Medientage: Konkurrenz belebt das Geschäft? Schön wärs!

Zur Zeit finden die 28. Medientage in München statt. Dort trifft sich die Medienbranche – das sind sowohl die Chefs großer Medienkonzerne, Profis aus Fernsehen, Hörfunk und Printmedien, Fachleute aus den Bereichen Internet, Multimedia und Telekommunikation ebenso wie Werbefuzzis, Medienpolitiker und auch Filmemacher – um die großen Trends zu analysieren und zu diskutieren. Einst war es ein Treffen privater Rundfunkpioniere – heute ist es einer der ganz großen Branchentreffs in Europa.

Trotzdem klingen die Verlautbarungen dieser Veranstaltung für mich in erster Linie so, als komme die Szene dort zusammen, um sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen und sich Mut zuzusprechen.

Denn eins ist klar: Auch wenn die Mediennutzung über alle Medien hinweg ständig zunimmt – und zwar so sehr, dass Pädagogen und Ärzte Alarm schlagen, weil nicht nur junge Menschen heutzutage ständig mit dem Blick aufs Handydisplay unterwegs sind (zu meiner Zeit machte man sich Sorgen, weil plötzlich alle Kopfhörer trugen, der Walkman war gerade erfunden) – hat der Tag nur 24 Stunden. Und selbst Arbeitslose können nicht den ganzen Tag Fernsehen, Radio hören und nebenbei noch im Internet surfen – auch sie müssen irgendwann mal schlafen. Also ist ganz klar, dass in der zunehmenden Konkurrenz von Radio- und Fernsehsendern, Mediatheken, Zeitschriften, Streaming-Diensten, E-Book-Flatrates, der Interaktion auf sogenannten sozialen Netzwerken und so weiter nicht jeder der Gewinner sein kann.

Und so wirkt schon fast ein wenig putzig, wenn man in den Meldungen über die Medientage jetzt liest „das Fernsehen wird immer schlechter, meinen manche, die aufwuchsen, als es nur drei Programme gab. Doch die Experten bei den Medientagen München halten dagegen: Das Fernsehen wird angesichts der großen Online-Konkurrenz immer besser. Qualität setzt sich durch.“

Schön wärs! Und es ist ja auch nicht wirklich falsch: Fernsehen wird tatsächlich besser. Aber nicht in Deutschland. In den vergangenen Jahren gab es eine ganze Reihe wirklich guter Fernseh-Serien, die Fernsehen geradezu neu definiert haben – die großen Erzählungen der Gegenwart, die früher in bedeutenden Romanen ihre Form fanden, gibt es jetzt in der Glotze: Sopranos, The Wire, Six Feet Under, Breaking Bad, Treme, Fargo (ich stehe ja nicht auf Comedy-Serien, aber vermutlich muss ich auch How I Met Your Mother oder Sex and The City erwähnen) und wenn wir den historischen Roman dazu nehmen, Mad Men, The Hour, Deadwood, The Tudors, Boardwalk Empire und so weiter und so fort, da gibt es Qualitätsserien, über die man geradezu euphorisch werden kann, wie schön, grandios und fantastisch Fernsehen doch sein kann!

Sein könnte. Denn ich muss leider immer wieder sagen: Im deutschen Fernsehen gab es da seit Heimat nicht viel. Mit Tatort und der Tagesschau allein ist es halt nicht getan – und auch wenn Tatort-kucken Kult und Tagesschau Pflicht ist: Der Tatort hat nun wirklich schon bessere Tage gesehen und was sich die Tagesschau so leistet – Stichwort Ukraine – darüber will man eigentlich gar nicht reden. Staatsfernsehen hin oder her: Allein die Tatsache, dass möglich ist, in der Tagesschau Videos mit Quellenangabe „Internet“ zu zeigen, ist so unter aller Kanone, dass ich schon gar keine Lust mehr habe, mit dem Kritisieren überhaupt anzufangen.

Erstaunlich ist ja die Resilienz, die unsere Medien seit Monaten unter Beweis stellen – ihnen ist schlicht scheißegal, dass ihr Publikum langsam keine Lust mehr hat, jeden Scheiß zu fressen. Ich würde nicht mal behaupten, dass es schlimmer geworden sei – die Medien haben nun mal in erster Linie den Auftrag, den Leuten beizubringen, dass das, was unsere Regierung so macht, gut für sie ist. Ob das nun stimmt oder nicht. Natürlich gibt es auch kritische Sendungen, Ausgewogenheit muss sein, Meinungsfreiheit und so weiter, das steht auch im Grundgesetz. Und so lange man nicht zur Revolution aufruft, ist es durchaus erwünscht, dass man auf Missstände hinweist. Schließlich ist der mündige Bürger gefordert – deshalb gibt es Monitor, Panorama und Frontal. Und die ganzen Quasselsendungen, in denen auch mal ein Quasselimam unbeliebt machen darf.

Aber Quote bringen unsägliche Formate wie Germanys next Topmodell, das Dschungelcamp oder DSDS. Ich sage nicht, dass es so etwas nicht geben dürfe – natürlich darf und muss es das alles geben. Aber es darf nicht die Messlatte für das sein, was im deutschen Fernsehen geht oder halt nicht.

Früher hat man den Leuten zur Hauptsendezeit auch mal Romanverfilmungen wie Die Buddenbrooks oder Der eiserne Gustav zugemutet. Ich will nicht behaupten, dass früher alles besser war. Aber eigentlich sollten doch die Leute vom Fernsehen lernen und nicht umgekehrt! In der Schule hatte auch keiner Bock auf Einmaleins, Rechtschreibung und Vokabeln lernen. Nützlich ist es aber doch. Warum haben die Fernsehmacher dann nicht endlich den Mumm, nicht dem Massengeschmack hinterher zulaufen und machen endlich mal wieder was Vernünftiges, statt ständig zu versuchen, hirnlose Youtube-Videos von totalen Amateuren noch zu unterbieten?

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