Fernsehen: Zuschauer werden zu Terroristen

Der Focus ist ja sozusagen das RTL unter den Nachrichten-Magazinen, nichts destotrotz muss man da immer mal wieder vorbei schauen. Denn es gibt ab und zu ja doch interessante Sachen, etwa diese Umfrage über die Zufriedenheit mit den deutschen Fernsehsendern. Natürlich ist die auch ziemlich aggressiv getitelt: „Einfach katastrophal: Zwei Drittel der ARD-Zuschauer sind unzufrieden“ und Kategorien wie „Fan“, „Sympathisant“, „Söldner“, „Gefangener“ oder „Terrorist“ sprechen für sich. Aber schön für mich, dann hab ich auch Stoff für einen reißerischen Titel – et voilà.

Als Söldner wird jemand bezeichnet, der sofort den Sender wechseln würde, wenn ihm denn ein besseres Programm geboten würde (das es aber offenbar wo anders auch nicht gibt), ein Gefangener ist einer, der das auch tun würde, aber nicht kann (auch interessant, gibt es so viele Leute, bei denen die Fernbedienung kaputt ist?) und Terroristen ärgern sich nicht nur über das schlechte Programm, sondern schimpfen auch noch laut darüber. Weitere Erklärungen in der Grafik:

Grafik: focus.de

Anteil der verschiednen Zuschauer-Gruppen.
Grafik: focus.de

arte ist übrigens der Sender mit den meisten Fans und den wenigsten Terroristen, die ARD hat die wenigsten Fans und die meisten Terroristen. Und nur bei arte und 3sat gibt es mehr Fans als Terroristen, sonst ist das Verhältnis umgekehrt. Auch wenn man nicht weiß, wie Fanfocus gefragt hat („Sind Sie etwa auch so unzufrieden mit dem aktuellen Fernsehprogramm?“ – „nee, eigentlich nicht, denn ich sehe arte!“ oder „Finden Sie nicht auch, dass sich die Rundfunkpauschale bei dem Programm gar nicht mehr lohnt?“ – „Stimmt, die Tagesschau ist inzwischen so schlecht wie der Tatort danach!“) müssen die Fernsehsender wohl mal über ihre künftige Programmgestaltung nachdenken. In Zeiten von Internet und immer zahlreicheren Video-on-Demand-Diensten, bei denen man sich sein Programm selbst gestalten kann, ist eigentlich niemand mehr gezwungen, sich schlechtes Fernsehen anzutun. Notfalls kann man auch sinnfreie Videoclips auf Youtube ansehen oder sich einfach vom Nachrichtenstrom in seinem asozialen Lieblingsnetzwerk davon tragen lassen – die Zeit kriegt man auch ohne Fernsehen rum.

Sofern man einen brauchbaren Breitbandanschluss an das Netz der Netze hat, versteht sich. Ich glaube ich kapiere doch, wie die Gefangenen zustande kommen…

Grafik: focus.de

Grafik: focus.de
Verteilung der Zuschauer-Gruppen nach Sendern.

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