The Americans: Im Auftrag der Sowjetunion

So richtig weiß ich noch immer nicht, was ich von The Americans halten will, obwohl ich die erste Staffel bereits komplett gesehen und inzwischen mit der zweiten angefangen habe. Eigentlich ist die Serie spannend und gut gemacht – aber irgendwie doch sehr amerikanisch. Wobei man von eine Serie, die schon The Americans heißt, auch gar nichts anderes erwarten kann. Obwohl ja auch Breaking Bad sehr amerikanisch ist, geradezu klassischer Western – und das macht ja die Qualität dieser Superserie aus. Diese verbohrte „Ich-kann-alles-schaffen“-Menthalität des Walter White, mit der er sich seine eigene Moral zusammenstrickt, nach der alles erlaubt ist, was für sein Business gerade notwendig wird, das ist USA pur.

Aber bei The Americans ist das komplizierter – denn die Protagonisten sind ja Russen, oder schlimmer: hochrangige KGB-Offiziere. Unheimlich gut ausgebildete Superspione der Sowjets. Bereit, eher zu sterben als ihr Land zu verraten. Und gleichzeitig total integrierte Vorzeige-US-Bürger, die besser englisch sprechen als die meisten Menschen in ihrer Umgebung und von so ziemlich allen Dingen auf der Welt mehr Ahnung haben als ihre amerikanischen Mitbürger in ihrem idyllischen Vorort von Washington D.C..

creenhot: The Americans

Screenhot: The Americans

Elizabeth (Keri Russel) und Philipp Jennings (Matthew Rhys) sind in den 60er Jahren in die USA gekommen. Sie scheinen eine harmonische Ehe zu führen, haben zwei Kinder bekommen und arbeiten in einem Reisebüro. Auf den ersten Blick eine amerikanische Vorzeige-Familie mit allem drum und dran. Aber eigentlich hocheffektive Geheimagenten, deren jeweilige Doppelleben auch immer wieder zu emotionalen Verstrickungen führen, obwohl die beiden im Grunde sehr rational und professionell sind. Aber eben auch nur Menschen und sie haben ständig mit Menschen zu tun, die keine Profis sind, sondern Angriffsfläche bieten – deshalb kann man sie ja auch entsprechend ausnutzen.

Screenhot: The Americans

Screenhot: The Americans – Eine ganz normale Familie, die ihre neuen Nachbarn begrüßt.

Inzwischen sind die 80er Jahre angebrochen und Präsident Ronald Reagan treibt den kalten Krieg durch seine Begeisterung für das SDI-Programm zu immer neuen Höhepunkten. Die Russen sind entsprechend nervös – sie wollen unbedingt mehr über den geplanten satelliten-gestützen Raketen-Abwehrschirm erfahren, durch den möglicherweise das bisherige Gleichgewicht der atomaren Abschreckung zu Gunsten der USA gekippt würde. Dass die beiden KGB-Agenten von einem beteiligten Wissenschaftler im Laufe der ersten Staffel erfahren, dass die Technik noch längst nicht so weit ist und sich die Amis die ganze Sache in erster Linie ausgedacht haben, um die Russen in den Wahnsinn und zu ruinösen Gegenmaßnahmen zu treiben, ist nur eine bittere Pointe von vielen anderen – jedenfalls erinnere ich mich wieder genau daran, warum wir Teenies in den 80er Jahren „No Future“ auf Wände und unsere Jeansjacken kritzelten. Wir hatten wirklich Angst, dass morgen einer auf den roten Knopf drücken und einen Atomkrieg auslösen würde – gerade in Deutschland, wo sich NATO und Warschauer Pakt an der Mauer direkt gegenüber standen. Denn eins war klar: Hier würde kein Stein auf dem anderen bleiben.

Screenhot: The Americans

Screenhot: The Americans – Elizabeth und Philipp

Insofern auch mal interessant, wie das in den 80er Jahren so in den USA gewesen ist – oder gewesen sein könnte. Bei The Americans handelt es sich ja nicht um eine Doku-Serie, sondern um Fiction. Aber ausstattungstechnisch haben sich die Macher große Mühe gegeben, es ist alles herrlich 80er – inklusive der Musik, auch wenn es sich nicht gerade um meine Lieblingssongs der 80er handelt. Und diese ganze analoge Technik! Das macht schon Spaß, auch wenn letztlich keine Rolle spielt, was die KGB-Leute denn eigentlich gegen den Kapitalismus haben. Das ist tatsächlich ein merkwürdig blinder Fleck in der Geschichte – natürlich werden allerlei Motivationen bemüht, es gibt Kriegsgeschichten, Stalingrad, das angedeutete Elend der Nachkriegszeit, aber irgendwie immer nur persönliches Schicksal und keine Politik. Denn im Grunde kann man den Kapitalismus gar nicht kritisieren, nicht einmal die angebliche kommunistischen Hauptfiguren in einer Serie über den kalten Krieg dürfen das tun. Zwar kritisiert Elizabeth immer wieder einmal die unreflektierte und oberflächliche Art der Amerikaner – sie ist eindeutig die Linientreue, während ihr Partner durchaus darüber nachdenkt, überzulaufen, weil ihm der American Way of Life schon irgendwie zusagt. Aber am Ende ist er kein Verräter – allerdings nicht, weil er den Kommunismus besser finden würde, sondern, tja, das wird leider nicht so richtig klar.

Screenshot: The Americans

Screenshot: The Americans – der neue Nachbar Stan Beeman arbeitet ausgerechnet fürs FBI

In erster Linie ist es wohl die Loyalität gegenüber der Familie – Philipp liebt Elizabeth, obwohl es sich um eine arrangierte Ehe handelt und die beiden lieben ihre Kinder. Deshalb wachsen sie trotz aller Konflikte über sich hinaus und kriegen auch die aussichtslosesten Missionen noch irgendwie hin – sie tun es letztlich für die Familie. Auf diese Weise drücken sich die Serienschreiber um die politische Ebene – das ist zwar verständlich, finde ich aber schwach. Natürlich werden wieder allerlei Klischees über Russen bedient – der Vorgesetzte von Elizabeth und Philipp zeigt durchaus menschliche Züge, er hat eine gefühlvolle russische Seele. Aber ansonsten gibt es natürlich jede Menge seelenlose Apparatschiks und paranoide Betonköpfe – fairerweise muss man sagen, dass das in dieser Serie auch bei den Amis so ist. Aber das hinterlässt halt genau den schalen Nachgeschmack, weshalb ich dieser Serie dann doch nicht so gut finde, wie ich sie gern finden würde.

Screenshot The Americans

Screenshot The Americans

Und das verleidet mir auch ein bisschen die Vorfreude auf Child 44 – die Verfilmung dieses Stalin-Ära-Krimis von Tom Rob Smith, in dem der authentische Fall eines Serienmörders beschrieben wird, der in der Sowjetunion Dutzende von Menschen ermorden konnte, weil die Ermittlungsbehörden auf solche Fälle gar nicht vorbereitet waren – im real existierenden Sozialismus sind Verbrechen dieser Art eigentlich undenkbar. Smith hat den Fall allerdings in die Stalin-Ära verlegt, eigentlich fand die Mordserie in den 80er Jahren statt. Aber dadurch wird die Geschichte natürlich deutlich nachvollziehbarer und gleichzeitig beklemmender: Der ermittelnde Kommissar riskiert nicht nur seine Karriere, sondern am Ende auch sein Leben und das seiner Familie, weil er eigentlich gar nicht denken darf, was er denken muss, um den Mörder zu finden. Das Buch hat zwar Schwächen, die Geschichte ist aber durchaus Thriller-tauglich. Außerdem: Regie – Daniel Espinosa! Darsteller: Tom Hardy! Gary Oldman! Noomi Rapace! Joel Kinnaman!

Könnte bei der Schwedenquote eigentlich auch richtig gut werden…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s