True Detective – The Western Book of the Dead

Das Problem mit der ersten Staffel von True Detective ist, dass sie einfach so verdammt gut war: Wie soll eine zweite Staffel die hohen Erwartungen erfüllen, die man zwangsläufig hat, wenn man an Rust und Marty denkt? Dieses geniale Team aus dem philosophischen Nihilisten Rustin Cohle und dem sturen Gläubigen Martin Hart, der verbissen auf seinen Glauben beharrt, obwohl ihm nach und nach alles abhanden kommt, woran er geglaubt hat…

Und am Ende ist es doch Rust, der an den Sieg des Lichts über die Dunkelheit glaubt – im Nachhinein finde ich die Serie immer noch besser, weil einfach alles gestimmt hat: Dieses schwüle, ländliche Louisiana, dieser eigenartige Fall, der in verschachtelten Rückblenden wieder aufgerollt wird, die großartigen Bilder, wie sie sonst eigentlich nur für die große Leinwand komponiert werden und der passende Soundtrack dazu – das war wirklich großes Kino.

Screenshot True Detective Season 2: Ray (Colin Farrell

Screenshot True Detective Season 2: Ray (Colin Farrell)

Deshalb konnte ich es auch kaum erwarten, endlich die zweite Staffel aus der Feder von Nic Pizzollato zu sehen – aber zu recht hatte ich auch Angst, dass es einfach nicht wieder so gut wird. Wobei – nach einer Folge ist es natürlich zu früh für ein Urteil. Und es stimmt auch wieder vieles, vor allem die großartigen Bilder – Kalifornien hat ebenfalls schier unendlich große, extrem hässliche Industriegelände zu bieten und raffiniert verschlungene Autobahnen, die in ihrer beeindruckenden Brutalität, mit der sie in die oft doch sehr karge, wüstenartige Landschaft betoniert wurden, von oben doch erstaunlich erstaunlich leicht und elegant wirken – wie Adern, durch die Blut gepumpt wird, nur dass es in dem Fall eben Autos sind, in denen die Menschen ihrem Mobilitätswahn frönen – als Individuen, jeder ist seiner A-nach-B-Bewegung Schmied, wie es sich gehört in den USA.

Insofern interessant, dass der neue Fall irgendetwas mit einem gigantischen Schienenprojekt zu tun hat – mit dem Zug zu fahren, ist nicht sehr populär in den Staaten: Wo ein US-Präsident als Kommunist beschimpft wird, weil er eine Krankenversicherung für alle, also auch die Armen, die sich eigentlich keine leisten können, einführen will, ist die Vorstellung, dass man sich in ein Verkehrsmittel setzt, dass nach einem festen Fahrplan auf einer festgelegten Strecke verkehrt, mit dem individuellen Freiheitsdrang nur schwer zu vereinbaren.

Screenshot True Detective Season 2: Ani (Rachel McAdams)

Screenshot True Detective Season 2: Ani (Rachel McAdams)

Nichtsdestotrotz: Es geht unter anderem um ein milliardenschweres Zugprojekt, mit dem Ballungszentren in Kalifornien verbunden werden sollen – und einer der verantwortlichen Manager für dieses Projekt ist verschwunden. Aber eigentlich geht es – natürlich – wieder um Ermittler mit einem zweifelhaften Privatleben. Da wäre Detective Ray Veloro (Colin Farrell) aus der fiktiven Industrie-Stadt Vinci, der seinen Sohn zwar nur alle zwei Wochen sieht, dann aber leidenschaftlich Vater ist. Was genau ihn aus der Bahn geworfen hat, werden wir vermutlich noch erfahren, aber natürlich hat es mit jenem tragischen Vorfall zu tun, bei dem seine Frau überfallen und vergewaltigt wurde.

Auf jeden Fall trinkt er ziemlich viel und hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Als seinem dicklichen und eher unglücklich wirkenden Sohn in der Schule die teuren neuen Turnschuhe abgezogen werden, bringt er den Jungen dazu, ihm den Namen seines Peinigers zu sagen. Abends taucht er bei der Familie auf und verprügelt den Vater – weil der ja offenbar das schlechte Vorbild ist. Die beiden Übeltäter sollen sich verdammt noch mal merken, dass Ray wieder kommt, wenn sich nichts ändert.

Dann gibt es den Highwaycop Paul Woodrugh (Taylor Kitsch, der kleine Bruder von Alexander Skårsgard aus Battleship), der sich von einem besoffenen Hollywood-Sternchen, das auf Bewährung ist, ernsthafte Probleme bereiten lässt und der, wie an seinem vernarbten Körper zu erkennen ist, offenbar ebenfalls eine schwierige Vergangenheit hat. Aber keine beim Militär, verrät er seiner frustrierten Freundin, die Narben seien älter.

Screenshot True Detective Season 2: Paul (Taylor Kitsch)

Screenshot True Detective Season 2: Paul (Taylor Kitsch)

Und schließlich haben wir noch Ani Bezzerides (Rachel McAdams) vom Sheriff Departement, die sich auf einem persönlichen Feldzug gegen das Böse zu befinden scheint – jedenfalls will sie ihre Schwester retten, die ihr Geld mit Internet-Pornos verdient. Die Schwester sieht es allerdings anders – sie sei freischaffende Künstlerin und lebe von Life-Performances und überhaupt hätten manche Menschen halt eine lockerere Einstellung zum Leben und zur Sexualität als Ani. Was sicherlich zutrifft. Aber wie wir im ersten Teil The Western Book of Dead erfahren, trägt auch Ani schwer an ihrer Herkunft – ihr Vater ist ein langhaariger Guru, der davon lebt, Weisheit zu versprühen, was auch nötig ist, wenn das Ende der Welt naht. Oder was auch sonst das letzte Stadium der Menschheit so ausmacht – so gut ist mein Englisch dann am Ende doch nicht.

Am Ende des ersten Teils jedenfalls treffen Ray, Paul und Ani an einem Tatort ein, an dem die Leiche eben jenes vermissten Managers auf einer Bank sitzt – über dem Pazifik steigt bereits der Tag auf, während der Tatort noch im Dunkel liegt – auch das ist wieder ein großartiges Bild. Nur finde ich die Musik dieses Mal nicht so gut – Leonard Cohen ist einfach nicht mein Fall.

Screenshot True Detective Season 2: Ani und Paul

Screenshot True Detective Season 2: Ani und Paul

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