Mr. Robot: Savage oder Brave Traveller?

Als ich Elliot in der vorherigen Folge nach dem Telefonat mit Shayla lächeln sah, hatte ich gleich so ein merkwürdiges Gefühl – da stimmt doch etwas ganz und gar nicht: Elliot ist einfach nicht der Typ, der sein Glück in Beziehungen findet oder gar durch Liebe zu retten ist. Und das hat sich nun in eps.1.5_br4ve-trave1er.asf auf furchtbarste Weise bestätigt.

Aber eins nach dem anderen. Inzwischen ist klar, Elliot hat einen Fehler gemacht. Fernando Vera ist nämlich kein Gegner wie Elliots bisherige Opfer, etwa der Kinderporno-Typ oder der verlogene Freund seiner Psychologin. Selbst Terry Colby, der CTO von Evil Corp war ein vergleichsweise harmloses Opfer. Aber sich mit einem organisierten Profi-Verbrecher anzulegen ist ein ganz anderes Ding als ärgerliche Idioten aus dem Verkehr zu ziehen. Elliot in seiner ihm eigenen Superhirn-Arroganz hat Vera unterschätzt.

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Elliot (Rami Malek)

Dabei ist dieser Vera ein Fan von ihm: Als er Elliot aus dem Knast anruft, um ihm zu erklären, was das Universum für sie beide vorgesehen hat, sagt er ihm auch, dass er von der Macht, die Elliot dank seiner Fähigkeiten hat, total beeindruckt sei – so beeindruckt, dass Vera sie jetzt unbedingt für sich nutzen will. Deshalb hat seine Gang Shayla entführt und Elliot bekommt sie nur wieder, wenn er Vera aus dem Knast hackt. Und zwar noch heute Nacht.

Nun ist es auch für einen Superhacker wie Elliot keine Fingerübung, sich ins System der Strafverfolgungsbehörden zu hacken, um die elektronisch zu öffnenden Zellentüren zu manipulieren. Und wie sich schnell herausstellt, ist diese Herausforderung keineswegs sein einziges Problem. Aber Veras kleiner Bruder Isaac und sein Kumpel machen Elliot nachdrücklich klar, dass er keine andere Wahl hat, als das Unmögliche möglich zu machen, wenn er Shayla wieder sehen will.

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Mr. Robot (Christian Slater)

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Mr. Robot (Christian Slater)

Um ins DOC-System zu kommen, braucht er Hilfe, und Elliot zieht Darlene hinzu, die ihm mit einer improvisierten Aktion aushilft: Sie verteilt USB-Sticks mit einem 100-Dollar-Gutschein von iTunes vor dem zuständigen Department und tatsächlich ist einer der Justizbeamten so blöd, den Stick an seinen Dienstrechner zu stecken. Aber weil Darlene nicht viel Zeit hatte, hat sie eine Schadsoftware verwendet, die nach einer kurzen Zeit vom Virenscanner erkannt wird – womit Elliot natürlich nicht zufrieden ist. Er ist mit Darlehens Hilfe zwar ins System gekommen, aber jetzt wissen die Bullen auch, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Fataler aber noch – als Elliot mit dem Hund rausgeht und sich mit Darlene trifft, kriegen seine Aufpasser das mit – und natürlich nehmen sie Darlene auch gleich mit. Die Situation wird immer verfahrener: Elliot muss jetzt neben Shayla und sich selbst auch noch Darlene retten.

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Mr. Robot (Christian Slater) and  Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Mr. Robot (Christian Slater) and Elliot (Rami Malek)

Doch damit nicht genug, taucht auch noch Angela vor Elliots Wohnung auf: Sie hat inzwischen die von der fsociety veröffentlichten Unterlagen studiert und ist fest entschlossen, den Vergiftungsskandal neu aufzurollen. Auch wenn ihr die einzige Anwältin, die überhaupt bereit war, mit ihr zu sprechen, gleich sagt, dass die Chancen, gegen einen dermaßen mächtigen Konzern wie Evil Corp zu gewinnen gleich Null sind. Aber Angela will das unbedingt – und hier muss ich zugeben, habe ich die Unterlagen, die Angela bei ihrem Vater gefunden hat, erstmal falsch interpretiert – es handelt sich nicht um Zahlungen, sondern um Rechnungen: Ihr Vater ist hoch verschuldet, denn Evil Corps hat eben nicht gezahlt, weder für die Behandlung von Angelas Mutter, noch sonst. Auch deshalb ist Angela entschlossen, etwas zu unternehmen. Und sie will sich nun von ihrem alten Freund und Leidensgefährten Elliot bestätigen lassen, dass sie tun muss, was sie tun will. Weil Angela auf der Straße vor der Haustür steht und herumbrüllt – schließlich kennt sie Elliot, und weiß, dass er machmal ein wenig dysfunktional ist, wenn es um alltägliche Dinge geht – schickt Isaac Elliot runter, um Angela loszuwerden.

Elliot analysiert die Situation und kommt zu dem Schluss, dass er Angela jetzt einfach sagen muss, was sie hören will, damit er sich dann seinen dringenderen Problemen widmen kann, und tut das auch mit dem erwünschten Ergebnis: Angela umarmt ihn und zieht ab, Elliot will zurück in die Wohnung.

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Elliot (Rami Malek)

Auf der Treppe sitzt Mr. Robot und versucht, Elliot zu überzeugen, dass seine einzige Chance, lebendig aus der Sache herauszukommen, ist, jetzt mit Mr. Robot abzuhauen: Er könne hier nicht mehr gewinnen, bestenfalls sei die Sache ein Nullsummenspiel. Shayla könne er sowieso nicht mehr helfen: „She was dead the minute she started working with that maniac … either way, you all end up dead. It’s the only way Vera wins … I get it, kiddo. You want to help people. Watch over them. Best thing you can do for Shayla is to allow her to become a memory.”

Aber da ist ja auch noch Darlene. Und natürlich haut Elliot nicht ab, sondern versucht, eine Lösung zu finden. Und tatsächlich funktioniert sein Superhirn unter diesem Stress ganz hervorragend, er findet tatsächlich einen Weg – wobei seine als selbstverständlich empfundene Autorität als überlegener Experte, der als einziger weiß, was zu tun ist, immer wieder mit der von seinen Gegnern beanspruchten Autorität als denjenigen mit dem Finger am Abzug kollidiert – die mögen es gar nicht, dass Elliot ihnen Anweisungen erteilt. Andererseits bleibt ihnen nichts übrig, als zu tun, was Elliot sagt, sogar Vera selbst muss das widerwillig anerkennen. Und Elliot hat nebenbei auch noch Isaacs Smartphone gehackt, denn dieser Typ geht ihm auf die Nerven – und siehe da, Elliot kapiert plötzlich so einiges. Vor allem will er sich aber absichern, falls Vera sein Wort nicht halten sollte – wenn ihm oder Shayla etwas zustoßen sollte, gehen sämtliche Daten, die Elliot sich jetzt gesichert hat, an die Polizei.

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Elliot (Rami Malek)

Aber da ist auch noch Isaac selbst – der hat nämlich gar kein Interesse, dass sein großer Bruder wieder aus dem Knast kommt: Schließlich hat Isaac mit dafür gesorgt das er überhaupt eingefahren ist. Er will der neue Boss sein. Und weil Fernando das auch weiß, sind Isaacs Überlebenschancen nicht die besten. Isaac will also Elliot aus dem Weg räumen, damit der seinen Bruder nicht raushacken kann.

Aber auch mit der Knarre am Kopf funktioniert Elliots Hirn noch wie einer seiner geliebten Computer und er macht Isaac klar, dass er so und so ein toter Mann ist: Wenn sein Bruder nicht rauskommt, wird er Isaac töten lassen. Wenn er aber rauskommt, und Isaac schneller ist, hätte er vielleicht eine Chance. Und was mit Elliot selbst sei fragt Isaac, woher wüsste er, dass er die Sache überlebt? „Das weiß ich nicht. Ich mache jetzt nur meinen bestmöglichen Zug!“

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Elliot (Rami Malek)

Isaac lässt sich darauf ein und Elliot am Leben, so dass Elliot den entscheidenden Befehl in seinen Laptop eingeben kann. Und hier wird noch einmal exemplarisch, was Elliots Problem ist: „Und wenn ich jetzt einen Fehler bei der Eingabe gemacht habe und die Gefängnistür nicht aufgeht? “ fragt er sich, um die Frage mit elliotschem Selbstbewusstsein auch gleich zu beantworten: „Ich mache keine Fehler!“ Hier zeigt sich eine erschreckende Ähnlichkeit zu Tyrell Wylleck, der in diesem Teil ebenfalls vorgeführt bekommt, dass es Gegner gibt, die es mit ihm aufnehmen können.

Den entscheidenden Fehler hat Elliot ja längst gemacht: Er hat sich in diese Sache zwischen Vera und Shayla eingemischt. Das kann er nicht rückgängig machen, so sehr er auch wünscht, dass er es könnte. Mit allem, was er jetzt aus seinem brillanten Hirn herausholt, macht er alles noch schlimmer. Aber das weiß Elliot noch nicht. Er wartet gemeinsam mit Isaac und DJ auf Vera. Elliot hat keinen Fehler gemacht: Pünktlich um 9:49 pm springen sämtliche Zellentüren auf. Aber das Wiedersehen mit Vera geht anders aus als erwartet. Vera lässt DJ Isaac erschießen und erklärt dann, dass Elliot seinetwegen jetzt alles niederbrennen könne: Es sei ihm egal – er verschwinde jetzt und sei ohnehin nur noch ein Gespenst.

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot 1.5_br4ve-trave1er.asf: Elliot (Rami Malek)

Ach ja, Shayla. Vera wirft Elliot die Autoschlüssel zu und fährt mit DJ und einem anderen Wagen davon. Man ahnt genau wie Elliot spätestens jetzt, dass die Sache nicht gut für Shayla ausgegangen ist. Und man muss gar nicht selbst in den Kofferraum sehen – Elliots Reaktion ist eindeutig. Die spannende Frage ist nun, wie Elliot mit seiner Wut, seiner Verzweiflung und seinen Schuldgefühlen umgehen wird – ist ihm jetzt, wo Shaylas Blut ohnehin an seinen Händen klebt, alles egal und er wird zum gnadenlosen Rächer? Und was bedeutet das für die Weltrevolution, die Mr. Robot offensichtlich noch nicht abgeschrieben hat? Oder bricht er jetzt doch erstmal zusammen und besorgt sich die nächste Nase voll Morphin? Das wäre auch mehr als verständlich.

Aber vor allem: Was besorge ich mir jetzt für eine Serie, um die Wartezeit zu überbrücken?!

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The Pacific: Keine gelungene Lehrstunde

Okay, letztlich finde ich es schon irgendwie peinlich, obwohl ich beschlossen habe, dass peinlich egal ist, als Serienblogger erst recht. Man muss ja wissen, was es alles so gibt, und weil ich mit Sitcoms Schwierigkeiten habe – wobei es da auch einen Ausrutscher gibt, ich habe in letzter Zeit auf Youtube doch tatsächlich ziemlich viele Folgen der zum Glück nur zwei aus zwei Staffeln bestehenden Sitcom The War at Home angesehen. Und ich muss zugeben, dass ich sogar ziemlich oft gelacht habe, obwohl alle Sitcoms das gleiche Schema haben und ich eigentlich nicht nach Schema funktionieren will. Aber ich bin ja auch nur ein Mensch – im Gegensatz zu Tyrell Willeck.

Aber Serientitel wie It’s a Lower-Middle-Upper-Middle-Class-Problem finde ich tatsächlich lustig, weil sie eben auf den Punkt bringen, welche Probleme die Leute haben, die sich solche Serien ansehen. Ich kenne diese Probleme sehr gut, ich gehöre ja irgendwie auch zum akademischen Prekariat, zumindest was meine Bezahlung angeht – ich bin zwar hoch qualifiziert, aber es interessiert niemanden. Und natürlich versuche ich, meine Kinder nicht zu Hartz-IV-Empfängern zu erziehen, auch wenn ich keine asiatische Tiger-Mama bin.

Screenshot The Pacific: John Basilone (John Seda)

Screenshot The Pacific: John Basilone (John Seda)

Okay, für alle, die nicht wissen, wo der Bus ist: Weil ich ein gründlicher Mensch bin, recherchiere ich ziemlich viel und wenn mir etwas gefällt, dann finde ich alles, was irgendwie damit zu tun hat. Und das glotze ich gnadenlos weg. Aber weil Joel Kinnaman momentan ja mit einem Dreh beschäftigt ist, bei dem etwas heraus kommt, was nun wirklich nicht mein Genre ist – eine Comic-Verfilmung namens Suicide Squad – und auch die anderen Skandinavier, die ich gut finde, sich gerade eher bedeckt halten – außer Martin Wallström in Mr. Robot – grandios, aber das hatten wir schon – muss ich mich anderweitig beschäftigen. Derzeit sehe ich mir also alles an, was ich mit Rami Malek finden kann. Den finde ich als Elliot Alderson in Mr. Robot ähnlich genial wie Joel Kinnaman als Stephen Holder in The Killing. Okay, ganz anderes Genre, ganz anderer Typ – aber eben sehr inspirierend.

Inzwischen habe ich mich umgesehen und bin auf The War at Home gekommen und dann auf den richtigen Krieg, The Pacific. Das ist nun wirklich eine der Serien, von denen ich im Brustton der Überzeugung erklären würde, dass ich mir das freiwillig nie ansehen würde – und ich würde mir das auch glauben. Niemals. Aber – Rami Malek.

Und okay, Steven Spielberg und Tom Hanks haben produziert, die teuerste HBO-Mini-Serie ever (wobei, das war noch vor GOT), kann man ja mal reinschauen. Nun ja, was soll ich sagen?! Ich bin tatsächlich dabei hängen geblieben – die Faszination des Grauens hat bei mir offensichtlich ganz gut funktioniert. Natürlich finde ich Generation Kill als Serie sehr viel besser, weil in jeder Beziehung moderner, aber der Vergleich ist nicht ganz fair, der zweiter Weltkrieg ist nun mal länger her, die Soldaten der Zeit hatten tatsächlich ganz andere Probleme als die Jungs im Irak.

Screenshot The Pacific: Robert Leckie (James Badge Dale)

Screenshot The Pacific: Robert Leckie (James Badge Dale)

The Pacific ist eher eine Ultralang-Version von Der schmale Grad, aber letztlich dann doch weniger interessant: Einerseits wird zehn Stunden lang die Geschichte von drei US-Marines erzählt, die es tatsächlich geben hat, ist also eher ein Biopic wie Schindler’s Liste – anderseits erfährt man aber erstaunlich wenig über die historischen Hintergründe der gezeigten Schlachten. Dabei hätte mich genau das interessiert: Wenn ich mir schon zehn Stunden Weltkrieg reinziehe, will ich doch wenigstens wissen, warum das alles überhaupt statt gefunden hat. Über den Krieg in Europa weiß ich ziemlich viel, schon weil mein Opa, der irgendwann vom Feld geholt und mit der Wehrmacht nach Russland geschickt wurde, später so ziemlich alle Bücher, die es über den zweiten Weltkrieg gab, gelesen hat und ich viele davon anschließend auch. Über den Krieg im Pazifik wusste ich hingehen wenig und bin jetzt leider auch nicht viel schlauer.

Und während es in Der schmale Grat noch diese unfassbare, aber irgendwie auch giftige Schönheit der tropischen Inselwelt und den Kontakt mit freundlichen Eingeborenen gibt, die zumindest dem Protagonisten die Hoffnung auf ein irgendwie anderes Leben lassen, gibt es in The Pacific vor allem gegen Ende nur Hitze, Durst, Moskitos, Verzweiflung und verbrannte Erde. Und das alles mit unglaublicher Akribie inszeniert – dass diese Serie sehr teuer war, ist offensichtlich: Da werden mehrere Millionen allein für die Munition drauf gegangen sein, die in den schier endlosen Kampfszenen verballert wurde. Und dann natürlich spektakuläre Verwundungen aller Art, haufenweise Leichen in allen Verwesungsstadien – auch hartgesottene Zombiefilmfreaks können daran noch ihren Spaß haben und dann natürlich das ganze alte Zeug, das im Laufe der Zeit auch immer mitgenommener aussieht, genau wie die Jungs selbst, die von Schlacht zu Schlacht immer weniger und stumpfsinniger werden.

Screenshot The Pacific: Eugene Sledge (Joseph Mazzello)

Screenshot The Pacific: Eugene Sledge (Joseph Mazzello)

Natürlich wollte ich in erster Linie wissen, wie sich der pazifistische Nerd Elliot Alderson aus meiner neuen Lieblingsserie sich als US Marine im zweiten Weltkrieg schlägt. Und er schlägt sich – wie eigentlich zu erwarten war, sehr gut. Rami Malek ist eben ein toller Schauspieler. Aber ein bisschen ernüchternd finde ich schon, dass sich so viel, was ich an Elliot interessant finde, auch schon in Corporel Merriel Shelton alias Snafu findet: Auch Snafu ist irgendwie anders als die anderen. Er wirkt von Anfang an leicht abgedreht, vermutlich ist er es auch. Anders als die eigentliche Hauptfigur in diesen Teil der Serie, Eugene Sledge (Joseph Mazzello), der erst im fünften Teil in den Krieg ziehen darf, ist Snafu schon das, was Sledge noch werden muss: Ein abgebrühter Soldat. Einer, der alles, was er tut, auf sein eigenes Überleben optimiert – aber der eben auch weiß, dass er ohne die anderen nicht überleben kann. Deshalb bringt Snafu den Neulingen, die ihm irgendwie interessant erscheinen, bei, wie man in der Hölle überlebt. Bei den anderen hält er es dagegen nicht mal für nötig, sich ihre Namen zu merken. „Es ist mir egal wie du heißt. In spätestens zwei Tagen bist du eh tot!“

Trotzdem hat Snafu meine Sympathie: Er ist einfach rationaler als die anderen Wirrköpfe, die irgendwie daran glauben wollen, dass ihr Kampf und ihr Opfer einen Sinn hat und sich zumindest am Anfang noch Moral leisten und sich einen Kopf um alles machen. Snafu weiß, dass der Kopf ziemlich schnell ab ist, wenn man sich nicht auf das Wesentliche konzentriert: Den Kopf im Zweifelsfall unten behalten.

Screenshot The Pacific: Merriell „Snafu“ Shelton (Rami Malek)

Screenshot The Pacific: Merriell „Snafu“ Shelton (Rami Malek)

Anders als die drei Protagonisten, deren Lebenslauf die Serie mehr oder weniger präzise nachzeichnet, ist Snafu plötzlich einfach da: Von ihm wissen wir weder, was ihn dazu gebracht hat, sich bei den US-Marines zu melden, noch, was nach dem Krieg aus ihm wird – was ich den Machern von The Pacific wirklich übel nehme. Die können doch nicht eine dermaßen interessante Figur einfach kommen und gehen lassen, ohne deren Geschichte zu erzählen! Na klar, können sie offenbar wohl, ist aber scheiße.

Snafu zeigt den Neuen gleich, wo es lang geht: Diese Kojen sind schon belegt und dort geht es zum Ölfässer schrubben. Und während er den anderen beim Schrubben zu sieht, stimmt er sie darauf ein, was sie demnächst erwartet – wie sehr würden sie sich schon bald darüber freuen, wenn sie einfach nur Fässer schrubben dürften! Natürlich behält er recht. Bald kommt der erste Kampfeinsatz und die Marines müssen ein von den Japanern besetztes Flugfeld zurück erobern. Viele sterben, viele werden verwundet, es ist heiß, aber es gibt kein Wasser, dafür aber eine Menge Feinde, die sich keinesfalls ergeben wollen. Hier heißt es einfach härter als die anderen zu sein, um zu überleben. Snafu funktioniert in dieser Welt, er hat weder Skrupel, die Greenhorns, die ihm da angeliefert werden, nach Strich und Faden zu verarschen, noch zu tun, was getan werden muss.

Screenshot The Pacific: Die Mörserschützen aus der 2. Reihe

Screenshot The Pacific: Die Mörserschützen aus der 2. Reihe

Dabei wirkt er erstaunlich kindlich – wenn auch ein böses, fehlgeleitetes Kind, das gedankenverloren versucht, mit kleinen Steinchen den mit einer undefinierbaren Flüssigkeit gefüllten Rest eines Japsenschädels zu treffen. Man nimmt ihm ab, dass er einfach nicht anders kann. Er luchst einem Neuling seinen neuen Poncho ab und schiebt ihm seinen bereits zerschlissenen unter. Als der verdammte Neuling seinen zerlöcherten Poncho dann gegen den guten austauscht, der die überlebenswichtigen Granaten schützen soll, wird Snafu fuchsteufelswild – aber rennt er auch sofort los, um Ersatz zu besorgen: Mit nassen Granaten ist hier nichts zu gewinnen. Überhaupt die Mörserschützen: Sie müssen zwar immer dieses blöde Geschütz und die Munition dafür mit sich herum schleppen – aber die Überlebenschancen sind in der zweiten Reihe nun mal sehr viel besser.

Das bringt Snafu auch Sledge bei. Und er versucht sogar immer wieder, Sledge davon abzuhalten, genau so ein Rohling zu werden, wie er selbst längst ist: Während Sledge anfangs noch fassungslos und angewidert gesehen hat, wie Snafu den toten Feinden die Goldzähne ans dem Kiefer bricht und einsteckt, denn man muss ja auch an die Zukunft denken, will er das später selbst tun. Snafu hält ihn davon ab: „Tu das nicht. Die sind voller Bazillen. Ganz gemeine, fiese Bazillen. Da stirbst du dran.“ Einerseits ist Sledge sauer – nach allem, was er inzwischen erlebt hat, ist er ohnehin nicht mehr in der Lage, die japanischen Gegner als Menschen zu sehen: Es sind Feinde, fiese, menschenverachtende Verräter, die sich nie ergeben werden, sondern einer nach dem anderen umgebracht werden müssen. Sledge hat sich inzwischen genauso in diesen Hass hineingesteigert wie die anderen, die bis hier überlebt haben.

Screenshot The Pacific: Gefechtspause

Screenshot The Pacific: Gefechtspause

Andererseits kapiert er, dass Snafu irgendwie recht hat – beide spüren, dass es eben diesen winzigen Unterschied aus macht: Sledge ist anders als Snafu, er ist einer, der Bücher liest und schreibt – genau darauf hat Snafu den Neuen am Anfang angesprochen: „Du weist, dass wir nichts aufschreiben sollen – wenn das den Japanern in die Hände fällt, kann ihnen das nützliche Informationen liefern.“ „Dann sollte ich wohl gut aufpassen, dass sie es nicht zu sehen bekommen“, antwortet Sledge. Snafus verständnissinniges Grinsen nach dieser Antwort ist wirklich sehenswert – dieser Sledge gefällt ihm

Gut für Sledge. Er gehört am Ende auch zu denen, die diese Hölle überleben, im Gegensatz zum Held in den ersten Teilen, Gunnery Sergeant John Basilone (Jon Seda, fand ich auch in Treme ziemlich gut), der für seinen heldenhaften Einsatz ausgezeichnet und nach Hause geschickt wird, um Kriegsanleihen zu verkaufen. Aber blöd, wie echte Helden nun mal sind, freut er sich nicht darüber, dass er nun in der sicheren Heimat ein schönes Leben als hoch dekorierter Kriegsheld führen kann, sondern lässt sich wieder an die Front versetzen – allerdings nicht ohne vorher noch die schöne Sergeant Lena Riggi zu eroebern und zu heiraten. In der Schlacht um Iwo Jima stirbt er dann einen doch ziemlich blödsinnigen Heldentot. Der dritte im Bunde, Privat First Class Robert Leckie, der eigentlich Sportreporter ist, dagegen hat das Glück, bei der Schlacht um das Peleliu Airfield verwundet und evakuiert zu werden, ihm bleibt dadurch einiges erspart.

Screenshot The Pacific: Snafu und Sledge

Screenshot The Pacific: Snafu und Sledge

Die anderen, die Peleliu überlebt haben, müssen auch noch um Iwo Jima und um Okinawa kämpfen, und je weiter die Japaner zurückgedrängt werden, desto vehementer wehren sie sich – es gibt auch immer mehr tote Zivilisten. Wobei auch die gefährlich sein können – so begegnet die Truppe von Sledge und Snafu immer wieder verlumpten Elendsgestalten, Alte, Frauen, Kinder – eine Frau versucht ihnen verzweifelt ihr Baby zu überreichen, schließlich wirft sie es von sich, aber zu spät: Sie trägt einen Bombengürtel, und das offenbar nicht freiwillig. Kurz danach beschießen sie ein Bauernhaus mit Granaten, in dem sich japanische Soldaten verstecken – als Sledge und Snafu nach überlebenden Feinden suchen, die es noch zu töten gilt, entdecken sie wieder ein Baby, die Mutter wurde von der Granate getötet. Ratlos bleiben sie stehen und glotzen, das Kind schreit – ich hätte jetzt eigentlich erwartet, dass einer von beiden das Kind tötet, weil es ja ohnehin kaum eine Überlebenschance hat. Aber dann kommt einer von den Neuen rein und nimmt das Kind auf den Arm: „Was ist bloß los mit euch?“

Nicht mehr sehr viel, so viel ist klar, auch draußen die Welt wird immer farbloser, es gibt kein Grün mehr, dafür schwarz verkohlte Baumstümpfe und weiße Ascheflocken. Sledge findet noch eine weitere, schwer verletzte Frau, die ihn nur leidend ansieht und den Lauf seines Gewehres selbst auf ihre Stirn richtet – aber Sledge erschießt sie nicht. Er setzt sich neben sie und nimmt sie in den Arm, während sie stirbt. Als irgendwann wieder Beschuss einsetzt und jemand brüllt, dass es die eigenen Flugzeuge sind, die sie gerade bombardieren, verliert sogar der bisher unkaputtbare Snafu die Nerven.

Screenshot The Pacific: Snafu will einfach jeden Japaner umlegen

Screenshot The Pacific: Snafu will einfach jeden Japaner umlegen

Und dann ist es irgendwann relativ unvermittelt vorbei, die Japaner haben nach den Atombombenabwürfen über Hirnshima und Nagasaki kapituliert, die Sonne scheint, der Pazifik ist wieder blau und die Jungs dürfen nach Hause – allerdings müssen sie erst noch ein bisschen aufräumen, sie haben sich für die Dauer des Kriegs plus sechs Monate verpflichtet. Auf der Heimfahrt stellt Snafu fest: „Wir sind wieder verarscht worden. Wären wir sechs Monate eher hier gewesen, hätten die Bräute hier uns alle einen geblasen. Jetzt interessiert sich keiner mehr für uns.“

Tja wenn es doch nur so gewesen wäre – das hätte mir einiges an Lebenszeit erspart, denn trotz einiger interessanter Szenen kann ich letztlich nicht viel mit dieser Serie anfangen – sie ist, das muss ich allerdings betonen, nicht so schlimm wie beispielsweise Unsere Mütter, Unsere Väter. In dem Dreiteiler geht es auch brutal und blutig zu, aber zum einen tun die Macher peinlicherweise so, als seien es hauptsächlich ganz normale junge Deutsche gewesen, die in einen hässlichen Krieg gezogen sind, den die bösen Nazis entfesselt haben, zum anderen ist die Handlung dermaßen überkonstruiert, dass man sie einfach nicht ernst nehmen kann. Viele der jungen Deutschen damals waren doch eben jene fanatischen Nazis, die in den Krieg gezogen sind, um erst Europa und dann den Rest der Welt zu unterwerfen. Sie waren Täter und keine Opfer. Aber das mit der Eroberung der Welt hat halt trotz des ganzen Fanatismus nicht funktioniert. Eine Neuverfilmung dieser unausrottbaren Lebenslüge war wirklich nicht nötig.

Screenshot The Pacific

Screenshot The Pacific

Hier haben die Amis es ohnehin leichter, sie waren ja auf der richtigen Seite, die jungen Amerikaner sind in den Krieg gezogen, um die Welt von den Nazis und den Japanern zu befreien. Das hat auch geklappt, sie haben der Welt unter durchaus nennenswerten Opfern Freiheit und Coca Cola gebracht, was ja ohnehin dasselbe ist.

Aber seit dem Ende des zweiten Weltkriegs ist es halt nicht mehr so einfach mit einer Erklärung – Korea, Vietnam, Afghanistan, Irak, Somalia, da sind auch viele Existenzen vernichtet worden, und vermutlich ist es das, was mir dieses Unbehagen mit The Pacific bereitet – bei allem Elend und Leiden, das hier in eindrucksvoll Szene gesetzt wird, hat diese ganze Sache eben doch irgendwas Heroisches. Gerade weil der US-Präsident eben nicht jedem Veteran persönlich die Hand schütteln konnte, bekommen die ganzen Sledges, Leckies und Snafus jetzt posthum doch noch ein Denkmal gesetzt. Obwohl die Message durchaus vorsichtig formuliert wird: „Ich will daran glauben, dass diese ganze Sache einen Sinn hat, dass diese ganzen Opfer, jeder Mann, den ich in den Tod geschickt habe, nicht vergeblich gewesen sind. Ich muss einfach daran glauben,“ erklärt einer der Vorgesetzten von Sledge.

Screenshot The Pacific: „Wir sind schon wieder verarscht worden…“

Und genau daran glaube ich nicht. Es gibt keine gerechte Sache und keinen gerechten Krieg. Man muss sich doch nur auf der Welt einmal umsehen: Das einzige Mal, wo es geklappt hat, ein Land erst richtig platt zu machen und dann eine funktionierende Demokratie samt Marktwirtschaft dort einzurichten, war 1945. Und ob das eine dermaßen gute Idee war, ist noch nicht abschließend geklärt.

Ein paar Bilder aus Mr. Robot xpl0its.wmv

Manchmal sagen Bilder mehr als Worte – und hier wird sehr schön gezeigt, wie anhand virtueller Realitäten in unseren liebsten Online-Medien die tatsächliche Welt optimiert wird.

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: die fscoiety versucht Elliot (Rami Malek) in Steel Mountain einzuschleusen

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: die fscoiety versucht Elliot (Rami Malek) in Steel Mountain einzuschleusen

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: die fscoiety versucht Elliot (Rami Malek) in Steel Mountain einzuschleusen

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: die fscoiety versucht Elliot (Rami Malek) in Steel Mountain einzuschleusen

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: die fscoiety versucht Elliot (Rami Malek) in Steel Mountain einzuschleusen

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: die fscoiety versucht Elliot (Rami Malek) in Steel Mountain einzuschleusen

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Romero (Ron C. Jones) , Mr. Robot (Christian Slater) und Wobley (Azhar Khan)

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Romero (Ron C. Jones) , Mr. Robot (Christian Slater) und Wobley (Azhar Khan)

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Immerhin hat Elliot sich jetzt gemerkt, wer er ist.

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Immerhin hat Elliot sich jetzt gemerkt, wer er ist.

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Aber der arme Mann macht auch nur seinen Job

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Aber der arme Mann macht auch nur seinen Job

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Tja Mr. Robot - da gehen sie hin, deine Hoffnungen...

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Tja Mr. Robot – da gehen sie hin, deine Hoffnungen…

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: So ist das halt mit armen Angestellten...

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: So ist das halt mit armen Angestellten…

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: hallo fsociety - Elliot funktioniert so nicht

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: hallo fsociety – Elliot funktioniert so nicht

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Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: was soll der arme Mann denn machen?

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: was soll der arme Mann denn machen?

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Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Ist Google nicht eine geile Erfindung?

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Ist Google nicht eine geile Erfindung?

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Und Wikipedia auch...

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Und Wikipedia auch…

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Jeder darf mitmachen...

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Jeder darf mitmachen…

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Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Wer sagt's denn?

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: Wer sagt’s denn?

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: So entsteht Realität

Screenshot Mr. Robot eps1.4_3xpl0its.wmv: So entsteht Realität

eps1.4_3xpl0its.wmv: Jede Menge neuer Fährten

Es ist wieder Donnerstag, also mein Mr. Robot-Tag und *hysterisch hüpf, händeklatsch und kreisch* – in eps1.4_3xpl0its.wmv passieren dermaßen viele schreckliche Dinge, dass ich mir das noch ein paar Mal ansehen werden muss, um es richtig zu genießen: Ohne Zweifel ein neuer Höhepunkt!!!

Natürlich findet jetzt der große Steel-Mountain-Hack statt. Und obwohl Elliot nun wirklich nicht der begabteste aller Superspione ist, schafft er es doch, gerade wegen seiner echten und deshalb total überzeugenden Nerdigkeit als eben der richtig wichtige IT-Millionär rüber zu kommen, als den fsociety ihn in dort einführt. Superidee von Mr. Robot (oder wem auch immer) – Elliot kann nun mal kein anderer sein als er selbst, um sich wirklich in jemanden anders einzufühlen, ist er einfach viel zu gestört. Technisch ist er ja total auf der Höhe, aber Social-Engineering-Skills kann man von einem depressiven Sozialphobiker auf Entzug nun wirklich nicht erwarten.

MR. ROBOT — „3xp10its.wmv“ Episode 105 — Pictured: (l-r) Christian Slater as Mr. Robot, Rami Malek as Elliot Alderson — (Photo by: David Giesbrecht/USA Network) via spoilerguide.com

Und auch die erschreckende Konfrontation mit Tyrell Wellick bringt ihn letztlich dorthin, wohin er sonst nicht gelangt wäre, weil sich niemand sonst mit der entsprechenden Sicherheitsfreigabe gefunden hat – und natürlich erweist sich als extrem günstig, dass Elliot, der vor Angst und wegen seines Entzugs kotzen muss, ganz dringend ein Klo sucht – hier findet er einen Zugang zum Datennetz, an den er seinen mitgebrachten Raspberry Pi hängen kann. Für Elliot läuft es also den Umständen entsprechend super – auch wenn Tyrell ihm eröffnet, dass ihm klar ist, dass es Elliot war, der Terry Colby ans Messer geliefert hat.

Screenshot Mr. Robot - Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström) treffen sich in Steel Mountain

Screenshot Mr. Robot – Elliot (Rami Malek) und Tyrell (Martin Wallström) treffen sich in Steel Mountain

Aber Tyrell ist darüber nicht böse, im Gegenteil – nur dass er erstaunt ist, dass Elliot, der ja, genau wie er selbst, jemand ganz Besonderes ist, letztlich dann doch aus so einem primitiven menschlichen Gefühl wie Rache handelt – „…aber schließlich sind wir ja alle Menschen. Abgesehen von mir.“ Und so lässt er Elliot laufen – er weiß ja, dass Allsafe demnächst ohnehin dicht machen muss. Aber er wundert sich nicht auch besonders darüber, dass ausgerechnet Elliot für Allsafe nach Steel Mountain gekommen ist: „Du bist ein Perfektionist, genau wie ich.“

Und Tyrell ist ein Perfektionist, gemeinsam mit seiner Frau schleicht er sich bei dem künftigen CTO von Evil Corps ein – dem er anbietet, seine rechte Hand zu sein. Der ahnt zwar, dass Tyrell eine eigene Agenda hat, ist aber letztlich doch naiv. Auf die Frage, ob Tyrell etwa jemanden wie ihn selbst als rechte Hand einstellen würde, antwortet Tyrell: „Ich hätte ihn nicht mal in mein Haus gelassen!“ Jetzt weiß der geneigte Zuschauer, dass es ohnehin für alles zu spät ist – mit Tyrell Wellick werden wir weiterhin rechnen müssen, und darauf freue ich mich, nicht nur weil ich Martin Wallström wirklich gut finde.

Screenshot Mr. Robot - Elliot  (Rami Malek) ist ziemlich überfordert

Screenshot Mr. Robot – Elliot (Rami Malek) ist ziemlich überfordert

Für Elliot braut sich noch ganz anderes Unheil zusammen: Dem Großdealer Fernando Vega gefällt es natürlich gar nicht im Knast zu sitzen, und er engagiert eine sehr gute Anwältin, die ihm klar macht, dass es absolut strunzendoof war, soziale Medien für seine geschäftlichen Verabredungen zu benutzen – die Bullen hätten sämtliche Chat-Protokolle und damit erdrückendes Beweismaterial. Ein einziger anonymer Tipp hätte genügt, um ihn ranzukriegen.

Tja, Pech für Elliot: Es gibt nur einen einzigen skurrilen Typ in ganz New York, der erstens keine Angst vor Vega hat, zweitens Shayla kennt UND gleichzeitig auch Suboxone gekauft hat. Also einer, der sehr schlau ist, der weiß, wer Vega ist und was er tut und der ein Interesse hat, ihn aus dem Weg zu räumen – wegen Shayla. Selbst dem nicht so wahnsinnig intelligenten Vega wird schnell klar, von wem dieser anonyme Tipp gekommen sein muss.

Screenshot Mr. Robot - Romero (Ron C. Jones) , Mr. Robot (Christian Slater) und  Wobley (Azhar Khan) sind von der Entwicklung er Dinge nicht begeistert

Screenshot Mr. Robot – Romero (Ron C. Jones) , Mr. Robot (Christian Slater) und Wobley (Azhar Khan) sind von der Entwicklung er Dinge nicht begeistert

Arme Shayla – sie muss sich jetzt nicht nur wegen Elliot in einem neuen Job versuchen – wobei sie es mit der ihr eigenen „Ich nehme es halt, wie es kommt“-Haltung ganz gut hinkriegt, als Kellnerin in einem merkwürdigen Country-Style-Restaurant anzuheuern – gegen Ende der Folge zeichnet sich ab, dass sie ernsthaft in Schwierigkeiten gerät – gerade nachdem Elliot mit ihr telefoniert hat und sich darüber freut, das die Dinge so gut für alle laufen. Vielleicht freut er sich auf Elliot-Art sogar darauf, sie später noch zu sehen. Er wirkt nach ihrem Gespräch für seine Verhältnisse jedenfalls sehr glücklich. Wenn auch nur für einen kurzen Augenblick.

Screenshot Mr. Robot - Shayla (Frankie Shaw) muss sich jetzt als Kellnerin durchschlagen

Screenshot Mr. Robot – Shayla (Frankie Shaw) muss sich jetzt als Kellnerin durchschlagen

Und dann ist da auch noch Angela, die ihren komischen Freund Ollie nun endgültig abserviert hat und nach Hause, nach Jersey, heim zu ihrem Vater fährt. Der sie mit bewundernswerten Verständnis aufnimmt. Und der auch der Ansicht ist, dass dieser Ollie ein Idiot ist, der schon zigmal angerufen hat und einfach nur will, dass Angela zu ihm zurück kommt – und er schon lernen werde, ihr zu verzeihen, was sie getan hat. Die große Frage ist, was Angela am Ende tatsächlich getan hat: Zum großen Entsetzen der fsociety weigert sich die chinesische Dark Army nämlich, das Datencenter von Evil Corp in China anzugreifen. Darlene rastet zwar aus, als sie es erfährt – es hilft aber nicht.

Screenshot Mr. Robot - Angela (Portia Doubleday) wird überraschend verständnisvoll von ihrem Vater aufgenommen

Screenshot Mr. Robot – Angela (Portia Doubleday) wird überraschend verständnisvoll von ihrem Vater aufgenommen

Wir wissen aber, dass sie im System von Allsafe sind. Offenbar haben die Chinesen etwas anderes vor – aber was? Und wie hängt das alles mit Angela und ihrem Vater zusammen? Angela entdeckt nämlich, dass für ihren Job bei E-Corps offenbar nicht von E-Corps, sondern von ihrem Vater bezahlt wurde. Auch wieder einleuchtend: Er hat schließlich seine Frau, Angelas Mutter verloren…

Ich bin mehr als gespannt darauf, wie es weiter geht. Warum kann Mr. Robot nicht auf Netflix laufen?!

True Detective kriegt mit „Other Lives“ die Kurve

Es hat dieses Mal wirklich lange gedauert, aber mit der fünften Folge Other Lives hat die zweite Staffel von True Detective für mich endlich die Kurve gekriegt: Langsam bekommt alles einen Sinn. Die neue Folge setzt 66 Tage nach dem Vinci Massaker ein, wie die ausführliche Schießerei am Ende von Down Will Come inzwischen völlig zu recht genannt wird.

Wobei ich hier gleich wieder relativieren muss: Wenn ich mich recht entsinne, gab es am Ende der vierten Folge in Staffel eins dieses unglaubliche Finale von Rusties Undercover-Mission, wobei Rust auf dem Weg dahin so viele Drogen wegknallt, dass man sich ernsthaft Sorgen macht, dass er das Ende dieser Folge überhaupt erleben wird – zumal sein Partner Marty, der ihn ja im Zweifelsfall raushauen soll, auch nicht auf der Höhe ist. Das Finale ist aber auch für den Zuschauer ein einziger Rausch – ganz großes Kino für eine Fernsehproduktion. Im Vergleich dazu finde ich den Showdown von Down Will Come halt doch eher schwach – auch wenn Paul als alter Soldat endlich mal wieder richtig funktionieren darf und am Ende als einziger irgendwie mit der Situation klar kommt. Bisher war er ja eher die arme Wurst zwischen dem abgeklärten Ray Velcoro (Colin Farrell) und dem ambitionierten Foxterrier Ami (Rachel MacAdams).

True Detective Staffel 2 Other Lives via http://www.digitalspy.co.uk

True Detective Staffel 2 Other Lives via http://www.digitalspy.co.uk

Jetzt wird irgendwie ein Gleichstand zwischen unseren drei doch sehr unterschiedlichen Protagonisten erreicht: Ami und Ray werden degradiert, Paul (Taylor Kitsch) kann aufsteigen – auch wenn dieses Schaupielerinnen-Flittchen ihm aus welchen Gründe auch immer noch diesen Vergewaltigungs-Prozess reinwürgt. Wird die blöde Schlampe am Ende von irgendwem dafür geschmiert oder ist sie einfach nur sauer, dass ein Mann, der wie Taylor Kitsch aussieht, sie verschmäht hat?!

Ray hat seinen Job bei der Polizei an den Nagel gehängt (better to walk before they make you run) und arbeitet als – nun ja wie nennt man das? freischaffender Sicherheitsbeauftragter mit Ermittlungsbefugnis? für Frank Semyon. Er hofft damit genug Geld für den teuren Sorgenrechtsstreit um seinen Sohn aufzutreiben. Hier gibt es Entwicklungen, die fatal für Ray sind – der Vergewaltiger seiner damaligen Frau wurde durch einen DNS-Abgleich gefasst – und das Muster passt auf den Jungen. Ray kann somit nicht der Vater sein. All das löst bei Ray großes Entsetzen aus: Offenbar hat er vor Jahren einen furchtbaren Fehler gemacht.

Ani wurde strafversetzt und muss nun im Keller die Asservate hüten. Und als einzige Frau an einer Therapiegruppe gegen sexuelle Belästigung teilnehmen. Paul dagegen ist zum Detective aufgestiegen und muss feststellen, dass seine Mutter seine geheimen Ersparnisse aufgebraucht hat, mit denen er sein neues Leben mit seiner schwangeren Freundin Emily beginnen wollte. Probleme gibt es also für alle drei Protagonisten weiterhin genug – aber der Fall, der sie zusammengeführt hat, wird langsam interessanter: Der ermordete Ben Caspere besaß offenbar eine Festplatte, auf der belastendes Material gegen alle möglichen wichtigen Menschen aus der Gegend gespeichert war. Denn Caspere hatte gemeinsam mit dem Sohn des Bürgermeisters Tony Chessani dekadente Sexparties organisiert, wo es gewiss eine Menge zu filmen und fotografieren gab.

Vermutlich wurde er deshalb umgebracht – und wo diese Festplatte zu finden ist, da ist auch der wahre Mörder zu finden. Sofern nicht alles längst gelöscht und vernichtet oder an anderen Orten gespeichert ist. Und auch Frank hat ein gesteigertes Interesse daran, diese Festplatte zu finden – einer seiner ehemaligen Geschäftspartner des gescheiterten Bahnprojektes bietet ihm an, ihn wieder ins Boot zu holen, wenn es ihm gelänge, das Material zu finden. Das würde gewiss auch sein Frau freuen, die eigentlich nicht mit einem fucking gangster zusammen sein will.

Irgendwie bin ich mit der Beziehung der beiden echt nicht zufrieden – also nicht, dass das irgendwie alles total schief läuft – den Konflikt mit Marty, seiner Frau und seinen Töchtern in der ersten Staffel fand ich plausibel und nachvollziehbar, Beziehungsprobleme hat jeder, das ist völlig normal – aber diese Beziehung, das ist alles doch wirklich sehr krampfig: Frank und Jordan sind ja nun nicht mehr die jüngsten, kein Wunder, dass es mit der Fruchtbarkeit vorbei ist. Da muss man nicht mal effektvoll die Avocado-Büsche im Garten verdorren lassen – die beiden sind so fruchtbar wie eine abgefuckte Wüste.

Und meiner Meinung nach ist das auch gut so: Was für ein Krüppel muss ein Kind denn werden, wenn es einer solchen Erwartungshaltung genügen soll?! Also falls diese beiden jemals ein Kind bekommen sollten, wird es sich, sobald es laufen kann, in den nächsten Swimmingpool stürzen, um darin zu ertrinken, wenn es vermeiden will, dass es so ein abgefeimtes Arschloch wird wie sein Eltern.

Wobei das am Ende ja für die meisten gilt und sich gemessen daran erstaunlich wenig Menschen umbringen, in True Detective und auch im wahren Leben. Aber wenn ich in der Lage bin, mir derartige Gedanken zu machen, dann hat die Serie funktioniert. Und das spricht für sie. Ob ihr das glaubt oder nicht.

Was in dieser Folge der Knackpunkt ist: Die Staatsanwältin Katherine Davis (Michael Hyatt) holt Ani, Paul und Ray zusammen, um sie als inoffizielles Ermittler-Team auf die Aufklärung der korrupten Machenschaften in Vinci anzusetzen. Sie will wirklich wissen, was da läuft. Ani und Paul sind gleich dabei, schließlich ist genau das, was auch sie antreibt. Ray muss erst überzeugt werden, denn eigentlich fühlt er sich mehr Frank und seinem neuen Job verpflichtet. Doch als Davis verspricht, sich in seinem Sorgenrechtsstreit für ihn zu verwenden, kann sie auch Ray überzeugen. Der damit allerdings in Konflikt zu anderen Loyalitäten gerät – wir werden sehen, wohin das noch führt.

Aber jetzt will ich das auch wirklich wissen…

Noch ein paar Bilder aus Mr. Robot da3m0ns.mp4

Damit das Warten nicht zu lang wird, gibt es jetzt noch ein paar Bilder von Elliots Konfrontation mit seinen Dämonen.

Screenshot Mr. Robot- Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot- Elliot (Rami Malek) wird von seinen Dämonen heimgesucht

Screenshot Mr. Robot - Elliots Fisch QWERTY möchte mal einen anderen Ausschnitt von der Welt sehen

Screenshot Mr. Robot – Elliots Fisch QWERTY möchte mal einen anderen Ausschnitt von der Welt sehen

Screenshot Mr. Robot: Oh nein - was  ist mit QWERTY passiert?

Screenshot Mr. Robot: Oh nein – was ist mit QWERTY passiert?

Angela (Portia Doubleday) findet QWERTY ganz köstlich.

Angela (Portia Doubleday) findet QWERTY ganz köstlich.

Screenshot Mr. Robot: "Angela - er ist mein Freund!"

Screenshot Mr. Robot: „Angela – er ist mein Freund!“

Screenshot Mr. Robot: Elliots Mutter scheint das aber auch nicht zu interessieren...

Screenshot Mr. Robot: Elliots Mutter scheint das aber auch nicht zu interessieren…

Screenshot Mr. Robot: Dafür geschieht etwas Unerwartetes...

Screenshot Mr. Robot: Dafür geschieht etwas Unerwartetes…

Screenshot Mr. Robot - Angela: "oh Elliot,  ja, ich will!"

Screenshot Mr. Robot – Angela: „Oh Elliot, ja, ich will!“

Screenshot Mr. Robot - was ist hier eigentlich los...?! Und warum sieht das Restaurant so aus wie das Büro von Allsafe?!

Screenshot Mr. Robot – was ist hier eigentlich los…?! Und warum sieht das Restaurant so aus wie das Büro von Allsafe?!

Screenshot Mr. Robot - spinnt Elliot (Rami Malek) jetzt total?

Screenshot Mr. Robot – spinnt Elliot (Rami Malek) jetzt total?

Screenshot Mr. Robot - okay, Angela (Portia Doubleday) spinnt auch.

Screenshot Mr. Robot – okay, Angela (Portia Doubleday) spinnt auch.

Screenshot Mr. Robot - Angela (Portia Doubleday) : "Du wirst es nicht tun - oder? Die Welt verändern?"

Screenshot Mr. Robot – Angela (Portia Doubleday) : „Du wirst es nicht tun – oder? Die Welt verändern?“

Screenshot Mr. Robot - Angela (Portia Doubleday) : "Du bist erst einen Monat alt"

Screenshot Mr. Robot – Angela (Portia Doubleday) : „Du bist erst einen Monat alt“

Screenshot Mr. Robot - Angela (Portia Doubleday) : "Der Schlüssel passt nicht!"

Screenshot Mr. Robot – Angela (Portia Doubleday) : „Der Schlüssel passt nicht!“

Screenshot Mr. Robot - alles nur ein schlimmer Traum...?

Screenshot Mr. Robot – alles nur ein schlimmer Traum…?

Deutschland 83 – ein Zwischenbericht

Von Deutschland 83 habe ich mittlerweile den 5. Teil Cold Fire gesehen – und die Dinge spitzen sich weiter zu. Martin musste bereits in Northern Wedding seine erste Leiche im Wald begraben – und auch wenn er die NATO-Sekretärin Linda nicht selbst umgebracht hat, so hat er sie doch, genau wie ihm aufgetragen wurde, in seine Mission verwickelt. Als Linda dann entdeckt hat, dass ihr Geliebter ostdeutscher Spion ist, blieb gar keine andere Wahl – Genosse Tischbier, der in Bonn eine Tarnidentität als Politikprofessor hat, musste Martin vor der Enttarnung retten, in dem er Linda überfuhr.

Screenshot  Deutschland 83

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Martin hat jetzt eigentlich die Schnauze voll – aber so wie sich die Dinge entwickeln, bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als weiterhin zu funktionieren, obwohl er eigentlich nur noch aussteigen will. Seine kranke Mutter ist kollabiert, und Martin ist der einzige infrage kommende Spender für die Niere, die Ingrid gend drinbraucht. Also muss er schleunigst nach Ostberlin geschmuggelt werden.

Screenshot  Deutschland 83

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Natürlich sind die Ossis pragmatisch und geben ihm auch noch eine Tasche mit wichtigen Utensilien mit, die er unterwegs übergeben soll: Guten Bohnenkaffee für die Chefs ganz oben und zwei rote Dosen mit entkoffeiniertem Kaffee. „Wie – Kaffee ohne Kaffee?“ fragt Martin – „Genau, damit man gut schlafen kann!“

Screenshot  Deutschland 83

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Es liegt auf der Hand, dass es sich nicht um Kaffee handeln kann – nachdem Martin die Dosen wie angewiesen in Westberlin am Ku’damm übergeben hat, gibt es eine gewaltige Detonation: Der Anschlag auf das Kulturinstitut Maison de France, der Westberlin am 25. August 1983 erschütterte. Geplant von dem deutschen Terroristen Johannes Weinrich, der als rechte Hand des legendären Terroristen Carlos der Schakal galt. Auf das Konto des venezolanischen Terroristen Ilich Ramírez Sánchez gehen zahlreiche weitere Anschläge, die insgesamt mehr als 20 Todesopfer forderten.

Screenshot  Deutschland 83

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Aber das weiß Martin jetzt alles nicht, er sieht nur, wie Verletzte um Hilfe rufen und ist entsprechend entsetzt. Er erkennt den Mann wieder, dem er die roten Dosen übergeben hat und verfolgt den Attentäter – hier gibt es eine sehr schön gefilmte Hatz durch die Berliner U-Bahn. In einem Tunnel auf einem Nebengleis stellt er ihn schließlich. Bei der folgenden Prügelei muss Martin ziemlich was einstecken, aber er schafft es, seinen Gegner zu überwältigen. Und er geht noch einen entscheidenden Schritt weiter: Er lässt den ohnmächtigen Verletzten auf den U-Bahn-Gleisen liegen.

Screenshot  Deutschland 83

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So richtig gut in den Kram passt den ostdeutschen Genossen dieser Anschlag allerdings nicht – was, wenn die Amerikaner das als Kriegserklärung auffassen, falls eine Beteiligung der Stasi an dem Anschlag nachgewiesen werden kann? Sie versuchen sich gegenseitig zu beruhigen – die armenische Terrorgruppe Asala stecke dahinter, und wenn die Amis jetzt unruhig würden, machten sie vielleicht Fehler, was wiederum gut für die Aufklärung sei – denn die Amerikaner planen einen Angriff, soviel sei klar. Jetzt gelte es herauszufinden, wann.

Screenshot  Deutschland 83

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Aber auch Alex Edel, der Sohn des Generals, macht eine interessante Entwicklung durch – zum einen outet er sich als schwul und verbringt eine Nacht mit Tischbier, zum anderen lässt er sich von Tischbier politisch agitieren. Aber während Tischbier ihm empfiehlt, dass er auf seinem Posten bei der Bundeswehr zurückkehren soll, um das System von innen zu verändern, haut Alex lieber ab und taucht in der Sanyassin-Kommune seiner Schwester unter. Hier eckt er allerdings gleich wieder an, weil er das ganze Liebe-ist-der-Schlüssel-Geschwafel nicht ertragen kann.

Screenshot  Deutschland 83

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„Hass ist ein viel stärkeres Gefühl!“ schleudert er den anderen entgegen und erklärt, dass man nichts erreichen könne, wenn man nicht bereit sei, für sein Ziele zu kämpfen – am Ende der Folge sehen wir, dass er sich in der Botschaft der DDR bereit erklärt, künftig für die andere Seite zu arbeiten – hiermit sind also interessante Konflikte für die verbleibenden Teile vorprogrammiert. Bislang kann Deutschland 83 also einlösen, was ich mir nach den ersten beiden Teilen davon versprochen habe.

Screenshot  Deutschland 83

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