Das Wunder eines richtig guten Fernsehfilms

Wenn im ZDF ein Film kommt, der „Das Wunder von Kärnten“ heißt, erwarte ich eigentlich nichts Gutes. In diesem Fall kann ich aber nicht nur Entwarnung geben, sondern sogar eine Empfehlung aussprechen – es ist nämlich ein wirklich guter Film.

Der österreichische Regisseur Andreas Prochaska verfilmte im Jahr 2011 die auf Tatsachen beruhende Geschichte der unerwartbaren Rettung eines ertrunkenen Mädchens. Im Jahr 1998 fiel die Vierjährige beim Spielen in einen Teich. Als die Eltern ihre Tochter finden, ist die Körpertemperatur schon bedenklich gesunken, trotzdem wird die Kleine mit dem Rettungshubschrauber in das LKH Klagenfurt gebracht. Dort hat zufällig der junge Herzchirurg Dr. Markus Höchstmann (Ken Duken) Dienst, der eigentlich eine Routine-Operation bei einem Kärntner Abgeordneten durchführen soll. Höchstmann entscheidet sich, den aussichtslos scheinenden Kampf um das Leben des Mädchens aufzunehmen, obwohl niemand sonst dem Kind eine Überlebenschance einräumt.

Screenshot: Das Wunder von Kärnten - Dr. Wenninger (Jürgen Maurer) und Dr. Markus Höchstmann (Ken Duken)

Screenshot: Das Wunder von Kärnten – Dr. Wenninger (Jürgen Maurer) und Dr. Markus Höchstmann (Ken Duken)

Um seine Lage ist Dr. Höchstmann nicht zu beneiden: Sein Chef ist auf einer Vortragsreise in den USA, eigentlich will er zu seiner Familie nach Wien, weil sein Sohn heute seinen fünften Geburtstag feiert, und die Kollegen halten ihn für einen arroganten Schnösel. Dazu kommt, dass er noch nie ein Kind operiert hat und das Krankenhaus für sein Vorhaben gar nicht ausgerüstet ist.

Allen Widrigkeiten zum Trotz will er nicht aufgeben, auch wenn seine Kollegen meinen, dass er da bestenfalls „Gemüse produziert“, weil sie davon ausgehen, dass das Kind längst einen irreparablen Hirnschaden erlitten haben muss. Höchstmann ist allerdings der Ansicht, dass die starke Unterkühlung genau das verhindert haben könnte. Er setzt sich schließlich durch und beginnt eine Rettungsoperation, die unendliche fünfzehn Stunden dauern, aber am Ende erfolgreich sein wird. Das Kind erwacht einige Tage später tatsächlich aus dem Koma und hat offenbar keine schweren bleibenden Schäden erlitten. Der Fall ist als „das Wunder von Kärnten“ in die Geschichte der Medizin eingegangen.

Screenshot: Das Wunder von Kärnten - Dr. Höchstmann (Ken Duken)

Screenshot: Das Wunder von Kärnten – Dr. Höchstmann (Ken Duken)

Obwohl ich kein großer Fan von Krankenhaus- oder Ärzte-Serien bin, gibt es eine Ausnahme, nämlich die hyperrealistische US-Serie Emergency Room, die den Alltag in der Notaufnahme eines Chicagoer Universitätskrankenhauses zeigt. Zumindest fand ich die ersten fünf Staffeln richtig gut, danach wurde es dann immer unerträglicher, weil dann einfach mal die Luft raus war und auch einige interessante Darsteller ausgestiegen sind.

Wie auch bei dieser Serie liegt der Fokus bei dem Film auf der Medizin und nicht auf dem privaten Drama. Es werden Rettungssanitäter, Ärzte und Krankenschwestern bei ihrer Arbeit gezeigt – natürlich auch mit allen dramatischen Implikationen, die ein solcher Job mit sich bringt. Sie sind ständig damit konfrontiert, dass sie mit dem, was sie tun oder lassen über Leben und Tod entscheiden. Dabei geht es oft um Sekunden – deshalb sieht man sie immer wieder durch Krankenhausflure rennen, während gleichzeitig im OP höchste Konzentration verlangt wird.

Screenshot: Das Wunder von Kärnten - Dr. Wenninger ist nicht überzeugt

Screenshot: Das Wunder von Kärnten – Dr. Wenninger (Jürgen Maurer) ist nicht überzeugt

In diesem Film wird das sehr gut umgesetzt, die ohnehin hoch dramatische Handlung wird nicht unnötig mit weiteren Drama-Elementen aufgeladen und es wird beispielsweise auch auf den Einsatz nerviger Musik verzichtet – alles in allem hört man oft nur die gedämpften Stimmen der Mediziner, das Klirren des OP-Bestecks und die Geräusche der Geräte. Das erzeugt ebenfalls Spannung, aber eine sehr viel subtilere – einer der großen Pluspunkte an diesem Film, der insgesamt ein sehr leiser, aber sehr intensiver ist. Es ist einfach atemberaubend zu sehen, wie das Team nach und nach im ganzen Krankenhaus Geräte und Bauteile zusammen sucht, um die dringend benötigte, aber nicht vorhandene künstliche Lunge zu improvisieren – da wird dann auch der Techniker von einer der OP-Schwestern mit dem Auto aus dem Feierabend geholt, der seinerseits wiederum sein Bestes gibt, in Rekordzeit natürlich. Anderseits wird dadurch auch nachvollziehbar, dass die Eltern in stundenlanger Ungewissheit allein im Flur sitzen müssen und der Kärtner Abgeordnete einfach vergessen wird – man muss halt Prioritäten setzen.

Die Filmemacher haben auf jeden Fall die richtigen gesetzt: Völlig verdient hat der Film im vergangenen Jahr den internationalen Emmy Award für den Besten Fernsehfilm gewonnen.

Derzeit ist Das Wunder von Kärnten noch in der ZDF-Mediathek abrufbar. Weitere Eindrücke gibt es hier.

Screenshot: Das Wunder von Kärnten - das Team bastelt eine künstliche Lunge

Screenshot: Das Wunder von Kärnten – das Team bastelt eine künstliche Lunge

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