Mr. Robot: Hacker-Serie mit viel Potenzial

Eine Fernseh-Serie, auf die ich mich in diesem Sommer wahnsinnig freue ist Mr. Robot. Es handelt sich dabei um eine Serie über Hacker, von der das Magazin Wired behauptet, dass es endlich einmal eine Serie über diese eigenartige Spezies sei, die nicht völlig peinlich ist. Ich habe mir die Pilotfolge inzwischen mehrfach angesehen und finde, dass der Wired-Rezensent völlig recht hat. Jedenfalls kann ich kaum erwarten, wie es mit Mr. Robot weiter geht – und heute Abend ist es so weit!!!

Aber leider nur beim US-Kabelfernsehbetreiber USA Network. Hoffentlich erbarmt sich bald einer der hiesigen Fernseh- oder Streaming-Anbieter, Mr. Robot ins Programm zu nehmen. Denn das ist wirklich guter Stoff.

Screenshot Mr. Robot - Elliot (Rami Malek) leidet an diesen Traurigkeitsanfällen

Screenshot Mr. Robot – Elliot (Rami Malek) leidet an diesen Traurigkeitsanfällen

Elliot (oh diese unglaublichen Augen von Rami Malek…) ist ein sympathisch gestörter Hacker, der versucht, irgendwie normal zu sein. Er weiß sehr genau, dass er es nicht ist, aber kann er ganz gut so tun, als ob. Denn er weiß verdammt gut Bescheid über die Leute, mit denen er zu tun hat, weil er sich so ziemlich jede Information, die es im Internet über jemanden gibt, beschaffen kann. Elliot ist ein Computerfreak, ein Hacker, ein Besessener, einer, der lieber mit Computern als mit Menschen interagiert.

Screenshot Mr. Robot - aber er hat ein Mittel dagegen gefunden

Screenshot Mr. Robot – aber er hat ein Mittel dagegen gefunden


Das heißt aber nicht, dass er Menschen nicht mag. Im Gegenteil – er zwar Schwierigkeiten mit sozialer Interaktion und hasst es, angefasst zu werden, aber er ist ein großer Menschenfreund. Er findet, dass vieles in dieser Gesellschaft wirklich schlecht läuft und würde das gerne ändern. Er träumt gelegentlich davon, die Welt zu retten – aber weil er weiß, dass das eine schier unlösbare Aufgabe ist, beschränkt er sich darauf, die Menschen zu retten, an denen ihm etwas liegt. Etwa seine Freundin Angela aus Kindertagen, die ihm offenbar aus alter Freundschaft einen vernünftigen Job bei der IT-Security-Firma Allsafe verschafft hat. Wenn Angela ihn braucht, ist er zur Stelle. Und als Zugabe schnüffelt er auch ihrem neuen Arschloch-Freund hinterher – der Kerl gefällt ihm nicht. Und siehe da – der Blödmann hat Angela auch schon mehrfach betrogen.

Screenshot Mr. Robot: Angela (Portia Doubleday) und Gideon (Michael Gill)

Screenshot Mr. Robot: Angela (Portia Doubleday) und Gideon (Michael Gill)

Elliot mag auch seine Therapeutin Krista. Er ist zwar nicht freiwillig zur Therapie gegangen – er kommt mit sich selbst eigentlich ganz gut klar. Er tut es aber den anderen zuliebe, die finden, dass er an seiner Sozialphobie arbeiten sollte. Er will es selbst ja auch, irgendwie. Und er findet schnell heraus, dass die freundliche Krista nach einer schmerzhaften Trennung auf der Suche nach einem neuen Partner ist – und gerade dabei, auf einen notorischen Lügner und Fremdgeher herein zu fallen. Natürlich muss Elliot auch hier intervenieren.

Und er arbeitet sogar ganz ernsthaft an seiner Therapie: So hat er sich selbst verordnet, den Betreiber eines Kinder-Porno-Netzwerks persönlich aufzusuchen (er selbst verwendet den Ausdruck AFK – away from keybord), um ihm zu sagen, dass er ihm das Handwerk legen wird. Der Mann missversteht ihn zunächst und denkt, es ginge Elliot um Geld – doch der erklärt ihm, dass er an Geld nicht interessiert sei. Er verstehe ja, dass es Leute gibt, die anders seien – so wie er selbst. Deshalb würde er ihn ja treffen, denn mit einem wie ihm könne er reden. Und der WLAN-Anschluss in seinem Café, der sei ja auch wirklich super. Aber eine Gigabit-Glasfaser-Anbindung für einem Hotspot in einem Café? Das habe ihn neugierig gemacht. So habe er ja auch das Netzwerk dahinter entdeckt. Aber das mit den Kindern finde er halt nicht in Ordnung, deshalb habe er die Polizei verständigt. Jetzt will dieser Ron ihm Geld aufdrängen, aber Elliot geht in aller Ruhe, während die Polizeisirenen schrillen und der Laden auseinander genommen wird.

Screenshot Mr. Robot: Mr. Robot (Christian Slater) und Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Mr. Robot (Christian Slater) und Elliot (Rami Malek)

Elliot leidet gelegentlich auch unter furchtbaren Traurigkeitsanfällen, bei denen er sich fragt, was normale Menschen eigentlich machen, wenn sie dermaßen traurig werden. Er selbst nimmt Morphin dagegen. Aber er hat sich bei dem Konsum eine Grenze gesetzt, denn er will ja kein Junkie werden… trotzdem stellt er fest, dass seine Entscheidungen unter Umständen nicht so gut sind, wenn er auf Morphin ist.

Und dann kommt der verzweifelte Anruf von Angela – es gibt einen verheerenden Angriff auf einen wichtigen Kunden, ach was, auf den wichtigsten Kunden von Allsafe, den Weltkonzern Evil Corps. Genau das sollte Allsafe eigentlich verhindern. Elliott schnappt sich seinen Laptop und eilt zur Firma – weil er gerade in privater Mission unterwegs war, dauert es etwas länger.

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek)

Der Angriff entpuppt sich als wirklich harte Nuss – Elliot und sein Chef müssen im Firmenjet zum nächsten Rechenzentrum von Allsafe fliegen, um die Sache in den Griff zu kriegen, aber der intelligente Elliot kriegt das am Ende natürlich irgendwie hin. Und als er sich den letzten infizierten Server anschaut, sucht er nach der Signatur des Angreifers und wird prompt fündig. Aber da steht auch ein Auftrag für ihn: Elliot soll den entsprechenden Eintrag lassen, wo er ist. Damit hat Elliot schon ein Problem: Er ist zwar ein Hacker, und zwar ein sehr guter, aber kein Krimineller.

Aber eben auch sehr neugierig. Und diese unbekannten Kollegen haben schon etwas drauf. Deshalb kann Elliot seinem Chef auf dem Rückflug versprechen, dass er, den, wer auch immer das getan hat, finden wird. Das ist sein Revanche für das Geständnis seines Vorgesetzten, der ihm eröffnet hat, dass er schwul sei. Denn irgendwie habe er das Gefühl, dass er mit Elliot über Dinge reden könne, über die er mit anderen Menschen nicht reden kann. Elliot erwidert schlicht „Danke“.

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek) und Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot: Elliot (Rami Malek) und Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Ja, das ist alles noch nicht wahnsinnig spektakulär, aber genau das mag ich. Rami Malek verkörpert Elliot so unglaublich beiläufig und genial, dass es eine Freude ist, diesen Typ zu begleiten. Er versucht, sich mit seinem dunklen Kapuzenpulli in der schrillen Metropole NewYork unsichtbar zu machen, weil es ihm eben nicht um sich selbst geht. In seiner Firma gibt er sich Mühe, sich an den Dresscode zu halten, weil er die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen will – und er übererfüllt sie ja auch, weil er eigentlich total überqualifiziert ist für seinen Job. Trotzdem ergeht er sich nicht in Allmachtsfantasien, obwohl ihm klar ist, dass er viel mehr tun könnte, als von ihm verlangt wird. Sondern er versucht, seine Fähigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, in dem er die Menschen, die ihm nahe sind, vor Betrügern beschützt. Genau diesen Umstand nutzt die Hackergruppe Fsociety auch aus, die mit jenem Angriff auf den wichtigsten Kunden von Allsafe Elliots Aufmerksamkeit geweckt hat.

Screenshot Mr. Robot - Angela (Portia Doubleday) Lloyd (Aaron Takahashi) und Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot – Angela (Portia Doubleday) Lloyd (Aaron Takahashi) und Elliot (Rami Malek)

Christian Slater (der junge Mönch Adson von Melk aus Der Name der Rose – für alle die auch schon so alt sind wie ich) spielt den geheimnisvollen Mr. Robot, der Kontakt mit Elliot aufnimmt, in dem er diesen extrem raffinierten Angriff auf den Hauptkunden der IT-Firma startet, für die Elliot arbeitet. Auf diese Weise lässt er ihm eine Nachricht zukommen, bei der Elliot nicht sicher ist, ob er mitmachen, oder die gefundenen Informationen an die Polizei übergeben soll. Wie gesagt, Elliot ist kein Krimineller. Aber gewillt, Gutes zu tun.

Und genau diese Möglichkeit eröffnet sich ihm: Mr. Robot erklärt ihm, dass die Fsociety die größte Umverteilungsaktion aller Zeiten starten will. Mit einem Hack der Evil Corps, über die ein sehr großer Teil der Verbraucherkredite in aller Welt abgewickelt wird, sollen die Schulden sämtlicher Kunden gelöscht werden. Elliot hat Bedenken – die Finanzkrise war ja schon schlimm für die Leute, und jetzt soll es eine noch viel schlimmere geben? Dazu will er eigentlich nicht beitragen. Andererseits weiß er, dass Angela schon jetzt die Raten für ihren sechsstelligen Studien-Kredit nicht mehr zahlen kann – wenn man da einfach einen Strich durch machen könnte…? Die ganzen einfachen, anständigen Menschen da draußen von ihrer erdrückenden Schuldknechtschaft befreien?

Screenshot Mr. Robot - Elliot (Rami Malek) im Rechenzentrum von Allsafe

Screenshot Mr. Robot – Elliot (Rami Malek) im Rechenzentrum von Allsafe

Ich bin wie gesagt überaus neugierig, was aus diesem großartigen Intro noch wird. Und das Beste ist: Auch die Schwedenquote stimmt! Wobei ich den ägyptisch-stämmigen US-Ami Rami Malek als Elliot wirklich ausgesprochen gut finde. Aber Martin Wallström spielt auch mit – den kennt man beispielsweise aus GSI Göteborg, Arn der Kreuzritter, der Wallander-Folge Todesengel oder dem dritten Teil von Snabba Cash – Livet deluxe. Wallström spielt Elliots neuen stellvertretenden IT-Chef Tyrell Wellick- und der ist kein Idiot wie all die anderen Manager, wie Elliot schnell feststellt, sondern einer, der mit Linux umgehen kann.

Mal sehen, was noch daraus wird.

Screenshot Mr. Robot - Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot – Elliot (Rami Malek)

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