Marco Polo: Der große Weihnachts-Mehrteiler von Netflix

Als ich Kind war, gab es im deutschen Fernsehen eine schöne Tradition: Den großen Weihnachts-Mehrteiler. Das waren meistens Verfilmungen bekannter Abenteuergeschichten, wie Lockruf des Goldes oder Der Seewolf von Jack London, Michael Strogoff (nach Der Kurier des Zähren von Jules Verne) oder Der Winter, der ein Sommer war (nach einem Roman von Sandra Paretti) und dergleichen mehr.

Nun weiß ich nicht, ob ich einfach nicht mehr so leicht zu beeindrucken bin, oder ob es tatsächlich alles immer schlechter wird – aber die letzte großen Mehrteiler im deutschen Fernsehen fand ich alle nicht mehr so richtig gut, obwohl es durchaus noch welche gibt. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Geschichtsthemen im deutschen Fernsehen in letzter Zeit immer etwas mit Weltkrieg oder der deutsch-deutschen Teilung zu tun haben müssen – wobei es bestimmt auch möglich wäre, daraus einen guten Mehrteiler zu machen. Jedenfalls habe ich in diesem Jahr wieder nichts im Fernsehprogramm gefunden, das mich angesprochen hätte.

Screenshot Marco Polo: Kublai Khan (Benedict Wong)

Screenshot Marco Polo: Kublai Khan (Benedict Wong)

Allerdings sind wir ja nicht mehr aufs Fernsehprogramm angewiesen – in diesem Jahr ist Netflix in die Bresche gesprungen und hat den großen Weihnachtsmehrteiler Marco Polo produziert. Alles in allem wird Marco Polo gewiss niemals unter den zehn großen Serien landen, die man unbedingt gesehen haben muss, aber ein schönes Weihnachtsabenteuer, das man gemütlich wegglotzen kann, während es draußen schneit und stürmt ist es allemal.

Es ist ein bisschen wie House of Cards, nur halt ins 13. Jahrhundert und nach Asien verlegt. In der Mongolei herrscht Kublai Khan, ein Enkel des berühmten Dschingis Khan, an dessen Hof der junge Venezianer Marco Polo zurückgelassen wird – als Pfand gewissermaßen, weil sein Vater dem Khan eine offizielle Genehmigung für den Handel entlang der Seidenstraße abringen will, obwohl es dem Kaufmann nicht gelungen ist, die dem Khan versprochenen Christenpriester für seinen Hof zu importieren.

creenshot Marco Polo: Marco (Lorenzo Richelmy)

creenshot Marco Polo: Marco (Lorenzo Richelmy)

Der Khan ist nämlich sehr interessiert an der Gelehrsamkeit verschiedenster Religionen aus der ganzen Welt – nur haben die Mönche die Strapazen der mehr als 6000 Kilometer langen Reise nicht überlebt. Der Khan lässt sich auf den Deal ein, denn der junge Lateiner verspricht ein heller Kopf zu sein – so etwas schätzt der kluge Mongolen-Herrscher. Deshalb lässt er den jungen Mann nicht im Verlies verrotten, sondern ihm die damals übliche Standard-Ausbildung für höhere Söhne angedeihen. Sprachen hat sich der junge Marco bereits auf der Reise schon mehrere beibringen lassen – deshalb ist er auch in der Lage, sich aus brenzligen Situationen immer wieder heraus zu reden. Jetzt lernt er auch noch Kung Fu, Reiten und Bogenschießen, chinesische Tuschezeichen und vor allem, wie es in der Welt des Kublai Khan so zugeht. Das ist eine grausame Welt, wobei man im Mittelalter ja auch in anderen Gegenden der Welt nicht zimperlich war.

Screenshot Marco Polo: Mei Lin (Olivia Cheng) in Aktion

Screenshot Marco Polo: Mei Lin (Olivia Cheng) in Aktion

In Kublais Welt gibt es allerlei politische Ränke, komplizierte Traditionen, tapfere Krieger und nicht zuletzt schöne Frauen – und einige der Frauen sind nicht nur sehr schön, sondern äußerst tapfere Kämpferinnen. Als früher Fan der Serie Die Rebellen von Lian Shan Po, in der es für damalige Verhältnisse äußerst spektakuläre Kampfszenen mit schönen tapferen Frauen gab, muss ich sagen, dass Marco Polo eine ganze Reihe beeindruckender (und viel realistischerer) Kampfszenen bietet – und mindestens eine, die für dieses Genre ikonisch werden könnte.

Screenshot Marco Polo: Reiterheer in grandioser Landschaft

Screenshot Marco Polo: Reiterheer in grandioser Landschaft

Man merkt der Produktion an, dass die Macher keine Kosten und Mühen gescheut haben, ein opulentes Werk auf die Beine zu stellen – mit einem Budget von 90 Millionen Dollar ist dieser Zehnteiler eine der teuersten Serien überhaupt. Entsprechend grandios ist die Ausstattung – inklusive der atemberaubenden Kamerafahrten über die beeindruckenden asiatischen Steppen- und Wüstenlandschaften, in denen sich auch die größten Reiterheere verlieren. Ganz großes Kino in Ultra-HD.

Nun kann man natürlich daran herummäkeln, dass es für die Story an sich keine Originalitätspunkte geben kann, weil die Geschichte und deren Ende hinreichend bekannt sind – der historische Marco Polo kehrte, wie wir wissen, in seine italienische Heimat zurück und brachte aus Asien nicht nur Seide und Kung-Fu, sondern auch die Nudel mit. Die italienische Küche hat dem weit gereisten Abenteurer-Sohn also einiges zu verdanken.

Screenshot Marco Polo: Marco und sein Lehrmeister Hundert Augen (Tom Wu)

Screenshot Marco Polo: Marco und sein Lehrmeister Hundert Augen (Tom Wu)

Die Serie verdankt hingegen ihren Hauptdarstellern Lorenzo Richelmy als wortgewandter und pfiffiger, aber auch immer wieder etwas dummdreister Marco Polo und Benedict Wong als undurchschaubarer, weltoffener, aber im Zweifelsfall gnadenloser Kublai Khan einiges. Überhaupt sind die Darsteller durch die Bank weg sehr gut – so gibt es eine ganze Reihe interessanter Frauen: Natürlich die Lieblingsfrau des Khans Chabi (Joan Chen) selbst, die geheimnisvolle blaue Prinzessin Kokachin (Zhu Zhu) und die tragische Figur der Mei Lin (Olivia Cheng), die sich von ihrem fiesen Bruder, dem chinesischen Kanzler Jia Sidao, benutzen lässt, um ihre Tochter in der fernen Heimat zu schützen. Was ihr nur bedingt gelingt, obwohl sie eine fantastische Kämpferin und auch sonst sehr geschickt ist. Und dann gibt es noch die Kriegerin Sorga, eine Nichte des Khans – ein Mädchen nach seinem Geschmack, wie Kublai durchblicken lässt: Sie will keine feine Prinzessin sein, obwohl ihr diese Rolle durchaus zustehen würde, sondern sie prügelt sich lieber mit den starken Jungs. Sie verprügelt nebenbei auch Marco und vernascht ihn zum Nachtisch – was natürlich besser niemand wissen sollte.

Screenshot Marco Polo: Chabi (Joan Chen) sucht neue Gespielinnen für ihren Gatten aus.

Screenshot Marco Polo: Chabi (Joan Chen) sucht neue Gespielinnen für ihren Gatten aus.

Alles in allem also ein opulentes Historiengemälde mit keiner allzu originellen, aber ausreichend komplexen und plausiblen Handlung sowie jeder Menge Sex und Crime, was ich für einen entschiedenen Vorteil halte, auch wenn die Geschmäcker gerade in diesem Punkt durchaus unterschiedlich sind.

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Homeland kommt nach Hause

Homeland – WTF???!!!! War mein erster Gedanke nach der letzten Folge der vierten Staffel. Homeland ist ja ohnehin einer dieser Achterbahn-Serien, bei der ich auf der einen Seite denke: „Was für eine Scheiß!“ und auf der anderen Seite finde ich sie doch wieder sehr spannend gemacht und kann nicht damit aufhören. Die ersten beiden Staffeln waren tatsächlich – wie immer man das Weltbild bewertet, das darin vertreten wird – nervenzerfetzend spannend. Und ich muss auch sagen, dass ich eine geniale, aber psychisch gestörte CIA-Top-Agentin gar nicht mal dermaßen unglaubwürdig finde, bei allem, was man inzwischen offiziell über diesen Verein weiß. Und auch einen potenziellen Attentäter wie Brody, der sich über seine eigentlichen Ziele nicht mehr sicher ist, aber weiterhin ein hochtrainierter Killer bleibt, der sich auch anders als ursprünglich geplant einsetzen lässt, nehme ich nicht nur als Serienfantasie hin.

Screenshot Homeland

Screenshot Homeland

Die dritte Staffel konnte ich allerdings nur schwer ertragen – da gab es bessere und schlechtere Folgen, aber irgendwie war es von allem zu viel und am Ende dennoch nicht genug. Versöhnlich war immerhin, dass mit Brody endlich mal Schluss war. Das war eine mehr als überfällige und konsequente Wendung – genau wie man von der vierten Staffel nicht erwarten konnte, dass eine Carrie Mathison (Claire Danes) plötzlich zum Muttertier mutiert.

Entsprechend sieht man sie cool und fokussiert wie eh und je im Einsatz – und wenn sie jetzt auch Herrin über ein Drohnenheer und die damit verbundene Technik ist, bleibt ihr Job doch ein gefährlicher. Man weiß bereits aus den Folgen zuvor, dass Carrie wirklich jedes Mittel recht ist, um an die Informationen zu kommen, die sie benötigt. Und dass sie kein Problem damit hat, sich diese Informationen illegal zu beschaffen – notfalls verführt sie eben auch einen neunzehnjährigen Pakistani, um an Informationen über seinen Terror-Onkel zu kommen.

Screenshot Homeland: Max (Maury Sterlin) und Carrie (Claire Danes)

Screenshot Homeland: Max (Maury Sterlin) und Carrie (Claire Danes)

Wie immer hat der arme Peter Quinn (Rupert Friend) viel mehr Probleme, mit dem, was Carrie tut, als Carrie selbst. Quinn ist und bleibt der moralisch integre Typ, der Einsätze und Methoden hinterfragt – auch wenn er, wenn es drauf ankommt, selbstverständlich tut, was getan werden muss. Dass Carrie keine Moral im herkömmlichen Sinne hat, macht sie ja schon fast wieder sympathisch – wenn sie nicht ihre Mission hätte: Was zum Teufel findet Carrie an ihrer Nation eigentlich dermaßen großartig, dass sie ihr jedes Mittel recht ist, um Schaden von diesem, wie ich meine, doch sehr zweifelhaften Konstrukt abzuwenden? Das erfahren wir nicht.

Screenshot Homeland: Astrid (Nina Hoss) und Peter (Rupert Friend)

Screenshot Homeland: Astrid (Nina Hoss) und Peter (Rupert Friend)

Ja, irgendwie geht es angeblich immer darum, Menschenleben zu retten. Aber erstmal setzt Carrie jede Menge Menschenleben aufs Spiel, in dem sie gleich am Anfang eine Hochzeitgesellschaft bombardieren lässt, weil sich angeblich ein hochrangiger Terrorist dort aufhält. Und sie rechtfertigt das auch noch, als sich diese Entscheidung als fatal heraus stellt – es gab viele tote Zivilisten und das eigentliche Ziel ist gar nicht tot.

„So oft irren wir uns nicht!“ erklärt sie Quinn. Und ist bei der nächsten Gelegenheit, den Terror-Chef Haissan Haqqani zu töten, sogar bereit, ihren Mentor und Ex-CIA-Chef Saul Berenson (Mandy Patinkin)zu opfern, den Haqqani als Garantie für seine eigene Sicherheit entführt hat. Quinn kann sie gerade so noch davon abhalten – und damit kippt Carrie für den Rest der Serie um: Jetzt tut sie alles, um Saul zu retten, obwohl sie ihm versprochen hat, ihn lieber töten zu lassen, als ihn gegen gefangene Terroristen auszutauschen. Das liegt wohl ihrer manisch-depressiven Erkrankung: Sie macht halt alles im Extrem.

Screenshot Homeland: Carrie und Astrid

Screenshot Homeland: Carrie und Astrid

Dass die CIA (und zahlreiche andere US-Behörden mit drei Buchstaben) keineswegs die Vertreter des Guten in der Welt sind, weiß man längst – insofern ist die Veröffentlichung der Folter-Berichte in den USA nicht mehr als eine Bestätigung für all die schlimmen Dinge, für die dieser US-Geheimdienst ohnehin bekannt ist. Das wird in Fernsehserien schon lange verarbeitet – immer, wenn jemand als besonders grausam oder skrupellos auffällt, wird auf eine Ausbildung bei der CIA verwiesen und es gibt kaum ein Weltereignis seit dem 2. Weltkrieg, bei dem niemand annehmen würde, dass die allmächtige CIA die Finger da nicht irgendwie im Spiel gehabt hätte – im Fernsehen und im wahren Leben. Insofern war es schon neu und mutig in Homeland, die CIA mit dem Anschlag am Ende der zweiten Staffel als fehl- und verwundbar zu zeigen.

In der vierten Staffel wird das konsequent weitergesponnen: Bei der aktuellen Mission in Pakistan geht so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Nachdem der Austausch von Saul gegen eine Reihe von islamistischen Top-Terroristen gelungen scheint, wird der Konvoi von Carrie und Saul angegriffen. Das stellt sich als Ablenkungsmanöver heraus – der Ehemann der US-Botschafterin in Islamabad hat den entscheidenden Tipp geliefert, wie man in die stark befestigte Botschaft gelangen kann. Haqqani und seine Männer dringen durch den jetzt nicht mehr geheimen Tunnel in die Botschaft ein und richten dort ein Blutbad an.

Screenshot Homeland: Peter Quinn bastelt eine Bombe

Screenshot Homeland: Peter Quinn bastelt eine Bombe

Das alles ist wieder herrlich fatal – diese fiesen Terroristen sind den USA technisch zwar unterlegen, aber völlig skrupellos und ziemlich schlau – und die USA bedienen sich ja ebenfalls rechtlich und moralisch mehr als fragwürdiger Mittel (willkürliche Morde per Drohne, Folter, Abschaffung der Privatsphäre), so dass die öffentliche Meinung in den betroffenen Ländern nicht unbedingt auf Seiten der westlichen Anti-Terror-Krieger ist. Deshalb stehen auch Carrie und ihre Leute ständig mit dem Rücken an der Wand und müssen zusehen, wie sie ihre eigene Haut retten, statt etwas gegen den Terror unternehmen zu können.

Gerade deshalb fand ich nicht sehr glaubwürdig, dass ausgerechnet der Hardliner Andrew Lockhard im entscheidenden Moment einknickt. Als überzeugter CIA-Mann hätte er doch wissen müssen, dass man nicht mit Terroristen verhandeln darf. Ein Terrorist weiß ja eh, dass er auf der richtigen Seite steht, deshalb kann er jede Gräueltat begehen – die Sache rechtfertigt alles. Und dann macht sich ausgerechnet der CIA-Chef zum nützlichen Idioten?! Nie im Leben würde ein echter CIA-Agent einem Topterroristen die von ihm gewünschten Daten aushändigen. Auch nicht, um dass Leben einer muslimischen Angestellten zu retten. Nicht, weil er etwas gegen junge, hübsche muslimische Frauen hätte, sondern weil er wüsste, dass noch viel mehr Tote geben wird, die es zu verhindern gilt. Nicht mal ich hätte das getan.

Screenshot Homeland: Carrie in Aktion

Screenshot Homeland: Carrie in Aktion

Nach diesem Desaster wird die Botschaft geschlossen und das gesamte Personal abgezogen – aber Quinn wäre nicht Quinn, wenn er die Sache jetzt nicht selbst in die Hand nehmen würde: Diesem Haqqani muss jetzt erst recht das Handwerk gelegt werden. Während Carrie sich damit abfindet, dass die gesamte Mission ein schrecklicher Fehlschlag war, der viele Opfer unter den eigenen Leuten gefordert hat, taucht Quinn ab, um Haqqani im Alleingang zur Strecke zu bringen. Aber weil Carrie ja alle noch Verbliebenen heile nach Hause bringen will, muss sie Quinn erstmal finden. Also bleibt auch sie – und stellt fest, dass Quinn gar nicht so alleine ist, er hat nämlich eine Freundin: Nina Hoss, die irgendwie anders heißt, aber das ist nicht nicht so wichtig. Ich fand es jedenfalls eine nette Idee, dass die Deutschen auch mal aushelfen dürfen, wenn die CIA nicht mehr weiter weiß.

Screenshot Homeland: Saul Berenson in der Gewalt von Haqqanis Terror-Gruppe.

Screenshot Homeland: Saul Berenson in der Gewalt von Haqqanis Terror-Gruppe.

Jedenfalls kann Quinn sich bei seiner ehemaligen Flamme aus Deutschland verstecken und eine schöne Bombe basteln. Und später wird Astrid ihm auch aus dem Land helfen, sie hat offenbar gute Beziehungen zum BND. In der vorletzten Folge der Staffel läuft Homeland jedenfalls noch einmal zu Höchstform auf: Carrie verhindert Quinns Attentat auf Haqqani – was ich zwar wieder ziemlich inkonsequent finde, denn genau das war doch ihre eigentliche Mission, diesen fiesen Terroristen zur Strecke zu bringen! Sie versucht immerhin selbst noch, Haqqani zu erschießen, wird aber vom pakistanischen Militär-Chef Azar Khan daran gehindert. Aber da auf dem Rücksitz des Wagens von Haqqani niemand anders sitzt als der legendäre Dar Aral, geht das in Ordnung. Offenbar hat die CIA noch eine ganz andere Agenda. Großartiger Knalleffekt für das Ende der vorletzten Folge!

Screenshot Homeland: Azar  Khan hindert Carrie daran, Haqqani zu erschießen.

Screenshot Homeland: Azar Khan hindert Carrie daran, Haqqani zu erschießen.

Wer sich nun aber auf ein spektakuläres Ende nach Homeland-Art gefreut hatte, konnte nur enttäuscht werden: Genau wie bei Gomorrha fällt die letzte Folge steil ab, weil es den Machern vor allem darum geht, die Geschichte so enden zu lassen, dass sich problemlos eine weitere Staffel anknüpfen lässt. Wir erfahren immerhin, dass der alte CIA-Fuchs Dar einen Deal mit Haqqanis Terrorgruppe gemacht hat: Dass Erpresser-Video mit dem entführten Ex-CIA-Chef Saul in der Gewalt von Terroristen wird nicht veröffentlicht – damit ist Saul wieder im Spiel um die Nachfolge von Loser Lockhart.

Screenshot Homeland: Carrie traut ihren Augen nicht.

Screenshot Homeland: Carrie traut ihren Augen nicht.

Ansonsten sehen wir Carrie zuhause beim Aufräumen zu: Sie ordnet den Nachlass ihres verstorbenen Vaters, kommt ihrer rothaarigen Tochter Franny wieder etwas näher und versucht zum Schluss auch noch Annäherung an ihre Mutter, die sie und ihre Schwester vor 15 Jahren verlassen hat. Ganz schön viel Familiendrama für eine einzige Folge, dann gibt es auch noch einen unbekannten Halbbruder und Quinn taucht auch wieder auf. Dass Quinn Carrie irgendwie liebt, wissen wir ja schon – und auch, dass Carrie sich auch mal kopflos in Abenteuer stürzt – hier gibt es aber nur einen leidenschaftlichen Kuss und dann übernimmt die rationale Carrie wieder, die völlig recht damit hat, dass sie nicht gut für Menschen und ganz besonders nicht für Quinn ist. Nun ja. Und dann gibt es noch kalte Lasagne und Tullamore Dew aus Plastikbechern.

Screenshot Homeland: Dar Aral auf dem Rücksitz in Haqqanis Wagen.

Screenshot Homeland: Dar Aral auf dem Rücksitz in Haqqanis Wagen.

Vermutlich wird Quinn auch in der kommenden Staffel zwar in jeder Folge erklären, dass er endlich aufhören will, aber am Ende doch immer da sein, wenn er gebraucht wird. Und Carrie wird bestimmt nicht zuhause bei ihrer Tochter Franny bleiben. Und ich werde mir das bestimmt auch wieder ansehen, auch wenn ich gerade nicht so richtig weiß, warum.

Gomorrha: Das realistische Bild bekommt Risse

Mit „Krieg“ ist jetzt der letzte der zwölf Teile von Gomorrha gelaufen und es gab zum Schluss noch einmal sehr viele Tote – wobei es ja auch in den elf Teilen zuvor schon ziemlich zur Sache ging. Gomorrha ist eine unglaublich brutale Serie – insbesondere, weil sie ein gnadenlos realistisches Bild der Camorra zeigt. Es ist keine augenzwinkernde Familiengeschichte wie Die Sopranos, in der es ja auch jede Menge Gewalt und Verbrechen gibt, und auch kein historisches (und ebenfalls sehr blutiges) Panorama wie es in Boardwalk Empire aufgespannt wird.

Screenshot Gomorrha: Das Grab der Immacolata Savastano

Screenshot Gomorrha: Das Grab der Immacolata Savastano

Gomorrha konzentriert sich auf eine Geschichte, die konsequent durchgezogen wird: Den Niedergang des neapolitanischen Savastano-Clans. Wie schon zum Auftakt der Serie beschrieben, strebt der junge Ciro di Marzio nach Höherem: Er will zum Vertreter seines Bosses Don Pietro aufrücken, nachdem Don Pietro für seine illegalen Machenschaften im Knast landet. Aber weil er nicht zur Familie gehört, begeht Donna Savastano einen verhängnisvollen Fehler: Sie will Ciro aufs Abstellgleis schieben und ihren Sohn Gennaro als neuen Chef installieren. Leider ist Genni ein verzogenes Muttersöhnchen und noch nicht reif für den harten Job – und Ciro wird auf eine harte Probe gestellt. Aber weil er ein loyaler Soldat ist, unterstützt er Genni – außerdem kann er auf diese Weise Einfluss ausüben. Das passt Mamma Imma ganz und gar nicht. Sie schickt Ciro nach Spanien, damit er wieder mit dem Chef des konkurrierenden Mafia-Clans Salvatore Conte ins Geschäft kommt. Conte kontrolliert den gesamten Drogennachschub – und die Savastanos verdienen nichts, wenn sie keinen guten Stoff zu verkaufen haben.

Screenshot Gomorrha: Ciro und Gennaro

Screenshot Gomorrha: Ciro und Gennaro

Pikant an der Sache ist allerdings, dass Don Pietro Ciro befohlen hatte, einen Brandanschlag auf die Wohnung von Contes Mutter zu verüben – auf Ciro ist Conte also ganz besonders schlecht zu sprechen. Insofern ist klar, dass der Trip nach Barcelona ein Himmelfahrtskommando ist. Aber Ciro wäre nicht der Unsterbliche, wenn er sich von Conte und seinen Leuten umbringen ließe – und der schlaue Conte nutzt Ciros einzigartige Überlebensfähigkeiten gleich aus, um mit der Russenmafia ins Geschäft zu kommen.

Die Russen machen nämlich richtig Ärger und halten sich nicht einmal an den Ehrenkodex der Mafia – mit solchen Leuten will Conte erst gar nicht selbst verhandeln. Ciro gelingt es, einen für Conte akzeptablen Deal einzufädeln und lebendig wieder nach Neapel zurückzukehren. Allerdings erweist sich Donna Imma als ärgerlich undankbar. In der Zwischenzeit hat sie ihren Sohn gewissermaßen als Turbo-Ausbildung nach Nicaragua geschickt, um dort einen für die Savastanos günstigeren Drogendeal auszuhandeln. Und tatsächlich kommt ein verwandelter Gennaro aus Mittelamerika wieder – er trägt nicht nur eine neue Frisur, die sein Gesicht kantiger und härter aussehen lässt, sondern hat jetzt auch einen echten Killerblick.

Die Reise nach Nicaragua war also ein voller Erfolg – Gennaro ist nicht mehr darauf angewiesen, sich mit Ciros Hilfe Autorität zu verschaffen, das kann er jetzt selbst. Und das nutzt er auch aus – nachdem es erst so aussah, als würde die berechnende Donna Imma zur neuen Herrscherin des Clans aufsteigen, wird sie von ihrem Sohn zur Seite geschoben, der nun seinerseits die Macht beansprucht und sich dabei vor allem auf seine jungen, testosterongetriebenen Kumpels stützt, denen die Knarre locker in der Hose steckt.

Screenshot Gomorrha: Gennaro Savastano

Screenshot Gomorrha: Gennaro Savastano

Ciro kapiert, dass Gennaro sich von ihm nichts mehr sagen lassen wird – und weil man einen guten Soldaten nur braucht, wenn Krieg ist, zettelt er einen an: Ciro zieht sich einen jungen Helfer heran, der als Reifeprüfung schließlich ein Attentat begeht und dabei einen hohen Funktionär des Conte-Clans niederschießt. Zu spät erkennt der junge Daniele, für was er da benutzt worden ist und taucht ab – nicht nur, weil ihm klar ist, dass Conte und seine Leute hinter ihm her sind, sondern auch, weil er kapiert, dass Ciro keineswegs sein Freund ist. Ciro seinerseits setzt alles dran, Daniele zu finden und zu beseitigen – schließlich sollen alle glauben, dass das Attentat auf Gennaros Konto geht und Daniele ist der einzige, der außer Ciro weiß, was wirklich Sache ist.

Screenshot Gomorrha: Gennis Jungs

Screenshot Gomorrha: Gennis Jungs

Aber so einfach ist die Sache nicht – da hilft es nicht einmal, dass Ciro Danieles Freundin Manu zu Tode foltert, sie weiß auch nicht, wo Daniele ist. Der verzweifelte Daniele ruft schließlich seinen großen Bruder um Hilfe an, der ausgerechnet der Fahrer von Salvatore Conte ist. Er ist in jeder Beziehung am Ende – er hat im Fernsehen gesehen, dass eine verbrannte Frauenleiche gefunden wurde, die als einzigen Hinweis einen auffälligen Brillantring trug: Genau diesen Ring hatte er Manu von seinem Judaslohn gekauft. Insofern ist es eine Erlösung, dass sein Bruder Conte zu ihm führt – der ihm erst wie versprochen vergibt, um ihm dann eine Kugel in den Kopf zu jagen.

Und so geht es die ganze Zeit: Immer tritt die schlimmstmögliche Wendung ein, und wenn etwas erst einmal glimpflich auszugehen scheint, dann nur, weil es am Ende zu noch fataleren Folgen führt: Die ganze Welt von Gomorrha ist hässlich und dunkel, da hilft weder die südliche Sonne, noch das blaue Mittelmeer. Der Arm der Mafia ist lang und grausam – und Widerstand scheint zwecklos. Es hilft nicht, dass die besorgten Mütter ihren kleinen Jungs verbieten, sich mit den großen Jungs von der Mafia einzulassen: Wenn der Boss mit der neuen Playstation vor der Tür steht, ist ohnehin scheißegal, was die Mama dazu sagt. Überhaupt ist es herzzerreißend anzusehen, wie die Mafia ihren Nachwuchs rekrutiert – aber was die Jungs denn für Alternativen? Mit echter Arbeit Geld zu verdienen ist nicht so einfach, wenn es kaum Jobs gibt, die nicht von der Mafia vergeben werden.

Screenshot Gomorrha: Ciros Familie auf der Flucht

Screenshot Gomorrha: Ciros Familie auf der Flucht

Aber auch mit ihren eigenen Leuten kennen die Mafiosi kein Erbarmen – der Krieg innerhalb des Savastano-Klans fordert immer mehr Opfer und schließlich gerät auch Donna Imma in die Schlusslinie: Ihr wurde eine Aufnahme zugespielt, in der zu hören ist, wie Ciro Manu anspricht und entführt. Ciro seinerseits ist mit der alten Garde inzwischen so weit, zu Conte überzulaufen. Gennaro hingegen realisisiert, dass sein Vater nur noch ein mit Psychopharmaka ruhiggestelltes Wrack ist und beschließt, die alten Verräter fertig zu machen. Nach der Beerdigung seiner Mutter kommt es zum überaus blutigen Finale – der unsterbliche Ciro kann aber mitsamt seiner Familie knapp entkommen. Gennaro dagegen ereilt genau das Schicksal, dass er eigentlich dem abtrünnigen Ciro zugedacht hatte: Er wird im Kugelhagel niedergestreckt. Damit sind die Savastanos Geschichte – trotzdem bin ich mit dem Ende nicht so richtig zufrieden. Nicht, weil Savastanos nicht genau das bekommen hätten, was sie verdienten – das ist schon in Ordnung.

Screenshot Gomorrha

Screenshot Gomorrha

Aber gemessen an den starken Geschichten in den Teilen wird es zum Ende hin ziemlich konfus: Es gibt eine wilde Ballerei und eine Menge Leichen, aber so richtig realistisch wirkt das alles nicht: Dafür ist zu klar, dass Ciro davon kommen wird, selbst wenn er seiner Frau noch dabei hilft, den schweren Koffer bei der Flucht über die Dächer über eine Absperrung zu wuchten.

Und weil Ciro darauf verzichtet hat, Genni den eigentlich üblichen Kopfschuss zu verpassen, ist gut möglich, dass auch der kleine Savastano eine Auferstehung erleben wird – sein Papa Don Pietro jedenfalls wirkt wieder ganz munter, nachdem er von seinem letzten treuen Gefolgsmann Malamo während eines Gefangenentransports befreit wird.

Das ist einerseits natürlich gut, weil man sich damit schon auf eine Fortsetzung dieser insgesamt sehr beeindruckenden Serie freuen kann, andererseits bleibt bei diesem letzten und bisher schwächsten Teil einer sonst großartigen Staffel ein leicht schaler Geschmack zurück.

Treme – Überleben mit Musik

In meinem Blog ist die Rubrik Verbrechen eindeutig überrepräsentiert – was daran liegt, dass ich nun einmal am liebsten Krimiserien anschaue. Es gibt aber natürlich auch einige Drama-Serien, die sehr, sehr gut sind – und eine meiner absoluten Lieblingsserien in diesem Bereich ist Treme.

Tremé ist ein altes Viertel von New Orleans – und insofern ist die Sache selbsterklärend: Die Serie handelt von Bewohnern dieser Nachbarschaft. Die Handlung setzt drei Monate nach der Zerstörung der Stadt durch den Hurrikan Katrina im Jahr 2005 ein und begleitet die Menschen, die versuchen, inmitten der Verwüstung wieder Fuß zu fassen bzw. sich ein neues Leben aufzubauen.

Treme (via hbo.com)

Treme (via hbo.com)

Natürlich geht es auch um das besondere Lebensgefühl in New Orleans – einer eben nicht typisch US-amerikanischen Stadt, sondern einer, in der sowohl die europäischen, als auch die afrikanischen Wurzeln ihrer Kultur noch deutlich zu erkennen sind. Viele der Bewohner haben französische Namen, sehr viele sind schwarz, viele sind Musiker, oder Menschen, die sich für Musik interessieren, und gutes Essen spielt auch eine Rolle. Außerdem kann man in New Orleans auch schon zum zweiten Frühstück etwas Alkoholisches trinken, ohne dass man allzugroßes Aufsehen erregt.

Aber natürlich geht es in Treme nicht in erster Linie um das gute Leben. Es geht um den Überlebenskampf von Menschen, die alles oder zumindest vieles verloren haben, es geht um die Frage, ob man bleibt oder geht, aufgibt oder kämpft – und zu kämpfen haben die Menschen nicht nur mit dem Verlust von geliebten Menschen und ihren Häusern. Es geht in der Serie auch um die Korruption in den Behörden, wodurch ein großer Teil der Hilfsgelder für den Wiederaufbau der Stadt in dunklen Kanälen versickert und um die Ungerechtigkeiten in der Strafjustiz – was durch die Ereignisse in Ferguson und anderswo derzeit neue Brisanz erhält.

Treme: Antoine Bastite

Treme: Antoine Bastite (Wendell Pierce)

HBO gab die Serie 2008 in Auftrag, Showrunner und Produzent war David Simons, der auch für The Corner, The Wire und Generation Kill verantwortlich ist. So war der aus The Wire bekannte Wendell Pierce der erste Schauspieler, der eine Rolle in Treme eine Rolle bekam. Pierce spielt den Posaunisten Antoine Batiste, sein The-Wire-Kollege Clarke Peters spielt Big Chief Lambreaux, den Häuptling eines Stammes von Mardi-Gras-Indians, der Vater des in der Szene bekannten Jazz-Trompeters Delmond Lambreaux ist.

Delmond (Rob Brown) hat sich eigentlich in New York eingerichtet und kommt eher widerwillig nach Hause, um seinem Vater zu helfen. Big Chief Lambreaux baut eigenhändig sein Haus wieder auf und verwendet ansonsten jede Minute darauf, ein neues Kostüm zu nähen – zu jedem Mardi Gras verlangt die Tradition eine aufwendige Ausstattung der Stammesfürsten mit viel Perlenstickerei und reichlich Federn. Delmond kann darüber nur den Kopf schütteln – bis er begreift, dass für seinen Vater ein tieferer Sinn darin liegt.

Treme: Big Chief Lambreaux in Aktion.

Treme: Big Chief Lambreaux (Clarke Peters) in Aktion.

Dann gibt es die Familie Bernette, bestehend aus dem Englisch-Professor Creighton Bernette (John Goodman), der sich mit Unterstützung seiner Tochter Sofia (India Ennenga) auf der neuen Plattform Youtube austobt, wo er in Videobeträgen die Zustände in seiner Stadt anprangert, seiner Frau Toni Bernette (Melissa Leo), die als engagierte Anwältin für die benachteiligten Bürger der Stadt kämpft und damit nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Tochter gefährdet. Und dann gibt es Sofia selbst, die sich einerseits sehr mit den News-Orleans-Traditionen identifiziert, die sie von ihren Eltern lernt, andererseits schwer daran zu tragen hat. Creighton hat feierlich geschworen, die Stadt niemals zu verlassen und arbeitet an einem Buch über die große Flut von 1927 – das nun nach Katrina gewiss Chancen auf dem Markt hätte. Wenn er es nur fertig bekäme.

Außerdem gibt es den erfolglosen weißen Musiker und Radiomoderator Davis MacAlary (Steve Zahn), der ebenfalls aus einer alteingesessenen Familie stammt, der wiederum mit der Köchin Janette Desautel (Kim Dickens) befreundet ist. Janette lebt für die gute und besondere Küche ihrer Stadt, hat aber große Probleme, ihr kleines Restaurant am Laufen zu halten. Womit es ihr kaum anders ergeht als der Exfrau von Antoine LaDonna Batiste-Williams (Khandi Alexander) , die eine Bar besitzt und sie unbedingt weiter betreiben will, obwohl sie nun mit einem Zahnarzt verheiratet ist, der sie zu überzeugen versucht, in Baton Rouge ein neues Leben anzufangen. Aber LaDonna kann sich nicht vorstellen, wo anders als in New Orleans zu leben. Außerdem sucht sie nach ihrem vermissten Bruder.

Durch die Stadt streunen auch das Musiker-Pärchen Sonny (Michael Huisman) und Annie (Lucia Micarelli). Annie hat Sonny aus Amsterdam mitgebracht, nachdem sie ihn dort beim Trampen kennenlernte. Sonny spielt Klavier, Annie Geige, die beiden halten sich mit Straßenmusik über Wasser und halten nach der großen Chance Ausschau. Während sich die begabte Annie für Cajun-Musik interessiert und hier auch erste Erfolge feiern kann, hat Sonny Drogenprobleme und wird schließlich von einem Freund gerettet, der ihm einen Job auf einem Krabbenkutter verschafft.

Treme: Sonny und Annie.

Treme: Sonny (Michiel Huismann) und Annie (Lucia Micarelli).


Und schließlich gibt es noch Lieutenant Terry Colson (David Morse), einen Polizisten, der auf seine Weise versucht, nicht nur auf den Straßen, sondern auch im korrupten Polizei-Apparat Ordnung zu schaffen, was ihm natürlich keine Freunde, sondern jede Menge Ärger einbringt. Trotzdem lässt er sich nicht unterkriegen und unterstützt auch immer wieder Toni Bernette bei ihrer Arbeit.

Es gibt drei Staffeln mit 11 bzw. 10 Teilen, die vierte und finale Staffel hat nur noch fünf Teile – was ich sehr schade fand, weil man doch sehr merkt, dass es hier in erster Linie darum geht, die vielen angefangenen Geschichten aus den Staffeln davor noch irgendwie halbwegs vernünftig zu Ende zu bringen – dadurch fehlt der Drive aus den Staffeln davor, in denen sehr viel mehr passiert.

Eine tragende Rolle spielt die Musik – auch wenn der typische New-Orleans-Jazz ist gewiss nicht jedermanns Sache ist. Mir hat aber sehr gut gefallen, dass die Macher der Serie sich getraut haben, der Musik so viel Raum zu geben – das fängt mit der ersten Second Line an, für die sich die Musiker drei Monate nach der großen Katastrophe im Treme zusammenfinden und geht vielen weiteren weiter – dazwischen gibt es Proben, große und kleine Gigs, Straßenmusik, Konzerte, Paraden, es treten eine ganze Reihe echter Musiker auf, etwa Elvis Costello, Allen Toussaint oder Dr. John.

Treme: Nach der Second Line - LaDonna und Toni

Treme: Nach der Second Line – LaDonna (Khandi Alexander) und Toni (Melissa Leo)

Andererseits ist durchaus noch eine Menge von The Wire spürbar – und in The Wire geht es ja auch nicht nur um Verbrechen, sondern auch um die Gründe dafür. Und auch wenn Treme ganz ausdrücklich keine Krimi-Serie ist, sondern ein mit viel Musik unterlegtes Sozialdrama, so dringen Verbrechen und Gewalt immer wieder in die Handlung ein – New Orleans ist nun einmal kein friedlicher Ort, sondern eine kaputte Stadt mit enormen Problemen, sehr viel Armut und sehr viel Kriminalität. Aber gleichzeitig leben die Leute hier sehr eng zusammen, man kennt sich, man hilft einander.

Treme besticht nicht durch Spannung und einen raffiniert gestrickten Plot – auch wenn es durchaus überraschende Wendungen gibt, sondern eher durch das Gegenteil: Die Serie fließt ruhig und mächtig wie der Mississippi durch die Stadt – man kann sich einfach treiben lassen und sich das Leben der Menschen dort ansehen.

Der schmale Grat

Seit Jahren stand dieser Film auf meiner „Muss-ich-nochansehen-Liste“ – aber ein fast drei Stunden langer Kriegsfilm, das ist nicht unbedingt meine Lieblingskost, wenn ich mich abends entspannen will. Zumal ich mir schon eine Menge solcher Filme angesehen habe, von Im Westen nichts Neues über Apocalypse Now, Das Boot, Platoon, Saving Private Ryan und dergleichen mehr bis hin zu No Mans Land oder Waltz with Bashir. Und einige dieser Filme sind wirklich gut, auch wenn es in der Regel keine Freude macht, sie anzusehen.

Der schmale Grat: Corporel Fife (Adrien Brody)

Der schmale Grat: Corporel Fife (Adrien Brody)


Aber das ist eben auch der Sinn der Sache – wenn man Menschen die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt vor Augen führen will, kann das nicht schön sein. Insofern ist Der schmale Grat durchaus etwas irritierend, weil dieser Film über weite Strecken schöne Naturaufnahmen, friedliche Landschaftsbilder und eigenartig manierierte Detailaufnahmen aus Erinnerungsseqnenzen zeigt, das Muster der Spitzenbluse eines Mädchens, dessen Mutter stirbt, eine Gardine, die sich im Wind bläht – es handelt sich überhaupt um einen sehr eigenartigen Film. Allerdings im guten Sinne – besonders gut hat mir gefallen, dass nicht einmal am Rande die übliche Kriegspropaganda aufgetischt wird, nirgends wird erwähnt, dass für Ehre und Vaterland oder halt Freiheit und Demokratie gekämpft und gestorben werden müsste – hier werden ja auch erklärte Antikriegsfilme gern pathetisch. Selbst wenn es am Ende darum geht, pädagogisch wertvoll aufzuzeigen, dass es eigentlich gar nichts gibt, wofür es sich zu sterben lohnte. Wobei, irgendeine gute Sache findet sich am Ende immer.

Screenshot: Der schmale Grat - Private Witt (Jim Caviezel)

Screenshot: Der schmale Grat – Private Witt (Jim Caviezel)

Ein wenig zu schwärmerisch finde ich die Bilder zum Teil ja schon – oder sollte ich lieber „poetisch“ sagen? Die Poesie ist meine Sache nicht, ich bin eher der prosaische Typ. Nichtsdestotrotz: Terrence Malick hat in erster Linie einen Film über das Leben an sich gemacht, und über die Sinnsuche eines jungen Mannes, der eher zufällig in den Krieg geraten scheint – ein idealer Soldat ist Private Witt (Jim Caviezel) jedenfalls nicht. Im Gegenteil, bei jeder sich bietenden Gelegenheit haut er von der Truppe ab und hängt bei den Eingeborenen auf der idyllischen Südsee-Insel herum, auf die der Zweite Weltkrieg seine Kompanie verschlagen hat.

Der schmale Grat: 1st Sgt. Edward Welsh (Sean Penn)

Der schmale Grat: 1st Sgt. Edward Welsh (Sean Penn)

In seinen Augen ist das die ideale Welt – die Menschen sind freundlich zu ihm, er schwimmt und spielt mit den Kindern und stellt fest, dass sie sich nicht zu streiten scheinen. Sonne, Strand, Palmen – eigentlich könnte alles so schön sein, wenn dieser blöde Krieg nicht wäre. Der holt Witt bald wieder ein – seine Kompanie soll die Salomonen-Insel Guadalcanal erobern, auf der die Japaner einen Luftwaffenstützpunkt eingerichtet haben. Deshalb ist Witts eigentlich ziemlich nachsichtiger Sergeant Welsh (Sean Penn) auch gezwungen, Witt für sein unerlaubtes Entfernen von der Truppe zu bestrafen – er versetzt ihn als Träger für Verwundete in ein Strafbataillon und ermahnt ihn, daran zu denken, dass er in einer Welt lebe, in der es in erster Linie um das eigene Überleben ginge, auch wenn diese Welt gerade zum Teufel gebombt würde. Witt erwidert, dass er gerade eine andere Welt gesehen hätte.

Der schmale Grad: Lieutenant Colonel Gordon Tall (Nick Nolte) and Brig. Gen. Quintard (John Travolta)

Der schmale Grad: Lieutenant Colonel Gordon Tall (Nick Nolte) and Brig. Gen. Quintard (John Travolta)

Im Laufe der Zeit bekommt aber auch dieses schöne Bild Risse – als Witt später noch einmal in das Dorf kommt, in dem er am Anfang so glücklich war, sind die Menschen dort nicht mehr so friedlich und freundlich – auch hier gibt es Streit und Tod.

Streit und Tod gibt es ansonsten auch eine ganze Menge – so streiten sich etwa Captain Staros (Elias Koteas) und Lieutnant Colonel Tall (Nick Nolte) über die richtige Methode, den strategisch wichtigen Höhenzug einzunehmen, auf dem die Japaner einen Bunker gebaut haben, von dem aus sie alle Angriffe mit Maschinengewehren abwehren können. Staros, der sich für seine Männer verantwortlich fühlt, verweigert den Befehl zum Frontalangriff, weil er meint, dass das zu vielen seiner Leute das Leben kosten würde. Natürlich hat das Folgen – zumal sich der Colonel mit seiner Forderung, den Hügel schnell einzunehmen durchsetzt. Was sich dank eines Voraustrupps aus einigen wenigen Freiwilligen als weniger verlustreich als befürchtet erweist, weil es den Männern gelingt, die meisten Maschinengewehrschützen der Japaner auszuschalten. Auch der idealistische Witt hatte sich für dieses Himmelfahrtskommando gemeldet, was sein Sergeant überhaupt nicht verstehen kann. Immerhin gehört Witt zu denen, die überleben.

Der schmale Grat: Capt. James 'Bugger' Staros (Elias Koteas)

Der schmale Grat: Capt. James ‚Bugger‘ Staros (Elias Koteas)

Der Sturm auf den mit hohem Gras bewachsenen Höhenzug nimmt viel Zeit ein – und es kommen eine Menge von Witts Kameraden dabei um. Im hohen tropischen Gras, das sich malerisch im Wind wiegt, findet ein tödliches Versteckspiel statt: Einerseits bietet das Gras eine nützliche Deckung – andererseits sieht man den Feind nicht. Die Japaner haben natürlich auch mitbekommen, dass etwas im Busch ist und so peitschen Maschinengewehrsalven durch die Blätter, Granaten explodieren, Körper werden getroffen und zerfetzt, Menschen schreien und sterben – das kennt man aus zig anderen Gemetzelszenen. Das Unheimliche hier ist, dass die Getroffenen und Getöteten gleich wieder im Gras verschwinden. Die Natur ist überall, aber der Krieg ist nur dort, wo Menschen kämpfen. Wobei das nicht heißt, dass die Natur an sich immer gut ist – der Film beginnt damit, dass ein Krokodil sich im Wasser auf die Lauer legt und wir sehen nicht nur hübsche bunte Papageien und Schmetterlinge, sondern auch eine Giftschlage, die einen der Soldaten beißt.

Screenshot: Der schmale Grat - Private Witt (Jim Caviezel)

Screenshot: Der schmale Grat – Private Witt (Jim Caviezel)

Vor allem aber sehen die Soldaten, als sie nach langen Stunden der Unsicherheit und Entbehrungen (anders als Colonel Tall dem besorgten Captain Staros versprochen hat, gibt es den Wassernachschub für die Soldaten noch gar nicht, die sollen einfach wie Männer weiterkämpfen) endlich den Hügel stürmen, dass die bösen Feinde, vor denen sie sich so gefürchtet haben, genau solche Jammergestalten sind wie sie selbst – verängstigte, verzweifelte, schlecht ernährte Männer, die sie nun umbringen müssen, weil ja nun mal Krieg ist. Wobei die US-Soldaten jetzt auch nicht unbedingt in Sentimentalität verfallen, sie sind ja nicht zum Spaß hier.

Spaß gibt es auch nicht allzuviel – obwohl Sergeant Welsh für seine Leute eine Woche Fronturlaub durchsetzt. Und weil sie ja jetzt den strategisch wichtigen Luftwaffenstützpunkt erobert haben, kommt auch Post und Nachschub. Jetzt erfährt Private Bell, der die ganze Zeit nur von seiner schönen Frau geträumt hat, dass seine Liebste sich von ihm scheiden lassen will – sie hat sich so einsam gefühlt und einen anderen kennengelernt. Wieder bricht eine Welt zusammen.

Der schmale Grat: Sgt. Keck (Woody Harrelson)

Der schmale Grat: Sgt. Keck (Woody Harrelson)

Aber der Krieg ist noch lange nicht zu Ende. Witt opfert schließlich sein Leben, als er bei einer Erkundung auf die Japaner stößt – er will sie aufhalten, bis Corporal Fife (Adrien Brody) die Kompanie gewarnt hat. Für die, die überleben, geht der Krieg noch eine Weile weiter – der Natur ist das gleichgültig. Es gibt wieder die mit Luftwurzeln überwucherten Bäume, die wir am Anfang des Films gesehen haben – in der letzten Einstellung sehen wir eine Kokosnuss im flachen Wasser, aus der ein neuer Trieb wächst.

Letztlich hat der Film keine eindeutige Botschaft – das ist aber auch genau das, was ich gut daran finde. Wie sollte es auch eine geben, bei den ganzen Fragen, die gestellt, aber nicht beantwortet werden? Das Leben ist rätselhaft, die Natur und die Menschen – letztlich muss jeder selbst sehen, was er daraus macht.

Screenshot: Der schmale Grat

Screenshot: Der schmale Grat

Person of Interest: Die Maschine existiert

Jetzt ist es wieder hässlich und dunkel draußen und während man darauf wartet, dass endlich die neue Folge von Gomorrha oder Homeland ausgestrahlt wird – beides gibt es derzeit im klassischen Eine-Folge-pro-Woche-Format, womit trainierte Binge-Viewer nicht glücklich werden können – kann man nebenher noch andere Serien wegglotzen. Bei Netflix bin ich auf die erste Staffel von Person of Interest gestoßen – das ist genau so eine Serie, die sich sehr gut eignet, um die Zeit bis zum nächsten großen Ding zu überbrücken. Schon weil diese Serie pro Staffel viele Folgen hat, allein in der ersten Staffel sind es 23.

Wobei ich sagen muss, dass Person of Interest schon deutlich deutlich besser ist als The Blacklist oder auch Murder in the First, diese Serien sind ganz okay, wenn man alles andere schon gesehen hat, aber eben nicht dermaßen gut wie Breaking Bad, True Detective oder Fargo.

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel) and Harold Finch (Michael Emerson)

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel) and Harold Finch (Michael Emerson)

Bei Person of Interest bin ich mir noch nicht ganz sicher – es handelt sich einerseits um ein klassisches Ein-Fall-pro-Folge-Format, gleichzeitig gibt es aber eine ziemlich komplexe folgenübergreifende Rahmenhandlung, in die auch immer wieder Rückblenden aus dem Leben der beiden Hauptpersonen eingewoben werden. Bei den Hauptpersonen handelt es sich um den ziemlich verschrobenen Programmierer und Abhörspezialisten Harold Finch (Michael Emerson), der auf einer illegalen, aber sehr ehrenwerten Mission ist und als Helfer den ehemaligen CIA-Killer John Reese (Jim Caviezel) angeworben hat. Der geniale Harold hat gemeinsam mit seinem inzwischen verstorbenen Geschäftspartner Nathan Ingram für die US-Regierung Die Maschine konstruiert.

Die Maschine ist ein gigantischer (und sehr geheimer, weil völlig illegaler) Überwachungsapparat, bestehend aus unzähligen Überwachungskameras sowie Anzapfknoten bei Telefon- und Internetanbietern, Sozialen Netzwerken (Finch erwähnt irgendwann nebenbei, dass er die Sozialen Netzwerke extra erfunden hat, weil die Leute so gern was über sich erzählen, was eine Menge Recherchearbeit spart), Banken, Behörden, Fluglinien, Kreditkartenunternehmen, und was es sonst noch an digitalen Footprints gibt, die Menschen hinterlassen, die Daten an eine riesige Serverfarm liefern. Nur eine Handvoll eingeweihter Menschen wissen, dass die Maschine existiert. In ihren Servern werten äußerst raffinierte Algorithmen die Datenmassen aus und liefern Hinweise auf mögliche Attentäter – auf diese Weise können Terroranschläge rechtzeitig entdeckt und verhindert werden.

Screenshot Person of Interest: Harold Finch (Michael Emerson)

Screenshot Person of Interest: Harold Finch (Michael Emerson)

Die Maschine spuckt, wenn sie auffällige Muster entdeckt, die dazugehörende Sozialversicherungsnummer aus. Allerdings interessiert sich die Regierung nur für Terroristen, nicht aber für gewöhnliche Verbrechen. Deshalb gibt es eine Liste mit relevanten und eine mit irrelevanten Hinweisen. Die relevanten Hinweise werden nach einem streng geregelten Protokoll an die entsprechenden Einheiten bei NSA, CIA und Co. weiter gegeben. Die irrelevanten werden wieder gelöscht – ein Umstand, der Harold schwer zu schaffen macht, denn es handelt sich auch hier um Menschenleben, die gerettet werden könnten. Aber es geht um Terrorabwehr, nicht um die herkömmliche Verbrechensbekämpfung – und genau das war ja auch die Absicht: Es soll nur soweit eingegriffen werden, wie zur Sicherheit der Nation nötig ist. Alles andere ist irrelevant.

Durch seine bisherige Arbeit als Programmiergenie ist Harold offenbar sehr reich geworden, er lebt völlig zurückgezogen und ist nur glücklich, wenn er sich durch irgendwelche Systeme hacken kann. Er hat die Maschine so programmiert, dass sie völlig autark arbeitet, damit sie nicht missbraucht werden kann. Denn Harold kein Überwachungsfanatiker, sondern ein sehr gewissenhafter Mensch, der eigentlich nur Gutes tun will. Deshalb beschließt er auch, sich auf eigene Faust um die irrelevanten Nummern zu kümmern. Aber weil er halt ein Nerd und kein Kämpfer ist und gesundheitlich ohnehin nicht besonders auf der Höhe, braucht er Hilfe. Und so sucht und findet er John Reese.

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel): Du hältst das Ding falsch!

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel): Du hältst das Ding falsch!

John versucht gerade, sich zu Tode zu saufen – sein Leben hat keinen Sinn mehr. Er war einmal eine Spitzenkraft bei den US Special Forces und CIA-Agent – aber er hat seine Existenz als hochtrainierte Killermaschine mit zweifelhaften Aufträgen leid. An ein Privatleben ist bei einem solchen Job ohnehin nicht zu denken – deshalb hat er seiner großen Liebe ja auch gewünscht, dass sie mit einem anderen glücklich werden solle. Hat aber nichts genützt, sie ist jetzt trotzdem tot. Genau wie er selbst eigentlich tot sein sollte – aber einer wie John Reese ist sehr schwer umzubringen, es sei denn er übernimmt das selbst. Und er hat gerade damit angefangen.

Harold gelingt es aber, John zu überzeugen, dass sein Leben wieder einen Sinn haben könnte: Indem er Harold dabei hilft, Menschen zu retten. Schließlich hat John eine Menge Talente, die Harold für seine Mission gut gebrauchen kann – im Grunde ist er der reinste James Bond: John ist nicht nur ein Kampfkünstler und kennt sich mit Waffen, Sprengstoff sowie dem ganzen herkömmlichen Spionagekram aus, sondern spricht auch mehrere Sprachen, hat medizinische Kenntnisse, ein erstaunliches Improvisationstalent und Nerven wie Drahtseile. Man kann ihn praktisch überall einsetzen. Ob er sich nun als Mitglied einer Verbrechergang, als Sicherheitsexperte, Anlageberater oder Versicherungsvertreter ausgeben soll: Reese kriegt das hin.

Screenshot Person of Interest: Detective Fusco (Kevin Chapman)

Screenshot Person of Interest: Detective Fusco (Kevin Chapman)

Und für alles, was er nicht selbst hinkriegt, ist er in der Lage, jemanden zu rekrutieren. So bringt er den korrupten Bullen Lionel Fusco dazu, als Informant für ihn zu arbeiten. Und Fusco, der sehr gern ein besserer Bulle wäre, als er nun einmal ist, macht erst widerwillig und dann immer engagierter mit. Auch wenn er für Reese weiterhin den korrupten Bullen machen muss, denn anders lässt die ominöse Polizei-Mafia HR nicht infiltrieren.

Und dann gibt es noch Detective Jocelyn Carter, ehemalige Verhörspezialistin der US Army, die eine Art weiblicher Alex Murphy ist – die einzige nicht korrupte Polizistin zumindest in ganz New York. Carter ist monatelang hinter diesem mysteriösen Mann im Anzug her, der immer dort auftaucht, wo es Ärger gibt, und dann massenhaft Leichen hinterlässt. Aber sie stellt fest, dass der Mann im Anzug immer wieder Menschen rettet – er macht genau das, was sie als Polizistin schließlich auch will. Nur dass sie sich an das Gesetz halten muss und Reese eben nicht. Also lässt sie sich nach und nach überzeugen, dem „Team Maschine“ zu helfen.

Screenshot Person of Interest: Detective Carter (Taraji P. Henson)

Screenshot Person of Interest: Detective Carter (Taraji P. Henson)

Auf diese Weise entwickelt die Serie doch einen ziemlich heftigen Sog, obwohl es Folge für Folge eigentlich immer wieder das gleiche ist: Die Maschine spukt eine oder mehrere Nummern aus und Harold und John legen los: Denn wenn eine Nummer kommt, haben sie nur maximal 48 Stunden Zeit, heraus zu finden, was Sache ist und ihren Job zu erledigen. Ein großer Teil der Spannung entsteht aus dem Umstand, dass nicht bekannt ist, ob der Mensch zur Nummer Täter oder Opfer ist – hier machen Harold und John immer wieder Fehler, es kommt durchaus vor, dass sie die Falschen retten.

Interessant ist auch, dass die Serie, zumindest die beiden ersten Staffeln, bereits VOR den NSA-Enthüllungen durch Edward Snowden entstanden sind – hier ist die Fiktion von der Realität überholt worden. Inzwischen wissen wir, dass die Maschine existiert, vermutlich sind es sogar mehrere Maschinen. Sie sind vielleicht noch nicht ganz so perfekt wie die Maschine in Person of Interest – aber ihre Erschaffer sind gewiss nicht so integer wie Harold Finch und Nathan Ingram. Das macht die Sache aber nicht weniger spannend – im Gegenteil.

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel) and Harold Finch (Michael Emerson)

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel) and Harold Finch (Michael Emerson)