Mr. Robot – Staffelfinale verschoben

Ja, diese Welt ist schlecht. Und als ob man das nicht ohnehin schon wüsste, fällt deswegen auch noch die einzige Serie aus, die es sich aktuell zu sehen lohnt:

Screenshot von usanetwork.com

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Damit verschiebt sich meine Kritik über den letzten Teil natürlich auch um eine Woche…

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Retrokritik: Kaltblütig – Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord

Leider ist das Wetter nicht immer so, wie man es im Urlaub gern hätte – aber auch das ist heutzutage nicht wirklich ein Problem, weil es ja handliche Laptops und noch handlichere Speichermedien gibt, auf denen man ein Programm für Regentage mitnehmen kann. Den gestrigen Regentag habe ich genutzt, um mir den Klassiker Kaltblütig aus dem Jahr 1967 anzusehen, die Verfilmung des gleichnamigen Tatsachen-Romans von Truman Capote (Originaltitel: In Cold Blood, erschienen 1965), den ich vor einigen Jahren gelesen hatte und sehr interessant und aufschlussreich fand. Capote wollte mit diesem Roman beweisen, dass die Erzählung einer wahren Geschichte genauso spannend sein kann wie ein raffiniert konstruierter Thriller – und diese Geschichte ist nun wirklich ein Thriller der Sonderklasse.

Roman und Film handeln von einem wahren Verbrechen, der kaltblütigen Auslöschung einer kompletten Familie durch Perry Edward Smith und Richard (Dick) Eugene Hickock im November 1959. Die beiden ehemaligen Sträflinge haben im Gefängnis von einem weiteren Häftling gehört, dass ein gewisser Mr. Clutter, der eine große Farm in Holcomb, Kansas, besitzt, einen Tresor im Haus haben soll, in dem stets eine größere Menge Bargeld lagert.

Screenshot Kaltblütig: Dick (Scott Wilson)

Screenshot Kaltblütig: Dick (Scott Wilson)

Als beide wieder auf freiem Fuß sind, beschließen sie, dem Anwesen der Clutters einen Besuch abzustatten und mit dem geraubten Geld ein neues Leben in Mexiko anzufangen. Sowohl Perry (Robert Blake) als auch Richard (Scott Wilson) sind das, was man gemeinhin als verkrachte Existenzen bezeichnet. Perrys Mutter war eine erfolgreiche indianische Rodeoreiterin, die sich irgendwann dem Alkohol und Affären mit jüngeren Männern hingegeben hat, weil sie das elende Wanderleben und die ewigen Streitereien mit Perrys Vater Tex nicht mehr ertragen konnte.

Screenshot Kaltblütig: Perry (Robert Blake)

Screenshot Kaltblütig: Perry (Robert Blake)

Die Kinder, darunter auch Perry, leiden unter den Eskapaden ihrer Mutter und landen immer wieder im Heim, wo der Bettnässer Perry von den Nonnen gequält wird. Später zieht er mit seinem Vater nach Alaska, doch Tex ist weder als Goldsucher, noch als Inhaber einer Hütte, die er an Touristen vermieten will, erfolgreich. Eines Tages schießt der Vater im Streit auf den Sohn – doch das Gewehr ist nicht geladen. Perry macht sich auf, er kämpft im Koreakrieg und erleidet später bei einem Motorradunfall schwere Verletzungen an den Beinen, weshalb er von da an ständig Schmerzmittel braucht. Er hat ein aufbrausendes Temperament und landet wegen Totschlags im Gefängnis, wo er Richard kennen lernt.

Richard hatte eine vergleichsweise unauffällige Kindheit, stammt aber auch aus einfachen Verhältnissen. Sein krebskranker Vater hält ihn alles in allem für einen guten Jungen – Richard weiß, wie man sich gut kleidet und benimmt, deshalb ist er als Scheckbetrüger erstaunlich erfolgreich. Perry will nach seiner Zeit im Knast eigentlich nichts mit Richard zu tun haben. Doch als er nach seiner Haft einen anderen Bekannten, den er unbedingt noch einmal treffen wollte, nicht erreichen kann, lässt er sich von Richard überreden, bei der Sache mit den Clutters mitzumachen. Perry verstößt dafür auch gegen seine Entlassungsauflagen.

Screenshot Kaltblütig: Dick (Scott Wilson) und Perry (Robert Blake)

Screenshot Kaltblütig: Dick (Scott Wilson) und Perry (Robert Blake)

Die beiden machen sich auf den Weg und bereiten sich entsprechend vor – Richard hat eine Schrotflinte dabei, unterwegs besorgen sie Klebeband und ein Seil. Als sie nachts das Anwesen der Clutters erreichen, will Perry eigentlich lieber umkehren, bevor es zu spät ist – aber dann nehmen die Dinge ihre verhängnisvollen Lauf.

Im Film wird das Verbrechen an sich aber erst sehr viel später gezeigt, nachdem Perry und Richard verhaftet wurden und Perry erzählt, was passiert ist. Aber bis dahin hat der leitende Ermittler Detective Dewey (John Forsythe) und sein Team noch einiges zu tun.

Screenshot Kaltblütig: Detective Dewey (John Forsythe)

Screenshot Kaltblütig: Detective Dewey (John Forsythe)

Anders als jener Zellengenosse Richard erzählt hat, gibt es im Haus der Clutters keinen Safe – Mr. Clutter ist zwar wohlhabend, bezahlt aber alles mit Schecks. Bargeld gibt es kaum im Haus. Perry und Richard können das kaum fassen – und es kommt zu eben jenem „psychologischen Unfall“ wie später auch ein Gutachten ergeben wird – nämlich, dass weder Richard noch Perry für sich allein eine solche Bluttat begangen hätten, sie aber zusammen in diese Situation geraten, in den der eine den anderen immer weiter treibt, bis Perry den Farmer Herbert Clutter umbringt und die beiden danach auch seine Frau und ihre beiden fast erwachsenen Kinder töten. Und das alles für die äußerst geringe Ausbeute von gut 40 Dollar an Bargeld und einem transportablen Radio.

Screenshot Kaltblütig: Detective Dewey (John Forsythe) und Perry (Robert Blake)

Screenshot Kaltblütig: Detective Dewey (John Forsythe) und Perry (Robert Blake)


Insofern nützt ihnen auch ihre Flucht nach Mexiko erstmal wenig – weil sie kein Geld haben, beschließen sie, in die USA zurückzukehren. Aber jetzt machen sie weitere Fehler – sie stehlen ein Auto und beschaffen sich Geld mit Scheckbetrug. Die Polizei kommt ihnen auf die Spur – noch gibt es aber außer zwei blutigen Stiefelabdrücken, die von den Tätern stammen, noch wenig handfeste Beweise, um sie als Mörder zu verhaften. Als sie in Las Vegas das Paket mit ihren Sachen abholen, dass Perry aus Mexiko geschickt hat, werden sie vorgeblich wegen Autodiebstahl festgenommen. In den folgenden Verhören behaupten die Ermittler, dass es einen überlebenden Zeugen gebe. Richard verliert die Nerven und gesteht die Tat, behauptet allerdings, dass die Morde auf Perrys Konto gehen.

Screenshot Kaltblütig: Dick (Scott Wilson)

Screenshot Kaltblütig: Dick (Scott Wilson)


Also kommt es zum Prozess, in dem eine Jury die beiden als kaltblütige Mörder einer angesehenen Familie zum Tode verurteilt. Es dauert aber noch fast fünf Jahre, bis das Urteil vollstreckt wird. Der Drehbuchautor und Regisseur Richard Brooks hat die literarische Vorlage von Truman Capote, in der nach einer Erklärung für das unbegreifliche Verbrechen gesucht wird, in einem quasi dokumentarischen Stil umgesetzt: Der Film ist in Schwarzweiß gedreht und nimmt sich viel Zeit, die Geschichte und das Verhältnis, das Perry und Richard zueinander entwickeln, zu beschreiben. Dabei gibt es auch immer wieder Rückblenden, insbesondere in Perrys Kindheit, der schon früh und dann immer wieder mit viel Gewalt konfrontiert wurde, was letztlich auch als Erklärung für seine eigenen Gewaltausbrüche dient. Perry sagt selbst auch, dass die Clutters Zufallsopfer waren, er persönlich hatte überhaupt nichts gegen sie und eigentlich fand er sogar, dass Herbert Clutter ein ziemlich netter Mensch gewesen sei – bis er ihm die Kehle durchschnitt. Seine letzten Worte vor seiner Hinrichtung sind, dass er sich für das, was er getan hat, gern entschuldigen würde – allerdings wisse er nicht, bei wem.

Screenshot Kaltblütig: Perry mit seinem Psychologen

Screenshot Kaltblütig: Perry mit seinem Psychologen

Interessant auch, dass Richard selbst nachdem er zum Tode verurteilt wurde, Befürworter der Todesstrafe bleibt – „wie sollen die Leute sonst Rache nehmen?“ Letztlich nehmen beide ihre Strafe an – sie finden völlig in Ordnung, dass sie bestraft werden müssen – wenn auch vielleicht nicht mit dem Tod durch den Strang. Der Film stellt auch infrage, ob das alles so richtig ist. Ein junger Beamter, der bei der Hinrichtung dabei ist, fragt, wofür das jetzt alles gut war. Einer der Veteranen antwortet: Sechs Menschen wurden ermordet, vier unschuldige und zwei schuldige. Drei Familien seien zerstört worden, die Zeitungen hätten ihre Auflage erhöht, die Politik diskutiere einmal mehr über die Todesstrafe und am Ende ändere sich – wie immer – nichts.

Screenshot Kaltblütig: Dick findet die Todesstrafe weiterhin angemessen.

Screenshot Kaltblütig: Dick findet die Todesstrafe weiterhin angemessen.

Detective Dewey kritisiert auch die Presse, die die Täter schon verurteile, bevor sie überhaupt gefasst seien, nach deren Ergreifung aber der Polizei vorwerfe, dass sie zu brutal vorginge und Zweifel an den Ermittlungsergebnissen aufkommen ließe. Schließlich würden die Journalisten alles tun, um die Täter zu retten, auch wenn deren Schuld eigentlich zweifelsfrei erwiesen sei.

Alles in allem ein sehr nachdenklicher, aber auch intensiver Film. Ein echter Klassiker, der sich auf jeden Fall lohnt – nicht nur wegen der Geschichte selbst, die den zutreffenden Untertitel Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord trägt, sondern auch wegen der klassisch markant komponierten Schwarzweißbilder von Kameramann Conrad L. Hall und der dazu passenden Musik von Quincy Jones.

Screenshot Kaltblütig: Die Stunde der Wahrheit naht auch für Perry.

Screenshot Kaltblütig: Die Stunde der Wahrheit naht auch für Perry.

m1rr0r1ng.qt: Der Blick hinter den Spiegel

Wurden in der vergangenen Episode wh1ter0se.m4v mit jeder Antwort mehr neue Fragen aufgeworfen, so hat die Episode eps_1.8 m1rr0r1ng.qt die ganz große Frage nach der Identität oder vielmehr der Existenz Mr. Robot endlich beantwortet: Mr. Robot ist tatsächlich Elliots Vater – aber Edward Alderson ist tot. Er starb am 28. Februar 1995 im Alter von 45 Jahren.

Aber eins nach dem anderen: Die neue Folge setzt 1994 ein, wir sehen Edward Alderson in seinem Computerladen – und jetzt zeigt sich auch, dass der Titel der Serie von dem Schild des Ladens stammt, in dem Elliot einen offenbar recht großen Teil seiner Kindheit verbracht hat. Im Grunde sieht es in Elliots Wohnung gar nicht so viel anders aus, nur dass die Monitore bei ihm größer und flacher sind. Ein wütender Kunde kommt in den Reparatur-Shop und behauptet, dass Elliot ihm 20 Dollar geklaut habe. Als der Vater nicht so reagiert, wie der aufgeregte Mann erwartet hat, fängt er an, Edward zu beleidigen – doch der behält die Nerven und sitzt die Sache einfach aus. Schließlich verlässt der Mann entnervt den Laden.

Screenshot Mr Robot: Edward (Christian Slater) und Elliot Alderson.

Screenshot Mr Robot: Edward (Christian Slater) und Elliot Alderson.

Edward ruft Elliot zu sich, der zwar erst behauptet, das Geld nicht gestohlen zu haben, aber den fraglichen Geldschein nach einem ernsten Blick seines Vaters rausrückt. Auch jetzt reagiert Edward nicht, wie man erwarten würde: Er fragt seinen Sohn, welchen Film sie sich im Kino ansehen sollen – 20 Dollar würden ja wohl für einen netten Kinoabend reichen. Der verblüffte Elliot deutet auf Pulp Fiction und fragt seinen Vater, warum er jetzt keinen Ärger bekäme: „Auch wenn das, was du getan hast, falsch war, so bist du doch ein guter Junge!“ sagt der Vater und fügt hinzu: „Außerdem war der Kerl ein Arschloch.“

Screenshot Mr Robot: Edward Alderson (Christian Slater)

Screenshot Mr Robot: Edward Alderson (Christian Slater)

Edward Alderson hat ein für herkömmliche Moralvorstellungen ein ziemlich fragwürdiges, meiner Ansicht nach aber sehr sympathisches pädagogisches Konzept, das zumindest zum Teil erklärt, warum Elliot nicht so ist wie alle anderen. Dann gibt es aber den Sprung zurück in die Gegenwart und in Elliots schäbige und inzwischen ziemlich verkommene Wohnung, wo der noch immer völlig verstörte Elliot einmal mehr Antworten von seinem Vater verlangt. Gemeinsam mit ihm bricht er zu einem Trip in seine Kindheit auf, sie besuchen gemeinsam Elliots Elternhaus in der Vorstadt, und wir erfahren, dass es nicht Edward war, der Elliot aus dem Fenster geschubst hat, sondern Elliot das selbst getan hat, weil er wütend auf sich war – damit müsse er aufhören, erklärt sein Vater. Er sei lange genug wütend gewesen und solle endlich loslassen. Und Elliot lässt los.

Screenshot Mr Robot: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot: Darlene (Carly Chaikin)

Derweil ist Darlene auf der Suche nach ihrem Bruder – sie ahnt, in welchem Zustand er jetzt sein muss und macht sich völlig berechtigt große Sorgen. Sie bittet Angela, ihr bei der Suche nach Elliot zu helfen – schließlich habe sie ihn auch das letzten Mal gefunden, als er psychisch total durchgedreht sei. Angela hat zwar gerade andere Probleme – sie hat ihren Job bei Allsafe gekündigt, um sich voll auf die Arbeit an der Klage gegen E-Corp zu stürzen, aber ihre Anwältin erklärt ihr, dass sie keinesfalls daran mitarbeiten könne – macht aber mit. Doch als sie Elliot an den üblichen Orten, an denen er sich sonst versteckt, nicht findet, erklärt sie Darlene, dass Darlene ihrer Ansicht nach mit daran schuld sei, dass Elliot wieder total abdreht – schließlich ginge es ihm erst so schlecht, seit Darlene plötzlich wieder aufgetaucht sei. Das ist nicht von der Hand zu weisen: Wo war Darlene eigentlich die ganze Zeit, was hat sie so getrieben und warum ist sie jetzt wieder da?

Screenshot Mr Robot: Angela (Portia Doubleday)

Screenshot Mr Robot: Angela (Portia Doubleday)

Aber Darlene kann Angela natürlich nicht in die aktuellen fsociety-Aktivitäten einweihen. „Wenn du mir nicht sagen willst, was du und Elliot die ganze Zeit gemacht habt, ist das okay, aber bitte mich nicht wieder um Hilfe!“ sagt Angela. Aber sie ist später dann doch dabei, als auch Darlene in ihr Elternhaus zurückkehrt, um dort nach ihrem Bruder zu suchen. Als die beiden schnell abhauen müssen, weil der neue Hausbesitzer nach Hause kommt, entdecken sie Glasscherben unter dem Fenster von Elliots ehemaligen Zimmer: Das Fenster ist kaputt.

Screenshot Mr Robot: Gideon (Michel Gill) und sein Freund Harry (Randy Harrison)

Screenshot Mr Robot: Gideon (Michel Gill) und sein Freund Harry (Randy Harrison)

Derweil läuft es auch für andere nicht gut: Als Gideon die Festplatten abholen will, die Elliot am Tag zuvor zu Wiederherstellung gebracht hat, muss er feststellen, dass der Laden abgebrannt ist. Aber auch sonst sind es harte Zeiten für Allsafe, Gideon versucht alles, um die Firma zu retten, aber er ahnt, dass es nicht genug sein wird. Er will sich nicht einmal die Zeit nehmen, das liebevoll zubereitete Frühstück zu essen, das sein Liebhaber ihm ans Bett bringt – erstaunlicherweise ist Gideon derzeit der einzige, der noch ein funktionierendes Privatleben hat.

Denn für Tyrell Wellick läuft es noch schlechter. Seine Frau Joanna gesteht ihm, dass ihr Sohn nicht ihr erstes Kind sei, sondern sie als Teenager bereits eine Tochter zur Welt gebracht hat, die sie zur Adoption freigegeben und die Entscheidung seither bitter bereut habe. Doch der eigentliche Schlag kommt noch: Sie begehre ihn nicht mehr. Wenn Tyrell weiterhin Bestandteil ihrer Familie sein wolle, müsse er das reparieren. Aber weil ein Unglück ja nie allein kommt, verliert Tyrell auch noch seinen Job bei E-Corp.

Screenshot Mr Robot: Edward (Christian Slater) und Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot: Edward (Christian Slater) und Elliot (Rami Malek)

Hier wiederholt sich die Szene in Steel Mountain, als Tyrell auf der Toilette zu Elliot gesagt hat, dass er ihn zwar für jemand Besonderen halte, aber enttäuscht sei, dass Elliot aus so einem profanen Motiv wie Rache agiere. Ähnliches muss sich Tyrell jetzt von seinem Chef anhören. Und er verliert anders als Elliot völlig die Contenance und bettelt sogar um eine zweite Chance, was alles noch erbärmlicher macht: Für E-Corp ist Tyrell Wellick jetzt erledigt.

Screenshot Mr Robot: Edward (Christian Slater) und Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot: Edward (Christian Slater) und Elliot (Rami Malek)

Derweil hat Elliot Mr. Robot zu dem Friedhof geschleppt, auf dem sein Vater liegt und auch Darlene und Angela sind darauf gekommen, dass Elliot möglicherweise am Grab seines Vaters zu finden ist. Als Darlene Elliot fragt, mit wem er da eigentlich rede, dämmert ihm langsam, dass da wirklich niemand ist: Da ist nur der Grabstein von Edward Alderson – Mr. Robot existiert nur in Elliots Kopf. „Du hast es die ganze Zeit gewusst, nicht wahr?“ fragt er seinen imaginären Freund. „Und du willst, dass ich es jetzt ausspreche, nicht wahr?“ Nein, es gefällt Elliot ganz und gar nicht, was er jetzt realisiert hat: „Ich bin Mr. Robot!“

Screenshot Mr Robot: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr Robot: Elliot (Rami Malek)

Damit ist er auch nicht einfach der eigentlich gute und nur manchmal ein bisschen kriminelle kleine Hacker Elliot Alderson, der vom fiesen Mr. Robot dazu gebracht wird, zu tun, was er für fsociety halt tun muss, sondern er ist das Hirn von fsociety – wobei jetzt aber immer weniger klar ist, was denn eigentlich fsociety ist. Hat sich Elliot die anderen auch nur eingebildet? Gibt es am Ende nur ihn?

Das legt zumindest die letzte Szene nahe, in der Elliot Tyrell Wellick zu der verlassenen Arcade auf Coney Island führt, nachdem Tyrell in Elliots Wohnung aufgekreuzt ist und ihm gestanden hat, dass er ein Mörder ist. Tyrell hat ja ohnehin nichts mehr zu verlieren – insofern ist durchaus nachvollziehbar, dass er als alter Hacker jetzt bei Elliot mitmachen will – irgendwie hat er ihn ja zuvor schon bewundert und an seiner Seite wissen wollen. Nur hat Elliot sein Angebot ausgeschlagen, als Tyrell bei E-Corp noch etwas zu sagen hatte.

Screenshot Mr Robot: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr Robot: Darlene (Carly Chaikin)

Mir ist noch nicht ganz klar, warum Elliot ausgerechnet Tyrell ausgerechnet jetzt einweiht – wenn Elliot den ganzen fsociety-Hack, wie er Tyrell gegenüber behauptet, allein vorbereitet hat, warum holt er dann auf den letzten Drücker noch einen durch und durch fragwürdigen Typen wie Tyrell Wellick ins Boot? Wobei kann Tyrell ihm denn jetzt noch helfen? Und was ist mit Darlene? Und mit Whiterose und der Dark Army? Ja, es sind noch eine ganze Menge Fragen offengeblieben für den letzten Teil der Staffel. Und ich fürchte (und hoffe zugleich sehr), dass wir mit vielen Antworten noch auf weitere Staffeln warten müssen.

Screenshot Mr Robot: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr Robot: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Silicon Valley: Nerds unter sich

Das Silicon Valley ist der Nabel der digitalen Welt – insofern war eine Serie über dieses Tal südlich von San Francisco, von dem aus Apple, Google, Facebook und Co. um die Weltherrschaft streiten, mehr als überfällig. Hier findet der amerikanische Traum noch immer statt, und zwar in Reinkultur oder viel mehr: in seiner totalen Überspitzung – hier kann zwar nicht mehr der fleißige Tellerwäscher zum Millionär werden, aber der Nerd, der in der Garage seiner Eltern oder im total überteuerten WG-Zimmer eines bereits erfolgreichen Kumpels das nächste große Ding entwickelt.

Genau so eine Geschichte erzählt die HBO-Serie Silicon Valley: Richard Hendricks (Thomas Middleditch) arbeitet als Entwickler in der Software-Schmiede hooli. In seiner Freizeit bastelt er an einer eigenen Anwendung – wie eigentlich jeder hier. Ob es der Pizzabote oder der Angestellte im örtlichen Supermarkt ist, jeder hat hier schon eine mehr oder weniger geniale App in der Pipeline und wartet auf den großen Durchbruch. Die entscheidenden Frage dabei ist nur: „Bist du ein Jobs oder ein Wozniak?“

Silicon Valley: Richard (Thomas Middleditch) und Big Head (Josh Brener)

Silicon Valley: Richard (Thomas Middleditch) und Big Head (Josh Brener) – Bild: HBO

Richard ist ein Wozniak: Für seine Musik-App, die im Handumdrehen Songs auf urheberrechtlich problematisches Material untersuchen kann, hat Richard quasi nebenbei einen genialen Kompressions-Algorithmus entwickelt, der – im Gegensatz zur eigentlichen App – auf reges Interesse in der Szene stößt. Deshalb bietet Richards Chef, der Software-Milliardär Gavin Belson, mehrere Millionen Dollar dafür. Allerdings ist auch der nicht weniger legendäre Tech-Investor Peter Gregory inzwischen auf Richards Entwicklung aufmerksam geworden und macht ihm ein ganz anderes Angebot: Er bietet Richard einen Scheck über 200.000 Dollar und Hilfe bei der Start-up-Gründung an: Dann wäre Pied Piper Richards eigenes Ding, was immer später daraus würde. Richard ist mit einer solchen Entscheidung total überfordert, entscheidet sich schließlich sich aber, sein eigenes Ding zu machen („das ist es doch, das wollen wir hier doch alle!“) und schlägt zum Entsetzen seiner Mitbewohner in seiner Entwickler-WG die 10 Millionen aus, die Belson inzwischen bietet.

Allerdings sind die Jungs auch gleich wieder dabei, als es um die Firmengründung geht: Jeder hält sich für den unverzichtbarsten Bestandteil des künftigen Managements – nur Richards bester Freund Nelson „Big Head“ Bighetti (Josh Brener) nicht, der weder ein besonders guter Entwickler, noch sonst besonders begabt ist. Weil er aber so ein guter Freund von Richard ist, wirbt Belson ihn mit einem sehr guten Angebot zu hooli ab, weil er glaubt, dass Nelson hooli dabei helfen könne, Richards Algorithmus nachzubauen. Nelson hat allerdings keine Ahnung davon und somit bald nichts mehr zu tun, außer anwesend zu sein, um seinen Vertrag zu erfüllen, damit er in ein paar Jahren seine Optionen in hooli-Anteile umwandeln kann. Damit ist er im Grunde der Glückspilz der Serie – er hat ausgesorgt und wird nie mehr für sein Geld arbeiten müssen. Umgekehrt kann er aber seinen alten Freund Richard mit Interna aus dem hooli-Universum versorgen.

Silicon Valley: Jared (Zach Woods), Gilfoyle (Martin Starr), Dinesh (Kumail Nanjiani) und Richard (Thomas Middleditch)

Silicon Valley: Jared (Zach Woods), Gilfoyle (Martin Starr), Dinesh (Kumail Nanjiani) und Richard (Thomas Middleditch)- Bild: HBO

Richard hingegen muss endlich lernen, ein Arschloch zu sein, wie ihm Erlich Bachmann erklärt (T. J. Miller) erklärt, der schon erfolgreich ein Start-up gegründet und für eine Million verkauft hat – deshalb gehört ihm auch das schöne Haus, in dem die anderen Jungs mit ihm wohnen. Erlich bekommt als Gründer des „Incubator“ – wie er seine Techie-WG nennt, immer 10 Prozent an den Projekten, die seine Mieter unter seinem Dach gründen. Natürlich gehören ihm auch 10 Prozent von Pied Piper. Deshalb sieht Erlich sich automatisch als Mitgründer und künftiges Vorstandsmitglied an.

Ebenfalls mit von der Partie ist der Kanadier Bertram Gilfoyle (Martin Starr), der nicht nur ein wahnsinnig guter Programmierer und Netzwerkspezialist, sondern auch Satanist ist. Natürlich darf der Quoten-Inder Dinesh Chugtai (Kumail Nanjiani) nicht fehlen, auch wenn er in diesem Fall Pakistani ist und gelegentlich als Mexikaner herhalten muss, wenn es um den Geschäftserfolg geht. Und weil die Jungs alle echte Nerds sind, brauchen sie auch jemanden, der sich im wahren Geschäftsleben auskennt. Das ist Donald (Jared) Dunn (Zach Woods) , der erst Assistent von Gavin Belson ist, dann aber zu Pied Piper überläuft, um sich dort um den Papierkram zu kümmern. Jareds Schicksal ist es, ständig übersehen und vergessen zu werden, obwohl seine Arbeit für den Geschäftserfolg nicht weniger unverzichtbar ist, als die Arbeit der Entwickler. Und dann gibt es natürlich noch Monica (Amanda Crew), die geschickte und sehr hübsche Assistentin von Peter Gregory, die mit ihrer diplomatischen Art dafür sorgt, dass ihr überaus arschiger Chef immer bekommt, was er will.

Silicon Valley:  Richard (Thomas Middleditch) muss auf die Hilfe des minderjährigen Kevin zurückgreifen

Silicon Valley: Richard (Thomas Middleditch) muss auf die Hilfe des minderjährigen Kevin zurückgreifen – Bild: HBO

Überhaupt muss Richard mit der Zeit feststellen, dass es bei dem erbitterten Wettstreit zwischen den Milliardären Gavin Belson und Peter Gregory keineswegs um ihn oder sein Produkt geht, sondern darum, dass die beiden einfach einen Wahnsinnsspaß daran haben, sich gegenseitig zu demütigen – da kann man dem anderen ruhig mal für ein paar Millionen ein interessantes Start-up vor der Nase wegkaufen und dann einfach fallen lassen oder dem anderen für einen ähnlichen Betrag den Top-Mitarbeiter ausspannen, den der gerade für sein neues Hobby gebraucht hätte.

Aber Richard hat natürlich ganz andere Probleme, denn natürlich fällt es ihm schwer, Firmenchef und damit Arschloch zu sein und noch schwerer fällt es ihm, zu überblicken, auf was er sich da überhaupt eingelassen hat. Aber eins wird ihm binnen kürzester Zeit klar: Nämlich, wie bescheuert es war, die 10 Millionen von Belson auszuschlagen. Dennoch schlägt er sich weiterhin tapfer, auch wenn er vor allen wichtigen Terminen wie ein Reiher kotzt und auch sonst immer wieder völlig idiotisch agiert.

Weil er keine Ahnung hat, wie man eine Firma gründet, kann er nicht einmal den auf sein Unternehmen ausgestellten Scheck von Peter Gregory einlösen – Pied Piper ist im Grunde schon pleite, bevor es überhaupt gestartet ist, und weil das allein noch nicht schlimm genug ist, hat hooli inzwischen auch Richards Kompressionsalgorithmus nachgebaut und mit allerlei praktischen Erweiterungen versehen: Auf der kommenden TechCrunsh Disrupt will Gavin das Projekt „Nucleus“ ganz groß vorstellen. Damit ist Pied Piper ohnehin erledigt – denn was können die Jungs gegen eine solche Konkurrenz schon ausrichten? Aber Richard ist eben Richard und er bastelt besessen weiter – und seine Kumpels machen mit, ihre Existenz hängt an Richards Erfolg. Außerdem können sie eben gar nichts anderes.

Silicon Valley: Gilfoyle (Martin Starr)

Silicon Valley: Gilfoyle (Martin Starr) – Bild: HBO

Insbesondere in der letzten der acht Folgen der ersten Staffel wird das auf den Punkt gebracht: Durch einen blöden Zufall wurde Pied Piper für den Start-up-Wettbewerb auf der TechCrunsh Disrupt angemeldet, obwohl sie doch eigentlich schon eine Finanzierung haben – zumindest denken das alle. Aber die Jungs müssen das Ding jetzt gewinnen, sonst sind sie weg vom Fenster. Natürlich gibt es Komplikationen ohne Ende, aber durch einen weiteren (un)glücklichen Zufall wird die ohnehin nicht perfekte Präsentation des Pied-Piper-Teams durch ein eifersüchtiges Jurymitglied unterbrochen, so dass die Jungs als Entschädigung in die Endrunde durchgewirkt werden.

Obermotivator Erlich erklärt, dass ein Misserfolg ganz ausgeschlossen sei, und wenn er allen 800 Entwicklern im Saal persönlich einen runter holen müsste – woraufhin sich das ganze Team umgehend mit der brennenden Frage beschäftigt, in welcher Zeit mit welchen Optimierungen das zu machen sei – Nerds eben. Aber genau durch diese Schwachsinnseinlage kommt Richard auf den entscheidenden Gedanken zur Verbesserung seines Algorithmus: Nicht von oben nach unten oder von unten nach oben, sondern von der Mitte aus gleichzeitig in alle Richtungen soll er komprimieren. Richard arbeitet die ganze Nacht an seinem Code und wird gerade rechtzeitig zur Präsentation fertig – allerdings präsentiert Pied Piper ein ungetestetes Produkt und es wird noch einmal entsprechend spannend.

Silicon Valley: Jared  (Zach Woods), Gilfoyle (Martin Starr), Erlich (T. J. Miller, Dinesh (Kumail Nanjiani) und Richard (Thomas Middleditch)

Silicon Valley: Jared (Zach Woods), Gilfoyle (Martin Starr), Erlich (T. J. Miller, Dinesh (Kumail Nanjiani) und Richard (Thomas Middleditch) – Bild: HBO

Alles in allem eine nette Zwischendurch-Serie nicht nur für Nerds – ich würde Silicon Valley zwischen The IT Crowd und Big Bang Theorie einordnen, es ist eindeutig mehr Comedy als Tech. Eine Art spaßiger Zweitaufguß von Halt and Catch Fire, was ja doch eine durchaus ernstzunehmende Retro-Serie über die aufkeimende Goldgräberstimmung in der IT-Branche der frühen 80er Jahre ist. Keinesfalls handelt es sich um ein komplexes und tierschürfendes Gesellschaftsdrama wie Mr. Robot, das zum einen in oft sehr realistischen Szenarien demonstriert, was derzeit technisch möglich ist, und gleichzeitig hinterfragt, wie weit eine Gesellschaft denn wünschenswert ist, die eben so funktioniert, wie unsere Gesellschaft funktioniert.

In Silicon Valley wird nichts hinterfragt, hier wird, ein wenig überspitzt, einfach gezeigt, was Sache ist. Und wenn auch „wir wollen die Welt mit unserem Produkt zu einem besseren Ort machen!“ als Mantra für jedes verdammte Produkt wiederholt wird, das in dieser Serie entwickelt und vorgestellt wird, so absurd es im Detail jeweils sein mag, so ist es letztlich doch total okay, Geld damit zu verdienen. Denn das ist das Ziel von allem – und in dieser Sache ist Silicon Valley absolut realistisch und deshalb dann leider doch gar nicht dermaßen witzig.

wh1ter0se.m4v: Wer ist Elliot?

Das war sie also, die berühmte weiße Rose – eigentlich klar, dass kein männlicher Hacker sich so nennen würde. Also eine unsagbar abgefeimte Chinesin, gegen die der auch oft unmenschlich rationale Elliot wie ein unsicheres Vorschulkind wirkt – „du hackst Menschen, ich hacke Zeit“ erklärt sie Elliot, und dass er ihr immerhin drei Minuten ihrer unglaublich kostbaren Zeit wert ist – aber gewiss nicht mehr. Und sie gibt diesen Zeitdruck an Elliot weiter, der jetzt nur noch 50 Stunden und 23 Minuten Zeit hat, um den Hack der Hacks vorzubreiten und die Welt zu verändern. Und er muss bis dahin noch eine ganze Menge Probleme lösen – auch welche, von denen er bis zu diesem etwas einseitigen Dialog mit der exzentrischen Hackerqueen keine Ahnung hatte. Etwa, dass sein Chef Gideon in dem von der fsociety infiltrierten Server CS30 eine Honigfalle installiert hat, um herauszufinden, ob die Hacker noch im System sind und vor allem, um ihnen, falls sie es sind, endlich auf die Spur zu kommen.

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Darlene (Carly Chaikin)

Und auch Tyrell Wellick weiß offenbar einiges, wie eine Begegnung zwischen ihm und Mr. Robot nahelegt, auch wenn er sein Wissen offenbar nicht so einsetzen kann, wie er gern würde. Tyrell hat derzeit wirklich andere Probleme, und auch wenn er einerseits an der fsociety-Sache dran ist, so hat er doch erst einmal die Polizei auf dem Hals – es war ziemlich dumm, die Frau von seinem Konkurrenten umzubringen, und mich wundert, dass Tyrell solche Fehler macht: Offenbar ist er doch sehr viel menschlicher, als er von sich glaubt. Immerhin bekommt seine eigene Frau jetzt einen Namen: Joanna. Und er erkennt auch, dass er sich ein anderen Sache geirrt hat: Nämlich, dass ein kleiner Angestellter einen großen Boss aus Rache ans Bein gepisst hat. Elliot hat etwas sehr viel Größeres vor – was ja auch der Fall ist. Die Frage ist, auf welche Weise Tyrell Wellick Teil davon werden kann.

Überhaupt: Fragen über Fragen. Das Verzwickte am Fortgang der Handlung in jeder neuen Folge ist, dass je mehr wir erfahren, alles immer noch verrückter wird. Am Anfang von wh1ter0se.m4v sieht man Darlene im Apartment eines offenbar sehr reichen Lovers, der, wie er selbst über sich sagt, einen Haufen Geld damit verdient, schlauer zu sein als die anderen. Er geht zur Arbeit, Darlene sucht, findet und hackt den Safe (was nicht allzu schwer war) und nimmt die Pistole mit, die sie darin findet.

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Angela (Portia Doubleday)

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Angela (Portia Doubleday)

Und dann geht sie zum Ballettunterricht und trifft dort Angela. Ich bin lange Zeit selbst zum Ballettunterricht gegangen und bin ein großer Fan von Black Swan, insofern war ich sehr angetan von dieser Sequenz: Angela als weißer und Darlene als schwarzer Schwan – grandiose Idee. Wobei ich es – erstmal – überraschend fand, dass die beiden sich offenbar gut kennen: Darlene bekommt mit, dass Angela mit Ollie telefoniert: „Du willst doch nicht etwa zu ihm zurück?!“ „Jesus, nein!“ Und dann reden sie ganz vertraulich über Elliot, um den sich beide Sorgen machen.

Elliot hingegen hat weiter an dem Plan gearbeitet, Steel Mountain und zeitgleich die fünf weiteren Hochsicherheitsrechenzentren zu hacken – die günstigerweise alle mit der gleichen Klimatisierungstechnik ausgerüstet sind und somit alle an dem Netzwerk hängen, in dem Elliot den Raspberry Pi installiert hat. Es sind wieder alle an Bord, auch Mobley, Romero und Trenton, selbst Ollie bekommt einen Part in der großen Verschwörung, auch wenn ihm das überhaupt nicht klar ist: Ausgerechnet Ollie ist derjenige, der für Elliot das klandestine Treffen mit Whiterose einfädeln soll, und weil Elliot spürt, dass Ollie Wahnsinnsschiss hat, lässt er sich darauf ein, weil es offenbar wichtig ist. Und Elliot hat inzwischen herausgefunden, dass Angela auch irgendwas damit zu tun hat – aber was? Das erklärt Angela ihm kurz darauf auch selbst: Dass sie und Ollie gehackt und erpresst worden sind. Natürlich fragt Elliot gleich, warum sie damit nicht zu ihm gekommen sei, er hätte bestimmt helfen können. „Das bin ich doch – aber du warst ja nicht da! Du bist überhaupt nicht mehr da – und ich vermisse uns!“

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Darlene (Carly Chaikin)Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Darlene (Carly Chaikin)Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Darlene (Carly Chaikin)

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Darlene (Carly Chaikin)

Aber Elliot hat keine Zeit, sich um vernachlässigte Freundschaften zu kümmern, er muss zum Treffen mit Whiterose. Und danach spitzen sich die Dinge sehr schnell zu – Elliot muss bei Allsafe an Gideons Smartphone kommen, um die Honigfalle zu deinstallieren – und er benutzt die Telefonnummer, die Darlene ihm gegeben hat, obwohl das total gegen die Regeln von Mr. Robot verstößt: „Unsere Nummern nicht zu haben, war, um fsociety zu schützen. Jetzt geht es darum, uns gegenseitig zu beschützen!“ Und es wird sich bald zeigen, warum Darlene so versessen darauf ist, Elliot beschützen zu wollen.

Auf Darlene ist jetzt auch wieder Verlass, sie kreiert bei Allsafe eine Ablenkung für Elliot, die ganze Firma versammelt sich vor dem Fernseher, auf dem eine persönliche Nachricht von fsociety an Gideon Goddard von Allsafe zu sehen ist: Alle, bis auf Elliot – der sitzt an seinem Arbeitsplatz und ist wahnsinnig beschäftigt. Gideon weiß zwar nicht mit was, aber er sieht seinen Verdacht bestätigt – auch wenn er eigentlich total viel von Elliot hält, so ist jetzt klar, dass Elliot etwas anderes als eine Zukunft für Allsafe im Sinn hat. Aber Elliots Job bei Allsafe ist so oder so erledigt, er hat getan, was er tun musste und jetzt können die Dinge ihren Lauf nehmen: fsociety wird rechtzeitig zum Angriff bereit sein.

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Elliot (Rami Malek)

Nachts trifft er Darlene, um ihr mitzuteilen, dass alles nach Plan läuft – und jetzt kommt der eigentliche Schockmoment für diese Episode: Die beiden freuen sich gemeinsam, wie gut sie das alles bisher hinbekommen haben und Darlene sagt Elliot, dass er der beste Mensch sei, den sie kenne, und ob er überhaupt wisse, wie sehr sie ihn liebe? Wie zu erwarten war, ist Elliot mit so viel Emotion total überfordert und entscheidet sich schließlich für etwas, das bei Shayla schon einmal gut funktioniert hat: Er küsst Darlene. Aber Darlene rastet total aus und stößt ihn wütend zurück: „Hast du schon wieder vergessen wer ich bin?!“

Elliot ist verstört – offenbar hat er das wirklich, auch wenn er sich bemüht, sich und Darlene zu beweisen, dass das nicht so ist. „Du bist Darlene!“ sagt er und man sieht ihm an, dass es eine Frage ist, und Darlene leidet ganz offensichtlich – „Ich muss jetzt wirklich wissen, ob du weißt, wer ich bin!“ Und es ist ganz offensichtlich, wie Elliot etwas dämmert (Rami Malek ist einfach gut darin, wie der kucken kann…), etwas Ungeheuerliches: „Ich weiß, was sie gleich sagen wird…“ Die offenbar sehr tief vergrabene Erinnerung trifft ihn wie ein Hammerschlag: „Du bist meine Schwester!“

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Tyrell Wellick (Martin Wallström)

Ja, einerseits der Hammer, andererseits wird plötzlich so vieles klar – deshalb ist Darlene immer da, wenn Elliot sie braucht, deshalb kennen sie und Angela sich so gut, deshalb taucht Darlene immer wieder in Elliots Wohnung auf und deshalb bricht sie die heiligen Regeln der fsociety: Elliot ist ihr Bruder.

Aber gleichzeitig fragt man sich auch, was zum Teufel mit Elliot passiert ist, wenn er sich nicht einmal mehr an seine eigene Schwester erinnern kann? Das fragt sich Elliot auch, der in wilder Panik nach Hause fährt und sogar seinem selbst erfundenen Freund nicht mehr traut: Er klemmt uns einfach das Bild ab.

Zuhause angekommen, zerschlägt er erstmal den Spiegel, weil er seinen Anblick nicht erträgt und beschließt, Elliot Alderson zu hacken – wer ist dieser Typ eigentlich? Und er findet – nichts. Hier wiederholt sich die Traumsequenz aus dem vierten Teil, wo statt der Erinnerung an seine Familie und sein Elternhaus nur ein 404-Fehler auftauchte. Aber jetzt ist alles viel panischer, dunkler, blutiger. Gerade weil wir jetzt wissen, dass das kleine Mädchen auf dem Roller, das „Bruder Jakob“ gesummt hat, Darlene gewesen sein muss: Elliot hat sie nicht erkannt.

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Gideon (Michel Gill)

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Gideon (Michel Gill)

Elliot sucht in seiner CD-Sammlung nach Erinnerungen und findet eine umbeschriftete CD. Und nach dem Schock mit Darlene ist der weitere Schock jetzt konsequent: Auf der CD sind Bilder, die Mr. Robot als Familienvater zeigen – Elliot und Darlene als Kinder. Sie sahen einmal wie eine ganz normale Familie aus. Ist das jetzt ein weiterer Alptraum oder ist Mr. Robot tatsächlich Elliots Vater? Jedenfalls klopft er plötzlich bei Elliot an die Tür: „We should talk!“ Aber worüber, erfahren wir erst im nächsten Teil.

Ich bin ein bisschen hin-und-her-gerissen: Dass Darlene Elliots Schwester ist, finde ich im Grunde nachvollziehbar, diese Wendung ist für mich durchaus gelungen: Darlene und Elliot sind sich im Grunde ja recht ähnlich, beide sind sehr talentierte Hacker und auf ihre Weise asozial – nur dass Darlene alltagstauglicher ist als ihr soziophober und gedächtnisgestörter Bruder.

Aber Mr. Robot als Vater der beiden? Das ist mir dann doch zu sehr Family Business. Aber mal sehen, wie das erklärt wird. Und vor allem will ich wissen, was so denn so Traumatisches mit Elliot passiert ist, dass er nicht mehr weiß, wer er ist und sich auch nicht mehr an seine Familie erinnern kann.

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Gideon (Michel Gill)

Screenshot Mr. Robot wh1ter0se.m4v: Elliot (Rami Malek) und Mr. Robot (Christian Slater)

Rampart – Meditation über den Weg nach unten

Filme über entgleiste Cops sind nicht unbedingt mein Lieblingsgenre. Das geht mir oft zu sehr in Richtung Psychopathentriller, die ich auch nicht mag: Brutale Exzesse nur um der Gewalt willen oder der Faszination am Bösen wegen oder was immer damit zum Ausdruck gebracht werden soll, sehe ich mir einfach nicht gerne an. Wobei Gewalt natürlich sein muss, wo sie sein muss – wir leben in einer extrem gewalttätigen Welt und es ist keineswegs so, dass ich kein Blut sehen kann. Aber ich hasse Filme, in denen Gewalt ohne Sinn ausführlich zelebriert wird – das muss echt nicht sein.

Es gibt aber Ausnahmen. Etwa das Sozialdrama Rampart, das den Cop Dave Brown von der Rampart Division des LAPD auf seinem doch schon recht kurzen Weg nach unten begleitet. Insgesamt passiert nicht so wahnsinnig viel in diesem Film, statt spektakulärer Gewaltexzesse gibt es „nur“ die alltägliche Polizeigewalt – der Amoklauf des Dave Brown ist kein einmaliger eruptiver Gewaltausbruch eines bis dahin angepassten Bürgers, der einfach kein anderes Ventil mehr findet, sondern er findet sozusagen die ganze Zeit über im Alltag statt.

Rampart: Woody Harrelson als entgleisender Cop

Rampart: Woody Harrelson als entgleisender Cop

Dave (großartig gegeben vom Berufscholeriker Woody Harrelson) ist ein selbstbezogenes Arschloch mit einem ausgeprägten Ordnungssinn: Sein Auftrag ist es, auf den Straßen von Los Angeles für Ordnung zu sorgen. Und um diesen Auftrag zu erfüllen, ist so ziemlich alles erlaubt. Inklusive dem Schikanieren von Anfängerinnen im Polizeidienst, denen Dave erstmal beibringt, dass man, was man bestellt hat, verdammt noch mal auch aufessen muss.

Natürlich hat Dave sehr eigene Vorstellungen von Ordnung – so ist sein Privatleben ein ziemliches Chaos: Er war erst mit der einen, dann mit der anderen Schwester verheiratet, die beide jeweils eine Tochter mit ihm haben und in benachbarten Häusern leben. Sie haben alle die Nase voll von ihm und wollen eigentlich nur raus, wo anders ein neues Leben anfangen – aber Dave lässt nicht es nicht zu: Er will weder die eine, noch die andere Exfrau loslassen. Dabei ist er nachts ohnehin meisten unterwegs, wenn nicht auf Streife, dann auf der Suche nach einem Abenteuer – denn Dave ist ein Typ, der Frauen gefällt, trotz (oder wegen?) seiner Chauvi-Tour.

Eines Tages wird er in seinem Streifenwagen von einem anderen Wagen angefahren – wütend verfolgt Dave den Unfallverursacher, den er schließlich stellt und brutal verprügelt. Allerdings wird dieser Gewaltausbruch gefilmt und gelangt ins Internet – es dauert nicht lange, und das Video mit Dave Prügelattacke läuft auf allen Fernsehkanälen. Natürlich kann dieses Beispiel von Polizeigewalt auch von den gutmütigsten Vorgesetzten weder ignoriert, noch wegerklärt werden. Zwar stehen die meisten Kollegen hinter Dave, aber weil das Vertrauen der Bevölkerung wegen eines Korruptionsskandals ohnehin erschüttert ist, wird Dave bei der nun eingeleiteten internen Untersuchung nahegelegt, in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen.

Dave lehnt empört ab: Als Sündenbock will er nicht herhalten. Außerdem weiß er gar nicht, was er sonst tun soll. Also setzt er alles daran, im Dienst zu bleiben – auch wenn er dafür sämtliche Register ziehen muss. So erpresst er einen Apotheker, der ihn mit Beruhigungs- und Aufputschmitteln versorgen soll und Geld für seine Verteidigung braucht er natürlich auch. Ein alter Freund seines Vater gibt ihm einen Tipp: Illegales Glücksspiel in einer abgelegenen Bruchbude. Als Dave die Spielrunde beobachtet, werden die Spieler von zwei Räubern um ihre gesamte Kohle erleichtert, Dave verfolgt die Räuber und erschießt einen von ihnen. Den anderen lässt er entkommen, nachdem er ihm das Geld abgenommen hat.

Auch privat läuft es immer schlechter – zwar hat Dave auf seiner Sauftouren die attraktive Anwältin Linda (Robin Wright) kennengelernt, aber seine Ex-Frauen haben ihn nun endgültig rausgeworfen und er muss in ein Hotel ziehen. Auch fürchtet er inzwischen, dass Linda nur eine Affäre mit ihm angefangen hat, um ihn auszuhorchen – wie er herausfindet, ist sie als Anwältin in einem seiner alten Fälle tätig. Zwar versucht Dave zumindest äußerlich irgendeine Ordnung aufrecht zu erhalten, er ist immer wieder in Uniform in seinem Streifenwagen zu sehen, doch die coole verspiegelte Cop-Sonnenbrille kommt immer weniger zum Einsatz, dafür sieht man seine häufig blutunterlaufenden graublauen Augen, in denen sich zunehmend der Wahnsinn abzeichnet, der in seinem Innern tobt: „Sehen Sie, ich bin kein Rassist“, erklärt er dem Ermittler Kyle Timkins (Ice Cube) schließlich, „ich hasse alle Menschen gleich.“

Und daran ändert sich auch nichts mehr. Alles in allem ein sehr – ja doch: meditativer Film über den folgerichtigen Niedergang eines Arschlochs, der sich alles, was ihm widerfährt, selbst zuzuschreiben hat und nicht bereit ist, irgendetwas daraus zu lernen. Genau das finde ich dann aber auch gut daran – hier gibt es nichts zu lernen, hier findet einfach etwas statt, wobei sich das meiste davon im Kopf von Dave Brown abspielt, der einfach nicht einsehen will, dass die Welt nicht so funktioniert, wie er das gern hätte und sich als cholerischer Starrkopf lieber komplett ruiniert als sich zu ändern. Ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber für Woody-Harrelson-Fans eigentlich ein Muss.

eps1.6_v1ew-s0urce.flv: Disintegration

Nach dem schrecklichen Ende der Folge zuvor hatte ich fast ein wenig Angst jetzt weiter zu machen. Aber ich bin ja hartgesottener Breaking-Bad-Fan und ich finde durchaus, dass Mr. Robot das Spitzen-Niveau dieser Serie auf eigene Weise erreicht – und was meinen persönlichen Geschmack angeht, in einigen Details sogar übertrifft.

Aber jetzt wird es bei mir auch wirklich sehr persönlich – das ist mir vollkommen klar. Aber allein diese Eingangssequenz von eps1.6_v1ew-s0urce.flv, in der Elliot sich an seine erste Begegnung mit Shayla erinnert, die ist einfach genial. Nicht nur, dass wir erfahren, wie Elliot an seinen merkwürdigen Fisch QWERTY gekommen ist – er war ein Geschenk von Shaylas sechsjähriger Nichte. Und Shayla hat sich, um den Fisch zu retten, an ihren neuen Nachbarn Elliot gewandt, von dem sie noch gar nicht wusste, dass es eben Elliot ist.

Screenshot Mr. Robot - v1ew-s0urce: Shayla (Frankie Shaw)

Screenshot Mr. Robot – v1ew-s0urce: Shayla (Frankie Shaw)

Screenshot Mr. Robot - v1ew-s0urce: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot – v1ew-s0urce: Elliot (Rami Malek)

Wir erfahren jetzt auch, was Shayla an Elliot interessant fand. Und umgekehrt – obwohl Elliot genau das natürlich nur indirekt preis gibt. Er ist halt ein eigenartiger Typ, aber ehrlich. Und das findet Shayla gut – und während sie sich mit ihm unterhält, hört sie The Cure – ausgerechnet. Wieviele Tage, Wochen, vermutlich Monate meines Lebens habe ich damit verbracht, The Cure zu hören? Ich weiß es nicht, aber gerade Disintegration kenne ich vorwärts, rückwärts und überhaupt.

Andererseits überrascht mich das auch wieder – ich bin doch nun einiges älter als Shayla, Elliot und Serien-Schreiber Sam Email – ich war wirklich ein einsamer, depressiver Teenie in den 80ern, als The Cure ihre Karriere starteten. Und ich war eine einsame, depressive Studentin, als Disintegration im Jahr 1989 erschien. Insofern war ich nach den ersten 10 Minuten von eps_1.6 v1ew-s0urce.flv emotional quasi schon komplett ausgeblutet – der Dialog von Elliot und Shayla, die sich gerade kennenlernen, unterlegt mit den Textzeilen von Pictures Of You – darin ist tatsächlich auch das ganze Dilemma ihrer Begegnung enthalten: Grandios.

Screenshot Mr. Robot - v1ew-s0urce: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot – v1ew-s0urce: Elliot (Rami Malek)

Vermutlich hätte es mit einem anderen Song von einer anderen Band nicht so gut funktioniert – aber deshalb kommt ja genau dieses Stück und ich bin schon wieder total hin und weg. Und es wird danach ja nicht schlechter, im Gegenteil. Angela zieht tatsächlich ihr Ding durch und schafft es, ein Gespräch mit Terry Colby zu bekommen. Klar, unter Bedingungen, aber wie es eben so ist, wenn es einem wirklich wichtig ist – sie kriegt es hin. Sie will einfach wissen, wie sich so ein Mensch fühlt, wenn er Kosten und Nutzen, Chancen und Risiken gegeneinander abwägt, und dann eben beschließt: Scheiß auf den Giftmüll, scheiß auf die Leute, was sein muss, muss sein – und natürlich muss es der Firma und der Karriere nutzen und nicht den Menschen. Die werden eventuell auch krepieren. So funktioniert es nun einmal.

Angela ist auch entsprechend von der Rolle: „Also Sie waren betrunken und haben Krabben-Cocktail gegessen, als Sie beschlossen haben, dass meine Mutter sterben muss?!“ Und Terry Colby zuckt mit den Achseln: „Sie verstehen nicht, wie die Welt funktioniert!“

Screenshot Mr. Robot - v1ew-s0urce: Shayla (Frankie Shaw)

Screenshot Mr. Robot – v1ew-s0urce: Shayla (Frankie Shaw)

Und Angela besteht drauf, dass Terry ihr erklärt, wie diese Welt funktioniert – man trifft eine Entscheidung, geht nach Hause, isst das Abendessen und weiß, dass der nächste Tag kommt. So ist es nun einmal. Die einen entscheiden, die anderen sterben – Angela will Gerechtigkeit und eckt damit dann wieder bei ihrem immer wieder aufs Neue erstaunlich engagierten Vorgesetzten Gideon an, der ihr klar macht, was es heißt, wenn sie ihr Ding durchzieht: Allsafe wird untergehen. Und alle werden ihre Jobs verlieren. Und viele Familien ihr Einkommen, das sie dank Allsafe haben.

Nein, ein Selbstläufer-Gerechtigkeits-Ding wird es nicht, was Angela da vor hat. Überhaupt Gideon: Er besteht auch darauf, dass Elliot eine Auszeit nimmt, jetzt, nachdem seine Freundin Shayla ermordet wurde. Das ist natürlich das Letzte, was Elliot will: Womit soll er sich denn sonst ablenken – er vermisst Shayla, er weiß, dass er ihren Tod verschuldet hat und er hat ja sonst nichts in dieser Welt – außer QWERTY und Flipper, mit der er zum Tierarzt muss, weil sie einen der Computerchips gefressen hat, nachdem er mal wieder seinen Computer zerstört hat, um alle Spuren von Shayla zu beseitigen.

Screenshot Mr. Robot - v1ew-s0urce: Shayla (Frankie Shaw) und Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot – v1ew-s0urce: Shayla (Frankie Shaw) und Elliot (Rami Malek)

Derweil versucht Mr. Robot die Gang wieder zusammen zu bringen – er hat die Revolution noch nicht abgeschrieben und wir erfahren endlich auch mehr über die anderen Menschen bei fsociety, etwa über Trenton, deren Eltern aus dem Iran in die USA kamen und ständig Dinge tun müssen, die sie eigentlich gar nicht tun wollen, aber sie haben halt keine andere Wahl – und trotzdem hören sie nicht damit auf, die USA zu loben.

Ja und dann Tyrell Wellick – hier laufen die Dinge jetzt entgültig aus dem Ruder. Wichtiger fand ich aber, dass Elliot sich die Ermahnung seiner Psychologin zu Herzen genommen hat, die ihm am Anfang mitgeteilt hat, dass sie bereit ist, Elliots Behandlung als beendet zu erklären – wobei sie durchblicken lässt, dass sie schon der Ansicht ist, dass Elliot noch Hilfe braucht, sie ihm aber nicht helfen kann, wenn er sie im Unklaren lässt, was überhaupt mit ihm los ist. Elliot nimmt die Papiere und geht – um am Ende der Folge unangemeldet bei Krista aufzutauchen, weil er beschlossen hat, mit ihr zu reden. Und Krista bietet ihm an, ihm gleich eine Sitzung zu geben, bevor der erste angemeldete Patient kommt.

Screenshot Mr. Robot - v1ew-s0urce: Shayla (Frankie Shaw) und Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot – v1ew-s0urce: Elliot (Rami Malek)

Und jetzt packt Elliot aus – zu Kristas zunehmendem Entsetzen: Er gibt zu, dass er sie belogen hat, erklärt aber auch, dass sie das doch auch tun würde – und siehe da, Elliot kennt intimste Details aus Kristas Privatleben. Manchmal weine sie, weil sie einsam sei – genau wie er selbst. Er erklärt ihr, dass er nicht nur sie gehackt hat, sondern das mit allen Menschen macht – um genau das zu versuchen, was sie doch selbst verzweifelt täte: Einen Weg aus ihrer Einsamkeit zu finden. Und es läuft einem kalt über den Rücken, wenn Elliot mit Tränen in den Augen fragt, ob es das sei, was sie von ihm hören wollte.

Nein, das ganz bestimmt nicht. Was soll Krista mit diesem …Monster anfangen, das ihr da gegenüber sitzt? Es ist wirklich herzzerreißend – Elliot hat sich ernsthaft und ehrlich offenbart, er IST einsam und verzweifelt und offenbar hat er das auch kapiert, insbesondere jetzt, wo er einen der wenigen Menschen verloren hat, an denen ihm etwas lag. Gleichzeitig hat er Krista mit seinen und ihren eigenen Lebenslügen konfrontiert. Wird Krista in der Lage sein, damit umzugehen?

Screenshot Mr. Robot - v1ew-s0urce: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot – v1ew-s0urce: Elliot (Rami Malek)

Screenshot Mr. Robot - v1ew-s0urce: Shayla (Frankie Shaw)

Screenshot Mr. Robot – v1ew-s0urce: Shayla (Frankie Shaw)