Под Прикритие: Natürlich macht die Mafia Bandenwerbung

Die bulgarische Krimi-Serie Undercover ist zwar weder für Fox, noch für mein Blog der Quotenbringer – aber das Tolle an meinem Blog ist ja, dass mir Quoten total egal sein können – wenigstens hier kann ich über das schreiben, was mich interessiert und nicht über das, von dem ich annehme, dass andere es interessiert. Das machen ja die professionellen Magazine schon zur Genüge. Wobei ich hier natürlich durchaus für das werben möchte, was ich gut finde – und auch die dritte Staffel von Undercover fand ich ganz schön gut.

Hier geht es jetzt nämlich so richtig zur Sache: Ivo Andonov (Zahary Baharov) will sich nach der Verurteilung von Jaro (Mihail Bilalov) und seiner Gang als der neue Unterwelt-König in Sofia etablieren und geht dafür über Leichen – gleich am Anfang statuiert er ein Exempel, in dem er einem der Chef-Dealer, der noch andere Geschäfte an ihm vorbei macht, vor versammelter Mannschaft mit einer Gabel ersticht. Krasse Aktion, selbst für diese Kreise.

Rossen Gatzev, genannt Herzog, der sich inzwischen einer echten Lieblingsfigur entwickelt hat, weil er doch sehr an Sil aus den Sopranos bzw. Frank aus Lilyhammer erinnert (von Typ und Habitus her sind sich die von Marian Valev und Steven van Zandt gespielten Figuren recht ähnlich), kommt auch wieder ins Geschäft, obwohl er sich ja eigentlich seiner Familie zuliebe zur Ruhe setzen wollte. Doch Frau und Kind weilen im fernen Barcelona, wo der Herzog ja wegen seiner Bewährungsauflagen nicht hin kann – er darf Bulgarien nicht verlassen. Und Ivo überzeugt Herzog, Vergnügen und Beruf doch wieder zusammenzuführen: Rossen ist nun mal gern Ganove. Aber einer mit Ehre. Und wenn der Priester das Geld, das der Herzog ihm für die wirklich Bedürftigen in der Gemeinde anvertraut hat, in eine neue Nobelkarosse investiert, dann bekreuzigt Rossen sich nachdrücklich mit der Pistole, um dem korrupten Popen klar zu machen, wer hier das Sagen hat: Der Herr im Himmel – und der Herzog. Was fast dasselbe ist.

Der große Zwilling, Martin und der Herzog Bild: globusnews.net

Der große Zwilling (Kiril Efremov), Martin (Ivaylo Zahariev) und der Herzog (Marian Velav)
Bild: globusnews.net

Auf der anderen Seite muss Kommissar Popov (Wladimir Penev) seinen Kollegen Neshev einweihen, dass Martin Hristov (Ivaylo Zahariev) von ihm in die Gang eingeschleust wurde. Auf diese Weise sollte der Mafia-Boss Jaro zur Strecke gebracht werden – aber nun gilt es, Martin eine Mordanklage zu ersparen und ihn aus dem Gefängnis zu holen. (Warum muss ich dauern an den Witz denken: „Natürlich macht die Mafia Bandenwerbung?!“) Martin ist natürlich überhaupt nicht begeistert davon, dass es nun noch einen Mitwisser gibt. Dabei hat Popov auch so schon genug Probleme: Seine Frau hat nun endgültig genug von ihm und Tochter Zori (Makaveeva Snejina) entwickelt sich auch nicht so, wie der Papa es sich wünschen würde: Sie ist bei der Aufnahmeprüfung für die Uni durchgefallen und treibt sich nun mit zweifelhaften Freunden herum.

Nachdem Jaro im Gefängnis fast vergiftet wurde und die in der Staffel zuvor auf Linie gebrachte Journalistin Elitsa Vladeva (Teodora Duhovnikova) eine Medienkampagne zugunsten von Petyr Tudjarov, der sich wegen großzügiger Spenden für Krankenhäuser als Wohltäter feiern lässt, anstößt, wird Jaros Gefängnisstrafe in Hausarrest umgewandelt – er kommt also ebenfalls aus dem Gefängnis und entwickelt auch noch politische Ambitionen: Er will sich für die nächste Wahl aufstellen lassen. Als Abgeordneter hätte er gewisse Vorteile, von denen er zu gern profitieren würde.

Für Martin und Emil Popov läuft es also gar nicht gut: Martin gerät zwischen die Fronten im Mafia-Krieg zwischen Ivo und Jaro – er soll in Jaros Auftrag Ivo umbringen und als das (absichtlich) nicht klappt, Unfrieden stiften, damit irgendwer von den wütenden Gangstern den Job erledigt. Bei einer missglückten Aktion gegen die Mafia wird dann auch noch Neshev erschossen – danach hat Popov gar nichts mehr zu lachen.

Dabei weiß er noch gar nicht, dass Töchterchen Zori genau in den Kreisen verkehrt, die er mit so hohem Einsatz bekämpft – Zori ist über ihre Freundin Assia, die als Call Girl für Martins Verbrecher-Kumpel Hantel (Alexander Sano) arbeitet, da rein gerutscht – noch ist für sie alles eine einzige große Party, auch wenn sie das Koks, das sie probiert, nicht so gut verträgt.

Sie kapiert nicht, was Assia für das Geld wirklich tut, mit dem sie Zori immer wieder einlädt, und glaubt zu gern die Lügen, die Assia ihr auftischt. Die Stunde der Wahrheit kommt erst, als Assia sie zu einer Misswahl mitnimmt, die in einem Luxushotel in den Bergen statt finden soll. Die Misswahl ist eine Tarnveranstaltung für ein „Seminar“ zu dem Ivo namhafte Geschäftsleute eingeladen hat: Er hat inzwischen einen heißen Draht zum Finanzministerium und eröffnet den Anwesenden, dass er sich nicht in ihre Geschäfte und noch weniger in ihre Steuerhinterziehungstricks einmischen werde, solange er seine 50 Prozent bekommt. Und wer zu lange zum Überlegen braucht, muss hinterher halt mehr noch zahlen – wegen der Inflation.

Denen, die sich überzeugen lassen, winkt ein entspannter Abend mit Sex, Drugs and Disco. Die anderen wollen gar nicht so genau wissen, was die Alternative ist und machen lieber unentspannt mit. Als einem der Geschäftsleute ausgerechnet die junge, hübsche Zori gefällt und sie gemeinsam mit Assia aufs Zimmer bestellt, kapiert Zori endlich, was hier gespielt wird und haut ab – fatal, denn inzwischen hat Ivo erfahren, wer Zoris Vater ist.

Zum Glück ist Martin zur Stelle und kann Zori retten, als sie panisch im Dunkeln durch den Wald stolpert. Aber auch über Martin braut sich Unheil zusammen – Jaro hat inzwischen herausgefunden, dass er ein Verräter ist. Und ärgerlicherweise scheint er nicht der einzige Verräter zu sein.

In der Mitte der dritten Staffel geht es hoch her – Jaro lässt nicht nur Ivos Mutter, sondern auch seine langjährige Vertraute, Anwältin und Geliebte Boyana (Koyna Ruseva) umbringen, Ivo seinerseits befiehlt den Mord an zwei moldawischen Mädchen, weil sie Zeuginnen des Mordes an einem weiteren Mädchen geworden sind. Alles in allem gibt es viele Leichen. Aber immerhin kann Martin sachdienliche Hinweise zur Aufklärung der Mädchenmorde geben, so dass Popov neues Material gegen Jaro sammeln kann. Ivo muss er nämlich laufen lassen, als der ihn mit Videoaufnahmen von der koksenden Zori erpresst.

Dafür kann Ivo neue Geschäftsfelder erschließen: Er macht jetzt in Sportwetten und räumt sogar General Penev aus dem Weg, der zuvor schützend seine Hand über Ivo gehalten hatte. Jaro seinerseits macht sich noch immer Hoffnungen auf eine politische Karriere – die Popov aber mit Martins Hilfe durchkreuzt. Der Herzog ist auch nicht untätig und steigt in Kreditkarten-Gewerbe ein – mit gefälschten Kreditkarten versteht sich, dafür EU-weit. Er hat einen ziemlich genialen Business-Plan, wie Hantel im Auftrag von Ivo herausfindet. Und Ivo steckt die Info seinem korrupten Bullen-Informanten – er will das Geschäft von Herzog übernehmen, mit dem er sich inzwischen längst überworfen hat. Der Herzog arbeitet jetzt mit Martin und dem verbliebenen großen Zwilling – wie gesagt, viele Verluste in der dritten Staffel.

Ivo (Zahary Baharov) und Herzog (Marian Valev) in Undercover Bild: zvezdno.bg

Ivo (Zahary Baharov) und Herzog (Marian Valev) in Undercover Bild: zvezdno.bg

Einer der bittersten Gags: „Wir sind hier doch nicht in Russland!“ erklärt Popov, als Martin sich Sorgen um die verschwundene Journalistin Elitsa macht. „Bei uns werden keine Journalisten erschossen!“ Aber Elitza ist natürlich längst tot – allerdings nicht, weil sie Journalistin war, sondern zur falschen Zeit am falschen Ort – sie hat zufällig gesehen, dass der mit Drogen zugedröhnte Jaro Zoris Freundin Assia umgebracht hat. Auch mit Jaro geht es ziemlich bergab gegen Ende der dritten Staffel.

Als Assias Leiche gefunden wird, will Ivo, dass Hantel gegen Jaro aussagt – er will Jaro die Morde an den moldawischen Mädchen in die Schuhe schieben. Martin überredet Hantel, dabei nicht mitzumachen: Er solle lieber sagen, wie es wirklich gewesen ist: Dass Ivo Andonov der Mädchenhändler ist, der den Auftrag zur Ermordung der drei Moldawierinnen gegeben hat. Denn was haben Handlanger wie er und Hantel letztlich zu verlieren? Im Zweifelsfall sind sie es, die kleinen Gauner, die in diesem Job drauf gehen: Sollen doch endlich einmal die bezahlen, die das große Geld mit ihrer Arbeit machen.

Martin ist inzwischen selbst total am Arsch: Seine Akte, die bei Popov zuhause im Safe lag, wurde bei einem Einbruch gestohlen. Mit seiner Intelligenz und seinem Unterweltwissen konnte Martin sie zwar wieder beschaffen, aber natürlich hatte auch Ivo davon Wind bekommen, dass auf dem Schwarzmarkt die Akte eines Undercover-Polizisten gehandelt wird. Der setzt seinen Polizei-Spitzel darauf an und bekommt die Akte natürlich auch – was Popov erst sehr spät herausfindet. Zu spät?

Beim Serienfinale in den verschneiten Bergen an der bulgarischen Grenze zu Griechenland erfahren wir das noch nicht. Aber immerhin hat Jaro mit der einen Kugel im Lauf der Pistole, die Ivo ihm gereicht hat, um den Verräter Martin zu erschießen, auf Ivo geschossen und ist dann geflohen, Martin hinterher. Als Popov und das Sonderkommando eintreffen, ist im Wald nur ein weiterer Schuß zu hören, man sieht eine Blutspur im Schnee.

Also auf zur vierten Staffel!

Nachbemerkung: Alle, die Breaking Bad total zu recht als Goldstandard für eine sehr gute Serie in der Rubrik „Spannung und Verbrechen“ sehen, seien darauf hingewiesen, dass Undercover mit einem sehr viel geringerem Budget entstanden ist und natürlich schon deshalb Mängel hat – natürlich gibt es keinen so ausgefeilten Soundtrack. Auch bei Better Call Saul ist mir wieder aufgefallen, wie genial nicht nur Musik, sondern jedes Geräusch gesetzt wird.

Das gibt es bei Undercover nicht – gerade beim Sound könnte man noch einiges nacharbeiten. Aber ich kriege ja auch bei den typischen deutschen Serien immer Pickel im Gehörgang, wenn ich die durchaus mäßige, auch meistens auch noch auf Englisch eingesungene Musik ertragen muss. Das geht mir bei Undercover gelegentlich auch so: Gerade die romantischen Szenen sind oft mit grauenhafter Musik unterlegt, während mir andere Themen durchaus gefallen.

Es ist halt immer so eine Gratwanderung: Manche Serien kann man mir durch die Musik echt verleiden. The Newsroom ist ein Beispiel dafür – inhaltlich finde ich die eigentlich ganz gut – aber die Musik! Gerade bei der dritten Staffel, die ich gerade sehe, ist mir das schmerzlich bewusst geworden: Die Musik ist wirklich schlimm.

Dann doch lieber Generation Kill. Das ist auch optisch viel näher an dem, was ich meine: Der Anfang des dritten Teils der dritten Staffel von Undercover ist dermaßen gut gemacht: Ein Mähdrescher mäht ein Feld mit reifen Sonnenblumen. Ivo lässt seine neuen Spezis herankarren: Sie sollen auf sein Geschäftsmodell eingeschworen werden. Die Sonnenblumen werden geköpft und verarbeitet – die neuen Geschäftspartner bekommen ihre Instruktionen. Diese ganzen harten, tätowierten Burschen im Sonnenblumenfeld, während der Mähdrescher seine Arbeit macht – diese Szene kapiert man auch auf Anhieb, wenn man sie auf bulgarisch ansieht!

Undercover Staffel 3

Undercover Staffel 3

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