Die deutsche Serie muss sich halt selbst befreien!

Interessantes Interview mit dem Produzent Oliver Berben auf DWDL. Der Mann hat ja recht: Hierzulande werden die Spitzenprodukte der US-Serien-Produktion gefeiert, aber die haben da drüben natürlich auch eine Menge Schrott im Fernsehen. Und wer in den USA keine teuren Pay-TV-Angebote abonniert, bekommt sowieso nur Schrott – ich kann mich erinnern, wie ich Mitte der 80er Jahre bei einem Nordamerika-Aufenthalt versucht habe, mit meiner Gastgeber-Familie den damals brandneuen Film Death of a Salesman anzusehen. Wir haben irgendwann entnervt aufgeben, weil der Film in unzählige Häppchen zerteilt wurde, die von unendlich langen Werbeblocks unterbrochen wurden. So kann man keiner Handlung folgen und sich schon gar nicht auf ein Kunstwerk einlassen, was ein guter Film und auch eine gute Serie dann ja sein sollte.

Das kannte ich von den Öffentlich-Rechtlichen nicht – und ich weigere mich bis heute, mir irgendwas bei den Privaten anzusehen, weil ich einfach einen Nervenzusammenbruch kriege, wenn die Werbeunterbrechung kommt. Es gab in der Vergangenheit durchaus ein paar wirklich gute deutsche Serien (und ich meine ganz ausdrücklich weder Derrick noch die Schwarzwald-Klinik). Aber aktuell fällt mir nicht eine einzige ein. Und auch Weissensee, die in dem Beitrag erwähnt wird, fand ich ziemlich unterirdisch – es gab zwar ein paar ganz interessante Ansätze für eine brauchbaren Dramaserie, aber die wurden von diesem Rumgehacke auf der DDR, an der posthum offenbar kein einziges gutes Haar gelassen werden darf, komplett zerstört. Es ist halt scheiße, wenn die Figuren nicht ambivalent sind, weil sie diese Ambivalenz nun einmal in sich tragen, wie es bei Breaking Bad ganz grandios herausgearbeitet wird, sondern wenn sie vom bösen System dazu gezwungen werden oder einfach zu blöd sind, wie es bei Weissensee war.

Aber das größte Problem benennt Berben ganz korrekt: Hier muss immer alles auf den Massengeschmack zugerichtet werden, während kleine US-Kabelsender halt auch mal eine Produktion für eine bestimmte Zielgruppe machen, die dann eben extra zahlt, dafür aber auch wirklich was erstklassiges bekommt. Hier wird alles, was keine bestimmte Quote erreicht, einfach platt gemacht – wie etwa die vergleichsweise innovative ZDF-Krimiserie KDD. Wäre ja schön, wenn die deutschen Fernsehmacher sich tatsächlich mal wieder trauen würden, nicht nur Bügelfernsehen zu machen, sondern anspruchsvolle Serien, in der Preisklasse von Heimat, Ein Mann will nach oben, Berlin Alexanderplatz oder meinetwegen auch Der Tatortreiniger oder wenigstens Alpha 0.7 – der Feind in dir. Wofür zahle ich denn meinen Rundfunkbeitrag?! Für diese nervige WM-Gelaber vor und nach den Spielen ganz bestimmt nicht!

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