Bleibt sich treu: The Bridge America 2

Der Serien-Sommer geht weiter, und während ich mich langsam auch wieder in True Blood einsehe – es ist tatsächlich nur der erste Teil so schlimm, weil zum Beginn der neuen Staffel erst einmal das hässliche und unvollständige Ende der sechsten Staffel noch vollstreckt werden muss, bevor es dann mit Elan wieder in die Vollen gehen kann – gibt es durchaus noch weitere Highlights. Inzwischen wird nämlich die zweite Staffel von The Bridge America ausgestrahlt, und den Auftakt zur neuen Staffel fand ich absolut gelungen – ich war gleich wieder drin und bin jetzt sehr gespannt darauf, wie es weiter geht. Genau so soll es sein!

Screenshot The Bridge America 2, via foxchannel.de

Screenshot The Bridge America 2, via foxchannel.de

Während ich mit der zweiten Staffel von der Original-Brücke wie schon geschrieben sehr unzufrieden war, weil ich die Geschichte alles in allem reichlich konfus fand und die vielen Wendungen nicht unbedingt logisch waren und eindeutig nur dazu dienten, die Zuschauer irgendwie bei der Stange zu halten, verspricht die zweite Staffel des Remakes richtig gut zu werden.

Dem Original fehlte in der Fortsetzung der Tiefgang und die komplexe Entwicklung der verschiedenen Figuren, die die erste Staffel spannend gemacht hatten – der engagierte Sozialarbeiter, der zum Mörder wird, der karriere- und rauschmittelsüchtige Journalist, der sich zum Werkzeug des Erpressers machen lässt – da gab es eine ganze Reihe von interessanten Figuren, die die Handlung vorangetrieben haben, so dass die Macken der Ermittler Saga Norén und Martin Rohde originelles Beiwerk waren und nicht im Vordergrund standen, was mir bei der Fortsetzung zunehmen auf die Nerven ging. Zwar fand ich die Entwicklung der beiden und ihrer Beziehung, oder im Falle von Saga muss man ja eher ihrer intensiven Nicht-Beziehung sagen, auch in der zweiten Staffel durchaus noch interessant, aber das hat die Geschichte nicht gerettet. Im Gegenteil fiel mir dadurch erst auf, wie dünn und gezwungen der Rest war.

Hier hat The Bridge America den unschlagbaren Vorteil, dass das Remake an der sehr viel spannenderen Grenze zwischen den USA und Mexiko spielt. Die Lebensverhältnisse in diesen beiden Ländern sind so krass verschieden, dass es sehr viel weniger Psychogedöns braucht, um das zum Teil sehr ambivalente Verhalten der Charaktere zu erklären. Natürlich hat Marco Ruiz ganz andere Probleme als Sonya Cross. Und anders als Martin Rohde, der aus Trauer über den Verlust seines Sohnes quasi arbeitsunfähig wird und von den verständnisvollen Dänen auf einen ruhigen Schreibtischjob abgeschoben wird, kämpft Marco erst recht an vorderster Front weiter – in einem schwer bewaffneten Einsatzkommando der mexikanischen Polizei. Und gleich beim ersten Einsatz wird auch gezeigt, dass er vor allem Feinde in den eigenen Reihen hat: Einer seiner vermummten Kollegen droht, ihn zu erschießen. Marco nimmt Helm und Maske ab, und nur weil es Zeugen gibt, nämlich verängstigte Bewohner der gestürmten Wohnung, schießt der andere nicht.

Sonya dagegen erfährt, dass der Mörder ihrer Schwester im Sterben liegt, im Gefängnis trifft sie seinen Bruder. Mir gefällt zwar nicht, was sich daraus ergibt, aber mal abwarten, wie sich das weiter entwickelt. Auf jeden Fall ist Sonya weiterhin auf der Suche nach einem verschwundenen mexikanischen Mädchen, weshalb sie Marco aufsucht. Sie will ihn dazu bewegen, ihr bei dieser Ermittlung zu helfen – und es würde mich sehr wundern, wenn das nicht noch mit einer ganz schlimmen Geschichte endet. Was mir auch gut gefällt, ist, dass Daniel Frye wieder mit von der Partie ist – hier haben die Macher des Remakes sich eine originellere Figur ausgedacht, als den korrupten Hochglanzjournalisten in der Vorlage.

Dieser schmierige Reporter wird von Matthew Lillard aber auch einfach genial gespielt. Wobei mir auch Emily Rios als seine Kollegin Adriana Mendez sehr gut gefällt. Adriana pendelt zwischen den Welten, ihrer mexikanischen Familie in Ciudad Juárez und ihrer Karriere in den USA. Wie sie Daniel erzählt hat, verdankt sie ihre Karriere vor allem dem Umstand, dass sie Lesbe ist. Denn während die anderen Mädchen hinter den Jungs hergelaufen sind, hat sie sich auf ihre Ausbildung und ihren Job konzentriert. Ihre Familie kommt damit allerdings nicht so gut klar – zwar finden die gut, dass Adriana erfolgreich ist und Geld verdient, aber irgendwann muss sie doch einen Mann finden und Kinder bekommen. Statt dessen kümmert sie sich darum, dass ihr süchtiger Kollege zu seinen Meetings geht und hilft ihm bei der Recherche von haarsträubenden Storys – was für sie natürlich auch gefährlich wird.

Hier haben wir schon einen ganzen Haufen von Konflikten, die alle für sich schon spannender sind, als diese verschwurbelten Ideen von skandinavischen Wohlstandskindern, die zu Ökoterroristen werden müssen, damit die Polizei was zu ermitteln hat. Ich bleibe dabei: The Bridge America ist ein wirklich geniales Remake, das schon in der ersten Staffel eine erstaunliche Eigendynamik entwickelt hat, obwohl es noch relativ dicht an der Vorlage geblieben ist. Die zweite Staffel verspricht nun, etwas ganz eigenes zu werden, ähnlich wie die dritte Staffel von The Killing. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt!

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