Die Brücke und der Unsichtbare

Nein, mit dieser zweiten Staffel von der Brücke bin ich nicht wirklich zufrieden. Ja, es ist alles wieder sehr rätselhaft und komplex, aber der Drive fehlt irgendwie – und langsam gehen mir die privaten Probleme von Martin und Saga auch auf die Nerven. Natürlich gibt gerade Sagas eigenwillige Art wieder eine Menge interessanter Szenen her, der Besuch der Schwiegermama in spe samt sämtlichen Komplikationen ist allerliebst, aber das ist halt nettes Beiwerk und nichts, was die ohnehin reichlich verworrende Handlung sinnvoll weiter trägt.

Zwar haben sich die Autoren wieder allerhand ausgedacht, aber irgendwie zündet die Geschichte nicht, sie britzelt an einer langen Lunte vor sich hin, aber die vielen Windungen finde ich dann doch ziemlich ermüdend. Da hilft auch nicht, dass es jede Menge Leichen gibt, ein Chemiewerk in die Luft fliegt oder am Ende gleich eine vollbesetztes Flugzeug mit Biowaffen angegriffen wird – es reicht halt nicht, einfach von allem zu viel zu nehmen, um eine gute Serie auf den Tisch zu bringen – machmal ist weniger mehr und die Konzentration auf das Wesentliche besser als immer noch was und noch was und noch was, wo man doch eh schon übersatt von den vielen Nebensachen ist. Ist mir lange nicht passiert, dass ich bei einer Serie, wo ich mich explizit auf die nächste Staffel gefreut habe, froh war, als sie vorbei war. Normalerweise ist es traurig, wenn die Staffel schon wieder durchgesehen ist. Aber in diesem Fall ging es mir tatsächlich so: gut, dass es endlich vorbei ist.

Screenshot: Den osynlige - Gustaf Skarsgård als Untoter.

Screenshot: Den osynlige – Gustaf Skarsgård als künftiger Untoter.

Als Übersprungshandlung musste ich dann gleich noch was Skandinavisches hinterher kucken – in diesem Fall ein schwedisches Teenie-Drama aus dem Jahr 2002, das im Original Den osynlige heißt und ansonsten mit dem Titel Invisible- Gefangen im Jenseits abschreckt, obwohl es zumindest auf Anhieb gar keine deutsche Fassung von dem Film zu finden ist. Aber inzwischen bin ich ja ein Fan von schwedischen Originalfassungen mit englischen Untertiteln. Darauf gekommen bin ich, weil zum einen der jüngere Bruder von Alexander Skarsgård, Gustaf Skarsgård, die Hauptrolle spielt und zum anderen Joel Kinnaman in einer Nebenrolle zu sehen ist.

Screenshot: Den osynlige - Kalle

Screenshot: Den osynlige – der künftige Robocob im Jahr 2002 als Skinhead Kalle

Alles in allem ist die Gesichte ziemlich düster, aber nicht schlecht: Niklas (gespielt von Gustaf Skarsgård) ist ein Einzelgänger, der gut in der Schule und etwas verschroben, aber mit seiner Rolle als Schulstreber nicht unglücklich ist, so schreibt er Gedichte und bewirbt sich heimlich bei einer Schule für Autoren in London. Allerdings hat er Probleme mit seiner immer sehr um ihn besorgten alleinerziehenden Mutter, weshalb er ihr von seinen Plänen, nach England zu gehen, auch nichts verrät. Nur Peter weiß Bescheid, dessen einziger Freund Niklas ist.

Screenshot  - den osynlige: Kalle, Peter und Attis

Screenshot – den osynlige: Kalle und Attis drangsalieren Peter

Unterdessen überfällt die notorisch kriminelle Schulpsychopathin Annelie (Tuva Novotny) mit ihrem Freund ein Juweliergeschäft – ihr Freund bekommt am nächsten Tag aber kalte Füße und meldet den Raub bei der Polizei. Diese findet das Diebesgut in Annelies Spind. Annelie und ihre Schlägerclique fangen Peter ab, der ohnehin ihr Lieblingsopfer ist, und quälen ihn solange, bis er aus lauter Verzweiflung Niklas als den gesuchten Verräter nennt, weil er annimmt, das Niklas längst auf dem Weg nach London ist. Natürlich hat Peter keine Ahnung, dass Annelies Freund Marcus seine Freundin verpfiffen hat.

Screenshot: Den osynlige

Screenshot: Den osynlige

Blöderweise hat Niklas Mutter inzwischen aber heraus gefunden, was ihr Sohn vor hat und ihn dazu bewegt, bei ihr zu bleiben. Das Flugticket hat er am Abend spontan einer Zufallsbekanntschaft geschenkt. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf: Annelie, Attis (Francisco Sobrado) und Kalle (Joel Kinnaman) verfolgen Niklas und verprügeln ihn – Annelie rastet schließlich aus und tritt ihn (vermeintlich) zu Tode. Daraufhin werfen sie Niklas leblosen Körper sie in eine Grube und zwingen Peter, Niklas Sachen zu verbrennen.

Screenshot: Den osynlige - Peter hält Niklas für tot

Screenshot: Den osynlige – Peter hält Niklas für tot

Am nächsten Morgen kommt Niklas wie üblich in die Schule und muss feststellen, dass die anderen ihn nicht wahrnehmen: Sie können ihn weder hören noch sehen. Über diesen Zustand gerät er zunehmend in Verzweiflung, zumal er mitbekommt, dass seine Mutter nach ihm sucht. Er findet auch heraus, dass Annelie sich an ihm gerächt hat, weil sie glaubte, dass Niklas der Polizei den anonymen Hinweis gab.

Als Niklas vor seinem Fenster einen sterbenden Vogel beobachtet, der ihm einige Zeit auf der Schulter sitzt und wieder verschwindet, begreift er, dass er noch nicht ganz tot ist. Daraufhin versucht er, seinen Körper zu finden. Dazu nimmt er Kontakt mit Annelie auf – ausgerechnet seine Mörderin ist die Einzige, mit der er ansatzweise kommunizieren kann. Am Grab ihrer Mutter weint Annelie erstmals, aber sie kann Niklas nicht helfen, denn sie weiß nicht, wo seine Leiche ist.

Screenshot: Den osynlige - Niklas Körper ist verschwunden

Screenshot: Den osynlige – Niklas Körper ist verschwunden

Inzwischen wird Niklas von der Polizei gesucht und Peter kann nicht länger ertragen, dass sein einziger Freund seinetwegen umgebracht wurde. Er erhängt sich in seinem Zimmer. Niklas kann ihn nicht davon abhalten, aber während Peter sich im Todeskampf und somit in jeder Zwischenwelt befindet, in der Niklas gefangen ist, sagt Peter ihm, wo er sein Körper finden kann – er hat ihn bei den Schleusen versteckt. In seinem Abschiedsbrief teilt er das auch der Polizei mit. Kurz nachdem Niklas quasi wieder zu sich selbst gefunden hat, trifft auch die Polizei samt Rettungswagen ein – die Ärzte schaffen es zwar, Niklas wiederzubeleben, können ihn aber nicht retten. Im Krankenhaus erfährt Niklas Mutter, dass ihr Sohn zwar noch atmet, aber hirntot ist.

Screenshot: Den osynlige - nur Niklas Mörderin Annelie kann noch helfen.

Screenshot: Den osynlige – nur Niklas Mörderin Annelie kann noch helfen.

Inzwischen hat Annelie begriffen, dass ihr Freund Marcus der Verräter ist. Jetzt will sie sich an ihm rächen – auch dafür, dass sie einen Unschuldigen ermordet hat. Marcus versichert ihr allerdings, dass Niklas noch lebt – das hat er auf der Polizeiwache gehört. Also versucht Annelie zum Krankenhaus zu kommen, was sie schließlich mit Niklas Hilfe auch schafft, der ja ein Interesse daran hat, dass sie zu seinem Körper und seiner Mutter vordringen kann. Niklas braucht Annelie als Medium, um seiner Mutter mitzuteilen, dass sie ihn loslassen soll. Natürlich will Niklas Mutter erstmal nichts von Annelie wissen, aber als Niklas sie Dinge sagen lässt, die nur Niklas wissen kann, begreift seine Mutter, dass durch Annelie tatsächlich ihr Sohn zu ihr spricht. Sie lässt zu, dass Annelie zu Niklas geht und die lebenserhaltenden Maschinen abschaltet. Der Film endet damit, dass Annelie sich von Kommissar Larsson verhaften lässt.

Screenshot: Den osynlige - Niklas Mutter.

Screenshot: Den osynlige – Niklas Mutter.

Alles in allem fand ich das eine ganz interessante Geschichte und auch ganz ordentlich umgesetzt – auf mich hat ja die Beschreibung „Thriller mit Fantasy-Elementen“ eine eher abschreckende Wirkung, weshalb ich hier auch eher skeptisch war. Es muss nicht immer Thriller sein und Thriller mit Fantasy schon gar nicht. Aber dieses Schwedendrama mit Fantasy-Elementen ist absolut im hässlichen Diesseits verankert, was es erträglich macht.

Screenshot: Den osynlige - Niklas "Geist" und Annelie

Screenshot: Den osynlige – Niklas „Geist“ und Annelie im Krankenzimmer. Gleich wird Annelie die Maschinen abeschalten.

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