Netflix – eine erste, durchwachsene Bilanz

Netflix hat ganz eindeutig Vor- und Nachteile. Jetzt nach ein paar Tagen intensiven Testens habe ich festgestellt, dass das insbesondere das Filmangebot tatsächlich ziemlich schmal ist, wenn man genauer hinsieht. Es gab für mich zwar einige positive Überraschungen – etwa eine deutsche Fassung des Berlinale-Gewinners Tropa de Elite von José Padilha, Only Lovers Left Alive von Jim Jarmusch oder den Paolo-Sorrentino-Film Cheyenne mit einem herrlich depressiven Sean Penn als in die Jahre gekommenen Rockstar. Aber wenn ich nach meinen Lieblingsskandinaviern suche, wird es sehr übersichtlich – da gibt es nämlich fast gar nichts.

Bei den Serien ist es etwas besser, weil ja die hochgelobten Eigenproduktionen dabei sind – aber leider auch nicht alle. So vermisse ich beispielsweise Lilyhammer – das mag vielleicht nicht der Publikumsreißer sein, aber gehört als Netflix-Original-Serie ja wohl absolut ins Netflix-Pflicht-Programm. Auch ist mir aufgefallen, dass einige Serien, die anfangs angezeigt wurden, und die ich auch auf meine „Will-ich-noch-ansehen-Liste“ gesetzt habe, schon wieder verschwunden sind, etwa GSI Göteborg. Was ist da los? Wenn ich nicht mal eine Woche Zeit habe, mir etwas anzusehen, dann braucht ihr das auch gar nicht anbieten. Immerhin sind aber abseits von Netflix-Pflichtserien wie Fargo, Hause of Cards, Orange ist The New Black oder The Killing (immerhin alle vier Staffeln, auch wenn nur die vierte eine „echte“ Netflix-Produktion ist) auch weitere Schwergewichte wie Breaking Bad, The Walking Dead, Dexter oder Sons Of Anarchy dabei. Ja, es gibt auch einiges im Komödien-Bereich, aber das ist nicht so mein Ding. Schade finde ich übrigens, dass mir Netflix keine Option anbietet, um mir gezielt die Neuzugänge anzeigen zu lassen.

Was ich aber vor allem vermisse, ist ein Offline-Modus für mobile Geräte. Dass man immer zwingend eine Internetverbindung braucht, um Netflix-Inhalte anzuschauen, finde ich für PC und Smart-TV durchaus in Ordnung, aber für Laptops, Tablets oder Smartphones braucht man einfach einen Offline-Modus. Meinetwegen muss dann nicht unbedingt erlaubt sein, ganze Serien-Staffeln zu laden, aber so drei, vier Teile sollte man schon auf seinem mobilen Gerät für die nächste Zugfahrt oder ähnliches speichern können – man hat unterwegs ja nicht immer Zugang zu funktionierenden WLANs und mobiles Datenvolumen ist noch immer ziemlich teuer, wenn es in den Gigabyte-Bereich geht. Wenn Netflix will, dass ich noch länger dabei bleibe, muss hier noch was passieren!

Netflix, Deutschland Start, Berlin

Netflix, Deutschland Start, Komische Oper, Berlin

Wobei Schlimmes zu befürchten ist, Netflix-CEO Reed Hastings und Produktchef Neil Hunt haben in einem Interview mit DWDL leider schon geradezu idiotische Argumente bemüht, um ihre prinzipielle Abneigung gegen den Download zu rechtfertigen: Wenn die Kunden vorab planen müssten, dass sie sich Dateien für unterwegs herunterladen, widerspräche das der Netflix-Philosophie des einfachen Zugangs: Die Kunden sollen verdammt noch mal Inhalte streamen, wenn ihnen danach ist. Das ist natürlich ein Schuss ins eigene Knie, denn wenn man im Zug oder im Flugzeug keine Internet-Verbindung hat, kann man ganz einfach mal gar nichts sehen. Wenn Netlix das so will, werde ich mir halt einen anderen Anbieter suchen, der mir ermöglicht, mir Filme oder Serien-Teile für unterwegs runterzuladen. Denn bis es im Zug, im Flugzeug oder im Hotel flächendeckend einen brauchbaren und kostenlosen Internet-Zugang per WLAN geben wird, wird Netflix keine Kunden mehr haben, wenn die Jungs hier stur bleiben sollten.

Was ich dagegen gut finde: Es gibt tatsächlich die versprochenen Originalfassungen. Ich kann mir aussuchen, ob ich The Killing, A Young Doctors Notebook oder Arne Dahl in der synchronisierten oder in der Originalfassung ansehen möchte, und dann kann ich mir wahlweise auch Untertitel zuschalten – das geht sehr gut im laufenden Betrieb. Netflix merkt sich ja ohnehin, wo ich bei welchem Teil gerade gewesen bin. Das finde ich großartig, denn ich schaue mir ja gern Serien im Original an. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, oder einfach nur neugierig bin, wie etwas übersetzt wurde, kann ich einfach umschalten und mir die Szene noch einmal ansehen. Damit habe ich auch eine Lösung für das Stimmen-Problem bei Arne Dahl – denn die ersten vier Teile kann ich mir jetzt auch auf schwedisch ansehen. Das ist tatsächlich ein Pluspunkt für Netflix – aber ob der auf Dauer reicht, wird sich noch heraus stellen müssen.

Fazit: Netflix funktioniert tatsächlich sehr einfach und der Stream kommt auch bei meinem für eine Großstadtlage nicht besonders schnellen Internet-Anschluss (die Leitung in meinem Wohnblock gibt maximal 12 MBit/s her, formal habe ich einen 16-MBit/s-ADSL-Anschluss) in vernünftiger Qualität an. Das Angebot ist nicht gerade überwältigend, aber für meine persönlichen Vorlieben ist schon einiges dabei, wie gesagt, ich sehe gern Originalfassungen und die werden angeboten, das sind schon einige Pluspunkte. Ein riesiger Minuspunkt ist dagegen der fehlende Offline-Modus für mobile Geräte.

Ich bin gespannt, wie sich das Angebot an Filmen und Serien in der nächsten Zeit entwickelt – Netflix hat bereits bewiesen, dass auch eine Internet-Streaming-Plattform sehr gute Eigenproduktionen auf die Beine stellen kann. Wenn es davon künftig noch mehr gibt – (und bitte nicht nur im Grusel-Mystery-Bereich wie Hemlock Grove, Penny Dreadful oder From Dusk Till Down. Die gehen schon okay, aber ich hätte gern mehr in Richtung Lilyhammer, Fargo oder meinetwegen House Of Cards) wäre auch das ein Argument für Netflix. Ich wüsste nicht, dass beispielsweise Maxdome oder Watchever irgendwelche selbstproduzierten Exklusivinhalte anbieten – okay, Amazon produziert inzwischen auch Serien, aber Amazon ist auch wieder ein Kapitel für sich.

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