Snabba Cash 3 – definitiv kein Luxusleben

Endlich habe ich auch Snabba Cash 3 – Livet deluxe gesehen. Aber ganz ehrlich: So richtig gelohnt hat es sich nicht. Genau wie ich nach dem zweiten Teil schon befürchtet hatte, konnte es für den dritten eigentlich nur noch schlechter werden. Und leider hat Jens Jonsson das auch konsequent durchgezogen: Auf der einen Seite wurden interessante Entwicklungen und Verstrickungen weggelassen, dafür eine Menge überflüssiges (Familien-)Drama dazu erfunden. Am Ende wurde aus der intelligenten und spannend konstruierten Roman-Vorlage von Jens Lapidus ein doch recht öder Baller-Krimi, bei dem mir einige Szenen aus der zweiten Staffel der Johan-Falk-Serie schon ziemlich bekannt vorkamen.

Dabei hat mich nicht einmal so sehr gestört, dass die Geschichte von Johan Westlund, die im Mittelpunkt der ersten beiden beiden Teile steht, nur noch am Rande vor kommt. Das ist im Buch ähnlich: Hauptsächlich geht es um Jorge und seinen Plan, endlich einen richtig großen Coup zu landen. Und natürlich um den Krieg in der Stockholmer Unterwelt, den die Serben-Mafia für sich entscheiden will. Der smarte JW, der sein geniales Geldwäschessystem in seinen Knastjahren noch perfektioniert hat, spinnt auch in „Lass sie bluten“, wie der dritte Teil hierzulande heißt, seine Fäden überaus diskret im Hintergrund. Aber er ist weiterhin eine wichtige Figur in der Geschichte, während er im Film nur ziemlich planlos in LA unterwegs ist, um nach seiner Schwester zu suchen und sich am Ende noch blödestmöglich umbringen zu lassen.

Screenshot Snabba Cash 3: Jorge hat den Durchblick

Screenshot Snabba Cash 3: Jorge hat den Durchblick

Von Camilla weiß Johan im Buch ja seit dem Ende des ersten Teils, dass sie von der Serbenmafia gekillt wurde – weshalb Johan ja auch versucht hat, Mrado umzubringen. Was natürlich auch ein viel plausibleres Motiv für diese Tat war, die Johan dann eine doch ziemlich lange Gefängnisstrafe eingebracht hat. Aber geschenkt, in Snabba Cash I ist die Geschichte trotzdem spannend und nachvollziehbar.

Im dritten Teil hätte man die Geschichte von JW im Grunde auch ganz weglassen können. Wobei dann natürlich alle Amok gelaufen wären, die den Film nur wegen Joel Kinnaman sehen wollten – aber die werden ohnehin enttäuscht. Nicht, weil Kinnaman aus den paar Szenen, in denen er aufgetreten ist, nicht das Beste gemacht hätte, sondern weil seine Figur Johan Westlund schon vor seinem notwendigen Tod total am Ende war – während JW im Roman ja erst im dritten Teil zu seiner Hochform findet und über alle anderen triumphiert. Und das, obwohl er anfangs den Fehler macht, Martin Hägerström (Martin Wallström) zu vertrauen, der im Buch als Undercover-Ermittler eben auf JW angesetzt wird, und nicht auf Radovan Kranjic (Dekan Cukic). Kleines Detail am Rande – dass Johan schon bei Beginn des zweiten Teils im Knast so demoliert ist, hat er im Buch der Undercover-Operation von Hägerström zu verdanken. Der lässt ihn nämlich von gekauften Schlägern verprügeln, damit Johan einen Grund hat, ihm zu vertrauen. Denn eigentlich haben die anderen Knastbrüder keinen Grund, gemein zu Johan zu sein, im Gegenteil – er hilft ihnen ja bei ihren finanziellen Transaktionen. Genau das hat die Behörden ja so misstrauisch gemacht: Warum respektieren die echten Ganoven im Knast eigentlich einen, der eindeutig nicht aus ihrem Milieu stammt? Ironischerweise kehrt sich hier das ewige Problem von Johan um: Er gehört weder zur Business-Elite, noch zur Verbrecher-Elite. Aber letztlich ist es einfacher, die Verbrecher zu beeindrucken. Denen ist letztlich egal, wo einer herkommt, solang er seinen Job erledigt.

Wobei im Film durchaus plausibel ist, dass Hägerström auf Radovan angesetzt wird, denn da ist ja bei JW nicht mehr viel zu ermitteln. Irgendwie schade – die Figur des Johan Westlund wird in der Verfilmung des ersten Teils ja sehr vielversprechend aufgebaut, was durchaus über das Buch hinaus geht, während der zweite Teil schon nicht mehr einlösen kann, was im ersten versprochen wird, und jetzt gibt es den doch sehr enttäuschenden Niedergang – das hat JW nicht verdient, wie ich meine.

Screenshot Snabba Cash 3: Johan planlos in LA

Screenshot Snabba Cash 3: Johan planlos in LA

Aber genau das ist eben die große Enttäuschung: Während der intelligente JW im Buch immer smarter und skrupelloser wird, ist er im Film ein gebrochener Krimineller, der den Rest seines Lebens mit einem eher simplen Racheplan verschwendet, statt sich das Leben deluxe aufzubauen, das ihm im Buch vorschwebt. Im Buch bleibt er der schillernde Charakter, der er von Anfang an ist: Ein nicht unbedingt sympathischer Karrierist, mit dem man sich aber irgendwie doch identifizieren kann, weil er sich von ganz unten hoch kämpfen muss: Weil Johan nicht aus den richtigen Kreisen stammt und nicht die richtigen Leute kennt, muss er immer härter arbeiten, mehr riskieren und viel schlauer sein als die anderen. Und sich immer doppelt und dreifach absichern – weil er einerseits so vorausschauend handelt und andererseits hysterisch vorsichtig ist, schafft auch Hägerström, der im Gegensatz zu Johan beste Kontakte in die schwedische Eliten hat und alle wichtigen Leute kennt, es nicht, JW reinzulegen. Und schon gar nicht, nachdem JW die ebenfalls skrupellose und intelligente Natalie Kranjic (Malin Buska) für sich einnehmen kann, die nach dem Attentat auf ihren Vater Radovan die Führung der Serbenmafia übernimmt. Warum die Drehbuchschreiber auf diese Wendung verzichtet haben und statt dessen diese blöde Rachegeschichte zwischen Natalie und Johan konstruieren mussten, verstehe ich schon gar nicht – was hätte man sich aus dieser Konstellation noch für einen grandiosen vierten Teil ausdenken können! Aber das wird dann vermutlich alles zu unmoralisch: Die Königin der Stockholmer Unterwelt und der König der Geldwäscher dürfen natürlich nicht miteinander glücklich werden. Müssten sie ja auch gar nicht – genau das wäre doch ein fantastischer Stoff für einen richtig guten nächsten Teil gewesen.

Screenshot Snabba Cash 3: Alles nicht so einfach: Jorge muss improvisieren.

Screenshot Snabba Cash 3: Alles nicht so einfach: Jorge muss improvisieren.

Um noch ein paar gute Haare an dem Film zu lassen: Matias Varela als neuerfundener Jorge mit Stoppelfrisur und überzeugend professioneller Selbstdisziplin ist schon großartig. Wenigstens Jorge darf eine überzeugende kriminelle Karriere hinlegen – auch wenn der Rest des Films eher ärgerlich ist und ihm seine Familiensentimentalität wieder mal (fast) zum Verhängnis wird. Verbrechen darf sich halt nicht wirklich lohnen und am Ende gibt es dann noch eine Art fremdbestimmter Selbstkritik, die ich auch ziemlich überflüssig fand – es ist doch klar, dass Jorge weiß, dass er eine arme kriminelle Wurst ist, der sich zur Selbstmotivation halt als Superchecker aufführt. Aber was hätte er denn machen sollen? Mit dem Altersheim-Job allein, den er zur Tarnung durchgezogen hat, wäre er ja nie zu etwas gekommen.

Screenshot Snabba Cash 3: Natalie - die neue Königin der Stockholmer Unterwelt.

Screenshot Snabba Cash 3: Natalie – die neue Königin der Stockholmer Unterwelt.

Natalie ist alles in allem auch ganz gut getroffen, allerdings zieht sich auch hier durch, dass die Drehbuchschreiber unbedingt eine eigene Version erfinden wollten – während die Natalie im Buch ganz allein mit ihrem Konkurrenten Stefanovic fertig wird, den sie mit ihrer geschliffenen Haarspange die Kehle aufschlitzt, stellt sie sich im Film dann doch ziemlich blöd an und muss sich ausgerechnet von Hägerström helfen lassen. Dafür darf sie am Ende dann JW über den Haufen schießen, statt ihn als ihren Liebhaber und Finanzgenie in die Organisation zu holen – auch das ist wieder reichlich inkonsequent. Insofern kann ich eigentlich nur davon abraten, sich diesen Film anzusehen, wenn man wissen will, wie die Geschichte aus Snabba Cash I weitergeht und statt dessen empfehlen, zum Buch zu greifen. Da macht alles einfach viel mehr Spaß.

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