Person of Interest: Die Maschine existiert

Jetzt ist es wieder hässlich und dunkel draußen und während man darauf wartet, dass endlich die neue Folge von Gomorrha oder Homeland ausgestrahlt wird – beides gibt es derzeit im klassischen Eine-Folge-pro-Woche-Format, womit trainierte Binge-Viewer nicht glücklich werden können – kann man nebenher noch andere Serien wegglotzen. Bei Netflix bin ich auf die erste Staffel von Person of Interest gestoßen – das ist genau so eine Serie, die sich sehr gut eignet, um die Zeit bis zum nächsten großen Ding zu überbrücken. Schon weil diese Serie pro Staffel viele Folgen hat, allein in der ersten Staffel sind es 23.

Wobei ich sagen muss, dass Person of Interest schon deutlich deutlich besser ist als The Blacklist oder auch Murder in the First, diese Serien sind ganz okay, wenn man alles andere schon gesehen hat, aber eben nicht dermaßen gut wie Breaking Bad, True Detective oder Fargo.

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel) and Harold Finch (Michael Emerson)

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel) and Harold Finch (Michael Emerson)

Bei Person of Interest bin ich mir noch nicht ganz sicher – es handelt sich einerseits um ein klassisches Ein-Fall-pro-Folge-Format, gleichzeitig gibt es aber eine ziemlich komplexe folgenübergreifende Rahmenhandlung, in die auch immer wieder Rückblenden aus dem Leben der beiden Hauptpersonen eingewoben werden. Bei den Hauptpersonen handelt es sich um den ziemlich verschrobenen Programmierer und Abhörspezialisten Harold Finch (Michael Emerson), der auf einer illegalen, aber sehr ehrenwerten Mission ist und als Helfer den ehemaligen CIA-Killer John Reese (Jim Caviezel) angeworben hat. Der geniale Harold hat gemeinsam mit seinem inzwischen verstorbenen Geschäftspartner Nathan Ingram für die US-Regierung Die Maschine konstruiert.

Die Maschine ist ein gigantischer (und sehr geheimer, weil völlig illegaler) Überwachungsapparat, bestehend aus unzähligen Überwachungskameras sowie Anzapfknoten bei Telefon- und Internetanbietern, Sozialen Netzwerken (Finch erwähnt irgendwann nebenbei, dass er die Sozialen Netzwerke extra erfunden hat, weil die Leute so gern was über sich erzählen, was eine Menge Recherchearbeit spart), Banken, Behörden, Fluglinien, Kreditkartenunternehmen, und was es sonst noch an digitalen Footprints gibt, die Menschen hinterlassen, die Daten an eine riesige Serverfarm liefern. Nur eine Handvoll eingeweihter Menschen wissen, dass die Maschine existiert. In ihren Servern werten äußerst raffinierte Algorithmen die Datenmassen aus und liefern Hinweise auf mögliche Attentäter – auf diese Weise können Terroranschläge rechtzeitig entdeckt und verhindert werden.

Screenshot Person of Interest: Harold Finch (Michael Emerson)

Screenshot Person of Interest: Harold Finch (Michael Emerson)

Die Maschine spuckt, wenn sie auffällige Muster entdeckt, die dazugehörende Sozialversicherungsnummer aus. Allerdings interessiert sich die Regierung nur für Terroristen, nicht aber für gewöhnliche Verbrechen. Deshalb gibt es eine Liste mit relevanten und eine mit irrelevanten Hinweisen. Die relevanten Hinweise werden nach einem streng geregelten Protokoll an die entsprechenden Einheiten bei NSA, CIA und Co. weiter gegeben. Die irrelevanten werden wieder gelöscht – ein Umstand, der Harold schwer zu schaffen macht, denn es handelt sich auch hier um Menschenleben, die gerettet werden könnten. Aber es geht um Terrorabwehr, nicht um die herkömmliche Verbrechensbekämpfung – und genau das war ja auch die Absicht: Es soll nur soweit eingegriffen werden, wie zur Sicherheit der Nation nötig ist. Alles andere ist irrelevant.

Durch seine bisherige Arbeit als Programmiergenie ist Harold offenbar sehr reich geworden, er lebt völlig zurückgezogen und ist nur glücklich, wenn er sich durch irgendwelche Systeme hacken kann. Er hat die Maschine so programmiert, dass sie völlig autark arbeitet, damit sie nicht missbraucht werden kann. Denn Harold kein Überwachungsfanatiker, sondern ein sehr gewissenhafter Mensch, der eigentlich nur Gutes tun will. Deshalb beschließt er auch, sich auf eigene Faust um die irrelevanten Nummern zu kümmern. Aber weil er halt ein Nerd und kein Kämpfer ist und gesundheitlich ohnehin nicht besonders auf der Höhe, braucht er Hilfe. Und so sucht und findet er John Reese.

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel): Du hältst das Ding falsch!

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel): Du hältst das Ding falsch!

John versucht gerade, sich zu Tode zu saufen – sein Leben hat keinen Sinn mehr. Er war einmal eine Spitzenkraft bei den US Special Forces und CIA-Agent – aber er hat seine Existenz als hochtrainierte Killermaschine mit zweifelhaften Aufträgen leid. An ein Privatleben ist bei einem solchen Job ohnehin nicht zu denken – deshalb hat er seiner großen Liebe ja auch gewünscht, dass sie mit einem anderen glücklich werden solle. Hat aber nichts genützt, sie ist jetzt trotzdem tot. Genau wie er selbst eigentlich tot sein sollte – aber einer wie John Reese ist sehr schwer umzubringen, es sei denn er übernimmt das selbst. Und er hat gerade damit angefangen.

Harold gelingt es aber, John zu überzeugen, dass sein Leben wieder einen Sinn haben könnte: Indem er Harold dabei hilft, Menschen zu retten. Schließlich hat John eine Menge Talente, die Harold für seine Mission gut gebrauchen kann – im Grunde ist er der reinste James Bond: John ist nicht nur ein Kampfkünstler und kennt sich mit Waffen, Sprengstoff sowie dem ganzen herkömmlichen Spionagekram aus, sondern spricht auch mehrere Sprachen, hat medizinische Kenntnisse, ein erstaunliches Improvisationstalent und Nerven wie Drahtseile. Man kann ihn praktisch überall einsetzen. Ob er sich nun als Mitglied einer Verbrechergang, als Sicherheitsexperte, Anlageberater oder Versicherungsvertreter ausgeben soll: Reese kriegt das hin.

Screenshot Person of Interest: Detective Fusco (Kevin Chapman)

Screenshot Person of Interest: Detective Fusco (Kevin Chapman)

Und für alles, was er nicht selbst hinkriegt, ist er in der Lage, jemanden zu rekrutieren. So bringt er den korrupten Bullen Lionel Fusco dazu, als Informant für ihn zu arbeiten. Und Fusco, der sehr gern ein besserer Bulle wäre, als er nun einmal ist, macht erst widerwillig und dann immer engagierter mit. Auch wenn er für Reese weiterhin den korrupten Bullen machen muss, denn anders lässt die ominöse Polizei-Mafia HR nicht infiltrieren.

Und dann gibt es noch Detective Jocelyn Carter, ehemalige Verhörspezialistin der US Army, die eine Art weiblicher Alex Murphy ist – die einzige nicht korrupte Polizistin zumindest in ganz New York. Carter ist monatelang hinter diesem mysteriösen Mann im Anzug her, der immer dort auftaucht, wo es Ärger gibt, und dann massenhaft Leichen hinterlässt. Aber sie stellt fest, dass der Mann im Anzug immer wieder Menschen rettet – er macht genau das, was sie als Polizistin schließlich auch will. Nur dass sie sich an das Gesetz halten muss und Reese eben nicht. Also lässt sie sich nach und nach überzeugen, dem „Team Maschine“ zu helfen.

Screenshot Person of Interest: Detective Carter (Taraji P. Henson)

Screenshot Person of Interest: Detective Carter (Taraji P. Henson)

Auf diese Weise entwickelt die Serie doch einen ziemlich heftigen Sog, obwohl es Folge für Folge eigentlich immer wieder das gleiche ist: Die Maschine spukt eine oder mehrere Nummern aus und Harold und John legen los: Denn wenn eine Nummer kommt, haben sie nur maximal 48 Stunden Zeit, heraus zu finden, was Sache ist und ihren Job zu erledigen. Ein großer Teil der Spannung entsteht aus dem Umstand, dass nicht bekannt ist, ob der Mensch zur Nummer Täter oder Opfer ist – hier machen Harold und John immer wieder Fehler, es kommt durchaus vor, dass sie die Falschen retten.

Interessant ist auch, dass die Serie, zumindest die beiden ersten Staffeln, bereits VOR den NSA-Enthüllungen durch Edward Snowden entstanden sind – hier ist die Fiktion von der Realität überholt worden. Inzwischen wissen wir, dass die Maschine existiert, vermutlich sind es sogar mehrere Maschinen. Sie sind vielleicht noch nicht ganz so perfekt wie die Maschine in Person of Interest – aber ihre Erschaffer sind gewiss nicht so integer wie Harold Finch und Nathan Ingram. Das macht die Sache aber nicht weniger spannend – im Gegenteil.

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel) and Harold Finch (Michael Emerson)

Screenshot Person of Interest: John Reese (Jim Caviezel) and Harold Finch (Michael Emerson)

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