Weiterhin wahnsinnig gut: Mr. Robot

Dieses hibbelige Warten auf den jeweils nächsten Teil hatte ich zum letzten Mal bei Breaking Bad – und da wurde wurde ich nie enttäuscht. Trotzdem finde ich das Netflix-Modell besser: Ich bin nun mal ein Junkie und will mich, wenn ich eine Serie gut finde, vollkommen hineinstürzen. Aber ich kann mir das leider nicht aussuchen, Mr. Robot läuft nun mal bei einem altmodischen Kabelsender und der strahlt nur eine Folge pro Woche aus. Aber jetzt ist endlich, endlich die dritte Folge endlich draußen und die lässt mich glücklicherweise genauso hibbelig und gespannt zurück wie die beiden andern Teile – was ist denn nun Elliots genialer Plan?!?!?!?

Keine fsocity mehr - der Start ins normale Leben! Elliot (Rami Malek)

Keine fsocity mehr – der Start ins normale Leben! Elliot (Rami Malek)


Aber zuerst erfahren wir mehr über Tyrell Wellick. Der ist, wie bereits in der zweiten Folge klar wurde, ein echter Ehrgeizling, der ganz nach oben will und dafür so ziemlich alles tut, was ihm notwendig erscheint. Im Gegensatz zu Elliot ist Tyrell bereit, über Leichen zu gehen – und vermutlich war es gar keine schlechte Entscheidung von Elliot, Tyrells Angebot auszuschlagen.

Als Tyrell erfährt, dass es offenbar noch andere Kandidaten für den CTO-Posten von E-Corp gibt, auf dem er sich längst selbst gesehen hat, muss er sich erstmal abreagieren. Er bezahlt Penner dafür, sich von ihm verprügeln zu lassen – natürlich nicht ohne zuvor die Brioni-Krawatte ab- und Handschuhe anzulegen. Aber es geht natürlich noch schlimmer – Tyrell benutzt auch einen sehr wichtigen und sehr schwulen Assistenten seines Chefs, in dem er mit ihm schläft und dann über dessen Smartphone ein zweifelhaftes Update einspielt, für seine sinistren Pläne. Derweil wartet seine schwangere Frau zuhause auf ihn und nötigt ihn nach seiner anstrengenden Doppelschicht auch noch zu SM-Spielchen. Kleines Detail am Rande: Im Hause Wellick wird Schwedisch gesprochen.

Das normale Leben: Latte Vanillia trinken

Das normale Leben: Latte Vanillia trinken

Elliot hingegen wacht ziemlich ramponiert im Krankenhaus auf: Am seinen Bett stehen Shayla, seine Nachbarin und Krista, seine Psychologin. Beide sind sehr besorgt um ihn – was ihn sowohl befremdet, als auch berührt, irgendwie. Krista fragt ihn auch gleich, warum er den Drogentest verweigert hat und Elliot gibt zu, das er Morphin genommen hat – und er hat eben keine so richtig gute Erklärung dafür. Krista erklärt ihm, dass sie seiner Entlassung nur zustimmen wird, wenn er sich künftig regelmäßig testen lässt. Elliot ist wenig begeistert, stimmt aber natürlich zu: Er hat sich dieses Krankenhaus als Notfallklinik ja ausgesucht, weil es einfach zu hacken ist. Hier kann er die Ergebnisse der Drogentests, die seine Versicherung oder sein Arbeitgeber oder wer auch immer von ihm verlangen, entsprechend modifizieren.

Screenshot: Mr. Robot eps1.2_d3bug.mkv

Screenshot: Mr. Robot eps1.2_d3bug.mkv

Und kaum entlassen, will Elliot auch gleich wieder zur Arbeit gehen – einerseits hat Gideon ihm gesagt, dass er ihn braucht, andererseits weiß er auch nicht, was er zuhause soll: Dort ist nur wieder diese nervige Darlene von fsociety eingebrochen (alle guten Hacker sind auch gute Schlossknacker), die unbedingt mit Elliot über Dinge diskutieren will, die Elliot einfach nur vergessen möchte.

Aber natürlich kommt er da nicht so einfach raus: Als Elliot in seinem Büro bei Allsafe ankommt, sitzt Mr. Robot an seinem Arbeitsplatz – der schier nicht fassen kann, in was für einem Scheißladen Elliot da arbeitet. Mr. Robot will ein klärendes Gespräch in der Bar neben an – ansonsten würde er hier und jetzt ziemlich Ärger machen.

Screenshot: Mr. Robot eps1.2_d3bug.mkv

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Elliot will natürlich keinen Ärger und geht mit Mr. Robot in die Bar nebenan, in die er sonst gewiss nicht geht – zu überzeugend ist sein Blick, als der Barkeeper ihm den georderten Appletini vor die Nase stellt und zwölf Dollar verlangt. Doch erstaunlicherweise will Mr. Robot sich nur bei Elliot entschuldigen: Es täte ihm leid, dass er ihm weh getan habe – so etwas käme leider vor, wenn Menschen schlecht in Kommunikation sind. Elliot kann es kaum fassen: Das war es dann also? Na klar, wenn er nicht mitmachen will, dann ist halt alles vorbei. Tschüssikowski, bis zum nächsten Leben.

Okay, jetzt ist Elliot doch wirklich sehr naiv, aber so, wie wir ihn kennengelernt haben, nehmen wir ihm das ab: Er geht zurück zur Arbeit und berauscht sich an dem Gedanken, dass dieser fsociety-Kram jetzt tatsächlich vorbei sei und er ein normales Leben beginnen könne. Jenseits dieses perfekten Netzes, das er um sich herum gewoben hat, damit niemand ihn erkennen oder finden kann. Er könnte doch einfach ein normaler Mensch werden, irgendwelche Dinge liken, Vanilla Latte trinken, in die Muki-Bude gehen und vielleicht könnte Shayla sogar seine Freundin werden…

Wohl auch um sich selbst zu beweisen, dass er ganz normal sei, teilt Elliot seinem überraschten Chef Gideon mit, dass er doch zu diesem Abendessen kommen möchte, zu dem Gideon seine Lieblings-Angestellten eingeladen hat. Die Einladung hatte Elliot zuvor nämlich abgelehnt, weil er davon ausgegangen war, dass Darlene oder Mr. Robot ihn zu irgendwelchen Aktivitäten zwingen würden. Aber jetzt ist er ja ein normaler Mensch und kann ganz normale Dinge tun.

Screenshot: Mr. Robot eps1.2_d3bug.mkv

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Gideon ist erfreut und überrascht, dass sein Lieblings-Mitarbeiter Elliot nun noch zu seiner Dinner-Party kommen will und fällt aus alles Wolken, als Elliot ihn fragt, ob er seine Freundin mitbringen dürfe – „Du hast eine Freundin?!“ Elliot gibt zu, dass er sie noch gar nicht gefragt hat, ob sie mitkommen (oder gar seine Freundin sein) wolle, aber egal.

Und Elliot fragt Shayla tatsächlich, nicht ohne zuzugeben, dass er sie heute Abend wirklich braucht, weil er ja in diesen sozialen Dingen einfach nicht gut ist. Und Shayla macht am Ende natürlich mit, obwohl sie erst erklärt, dass Elliot erstens einen ziemlichen Sprung in der Schüssel und sie auch gar keine Lust hat, sich für so etwas benutzen zu lassen. Andererseits kann Elliot mit seiner verschrobenen Ehrlichkeit ziemlichen Charme entwickeln und Shayla hatte zuvor schon eine Schwäche für ihren Nachbarn, der nebenbei ja auch ein guter Kunde ist. Oder war: Denn sie hat jetzt ohnehin nichts Besseres zu tun, Elliot hat ihr echte Schwierigkeiten eingebrockt – obwohl er Shayla eigentlich versprochen hatte, nichts gegen diesen Fernando Vera zu unternehmen.

Weil in der Folge zuvor dann aber Elliots Wille Gutes zu tun über die Realisierung des eigenen Vorteils triumphierte, hat er Shaylas zweifelhaften „Freund“ mit einem anonymen Tip ans NYPD aus dem Verkehr gezogen: Lieber riskierte Elliot einen kalten Entzug, als zuzulassen, dass Fernando Shayla wieder etwas antun würde.

Screenshot: Mr. Robot eps1.2_d3bug.mkv

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Der ärgerliche Nebeneffekt: Mit ihrem Großdealer Fernando ist Kleindealerin Shayla auch ihre Einnahmequelle los – ihr geht jetzt finanziell wirklich schlecht. Wovon soll sie ihre Wohnung bezahlen? Ich bin sehr gespannt, ob und wie Elliot eine Lösung für dieses Problem finden wird. Vermutlich ist die Tatsache, dass er jetzt plötzlich ihr Freund sein will, auch diesem Umstand geschuldet. Ich persönlich mag Shayla – was hatte sie denn für eine Wahl?

Schlecht läuft es aber auch für Angela und ihren Freund Ollie – sie wurden Opfer eines perfiden Identitätsdiebstals: Als Ollie, um endlich Ruhe zu haben, eine CD von einem angeblichen Straßenmusiker kaufte, der ihm einfach auf Nerven ging, fing er sich einen fiesen Trojaner ein, der nun den Rechner in ihrer gemeinsamen Wohnung infizierte, von dem auch Angela aus ihre Geschäfte tätigte. Der Schaden ist enorm – Angelas Bankkonto ist kompromittiert und auch das ihres Vaters, der für den Studienkredit gebürgt hat. Die Hacker erpressen Ollie mit Fotos mit ihm und seinem Seitensprung Stella B. Ollie ist so verzweifelt, dass er Angela alles gesteht, die natürlich entsetzt ist. Aber andererseits auch kapiert, dass Ollie letztlich auch nur ein Opfer ist. Mal sehen, wie diese Geschichte ausgeht.

Screenshot: Mr. Robot eps1.2_d3bug.mkv

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Ob Angela ihren alten Freund Elliot einweiht? Und ob der tätig wird? Wer sollte sonst mit diesen miesen Hacker-Erpressern fertig werden? Also ich an Angelas Stelle würde das tun. Aber andererseits hat Elliot ja so schon mehr als genug Probleme. Denn Gideon ist zwar ein Chef, aber kein Idiot. Irgendetwas an diesem Hacker-Angriff der fsociety lässt ihm keine Ruhe und er will nochmal mit dem verantwortlichen SysAdmin in Dulles sprechen. Hält Gideon wirklich so große Stücke auf Elliot oder ahnt er, dass Elliot doch etwas mit dem fsociety-Hack zu tun hat? Er hat Elliot ja schon gestanden, dass er ihm misstraut hat, und dass er ihm nichts nachweisen konnte. Und hat sich mit einer Umarmung entschuldigt, die Elliot kaum aushalten konnte. Wenn da nicht noch mehr ist…

Und schließlich hat Mr. Robot seine Pläne, Elliots Fähigkeiten für die fsociety zu benutzen keineswegs aufgegeben, sondern Elliot nur eine kleine Denkpause gelassen, in der Elliot über das Debugging philosophiert hat: Es gehe dabei nicht darum, den Fehler zu beheben, sondern ihn zu finden und zu verstehen, warum der Bug da ist. Genau deshalb schützt er seinen persönlichen Quellcode so sorgfältig – niemand darf an ihn heran.

Aber Mr. Robot hat Elliots Bug schon längst gefunden und teilt es Elliot ausgerechnet während jenes Abendessens bei Gideon mit – er schickt Elliot die Nachricht, dass er den Fernseher einschalten soll. Und siehe da: Aus den bei dem Angriff auf E-Corps erbeuten Daten ging hervor, dass Terry Colby offenbar in jenen Giftmüll-Skandal von E-Corp verstrickt ist, der Elliots Vater und Angelas Mutter das Leben gekostet hat… doch, weiterhin sehr guter Stoff, wenn auch nicht so rasant wie der Pilot. Aber subtil, sehr subtil. Und jetzt muss ich wieder eine Woche warten. Scheiße aber auch.

Ohne More Thing

One more thing: Die Musik bei Mr. Robot ist auch ganz großartig, und dafür ist Mac Quayle verantwortlich. Zur perfekten Serie gehört der perfekte Soundtrack – und auch das ist meinen All Time Favorites gemeinsam: Mad Men, Breaking Bad, die erste Staffel von True Detective oder etwa Treme sind musikalisch erste Sahne. Auch bei Sense8 finde ich die Musik sehr okay. Ich mag an auch Retro-Serien besonders, wenn sie die Musik ihrer Zeit benutzen, was bei Boardwalk Empire, Downton Abbey oder Miss Fisher’s Murder Mysteries der Fall ist, oder jetzt aktuell bei Deutschland 83 mit all der 80er-Musik, obwohl da nichtmal meine Lieblingstitel aus der Zeit dabei sind.

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Und noch etwas: Bei Mr. Robot hatte ich ein ähnliches Erlebnis wie beim US-Remake von Das Verbrechen bzw. The Killing: Da war dieser unglaublich gute Schauspieler, von dem ich noch nichts gehört hatte, der aber eine Figur, die ich auch im Original schon ganz interessant fand, plötzlich zur Hauptperson machte – Joel Kinnaman als Stephen Holder. Mann, war der gut! Der machte Detective Holder einerseits zu einem sympathischen Freak im Kapuzenpulli, einem der Gosse entwachsenen Vegetarier, der in allem und jedem universelle Weisheit entdecken kann, gleichzeitig aber auch mit den Dämonen der Vergangenheit zu kämpfen hat. Ein sehr begabter Ermittler einerseits, aber auch ein ehemaliger Junkie, der sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf gezogen hat, okay, with a little help from his friends, aber immerhin: Er kriegt seinen Job auf die Reihe, versucht, ein guter Mensch zu sein und ist ansonsten freundlich-schrullig, besonders zu dieser veschrobenen Linden.

Screenshot: Mr. Robot eps1.2_d3bug.mkv

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Hier erkenne ich doch erstaunliche Parallelen zum Kapuzenpulli-Freak Elliot, der ja auch eine schwierige Vergangenheit hat, aber dank seiner besonderen Begabungen einen ernsthaften Job auf die Reihe kriegt und darin sogar so gut ist, dass seine Vorgesetzten ihn lieben, obwohl er mit der Gesellschaft nicht so richtig klar kommt und eben auch ein Junkie ist, wie sich mehr und mehr heraus stellt. Rami Malek spielt den Hacker Elliot Alderson ähnlich überzeugend, sensibel und unwiderstehlich wie Joel Kinnaman Detective Stephen Holder. Würde mich stark wundern, wenn diese Rolle für Rami Malek keinen vergleichbaren Karrieresprung mit sich bringen würde, wie die Rolle des Stephen Holder für Joel Kinnaman.

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