True Blood wie ich es liebe!

Versprochen ist versprochen, auch wenn es manchmal etwas länger dauert – aber derzeit ist es in Berlin bestimmt so tropisch wie in Bon Temps, Louisiana, deshalb hat es mit der Fortsetzung von True Blood ein bisschen länger gedauert. Dafür hab ich jetzt auch die 5. Folge gesehen, womit der Spaß schon wieder in der Halbzeit ist.

Aber inzwischen macht die 7. und letzte Staffel wirklich Vergnügen, auch wenn ich mir bis zum dritten Teil nicht sicher war, ob das noch kommt. Dafür wird ab der dritten Folge alles wieder gut, also blutig, lustig und sehr, sehr böse. Einige Bekannte sind allerdings auf der Strecke geblieben, nicht nur Tara, die gleich in der ersten Folge sterben musste, sondern auch Alcide wurde inzwischen erschossen – aber wie es sich für einen guten Werwolf gehört, in der Ausübung seiner edelsten Pflicht, nämlich Sookie zu beschützen. Die ist natürlich wieder entsprechend von der Rolle – schon wieder einer, der ihretwegen gestorben ist! Und ausgerechnet jetzt, wo sie sich entschieden hat, ihn zu lieben (und das auch Bill gesagt hat)!

Screenshot True Blood 7: Alcide als guter Werwolf

Screenshot True Blood 7: Alcide als guter Werwolf

Aber so ist das halt, im Leben und in True Blood besonders. Sookie und die anderen Übriggebliebenen haben aber keine Zeit, sich in Trauer zu ergehen, sie müssen schleunigst Arlene befreien, die noch immer in Gewalt der Hep-V-Monster-Vampire ist. Über Holly, die fliehen konnte, als sie von den Hep-V-Vampiren als Köder für die anderen Menschen benutzt wurde, findet Gedankenleserin Sookie heraus, dass die Gefangenen sich im Fangtasia befinden. Gemeinsam mit den verbündeten guten Vampiren wird die Befreiung geplant und umgesetzt – günstigerweise tauchen Pam und Eric gerade rechtzeitig wieder auf, um zu helfen.

Screenshot True Blood 7: Alcide stirbt

Screenshot True Blood 7: Alcide stirbt

Eric (wie immer grandios: Alexander Skarsgård) ist seit der zweiten Folge wieder dabei, allerdings erst im Vorspann in einer Fantasie von Sookies sexbesessenem Bruder Jason, der mit der rigorosen Monogamie seiner katholischen Vampirfreundin Violet offenbar nicht so richtig glücklich ist. Auf jeden Fall ist die Liebesszene zwischen Jason und Eric nach dem völlig Eric-losen ersten Teil eine Entschädigung und ein Versprechen, das später tatsächlich eingelöst wird – am Ende der Folge findet Pam ihren Schöpfer tatsächlich – auch wenn dieser schon schwach und von Krankheit gezeichnet ist: Eric ist zwar nicht verbrannt, aber er hat sich mit Hep V infiziert. Er wird also sterben, aber hoffentlich nicht so bald.

Screenshot True Blood 7: Sookie kriegt mal wieder alles ab.

Screenshot True Blood 7: Sookie kriegt mal wieder alles ab.

Denn die Höhepunkte der Folgen drei bis fünf sind zu weiten Teilen dem Team Pam-Eric zu verdanken – die beiden arbeiten ihre gemeinsame Vergangenheit auf. In True Blood waren Zeitsprünge auch vorher schon beliebt, jetzt wird dieses Mittel ziemlich exzessiv genutzt, damit Eric noch im Spiel bleibt, aber das verzeihen alle Eric-Fans natürlich gern. Und Kristin Bauer van Straten als Pam ist natürlich auch klasse – sie ist ihrem Macher durchaus ebenbürtig. Und gibt es herrliche Ausflüge in die 80er und 90er Jahre – der Eric der 80er Jahre lebt natürlich wie Gott in Frankreich und trotzt dort auch der Autorität, in dem er bei seiner süßen französischen Freundin bleiben will, statt in das True-Blood-Business einzusteigen. Aber auch die lesbische Pam scheint dort auf ihre Kosten zu kommen. Eric macht sich sehr gut als Alain Delon, muss aber am Ende die süße Freundin für Pam opfern.

Screenshot True Blood 7: Ginger kennt sich erstaunlich gut aus mit Vampirfilmen...

Screenshot True Blood 7: Ginger kennt sich erstaunlich gut aus mit Vampirfilmen…


In der Folge darauf erfahren wir, wie das Fangtasia entstanden ist – es war eine Videothek, die Pam und Eric übernehmen müssen. Eric wird in Shreveport zum Sheriff ernannt – die Autorität traut dem alten Schweden nicht und will ihn an der kurzen Leine halten. Eric und Pam als Videotheken-Betreiber – ebenfalls totkomisch! Die Idee fürs Fangtasia klaut Pam allerdings von ihrem Groupie Ginger, einer Auskennerin in Sachen Vampirfilm, die für die Tagesschicht angeheuert wird. Eric nimmt Pams spätes Geständnis, dass Ginger und nicht sie das Fangtasia erfunden hat, mit einem wohlwollenden Grinsen entgegen – er ist augenscheinlich stolz auf sein durchtriebenes Geschöpf.

Screenshot True Blood 7: Endlich wieder vereint - Eric, Sookie und Bill.

Screenshot True Blood 7: Endlich wieder vereint – Eric, Sookie und Bill.

Von Sookie und Bill gibt es leider nicht so viel Lustiges zu berichten, aber die beiden hatten bekanntlich schon immer eine schwierige Beziehung. Es gibt auch einige Ausflüge in Bills Vergangenheit als Südstaaten-Offizier – einer davon ist namensgebend für die 5. Folge Lost Cause – Bill galt nämlich als Verräter, weil er fand, dass seine Seite für eine verlorene Sache kämpfte. Entsprechend sehen wir auch einen Bill, der schwarzen Sklaven und ihren weißen Freunden bei der Flucht hilft. Und irgendwie ist er ja noch immer so drauf, zumindest jetzt wieder, nach seiner Exkursion in die Allmächtigkeit. Jetzt ist er wieder so normal, dass er nicht mal mehr Sookies Gedanken lesen kann – er war am Ende der 6. Staffel so leer getrunken, dass Sookies Blut nicht mehr wirkt. Das findet Sookie gut, hält sie aber nicht davon ab, sich Bill gleich wieder als Mittagessen vor der großen Schlacht anzubieten – denn er braucht ja Energie, wenn er ihr helfen soll. Und Bill ist natürlich vernünftig und beißt zu.

Screenshot True Blood 7: Bill isst vernünftig.

Screenshot True Blood 7: Bill isst vernünftig.

Ein ähnliches Dilemma durchlebt Jessica, die noch immer von Schuldgefühlen zerfressen wird, weil sie Adilyns drei Feenschwestern leergetrunken hat. Aber sowohl Sookie, als auch Lafayette – der natürlich auch wieder in Hochform ist und gleich was mit Jessicas Vampirfreud anfängt, was Jessica natürlich gar nicht lustig findet, und schließlich Andy, der gar nicht mehr idiotische Sheriff, der sich inzwischen zu zupackenden Pragmatiker gemausert hat, überreden Jessica, endlich wieder ein bisschen Blut zu trinken, damit sie einsatzfähig ist. Denn für den Kampf mit dem Bösen, da braucht es jede Kraft, und gutwillige Halbböse sind total willkommen. Am Ende geht auch der Kampf im Fangtasia gerade so gut aus – mit zahlreichen Opfern natürlich, aber hauptsächlich auf der Hep-V-Seite.

Screenshot True Blood 7: Lafayette kümmert sich um Jessicas Vampirfreund. Oder umgekehrt.

Screenshot True Blood 7: Lafayette kümmert sich um Jessicas Vampirfreund. Oder umgekehrt.

In Lost Cause wird dann eine Art Beerdigungs- und Gedenk-Party in Sookies Haus gefeiert, die einen großen Teil der Handlung einnimmt – dieses Kleine-Gemeinden-Ding mit von wegen alle müssen zusammen halten hat für mich als Stadtbewohner schon etwas Befremdliches, das mich gleichzeitig fasziniert. Es ist ein bisschen so wie in dem Dorf meiner Großeltern, die aus einem wirklich kleinen Ort kamen, wo auch jeder jeden kannte und eine Beerdigung war dann eine Feier, bei der buchstäblich das ganze Dorf zusammen kam. Und nachdem dann alle am Grab ordentlich getrauert hatten, ging es zum Leichenschmaus – und dort gab es dann natürlich keine Leichen, aber Trösterwecken, ein sehr leckeres Hefegebäck, das ich als Kind geliebt habe. Daran habe ich mich dann immer überfressen. Dazu gab es Kaffee und später Schnaps und Bier für die Erwachsenen. Und irgendwann war es gar nicht mehr traurig. Genau das ist ja auch Sinn und Zweck einer Trauerfeier – dass sich die Lebenden darauf besinnen, dass sie noch am Leben sind.

Screenshot True Blood 7: Pam und Eric besichtigen die Videothek, die sie übernehmen.

Screenshot True Blood 7: Pam und Eric besichtigen die Videothek, die sie übernehmen.

Aber das Beerdigungs-Thema ist ja ohnehin eine Spezialität von Alan Ball, der True Blood überhaupt erfunden hat. Ich muss zugeben, dass ich mich erst für True Blood zu interessieren begann, als ich las, dass die Idee dazu von Alan Ball kam. Ball ist ja auch Erfinder der genialen Serie Six Feet Under (Gestorben wird immer), die ich absolut großartig finde. Six Feet Under ist allerdings eine realistische Familienserie ohne Fantasy-Elemente, aber mit durchaus skurrilem Humor, weshalb ich neugierig war, was dabei heraus kommt, wenn es Richtung Fantasy geht. Das muss ja nicht gut sein. Ist es oft auch nicht. Aber im Falle von True Blood sind die Realitätsbezüge unübersehbar – und genau das gibt dieser Serie auch den speziellen Kick – sie ist halt Satire.

Screenshot True Blood 7: Pam und Eric auf einer Republikaner-Party in Dallas.

Screenshot True Blood 7: Pam und Eric auf einer Republikaner-Party in Dallas.

Und deshalb wirft man sich vor Lachen auch weg, wenn Pam und Eric angemessen gekleidet in Dallas auf einer Republikaner-Party erscheinen – natürlich nur, um eine längst fällige Rechnung zu begleichen. Ja, die beiden können auch Arschlöcher sein, genau wie alle anderen dort. Und natürlich kann selbst Laura Bush der verlogenen Schlampe Sarah Newlin nicht helfen – statt dessen macht Eric noch die Yakuza-Truppe platt, die ebenfalls hinter ihr her ist. Ja, das ist True Blood, wie ich es liebe. Und jetzt finde ich total schade, dass es in fünf Folgen schon wieder vorbei sein wird!

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