True Detective kriegt mit „Other Lives“ die Kurve

Es hat dieses Mal wirklich lange gedauert, aber mit der fünften Folge Other Lives hat die zweite Staffel von True Detective für mich endlich die Kurve gekriegt: Langsam bekommt alles einen Sinn. Die neue Folge setzt 66 Tage nach dem Vinci Massaker ein, wie die ausführliche Schießerei am Ende von Down Will Come inzwischen völlig zu recht genannt wird.

Wobei ich hier gleich wieder relativieren muss: Wenn ich mich recht entsinne, gab es am Ende der vierten Folge in Staffel eins dieses unglaubliche Finale von Rusties Undercover-Mission, wobei Rust auf dem Weg dahin so viele Drogen wegknallt, dass man sich ernsthaft Sorgen macht, dass er das Ende dieser Folge überhaupt erleben wird – zumal sein Partner Marty, der ihn ja im Zweifelsfall raushauen soll, auch nicht auf der Höhe ist. Das Finale ist aber auch für den Zuschauer ein einziger Rausch – ganz großes Kino für eine Fernsehproduktion. Im Vergleich dazu finde ich den Showdown von Down Will Come halt doch eher schwach – auch wenn Paul als alter Soldat endlich mal wieder richtig funktionieren darf und am Ende als einziger irgendwie mit der Situation klar kommt. Bisher war er ja eher die arme Wurst zwischen dem abgeklärten Ray Velcoro (Colin Farrell) und dem ambitionierten Foxterrier Ami (Rachel MacAdams).

True Detective Staffel 2 Other Lives via http://www.digitalspy.co.uk

True Detective Staffel 2 Other Lives via http://www.digitalspy.co.uk

Jetzt wird irgendwie ein Gleichstand zwischen unseren drei doch sehr unterschiedlichen Protagonisten erreicht: Ami und Ray werden degradiert, Paul (Taylor Kitsch) kann aufsteigen – auch wenn dieses Schaupielerinnen-Flittchen ihm aus welchen Gründe auch immer noch diesen Vergewaltigungs-Prozess reinwürgt. Wird die blöde Schlampe am Ende von irgendwem dafür geschmiert oder ist sie einfach nur sauer, dass ein Mann, der wie Taylor Kitsch aussieht, sie verschmäht hat?!

Ray hat seinen Job bei der Polizei an den Nagel gehängt (better to walk before they make you run) und arbeitet als – nun ja wie nennt man das? freischaffender Sicherheitsbeauftragter mit Ermittlungsbefugnis? für Frank Semyon. Er hofft damit genug Geld für den teuren Sorgenrechtsstreit um seinen Sohn aufzutreiben. Hier gibt es Entwicklungen, die fatal für Ray sind – der Vergewaltiger seiner damaligen Frau wurde durch einen DNS-Abgleich gefasst – und das Muster passt auf den Jungen. Ray kann somit nicht der Vater sein. All das löst bei Ray großes Entsetzen aus: Offenbar hat er vor Jahren einen furchtbaren Fehler gemacht.

Ani wurde strafversetzt und muss nun im Keller die Asservate hüten. Und als einzige Frau an einer Therapiegruppe gegen sexuelle Belästigung teilnehmen. Paul dagegen ist zum Detective aufgestiegen und muss feststellen, dass seine Mutter seine geheimen Ersparnisse aufgebraucht hat, mit denen er sein neues Leben mit seiner schwangeren Freundin Emily beginnen wollte. Probleme gibt es also für alle drei Protagonisten weiterhin genug – aber der Fall, der sie zusammengeführt hat, wird langsam interessanter: Der ermordete Ben Caspere besaß offenbar eine Festplatte, auf der belastendes Material gegen alle möglichen wichtigen Menschen aus der Gegend gespeichert war. Denn Caspere hatte gemeinsam mit dem Sohn des Bürgermeisters Tony Chessani dekadente Sexparties organisiert, wo es gewiss eine Menge zu filmen und fotografieren gab.

Vermutlich wurde er deshalb umgebracht – und wo diese Festplatte zu finden ist, da ist auch der wahre Mörder zu finden. Sofern nicht alles längst gelöscht und vernichtet oder an anderen Orten gespeichert ist. Und auch Frank hat ein gesteigertes Interesse daran, diese Festplatte zu finden – einer seiner ehemaligen Geschäftspartner des gescheiterten Bahnprojektes bietet ihm an, ihn wieder ins Boot zu holen, wenn es ihm gelänge, das Material zu finden. Das würde gewiss auch sein Frau freuen, die eigentlich nicht mit einem fucking gangster zusammen sein will.

Irgendwie bin ich mit der Beziehung der beiden echt nicht zufrieden – also nicht, dass das irgendwie alles total schief läuft – den Konflikt mit Marty, seiner Frau und seinen Töchtern in der ersten Staffel fand ich plausibel und nachvollziehbar, Beziehungsprobleme hat jeder, das ist völlig normal – aber diese Beziehung, das ist alles doch wirklich sehr krampfig: Frank und Jordan sind ja nun nicht mehr die jüngsten, kein Wunder, dass es mit der Fruchtbarkeit vorbei ist. Da muss man nicht mal effektvoll die Avocado-Büsche im Garten verdorren lassen – die beiden sind so fruchtbar wie eine abgefuckte Wüste.

Und meiner Meinung nach ist das auch gut so: Was für ein Krüppel muss ein Kind denn werden, wenn es einer solchen Erwartungshaltung genügen soll?! Also falls diese beiden jemals ein Kind bekommen sollten, wird es sich, sobald es laufen kann, in den nächsten Swimmingpool stürzen, um darin zu ertrinken, wenn es vermeiden will, dass es so ein abgefeimtes Arschloch wird wie sein Eltern.

Wobei das am Ende ja für die meisten gilt und sich gemessen daran erstaunlich wenig Menschen umbringen, in True Detective und auch im wahren Leben. Aber wenn ich in der Lage bin, mir derartige Gedanken zu machen, dann hat die Serie funktioniert. Und das spricht für sie. Ob ihr das glaubt oder nicht.

Was in dieser Folge der Knackpunkt ist: Die Staatsanwältin Katherine Davis (Michael Hyatt) holt Ani, Paul und Ray zusammen, um sie als inoffizielles Ermittler-Team auf die Aufklärung der korrupten Machenschaften in Vinci anzusetzen. Sie will wirklich wissen, was da läuft. Ani und Paul sind gleich dabei, schließlich ist genau das, was auch sie antreibt. Ray muss erst überzeugt werden, denn eigentlich fühlt er sich mehr Frank und seinem neuen Job verpflichtet. Doch als Davis verspricht, sich in seinem Sorgenrechtsstreit für ihn zu verwenden, kann sie auch Ray überzeugen. Der damit allerdings in Konflikt zu anderen Loyalitäten gerät – wir werden sehen, wohin das noch führt.

Aber jetzt will ich das auch wirklich wissen…

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