Crisis – wie weit würdest du gehen?

Eine der Serien, die man sich ansehen kann, wenn man Person oft Interest und Homeland schon durch hat, ist Crisis. Es handelt sich um einen aufwendig produzierten Verschwörungsthriller von Rand Ravich, der auch die NBC-Serie Life (mit Damian Lewis, der auch in Homeland eine Hauptrolle spielt) geschrieben hat. Es geht es um einen ungewöhnlichen Terroristen, der kein geringeres Ziel hat, als die Regierung der USA in die Knie zu zwingen. Sie soll die Existenz eines fragwürdigen und höchst illegalen Programms zugeben, bei dem Agenten der Special Forces mit einer Killerdroge zu Tötungsmaschinen gemacht werden.

Das klingt ziemlich martialisch und ist es auch – und nach all dem, was spätestens seit den Veröffentlichungen des Whistleblowers Edward Snowdon über geheime US-Programme bekannt geworden ist, wird es schwer, sich ein Drehbuch auszudenken, dass von der Realität nicht schon total überholt wurde. Wie dem auch sei, die Drehbuchschreiber denken sich weiterhin idealistische Menschen aus, die versuchen, im Falschen das Richtige zu tun. Oder umgekehrt…?

Crisis - Agent Marcus Finley (Lance Gross) Photo: NBC

Crisis – Agent Marcus Finley (Lance Gross) Photo: NBC

Der ehemalige CIA-Agent Francis Gibson (Dermont Mulroney) entführt die Kinder von den Reichen und Mächtigen in Washington während eines Schuldausflugs. Weil in diese besondere Schulklasse auch der Sohn des US-Präsidenten (Kyle Devore, Adam Scott Miller) geht, ist mit Marcus Finley (Lance Gross) auch ein Secret-Service-Agent involviert, der den Sohn des Präsidenten um jeden Preis zu beschützen hat. Und er bezahlt den Einsatz auch fast mit seinem Leben, als ausgerechnet der altgediente Kollege, der ihn für diesen Auftrag ausgewählt hat, zu erschießen versucht.

Aber der extrem idealistische Finley überlebt und versucht zusammen mit der ebenfalls total überengagierten FBI-Agentin Susie Dunn (Rachael Taylor), die entführten Schüler zu befreien. Dabei gibt es allerhand Kompetenzgerangel zwischen Secret Service und FBI, außerdem gibt es ja noch Homeland Security und die lokalen Polizeibehörden – genau so etwas macht mir in US-Serien immer sehr viel Spaß: Verfeindete Apparate mit viel Hierarchie- und Kompetenzgerangel, wie man sie sich im düstersten Stalinismus kaum schlimmer hätte ausdenken können. Aber Finley und Dunn raufen sich zusammen und stellen sich, wie kaum anders zu erwarten, als sehr durchschlagkräftiges und erfolgreiches Team heraus, auch wenn ihnen ihr Job nicht leicht gemacht wird.

Crisis - Agent Susie Dunn (Rachael Taylor) Photo: NBC

Crisis – Agent Susie Dunn (Rachael Taylor) Photo: NBC

Dazu kommt, dass Susies Nichte Amber (Halston Sage) unter den Entführungsopfern ist – sie ist persönlich betroffen, was einerseits gut, andererseits auch wieder schlecht ist. Denn Susie hat mit ihrer Schwester Meg (Gillian Anderson) schon seit Jahren keinen Kontakt mehr. Meg ist nicht weniger durchgeknallt als ihre Schwester, aber hat sie beruflich bereits weit überflügelt, Meg ist die Vorstandsvorsitzende eines großen Pharmakonzerns, die im Dienst-Hubschrauber durch die Gegend fliegt und daran gewöhnt ist, dass die Leute einfach tun, was sie sagt. Natürlich kennt sie in Washington jede und jeden und alle kennen sie – Meg wäre der klassische Door Opener für die Ermittlungen ihrer Schwester, wenn sie es denn wollte. Und natürlich will sie – es geht immerhin um ihre einzigeTochter.

Genau damit hat der Entführer gerechnet: Er erpresst die Reichen und Mächtigen mit dem Leben ihrer Kinder. Und die verzweifelten Eltern, die daran gewöhnt sind, dass die Welt sich um ihre Interessen dreht, tun so allerhand, um ihren Lieblingen einen Vorteil zu verschaffen – in diesem Fall das Weiterleben und die Freiheit. Nur für US-Präsidnet Devore (John Allen Nelson), der auf die Verfassung geschworen hat, alles – und zwar wirklich alles – für sein Land zu geben ist klar: Er wird sich nicht erpressen lassen. Er KANN sich nicht erpressen lassen. Er wird nicht mit Terroristen verhandeln.

Crisis - Meg Fitch (Gillian Anderson) Photo: NBC

Crisis – Meg Fitch (Gillian Anderson) Photo: NBC

Und das ist auch seinem Sohn klar, der seinerseits versucht, sich so heldenhaft zu verhalten, wie seine Vater das von ihm erwarten würde. Aber glücklicherweise brauchen die Entführer erst einmal die Hilfe anderer Eltern, die bereit sind, alles zu tun, um das Leben ihrer Kinder zu retten. Und sie tun eine ganze Menge, denn sie sind nah am Zentrum der Macht und haben entsprechenden Einfluss. Sie können Dinge tun, von denen andere nicht einmal träumen würden und die Erpresser spielen genau damit.

Sie haben natürlich auch damit gerechnet, dass man ihnen auf die Schliche kommen wird – allerdings sind Finley und Dunn ärgerlich effizient und kommen ihnen schneller auf die Spur, als sie erwartet hätten. Es gibt natürlich eine Menge unerwartete Wendungen – man weiß nicht mehr so genau, wer jetzt einfach nur erpressbar, wer böse und wer richtig böse ist.

Crisis - Francis Gibson (Dermont Mulroney)  Photo: NBC

Crisis – Francis Gibson (Dermont Mulroney) Photo: NBC

Das ist vermutlich genau der Fehler, den die Produzenten dieser Serien gemacht haben: Dieses Immer-noch-einen-drauf-setzen-müssen in aktuellen Action- und Thriller-Serien geht inzwischen offenbar nicht nur mir Nerven, denn die Serie wurde aufgrund schwacher Quoten nach einer Staffel eingestellt. Dabei fand ich die Idee an sich gar nicht schlecht und es sind auch eine ganze Reihe guter Darsteller an Bord. Vielleicht hätten die Crisis-Macher einfach ein paar Nummern kleiner denken und dafür ihre Figuren interessanter gestalten sollen – durchgeknallte Psychopathen, die größenwahnsinnige Taten begehen, hat man nun wirklich genug gesehen, genau wie unkaputtbare Helden, die niemals aufgeben.

Interessant sind doch die normalen Menschen, die anfangen, Dinge zu tun, die irgendwann nicht mehr normal sind – aber wo ist die Grenze? Und was passiert, wenn sie überschritten wird? Das ist es, was die einsame Größe von Serien wie Breaking Bad oder Better Call Saul ausmacht: Hier haben wir ambivalente Figuren, die sich ständig weiter entwickeln und sowohl im Guten als auch im Bösen überraschen – vor allem auch sich selbst.

Hier ist Crisis halt doch ähnlich schwach wie The Following, The Blacklist, und ja, auch die späteren Staffeln Homeland, die zwar von der Handlung her dick auftragen und in vielerlei Hinsicht übertreiben, am Ende aber nicht wirklich überraschen können. Zumindest nicht positiv.

Crisis - Beth Ann Gibson (Stevie Lynn Jones)  und Kyle Devore (Adam Scott Miller) Photo: NBC

Crisis – Beth Ann Gibson (Stevie Lynn Jones) und Kyle Devore (Adam Scott Miller) Photo: NBC

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