Arne Dahl – Misterioso: Das A-Team auf schwedisch

Eine Serie von Attentaten, bei denen gezielt Männer aus der schwedischen Wirtschaftselite ermordet werden, erschüttert das Land. Die schwedische Polizei richtet eine Sonderermittlungsgruppe ein, in der sehr unterschiedliche Ermittler die Verbrechen mit offensichtlich internationalen Verwicklungen aufklären und weitere Anschläge verhindern sollen. Das in aller Eile zusammengewürfelte Team muss sich aber selbst erst einmal zusammen raufen, denn die Mitglieder sind zwar alle auf ihre Weise hervorragende Polizisten, aber nicht unbedingt die geborenen Teamplayer.

Screenshot Arne Dahl - Misteroso: Gunnar und Jorge.

Screenshot Arne Dahl – Misteroso: Gunnar und Jorge.

Da ist zum einen der durch einen eigenmächtigen Einsatz mit Schusswaffengebrauch in Ungnade gefallene Paul Hjelm (Shanti Roney). Er hat einen verzweifelten Asylbewerber niedergeschossen, der seinerseits in der dafür zuständigen Behörde Mitarbeiter mit einem Gewehr bedroht hatte, um die drohende Abschiebung seiner Familie zu verhindern. Allerdings wird sich später bei der üblichen internen Untersuchung des Falles noch herausstellen, dass sein Verhalten als angemessen beurteilt wird – er hat den Mann nicht umgebracht und Gefahr von weiteren Personen abgewendet. Aber das weiß Hjelm noch nicht, was seine neue Chefin Jenny Hultin (Irene Lindh) durchaus für ihre Zwecke ausnutzt.

Screenshot Arne Dahl - Misteroso: Jenny Hultin

Screenshot Arne Dahl – Misteroso: Jenny Hultin

Außerdem sind da noch die Verhörspezialistin Kerstin Holm (Malin Arvidsson), der alte Haudegen Viggo Norlander (Claes Ljungmark), der sich noch nicht zum alten Eisen abschieben lassen will und wild darauf ist, dem öden Innendienstleben zu entfliehen, der pragmatische Gunnar Nyberg (Magnus Samuelsson), der arrogante, aber brillante Aarto Söderstedt (Niklas Åkerfelt), der seine vielen Kinder der Einfachheit halber durchnummeriert („Papa, du hast die Nummer fünf vergessen!“) und der Computer- und Mafiaspezialist Jorge Chavez (Matias Varela), der sich außerdem noch als kenntnisreicher Jazzmusiker entpuppt. Mich hat allerdings anfangs sehr irritiert, dass Jorge Chavez ausgerechnet mit der Stimme von Frank Wagner aus GSI Göteborg spricht – Matias Varela ist nun mal ein ganz anderer Typ als Joel Kinnaman, den ich durch GSI mit der Stimme von Konstantin Graudus verbinde, obwohl ich die eigentlich etwas zu hoch und zu glatt für den oft zweifelnden und zunehmend verzweifelten Frank fand. Jetzt muss ich immer an Frank denken, wenn Jorge spricht.

Screenshot Arne Dahl - Misteroso: Paul, Kerstin und Jorge

Screenshot Arne Dahl – Misteroso: Paul, Kerstin und Jorge

Die Idee, einen Fall über organisierte Kriminalität und internationale Verbrechen an einer Jazzrarität aufzuhängen, bekommt von mir einen ganzen Haufen Bonuspunkte – denn die an einem der Tatorte gefundene CD mit einem Stück von Thelonius Monk liefert am Ende die entscheidende Spur. Aber bis dahin gibt es eine Menge anderer Verwicklungen – da war zum Beispiel noch der rätselhafte Überfall auf eine Kleinstadt-Bank, bei dem einer der Bankräuber durch einen sehr speziellen Dartpfeil zu Tode kam, und natürlich haben die Ermittler auch Familien und entsprechende Beziehungsprobleme – oder leiden im Fall von Gunnar Nyberg darunter, dass sie keinen Kontakt mehr zur Familie haben.

Screenshot Arne Dahl - Misteroso: Kerstin, Aarto, Viggo und Jorge

Screenshot Arne Dahl – Misteroso: Kerstin, Aarto, Viggo und Jorge

Alles in allem also wieder schwedische Krimikost vom Feinsten – mir gefällt, dass die unterschiedlichen Ermittler alle ihre Chance bekommen, auf ihre Weise zur Klärung des Falles beizutragen – auch wenn das nicht immer gut ausgeht. So hat Viggo („Das ist das altdänische Wort für Kämpfer!“) durchaus den richtigen Riecher, als er Jenny überzeugt, dass er unbedingt nach Estland fahren muss, um dort eine entsprechende Spur zu verfolgen. Allerdings nageln ihn die Verbrecher, denen er folgt, an eine altestnische Fabrikhallenwand – ein Glück nur, dass sein Freund und Kollege von der estnischen Polizei so etwas schon vorausgesehen hat, und ihn mit einem Polizeikommando da wieder rausholt, bevor noch Schlimmeres passiert.

Screenshot Arne Dahl - Misteroso: Das A-Team im Einsatz

Screenshot Arne Dahl – Misteroso: Das A-Team im Einsatz

Mir gefällt auch, dass – wie in skandinavischen Serien generell – auch interessante Rollen für reifere Frauen gibt. Jenny Hultin ist nicht nur eine mit allen Wassern gewaschene, sondern auch eine extrem coole Polizei-Chefin – die im Laufe der weiteren Folgen noch sagen wird: „Polizeipräsidentin? Für den Job bin ich doch viel zu kompetent!“ Außerdem zeigt sie ihrem alten Freund vom FBI, wie ihre raffinierte kleine schwedische Sonderermittlungsgruppe mal eben einen Fall löst, an dem sich das FBI jahrzehntelang die Zähne ausgebissen hat.

Dass die schwedischen Krimis oft sehr international sind, ist auch etwas, das mir gut gefällt – in Deutschland haben wir ja eher den Trend zu Regionalisierung – es gibt inzwischen zum Teil gar nicht mal so schlechte Eifelkrimis – „Mord mit Aussicht“ ist nicht zufällig eine der meistgesehenen deutschen Fernsehserien überhaupt, auch wenn mir das alles viel zu beschaulich ist. Und es gibt mittlerweile eine kaum mehr zu überschauende Auswahl an Nordseekrimis, Allgäukrimis, Spreewaldkrimis und so weiter – selbst das alte Krimi-Flaggschiff Tatort wird immer provinzieller. Dabei sollte man doch annehmen, dass die Globalisierung eben auch zu Internationalisierung von Verbrechen führt – das kommt im deutschen Krimi aber immer weniger vor. Mir fällt seit dem leider ja nicht so wahnsinnig erfolgreichen, weil eben auch nicht so richtig guten, aber trotzdem doch ganz ordentlichen Zehnteiler Im Angesicht des Verbrechens von 2010 keine deutsche Krimi-Serie ein, in der internationales organisiertes Verbrechen eine Rolle spielen würde – wobei das doch genau die Verbrechen sind, bei den es zum einen ums ganz große Geld geht und zum anderen eben auch um richtig schlimme Dinge: Drogenhandel, Waffenhandel, Menschenhandel, Zwangsprostitution, Missbrauch aller Art, Geldwäsche und so weiter – aber offenbar will sich kein deutscher Serienproduzent an solchen Dingen die Finger verbrennen. Das ist einerseits sehr schade, andererseits gibt es ja die Schweden.

Screenshot Arne Dahl - Misteroso: Paul Hjelm.

Screenshot Arne Dahl – Misteroso: Paul Hjelm.

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