Rampart – Meditation über den Weg nach unten

Filme über entgleiste Cops sind nicht unbedingt mein Lieblingsgenre. Das geht mir oft zu sehr in Richtung Psychopathentriller, die ich auch nicht mag: Brutale Exzesse nur um der Gewalt willen oder der Faszination am Bösen wegen oder was immer damit zum Ausdruck gebracht werden soll, sehe ich mir einfach nicht gerne an. Wobei Gewalt natürlich sein muss, wo sie sein muss – wir leben in einer extrem gewalttätigen Welt und es ist keineswegs so, dass ich kein Blut sehen kann. Aber ich hasse Filme, in denen Gewalt ohne Sinn ausführlich zelebriert wird – das muss echt nicht sein.

Es gibt aber Ausnahmen. Etwa das Sozialdrama Rampart, das den Cop Dave Brown von der Rampart Division des LAPD auf seinem doch schon recht kurzen Weg nach unten begleitet. Insgesamt passiert nicht so wahnsinnig viel in diesem Film, statt spektakulärer Gewaltexzesse gibt es „nur“ die alltägliche Polizeigewalt – der Amoklauf des Dave Brown ist kein einmaliger eruptiver Gewaltausbruch eines bis dahin angepassten Bürgers, der einfach kein anderes Ventil mehr findet, sondern er findet sozusagen die ganze Zeit über im Alltag statt.

Rampart: Woody Harrelson als entgleisender Cop

Rampart: Woody Harrelson als entgleisender Cop

Dave (großartig gegeben vom Berufscholeriker Woody Harrelson) ist ein selbstbezogenes Arschloch mit einem ausgeprägten Ordnungssinn: Sein Auftrag ist es, auf den Straßen von Los Angeles für Ordnung zu sorgen. Und um diesen Auftrag zu erfüllen, ist so ziemlich alles erlaubt. Inklusive dem Schikanieren von Anfängerinnen im Polizeidienst, denen Dave erstmal beibringt, dass man, was man bestellt hat, verdammt noch mal auch aufessen muss.

Natürlich hat Dave sehr eigene Vorstellungen von Ordnung – so ist sein Privatleben ein ziemliches Chaos: Er war erst mit der einen, dann mit der anderen Schwester verheiratet, die beide jeweils eine Tochter mit ihm haben und in benachbarten Häusern leben. Sie haben alle die Nase voll von ihm und wollen eigentlich nur raus, wo anders ein neues Leben anfangen – aber Dave lässt nicht es nicht zu: Er will weder die eine, noch die andere Exfrau loslassen. Dabei ist er nachts ohnehin meisten unterwegs, wenn nicht auf Streife, dann auf der Suche nach einem Abenteuer – denn Dave ist ein Typ, der Frauen gefällt, trotz (oder wegen?) seiner Chauvi-Tour.

Eines Tages wird er in seinem Streifenwagen von einem anderen Wagen angefahren – wütend verfolgt Dave den Unfallverursacher, den er schließlich stellt und brutal verprügelt. Allerdings wird dieser Gewaltausbruch gefilmt und gelangt ins Internet – es dauert nicht lange, und das Video mit Dave Prügelattacke läuft auf allen Fernsehkanälen. Natürlich kann dieses Beispiel von Polizeigewalt auch von den gutmütigsten Vorgesetzten weder ignoriert, noch wegerklärt werden. Zwar stehen die meisten Kollegen hinter Dave, aber weil das Vertrauen der Bevölkerung wegen eines Korruptionsskandals ohnehin erschüttert ist, wird Dave bei der nun eingeleiteten internen Untersuchung nahegelegt, in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen.

Dave lehnt empört ab: Als Sündenbock will er nicht herhalten. Außerdem weiß er gar nicht, was er sonst tun soll. Also setzt er alles daran, im Dienst zu bleiben – auch wenn er dafür sämtliche Register ziehen muss. So erpresst er einen Apotheker, der ihn mit Beruhigungs- und Aufputschmitteln versorgen soll und Geld für seine Verteidigung braucht er natürlich auch. Ein alter Freund seines Vater gibt ihm einen Tipp: Illegales Glücksspiel in einer abgelegenen Bruchbude. Als Dave die Spielrunde beobachtet, werden die Spieler von zwei Räubern um ihre gesamte Kohle erleichtert, Dave verfolgt die Räuber und erschießt einen von ihnen. Den anderen lässt er entkommen, nachdem er ihm das Geld abgenommen hat.

Auch privat läuft es immer schlechter – zwar hat Dave auf seiner Sauftouren die attraktive Anwältin Linda (Robin Wright) kennengelernt, aber seine Ex-Frauen haben ihn nun endgültig rausgeworfen und er muss in ein Hotel ziehen. Auch fürchtet er inzwischen, dass Linda nur eine Affäre mit ihm angefangen hat, um ihn auszuhorchen – wie er herausfindet, ist sie als Anwältin in einem seiner alten Fälle tätig. Zwar versucht Dave zumindest äußerlich irgendeine Ordnung aufrecht zu erhalten, er ist immer wieder in Uniform in seinem Streifenwagen zu sehen, doch die coole verspiegelte Cop-Sonnenbrille kommt immer weniger zum Einsatz, dafür sieht man seine häufig blutunterlaufenden graublauen Augen, in denen sich zunehmend der Wahnsinn abzeichnet, der in seinem Innern tobt: „Sehen Sie, ich bin kein Rassist“, erklärt er dem Ermittler Kyle Timkins (Ice Cube) schließlich, „ich hasse alle Menschen gleich.“

Und daran ändert sich auch nichts mehr. Alles in allem ein sehr – ja doch: meditativer Film über den folgerichtigen Niedergang eines Arschlochs, der sich alles, was ihm widerfährt, selbst zuzuschreiben hat und nicht bereit ist, irgendetwas daraus zu lernen. Genau das finde ich dann aber auch gut daran – hier gibt es nichts zu lernen, hier findet einfach etwas statt, wobei sich das meiste davon im Kopf von Dave Brown abspielt, der einfach nicht einsehen will, dass die Welt nicht so funktioniert, wie er das gern hätte und sich als cholerischer Starrkopf lieber komplett ruiniert als sich zu ändern. Ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber für Woody-Harrelson-Fans eigentlich ein Muss.

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