Varg Veum – der Wolf aus Norwegen

Für alle Freunde des Skandinavian Noir, denen die ständigen Wiederholungen einschlägiger schwedischer Krimi-Serien allmählich auf die Nerven gehen, gibt es heute einen echten Geheimtipp: Den norwegischen Privatermittler Varg Veum. Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei diesem Kerl um einen einsamen Wolf, erfunden von dem norwegischen Schriftsteller Gunnar Staalesen. Die Varg-Veum-Reihe liegt gewissermaßen noch nördlicher als die herkömmlichen Schwedenkrimis – sie ist dunkler, kälter, härter.

Varg (überzeugend verkörpert von Trond Espen Seim) weiß, dass die Welt schlecht ist. Er war mal Sozialarbeiter, jetzt ist er in seiner Heimatstadt Bergen so etwas wie ein Privatdetektiv. Er erinnert ein wenig an Philip Marlowe von Raymond Chandler – er säuft, ist wortkarg, ständig unrasiert, neigt zu Gewaltausbrüchen und nimmt die geltenden Gesetze nicht allzu wörtlich. Deshalb gerät er immer wieder in Konflikt mit der Polizei, insbesondere mit Kommissar Hamre, der Varg einerseits für eine entsetzliche Nervensäge hält, andererseits aber doch widerwillig anerkennen muss, dass er immer wieder Dinge herausfindet, die eigentlich die Polizei hätte herausfinden sollen.

Varg Veum (Trond Espen Seim) Bild: zdf

Der norwegische Privatermittler Varg Veum (Trond Espen Seim) Bild: zdf

Allerdings arbeitet Varg oft nach eigener Methode – das heißt, er tut Dinge, die ein Polizist gar nicht tun darf. Damit bringt er sich natürlich auch immer wieder selbst in Gefahr – ich kenne keinen anderen Ermittler, der so viel Prügel (und schlimmeres) einstecken muss wie der arme Varg: Er ist ein harter Typ, aber eben kein Superheld. Er hat keine Sammlung von schwarzen Gürteln und spricht auch kein Dutzend Fremdsprachen, aber er kennt natürlich den einen oder anderen, wie es in einem dünn besiedelten Land wie Norwegen kaum zu vermeiden ist, und er schreckt nicht davor zurück, die Dinge zu tun, die getan werden müssen – erst recht nicht, wenn es gefährlich wird. Sein notorisches Misstrauen gegen „die da oben“ und die daraus resultierende Respektlosigkeit gegenüber großen Tieren treiben ihn an – zu gern fährt er denen an den Karren, die auf Kosten anderer leben. Das ist etwas, dass er einfach nicht ertragen kann.

Varg Veum (Trond Espen Seim) und Kommissar Hamre Bild: zdf

Varg Veum (Trond Espen Seim) und Kommissar Hamre (Bjørn Floberg) Bild: zdf

Und er kann einfach nicht wegsehen, insbesondere, wenn junge Menschen betroffen sind. Irgendwie ist er tief im Herzen halt immer noch Sozialarbeiter und will jede und jeden retten – unter der harten Schale schlägt ein heißes, großes Herz. Deshalb kämpft er leidenschaftlich gegen Missbrauch, Drogendealer und gegen scheinbar übermächtige Feinde in den Chefetagen großer Konzerne und in der Politik an. Varg hat keine Berührungsängste – er kennt nicht nur die gescheiterten Existenzen seiner Stadt, seine Fälle reichen auch bis in die höchsten Kreise. Natürlich gerät er dabei oft zwischen die Fronten, aber zäh und hartnäckig wie er nun mal ist, deckt Varg immer wieder haarsträubende Skandale auf. Wie in allen ordentlichen skandinavischen Krimis geht es oft um dunkle Familiengeheimnisse und beklemmende Beziehungsdramen. Oft genug ist Varg selbst involviert – mal trifft er auf eine alte Liebe, mal entpuppt sich ein alter Freund als Mörder. Und natürlich sehnt sich auch ein einsamer Wolf nach Liebe. Es gibt durchaus Frauen in Vargs Leben – aber das ist alles auch nicht so einfach.

Varg Veum (Trond Espen Seim) und Elise (Ane Dahl Torp) in Geschäft mit dem Tod - Bild: zdf

Varg Veum (Trond Espen Seim) und Elise (Ane Dahl Torp) in Geschäft mit dem Tod – Bild: zdf

Ähnlich wie bei der schwedischen Serie GSI Göteborg gibt es zwei Staffeln mit sechs Teilen, die jeweils etwa 90 Minuten lang sind. (Ja, ich weiß, von Johan Falk gibt es noch drei Spielfilme, die man als erste Staffel zählen könnte – die sind auch gut, die zähle ich hier aber nicht mit). Und wie bei der GSI in Schweden sind von Varg Veum in Norwegen einige Teile auch im Kino gelaufen – der erste und der vierte Teil der ersten und sämtliche Filme der zweiten Staffel. Derzeit läuft die zweite Staffel von Varg Veum endlich im deutschen Fernsehen, konkret im ZDF zu nachtschlafender Zeit von 00:30 bis 02:00 (jeweils im Rahmen der Filmnacht von Samstag auf Sonntag). Übrigens habe ich Varg Veum nicht in der zdf-Mediathek entdeckt – aber Sendungen zum späteren Ansehen aufnehmen ist ja nichts Illegales.

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