zu heiraten, auf den sie noch immer wartet.

Arn muss gegen Sverker Karlsson (Joel Kinnaman) in die Schlacht ziehen

Arn muss gegen Sverker Karlsson (Joel Kinnaman) in die Schlacht ziehen

Arn hat unterdessen nicht nur mit Feinden der Christenheit, sondern auch mit einem neuen Großmeister zu kämpfen, der ihn nicht, wie sein Vorgänger, nach allen Verdiensten in Kampf um das Heiligen Land in Ehren entlassen will, sondern ihn zwingt, mit ihm in eine aussichtslose Schlacht zu ziehen. Dabei werden die Tempelritter vernichtend geschlagen, Arn überlebt nur knapp, weil Saladin ihn findet und ihn gesund pflegen lässt. Der neue Herrscher in Jerusalem finanziert schließlich auch die Rückkehr seines geschätzten Feindes in dessen Heimat.

Arn ( Joakim Nätterqvist)  in Aktion

Arn ( Joakim Nätterqvist) in Aktion – Screenshot

Natürlich gibt es noch die eine oder andere Verwicklung, aber am Ende kann Arn endlich seine geliebte Cecilia wieder in die Arme schließen, obwohl sie erst kurz zuvor erfahren musste, dass sämtliche Kreuzritter umgekommen seien. Am Leben hielt sie eigentlich nur die gute Nachricht, dass ihr Sohn lebt und bei Birger Brosa aufwächst, einem einflussreichen Mann, der ein guter Freund von Arns Vater ist. Jetzt ist Arn wieder da, die beiden können endlich heiraten und bekommen sogar noch eine Tochter. Allerdings stirbt Knut und die Sverker wollen die Krone zurück. Zwar gelingt es Birger Brosa, als Kompromiss auszuhandeln, dass Sverker Karlsson König wird, wenn er Knuds Sohn Erik als Thronfolger akzeptiert, aber es dauert nicht lange, bis sich heraus stellt, dass Sverker nicht die Absicht hat, sich an diese Abmachung zu halten und versucht, Knud Söhne aus dem Weg zu räumen. Arn muss also einmal wieder kämpfen, jetzt gegen Sverker Karlsson und die mit ihm verbündeten Dänen.

Erik (Bill Skarsgård) will Rache - Arn plädiert für Frieden

Erik (Bill Skarsgård) will Rache – Arn plädiert für Frieden

Trotz der dramatischen zahlenmäßigen Unterlegenheit gelingt es den Folkungern, die Sverker zu schlagen. Vor allem schafft Arn es, Erik davon abzuhalten, Sverker Karlsson zu töten, und damit nicht nur die Kette der ständigen Rachemorde zu durchbrechen, sondern auch einen Grundstein für die kurze Zeit später erfolgte Einigung des schwedischen Reiches zu legen. Allerdings wird Arn selbst bei den Kämpfen so schwer verwundet, dass er es zwar noch schafft, wie versprochen zu Cecilia heimkehren, aber dann stirbt.

Sverker Karlsson ist geschlagen

Sverker Karlsson ist geschlagen

Alles in allem also ein opulentes Historiendrama, das sich hervorragend eignet, einen regnerischen Karfreitag interessant zu gestalten. Es geht alles in allem weniger um die Kreuzzüge und die Schlacht um Jerusalem, als um schwedische Geschichte – wobei ich nicht sagen kann, wie gut die historischen Bezüge dargestellt wurden. Allerdings gibt es bei Ereignissen, die so lange her sind, ohnehin niemanden mehr, der mit Gewissheit sagen kann, wie es sich denn nun wirklich zugetragen hat.

Was mich ein bisschen gestört hat, war, dass Arn und vor allem Cecilia in den zwanzig Jahren ewigen Wartens kaum altern – mit Ende Dreißig sahen die Menschen im Mittelalter nicht mehr so frisch aus wie heute im gleichen Alter. Der einzige, der realistisch altert, ist König Knut. Aber geschenkt, alles in allem fand ich Arn weit weniger ärgerlich als die fürs deutsche Fernsehen üblichen Historiendramen à la Wanderhure. Und die ganze Riege der schwedischen Großdarsteller mal nicht im üblichen skandinavischen Krimi-Anthrazit, sondern in opulenten Farben und auch mal in Rüstung – das ist absolut sehenswert.

Die Folkskunger nach der Schlacht.

Die Folkunger nach der Schlacht.

Die Brücke und der Unsichtbare

Nein, mit dieser zweiten Staffel von der Brücke bin ich nicht wirklich zufrieden. Ja, es ist alles wieder sehr rätselhaft und komplex, aber der Drive fehlt irgendwie – und langsam gehen mir die privaten Probleme von Martin und Saga auch auf die Nerven. Natürlich gibt gerade Sagas eigenwillige Art wieder eine Menge interessanter Szenen her, der Besuch der Schwiegermama in spe samt sämtlichen Komplikationen ist allerliebst, aber das ist halt nettes Beiwerk und nichts, was die ohnehin reichlich verworrende Handlung sinnvoll weiter trägt.

Zwar haben sich die Autoren wieder allerhand ausgedacht, aber irgendwie zündet die Geschichte nicht, sie britzelt an einer langen Lunte vor sich hin, aber die vielen Windungen finde ich dann doch ziemlich ermüdend. Da hilft auch nicht, dass es jede Menge Leichen gibt, ein Chemiewerk in die Luft fliegt oder am Ende gleich eine vollbesetztes Flugzeug mit Biowaffen angegriffen wird – es reicht halt nicht, einfach von allem zu viel zu nehmen, um eine gute Serie auf den Tisch zu bringen – machmal ist weniger mehr und die Konzentration auf das Wesentliche besser als immer noch was und noch was und noch was, wo man doch eh schon übersatt von den vielen Nebensachen ist. Ist mir lange nicht passiert, dass ich bei einer Serie, wo ich mich explizit auf die nächste Staffel gefreut habe, froh war, als sie vorbei war. Normalerweise ist es traurig, wenn die Staffel schon wieder durchgesehen ist. Aber in diesem Fall ging es mir tatsächlich so: gut, dass es endlich vorbei ist.

Screenshot: Den osynlige - Gustaf Skarsgård als Untoter.

Screenshot: Den osynlige – Gustaf Skarsgård als künftiger Untoter.

Als Übersprungshandlung musste ich dann gleich noch was Skandinavisches hinterher kucken – in diesem Fall ein schwedisches Teenie-Drama aus dem Jahr 2002, das im Original Den osynlige heißt und ansonsten mit dem Titel Invisible- Gefangen im Jenseits abschreckt, obwohl es zumindest auf Anhieb gar keine deutsche Fassung von dem Film zu finden ist. Aber inzwischen bin ich ja ein Fan von schwedischen Originalfassungen mit englischen Untertiteln. Darauf gekommen bin ich, weil zum einen der jüngere Bruder von Alexander Skarsgård, Gustaf Skarsgård, die Hauptrolle spielt und zum anderen Joel Kinnaman in einer Nebenrolle zu sehen ist.

Screenshot: Den osynlige - Kalle

Screenshot: Den osynlige – der künftige Robocob im Jahr 2002 als Skinhead Kalle

Alles in allem ist die Gesichte ziemlich düster, aber nicht schlecht: Niklas (gespielt von Gustaf Skarsgård) ist ein Einzelgänger, der gut in der Schule und etwas verschroben, aber mit seiner Rolle als Schulstreber nicht unglücklich ist, so schreibt er Gedichte und bewirbt sich heimlich bei einer Schule für Autoren in London. Allerdings hat er Probleme mit seiner immer sehr um ihn besorgten alleinerziehenden Mutter, weshalb er ihr von seinen Plänen, nach England zu gehen, auch nichts verrät. Nur Peter weiß Bescheid, dessen einziger Freund Niklas ist.

Screenshot  - den osynlige: Kalle, Peter und Attis

Screenshot – den osynlige: Kalle und Attis drangsalieren Peter

Unterdessen überfällt die notorisch kriminelle Schulpsychopathin Annelie (Tuva Novotny) mit ihrem Freund ein Juweliergeschäft – ihr Freund bekommt am nächsten Tag aber kalte Füße und meldet den Raub bei der Polizei. Diese findet das Diebesgut in Annelies Spind. Annelie und ihre Schlägerclique fangen Peter ab, der ohnehin ihr Lieblingsopfer ist, und quälen ihn solange, bis er aus lauter Verzweiflung Niklas als den gesuchten Verräter nennt, weil er annimmt, das Niklas längst auf dem Weg nach London ist. Natürlich hat Peter keine Ahnung, dass Annelies Freund Marcus seine Freundin verpfiffen hat.

Screenshot: Den osynlige

Screenshot: Den osynlige

Blöderweise hat Niklas Mutter inzwischen aber heraus gefunden, was ihr Sohn vor hat und ihn dazu bewegt, bei ihr zu bleiben. Das Flugticket hat er am Abend spontan einer Zufallsbekanntschaft geschenkt. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf: Annelie, Attis (Francisco Sobrado) und Kalle (Joel Kinnaman) verfolgen Niklas und verprügeln ihn – Annelie rastet schließlich aus und tritt ihn (vermeintlich) zu Tode. Daraufhin werfen sie Niklas leblosen Körper sie in eine Grube und zwingen Peter, Niklas Sachen zu verbrennen.

Screenshot: Den osynlige - Peter hält Niklas für tot

Screenshot: Den osynlige – Peter hält Niklas für tot

Am nächsten Morgen kommt Niklas wie üblich in die Schule und muss feststellen, dass die anderen ihn nicht wahrnehmen: Sie können ihn weder hören noch sehen. Über diesen Zustand gerät er zunehmend in Verzweiflung, zumal er mitbekommt, dass seine Mutter nach ihm sucht. Er findet auch heraus, dass Annelie sich an ihm gerächt hat, weil sie glaubte, dass Niklas der Polizei den anonymen Hinweis gab.

Als Niklas vor seinem Fenster einen sterbenden Vogel beobachtet, der ihm einige Zeit auf der Schulter sitzt und wieder verschwindet, begreift er, dass er noch nicht ganz tot ist. Daraufhin versucht er, seinen Körper zu finden. Dazu nimmt er Kontakt mit Annelie auf – ausgerechnet seine Mörderin ist die Einzige, mit der er ansatzweise kommunizieren kann. Am Grab ihrer Mutter weint Annelie erstmals, aber sie kann Niklas nicht helfen, denn sie weiß nicht, wo seine Leiche ist.

Screenshot: Den osynlige - Niklas Körper ist verschwunden

Screenshot: Den osynlige – Niklas Körper ist verschwunden

Inzwischen wird Niklas von der Polizei gesucht und Peter kann nicht länger ertragen, dass sein einziger Freund seinetwegen umgebracht wurde. Er erhängt sich in seinem Zimmer. Niklas kann ihn nicht davon abhalten, aber während Peter sich im Todeskampf und somit in jeder Zwischenwelt befindet, in der Niklas gefangen ist, sagt Peter ihm, wo er sein Körper finden kann – er hat ihn bei den Schleusen versteckt. In seinem Abschiedsbrief teilt er das auch der Polizei mit. Kurz nachdem Niklas quasi wieder zu sich selbst gefunden hat, trifft auch die Polizei samt Rettungswagen ein – die Ärzte schaffen es zwar, Niklas wiederzubeleben, können ihn aber nicht retten. Im Krankenhaus erfährt Niklas Mutter, dass ihr Sohn zwar noch atmet, aber hirntot ist.

Screenshot: Den osynlige - nur Niklas Mörderin Annelie kann noch helfen.

Screenshot: Den osynlige – nur Niklas Mörderin Annelie kann noch helfen.

Inzwischen hat Annelie begriffen, dass ihr Freund Marcus der Verräter ist. Jetzt will sie sich an ihm rächen – auch dafür, dass sie einen Unschuldigen ermordet hat. Marcus versichert ihr allerdings, dass Niklas noch lebt – das hat er auf der Polizeiwache gehört. Also versucht Annelie zum Krankenhaus zu kommen, was sie schließlich mit Niklas Hilfe auch schafft, der ja ein Interesse daran hat, dass sie zu seinem Körper und seiner Mutter vordringen kann. Niklas braucht Annelie als Medium, um seiner Mutter mitzuteilen, dass sie ihn loslassen soll. Natürlich will Niklas Mutter erstmal nichts von Annelie wissen, aber als Niklas sie Dinge sagen lässt, die nur Niklas wissen kann, begreift seine Mutter, dass durch Annelie tatsächlich ihr Sohn zu ihr spricht. Sie lässt zu, dass Annelie zu Niklas geht und die lebenserhaltenden Maschinen abschaltet. Der Film endet damit, dass Annelie sich von Kommissar Larsson verhaften lässt.

Screenshot: Den osynlige - Niklas Mutter.

Screenshot: Den osynlige – Niklas Mutter.

Alles in allem fand ich das eine ganz interessante Geschichte und auch ganz ordentlich umgesetzt – auf mich hat ja die Beschreibung „Thriller mit Fantasy-Elementen“ eine eher abschreckende Wirkung, weshalb ich hier auch eher skeptisch war. Es muss nicht immer Thriller sein und Thriller mit Fantasy schon gar nicht. Aber dieses Schwedendrama mit Fantasy-Elementen ist absolut im hässlichen Diesseits verankert, was es erträglich macht.

Screenshot: Den osynlige - Niklas "Geist" und Annelie

Screenshot: Den osynlige – Niklas „Geist“ und Annelie im Krankenzimmer. Gleich wird Annelie die Maschinen abeschalten.

Fabio Montale – eine Liebeserklärung an Marseille

Weil ich am Wochenende nach Marseille aufbreche, habe ich mir zur Einstimmung noch einmal die drei Fabio-Montale-Krimis angesehen, die ebenfalls in Marseille spielen. Es handelt sich um die Verfilmung der Marseille-Trilogie von Jean Claude Izzo. Nicht nur die Schweden sind Meister der gepflegten Krimi-Trilogie, die Franzosen können das auch. Die drei Romane Total Cheops, Chourmo und Solea gehören auf jeden Fall zu den Spitzenprodukten dieses Genres.

Screenshot Fabio Montale - Rache für Leila (Total Cheops), 2001

Screenshot Fabio Montale – Rache für Leila (Total Cheops), 2001

Der Kriminal-Kommissar Fabio Montale (Alain Delon) kommt selbst aus dem Einwanderer-Milieu, seine Familie ist aus Italien nach Marseille gekommen. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er mit seinen ebenfalls italienisch-stämmigen Freunden Ugo (Jean-Francois Garreaud) und Manu. Die drei waren als echte Marseiller Straßenjungs auf auf dem Weg zu einer kriminellen Karriere – bis sie bei einem Überfall auf eine Apotheke den Apotheker so schwer verletzten, dass er zum Krüppel wurde. Fabio wechselte darauf die Seiten und wurde Polizist. Trotzdem blieb er seinen Freunden immer verbunden, auch wenn diese sich weiterhin mit kriminellen Geschäften durchs Leben schlugen. Fabio versucht, zu den harten Jungs in den Banlieus Kontakt zu halten, um sie auf den rechten Weg zu bringen und ist oft frustriert von der Polizeiarbeit, zumal er immer wieder vergeblich gegen den Rassismus und die Korruption in den eigenen Reihen ankämpft.

Screenshot Fabio Montale - Rache für Leila (Total Cheops), 2001

Fabio und Ugo – Screenshot Fabio Montale – Rache für Leila (Total Cheops), 2001

Er tröstet sich am Feierabend gern mit gutem Essen, einem Kaffee auf seiner Terrasse oder einer guten Flasche Wein und hört dazu Musik. Das Essen und die Musik spielen in den Büchern eine wichtige Rolle, genau wie die leidenschaftliche Hassliebe, die Fabio genau wie sein Schöpfer Jean Claud Izzo für seine Heimatstadt empfindet, die so schön sein könnte, wenn nicht so viele schreckliche Dinge dort geschehen würden. In den Filmen konzentriert sich die Geschichte aufs Verbrechen, aber das geht schon okay.

Babette hat über die Mafia recherchiert - Screenshot Fabio Montale - Rache für Leila (Total Cheops), 2001

Screenshot Fabio Montale – Rache für Leila (Total Cheops), 2001

Im ersten Teil kommt Fabios alter Freund Ugo zurück nach Marseille und wird kurze Zeit später erschossen aufgefunden. Montale schnallt sofort, dass seine Polizeikollegen hinter dem Tod seines Freundes stecken, der zuvor einen Mafiaboss erschossen hat. Fabio beginnt gemeinsam mit seinem loyalen Kollegen Loubet (Eric Defosse)mit den Ermittlungen. Zugleich verschwindet auch noch die Geliebte seines Polizeikollegen Thierry Peyrol (Cédric Chevalme), die Jurastudentin Leila (Kahena Saighi). Ihre Leiche wird in der Nähe von Cassis gefunden. Peyrol ist total verzweifelt und beschließt, den Mörder zu finden und umzubringen, wovon ihn Fabio natürlich abhalten will. Mit seinem loyalen Kollegen Loubet (Eric Defosse) nimmt Montale die Ermittlungen auf. Sie kommen mit der Hilfe von Babette (Elena Sofia Ricci), einer Journalistin mit der Fabio befreundet ist, einem Komplott der Mafia auf die Spur. Fabio findet heraus, dass seine toten Freunde in dieser verzwickten Geschichte um Korruption, Erpressung und Verrat nur Bauernopfer waren.

Loubet muss schießen -Screenshot Fabio Montale - Rache für Leila (Total Cheops), 2001

Loubet muss schießen -Screenshot Fabio Montale – Rache für Leila (Total Cheops), 2001

Schlimmer noch: Auch hinter dem Mord an Leila steckt ein Kollege – nachdem es Kommissar Morvan (Marc Samuel) gelungen ist, einen potenziell gefährlichen Mitwisser zu beseitigen in dem er eine Geiselnahme provoziert, bei der Loubet den Verdächtigen erschießt, um seinen Kollegen Thierry zu retten, findet Thierry heraus, dass Leila ebenfalls etwas gesehen haben muss, was sie nicht sehen sollte. Es kostet Fabio große Anstrengung, Thierry davon abzuhalten, Movran umzubringen, aber er schafft es schließlich – Thierry wird in den nächsten beiden Teilen sehr dankbar dafür sein.

Screenshot Fabio Montale - Rache für Leila (Total Cheops), 2001

Screenshot Fabio Montale – Rache für Leila (Total Cheops), 2001

Leider waren die digitalen Aufnahmemöglichkeiten vor zehn Jahren, als die drei Teile als Mini-Serie im ZDF ausgestrahlt wurden, noch nicht so toll. Aber die drei Filme sind absolut sehenswert, die Geschichte ist spannend, die Charaktere überzeugend und dann natürlich die großartige Landschaft, die mit raffinierten Kamerafahrten in die Handlung geholt wird – eine grandiose Liebeserklärung an Marseille.

Screenshot Fabio Montale - Rache für Leila (Total Cheops), 2001

Screenshot Fabio Montale – Rache für Leila (Total Cheops), 2001

The East – Öko-Thriller mit ungewissem Ausgang

Wie schon in meinem ersten Die-Brücke-Artikel zum Auftakt der neuen Staffel erwähnt, erinnerten mich die skandinavischen Öko-Terroristen aus dem ersten Teil an die Öko-Anarchos aus dem US-Thriller The East.

Die Mitglieder des Untergrund-Netzwerks gleichen Namens sind nämlich so ähnlich drauf – allerdings sehr viel gewissenhafter bei der Auswahl ihrer Opfer: Sie bestrafen die ihrer Ansicht nach Verantwortlichen für Umweltkatastrophen und Medizinskandale auf handgreifliche Art und Weise. Sie kippen zum Beispiel nachts Mineralöl ins Lüftungssystem von der Villa eines Ölmulties, um eine Ölpest zu rächen, die von seinem Konzern verursacht wurde. Später verschaffen sie sich Zutritt zur Veranstaltung eines Pharmakonzerns, auf dem die Zulassung eines Medikamentes mit gefährlichen Nebenwirkungen gefeiert wird – und mischen das angebliche harmlose Arzneimittel in hoher Dosierung in den Champagner, der zum Anstoßen gereicht wird. Wobei sie durchaus wissen, dass das Medikament keineswegs harmlos ist – aber genau das ist ja der Clou an der Sache: Die Hersteller sollen an ihrem eigenen Gift zugrunde gehen. Genau nach diesem Prinzip entführt The East auch den Chef eines Chemiewerkes und zwingen ihn und seine Frau, in dem Fluss zu baden, in den die giftigen Abwässer aus der Fabrik eingeleitet werden. Schließlich müssen die Leute, die an dem Fluss wohnen, auch mit dem gefährlichen Dreck im Wasser leben – und einige Bewohner, die es sich nicht leisten können, wo anders hinzuziehen, sind bereits selbst krank oder haben schwer kranke Kinder.

Screenshot The East, USA 2013

Screenshot The East, USA 2013

Diese radikale Art der Selbstjustiz ist in gewisser Weise durchaus sympathisch, denn es trifft ja definitiv immer nur die fiesen Arschlöcher, die tatsächlich Dreck am Stecken haben und das nicht zu knapp. Einfluss- und auch sonst stinkreiche Leute, die sich normalerweise hinter ihren Rechts- und PR-Abteilungen verstecken können und wenn überhaupt, dann höchsten mit symbolischen Strafen belegt werden, weil man erfolgreiche Unternehmer in unserem Wirtschaftssystem schlecht bestrafen kann, weil sie die Wirtschaft voran bringen und Arbeitsplätze schaffen. Wobei die Filmemacher die Taten der Aktivisten nicht verklären, es wird hier kein alternatives Heldentum gefeiert, sondern durchaus hinterfragt, ob das wirklich so in Ordnung ist.

Dafür ist die junge Undercover-Agentin Sarah Moss (Brit Marling) zuständig, die für ein privates Sicherheitsunternehmen arbeitet. Hiller Brood wird immer dann engagiert, wenn Bedrohungen aller Art möglichst diskret aus der Welt geschafft werden sollen. Sarah ist nicht nur überaus ehrgeizig, sondern auch schön und intelligent. Ihr Aufgabe ist es, das Netzwerk zu infiltrieren und den Aktivisten auf diese Weise das Handwerk zu legen. Nach monatelanger Vorarbeit lernt Sarah, die sich als obdachlose Landstreicherin ausgibt, tatsächlich ein Mitglied von The East kennen und fügt sich selbst eine Verletzung zu, um zum Quartier der Gruppe mitgenommen und dort verarztet zu werden. Sie ist erfolgreich: Sie wird tatsächlich zu dem halb verfallenen Haus irgendwo tief im Wald mitgenommen, in dem die Anarcho-Ökos leben.

Keine Frage, die Jungs und Mädels sind schon ziemlich hart drauf und haben eigenartige Rituale entwickelt, um sich gegen schädliche Einflüsse von außen abzuschirmen und ihren Zusammenhalt zu stärken. Bei ihnen geht es streng ökologisch und basisdemokratisch zu, auch wenn der charismatische und anfangs sehr zottelige Benji (Alexander Skarsgård) so etwas wie der heimliche Anführer ist.

Screenshot The East: Benji (Alexander Skarsgård)

Screenshot The East: Benji (Alexander Skarsgård)

Strom und fließendes Wasser gibt es nicht, insofern ist die Lebensweise überaus spartanisch, außerdem ernährt sich die Gruppe aus Prinzip von dem, was die von ihnen kritisierte Wohlstandsgesellschaft weg wirft. Sarah fällt es nicht leicht, sich in die Gemeinschaft einzuordnen, aber für den Erfolg ihrer Mission übt sie sich in Bescheidenheit – ganz offensichtlich eine Lektion, die bisher nicht auf ihrem Lehrplan stand. Aber die anderen erkennen durchaus an, dass die Neue auf Zack ist und durchaus nützlich sein kann.

Mit der Zeit fängt Sarah an, nicht nur die Lebensweise, sondern auch die Ansichten der Gruppe zu teilen und ihren eigenen Auftrag zu hinterfragen. Außerdem findet sie heraus, dass die Mitglieder von The East fast durchgängig durchaus erfolgreiche berufliche Karrieren hätten machen können – Benji beispielsweise hat von seinen Eltern ein Vermögen geerbt, sich aber für einen anderen Weg entschieden. Der Medizinmann der Truppe Doc (Toby Kebbell) ist tatsächlich ein promovierter Mediziner. Seine Schwester starb an dem Medikament des bösen Pharmakonzerns und er selbst leider unter schlimmen Nebenwirkungen, weshalb er auch nicht mehr als Arzt arbeiten kann. Und bei der forschen Izzy (Ellen Page), die nicht so richtig gut fand, dass die Neue bleiben durfte, handelt es sich um die Tochter des Chemie-Chefs, der später in seinem eigenen Giftabwasser baden muss.

Screenshot The East, Sarah (Brit Marling)

Screenshot The East, Sarah (Brit Marling)

Sie haben also alle ein Motiv, hier zu sein – es handelt sich um Aussteiger, die ein ganz anderes Leben hätten haben können, aber ihre geldgeilen Eltern hassen. Deshalb haben sie sich für die andere Seite entschieden – sie sind alle irgendwie gegen das System, aber sie haben sehr persönliche Gründe dafür. Das ist der Punkt, den ich an dem Film dann doch wieder ziemlich schwach finde – als ob nicht auch so schon mehr als genug Gründe gäbe, gegen Umweltzerstörung und die systematische Vergiftung von Mensch und Tier zugunsten des Profits zu sein. Da braucht es eigentlich keine persönlichen Gründe, sondern einfach nur gesunden Menschenverstand.

Die Attacken von The East funktioniert allerdings nur, weil es sich um intelligente, gut ausgebildete und informierte junge Menschen handelt. Ohne ihre guten Beziehungen bis in die höchsten Konzernetagen hinein könnte die Leute von The East ihre spektakulären Aktionen auch gar nicht auf die Beine stellen. Im Grunde sind sie Sarah gar nicht so unähnlich – und Sarah übernimmt immer mehr vom Denken der Gruppe, so dass sie sogar in der Konzernzentrale einen weggeworfenen Apfel aus dem Mülleimer fischt und ungeniert hinein beißt, während sie ihrer erstaunten Chefin erklärt, was in dieser Gesellschaft so alles schief läuft.

Screenshot The East: Benji (Alexander Skarsgård)

Screenshot The East: Benji ohne Zottelhaar (Alexander Skarsgård)

Trotzdem kann sich Sarah am Ende nicht für Benji und The East entscheiden. Das Leben ihrer Agenten-Kollegen, die The East enttarnen will, ist ihr dann doch wichtiger als der Kampf gegen das System und ihre Zuneigung zu Benji. Natürlich ist auch klar, dass die US-Filmindustrie gelegentlich auch alternative Projekte wie eben dieses hier unterstützt, aber keinen Aufruf zu Terror und Klassenkampf. Das ist dieser Film auch keineswegs, er zeigt einfach das moralische Dilemma der Hauptfiguren, die versuchen, das Richtige zu tun und sich dabei für eine Seite entscheiden müssen, wobei sie durchaus wissen, dass sie in gewisser Weise auch immer das Falsche tun. Denn natürlich wird die Welt nicht davon besser, wenn man einerseits kritisiert, dass Menschen vergiftet werden und genau das abstellen will, indem man gezielt weitere vergiftet. Insofern handelt es sich hier nicht um einen primitiven Rachefilm (obwohl man auch die ja sehr raffiniert gestalten kann, wie Big Bad Wolves beweist), sondern um ein durchaus spannend inszeniertes, aber eher leises Psychodrama. Der Film nimmt weder Partei für noch gegen die radikalen Ökospinner und er weist einmal mehr darauf hin, mit welchen Mitteln mächtige Konzerne dafür sorgen, dass ihnen niemand an den Karren fährt, während sie für ihr Business über Leichen gehen.

Noch ein paar Eindrücke gibt es hier: http://mariberlyn.tumblr.com