Die zweite Staffel von Fargo kommt – auf Netflix

Die Angst des Serien-Junkies vor der zweiten Staffel hat ja leider ausgerechnet durch True Detective eine schreckliche Bestätigung bekommen – wobei ich ausdrücklich feststellen muss, dass es meistens gut ausgeht. Die zweite Staffel von Mad Men, von Breaking Bad, Dexter, Undercover, The Bridge America und da gibt es noch viele gute Beispiele mehr – die zweite Staffel von The Wire ist, wenn ich so darüber nachdenke, bis heute meine Lieblingsstaffel! Und die zweite Staffel von Heimat, wenn man es überhaupt so bezeichnen will… aber nun ja, die zweite Staffel von True Detective war definitiv ein Ausreißer in die andere Richtung. Und wenn ich mir die Entwicklung von Mr. Robot über die erste Staffel so ansehe, habe ich auch da ein bisschen Angst – wenn es in der nächsten Staffel nur noch um Elliots persönliches Psychodrama geht und die gesellschaftliche Relevanz der Digitalisierung von Allem auf der Strecke bleibt, dann sehe ich schwarz. Oder wenigstens dunkelgrau.

Aber wir sind bei Fargo. Und ich lese gerade, dass die zweite Staffel von Fargo ab dem 14. Oktober auf Netflix kommen wird. Damit hat sich meine Entscheidung, das Abo zu behalten, ja erstmal gelohnt… hoffentlich.

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In The Mood For Love

Die Filmauswahl bei Netflix lässt einiges zu wünschen übrig – aber es gibt durchaus Lichtblicke. So fand ich immerhin drei Filme des chinesischen Regisseurs Wong Kai Wai – darunter In The Mood For Love (Der Klang der Liebe), der zu meinen absoluten Lieblingsfilmen gehört. Ich las einmal eine Kritik, in der es hieß, dass dieser Film dem Zuschauer sehr viel biete, wenn er dabei nicht einschlafe – was ich schon ziemlich gemein finde, weil man definitiv nicht einschlafen wird, wenn man sich auf diesen Film einlässt. Aber der Satz bringt zum Ausdruck, was diesen Film ausmacht: Er ist total gegen die Sehgewohnheiten eines actionsüchtigen Publikums gemacht. Der Film ist langsam, ein behäbiger Strom aus unglaublich schönen Bildern, die einem hässlichen, anstrengenden Alltag abgerungen werden.

Screenshot: In The Mood For Love

Screenshot: In The Mood For Love – Herr Chow (Tony Leung) und Frau Su (Maggie Cheung)

Vor allem das ist es das, was mich fasziniert: Es werden ganz alltägliche Szene aus dem Leben normaler Menschen gezeigt, die im Hongkong der frühen 60er Jahre leben. Das klingt umspektakulär, ist es aber nicht: Allein dieses fantastische 60er-Jahre-Design, etwa in dem Büro, in dem Frau Su arbeitet! Und ihre atemberaubenden Kleider! Selbst der bröckelnde Putz und die abblätternde Farbe an den heruntergekommenen Häusern sind so schön fotografiert, dass man jedes einzelne Bild aus dem Film einrahmen und aufhängen könnte. Und dann die Musik… Natürlich ist allein schon der hongkonger Alltag an sich für mich ziemlich exotisch, wie eng die Menschen miteinander zusammen wohnen und wie sie damit umgehen – es ist eben eine andere Welt. Aber eine, in der die Menschen letztlich die gleichen Schwierigkeiten haben, wie in jeder anderen auch.

Screenshot: In The Mood For Love - Frau Su (Maggie Cheung)

Screenshot: In The Mood For Love – Frau Su (Maggie Cheung)

Obwohl – heute sind es zumindest zum Teil andere Probleme. Nicht geändert hat sich, dass die meisten Menschen lange arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und dann kaum noch Energie haben, ihre Alltagsbedürfnisse zu befriedigen: Nach einem langen Tag Im Büro kocht man sich halt kein leckeres Essen mehr, sondern holt sich schnell was beim Imbiss. Aber in meiner Welt würde diese Geschichte so nicht mehr stattfinden – da wäre das Gerede der Nachbarn egal. Aber für Herrn Chow (Tony Leung) und Frau Su (Maggie Cheung) ist nun einmal existenziell, was die Leute sagen.

Und nicht nur das, die beiden wollen sich gegenseitig und sich selbst beweisen, dass sie eben nicht so wie die anderen sind. Sie sind es auch nicht. Und das macht eben die Tragik dieser Liebesgeschichte aus, die so berührend ist, weil eben keine Liebesgeschichte daraus wird – die beiden treffen sich irgendwann zwar heimlich in einem Hotelzimmer, aber nur, um gemeinsam Kung-Fu-Geschichten zu schreiben.

Screenshot: In The Mood For Love - Herr Chow (Tony Leung)

Screenshot: In The Mood For Love – Herr Chow (Tony Leung)

Frau Su und Herr Chow sind verheiratet, aber ihre jeweiligen Ehepartner gehen fremd. Sie alle haben sich kennengelernt, weil sie Nachbarn sind, sie sind am gleichen Tag ins Haus von Mrs. Suen eingezogen – die Ehepaare wohnen jeweils in einem Zimmer, sie teilen sich eine gemeinsame Küche und jeder bekommt so ziemlich alles mit, was im Haus passiert. Wobei da eigentlich recht wenig passiert, zumindest was Frau Su und Herrn Chow betrifft.

Frau Su ist Sekretärin und sie ist oft lange im Büro. Ihr Mann ist meistens auf Geschäftsreisen, sein Chef ist Japaner, also ist er meistens in Japan. Herr Chow ist Journalist, auch er arbeitet oft sehr lange in seiner Redaktion – und seine Frau ist auch ständig unterwegs.

Screenshot In The Mood For Love

Screenshot In The Mood For Love

Manchmal begegnen sich Frau Su und Herr Chow in der Suppenküche, wenn sie nach der Arbeit spät abends noch eine Nudelsuppe holen. Manchmal treffen sie sich im Hausflur. Von ihren jeweiligen Ehepartnern sieht man nichts, sie sind bloß Stimmen am Telefon. Frau Su bittet ihren Mann, aus Japan noch eine von diesen Taschen mitzubringen – für die Geliebte ihres Chefs. Für den sie am Telefon immer lügen muss, wenn seine Frau dran ist. Sie kann das gut, aber sie hasst es. Eines Tages hat Frau Chow auch eine solche Tasche.

Irgendwie liegt es also nahe, dass sich nun auch zwischen Frau Su und Herrn Chow – die offensichtlich ein ähnliches Schicksal erleiden und sich in gewisser Weise gegenseitig trösten, eine Romanze entwickelt. Aber vor allem Frau Su lässt das nicht zu – sie hält an der Rolle der treuen Ehefrau fest, obwohl sie unter ihrer Einsamkeit und der Untreue ihres Ehemanns leidet. So viel Charakterstärke beeindruckt Herrn Chow, der im Laufe der Zeit nicht verhindern kann, dass er sich ernsthaft in Frau Su verliebt.

Screenshot: In The Mood For Love

Screenshot: In The Mood For Love

Eigentlich könnte alles so einfach sein: Frau Su und Herr Chow sind Seelenverwandte, die ein ähnliches Schicksal und die gleichen Interessen teilen – es wäre im Grunde nur logisch, wenn sie ihre untreuen Partner verlassen würden, um ein vermutlich glücklicheres Paar zu werden. Aber sie hängen zu sehr in ihrem Alltag und ihren überkommenden Denkmustern fest – ganz offensichtlich glauben sie nicht an Liebe und Glück, sondern daran, einen schwer zu ertragenden Alltag einfach aushalten zu müssen. Sie halten sich an den Ehrenkodex aus ihren Kung-Fu-Geschichten, auch wenn beiden das zunehmend schwerer fällt.

Screenshot: In The Mood For Love

Screenshot: In The Mood For Love

Herr Chow gesteht Frau Su schließlich, dass er sich in sie verliebt habe und ergreift die Flucht: Er folgt dem Ruf eines Kollegen nach Singapur. Frau Su bleibt zurück, sie und ihr Mann bekommen endlich ein Kind. Ansonsten schreitet die Zeit fort – ohnehin sieht man immer wieder eine Uhr in diesem Film: Alles geht irgendwie immer weiter, aber das Grundgefühl bleibt – das Leben besteht letztlich aus unendlich vielen verpassten Gelegenheiten. Der ganze Film ist die Bebilderung einer bittersüßen Sehnsucht, die gerade deshalb so intensiv ausgekostet wird, weil klar ist, dass sie gar nicht erfüllt werden soll.

Wenn man das aushält, ist In The Mood For Love ein grandioser Film.

Screenshot: In The Mood For Love -Im Gefängnis der Konventionen

Screenshot: In The Mood For Love -Im Gefängnis der Konventionen

Mr. Robot kommt bei Amazon Prime

Für alle, die Mr. Robot (unbegreiflicherweise) noch nicht gesehen haben: Alle zehn Episoden der ersten Staffel gibt es demnächst bei Amazon Prime. Derzeit gibt es die Serie ja schon bei Amazon, aber eben im Normal-Programm für 2,49 (SD) bzw. 2,99 (HD) Euro pro Folge oder für 19,99 (SD) und 24,99 Euro (HD) pro Staffel. Bei iTunes gibt es Mr. Robot natürlich auch – zu den gleichen Konditionen.

Wer ohnehin schon Amazon-Prime-Mitglied ist, kann die Serie ab dem 20. November in entweder in der deutsch synchronisierten oder in der Originalversion ohne Zusatzkosten ansehen – was ich unbedingt empfehle.

Also Mr. Robot überhaupt anzusehen natürlich, und wenn die Englisch-Kenntnisse ausreichen, möglichst im Original – es lohnt sich allein für die Stimme von Rami Malek, der uns als Elliot Alderson ja eine Menge mitzuteilen hat – auch wenn er nicht gern mit realen Mitmenschen spricht…

Screenshot Mr Robot - Elliot Alderson (Rami Malek): Sometimes I dream of saving  the world....

Screenshot Mr Robot – Elliot Alderson (Rami Malek): Sometimes I dream of saving the world….

Screenshot Mr Robot - Elliot Alderson (Rami Malek): Sometimes I dream of saving  the world....

Screenshot Mr Robot – Elliot Alderson (Rami Malek) in seinem Nachtjob

Savages – Kapitalismus ist etwas für Wilde

Es ist ja nicht so, dass ich mir nur noch Spiele-Verfilmungen ansehe, auch wenn vielleicht dieser Eindruck entstanden ist, nur weil ich jetzt, nachdem die beste Serie dieses Sommers nun einmal gelaufen ist, noch keinen halbwegs befriedigenden Ersatz gefunden habe. Ich habe damit angefangen, mir wieder Filme anzusehen – unter anderem Savages von Oliver Stone.

Ich kann nicht sagen, dass ich ein ausgesprochener Oliver-Stone-Fan bin, wobei es Oliver-Stone-Filme gibt, die ich richtig gut finde, vor allem das vergleichsweise unbekannte Roadmovie U-Turn, das ich mir unbedingt auch noch einmal ansehen muss… ja, und ich finde wirklich cool, dass er Comandante gemacht hat. Ein US-Regisseur, der einen Dokumentar-Film über Fidel Castro macht, in dem er den Comandante als ernsthaften und nachdenklichen Mann zeigt, dem in erster Linie etwas an den Menschen in seinem Land liegt – das hat Größe.

Screenshot Savages: O. (Blake Lively) und Chon (Taylor Kitsch)

Screenshot Savages: O. (Blake Lively) und Chon (Taylor Kitsch)

Und wenn man sich mal ansieht, wie die Verhältnisse in Kuba – das von den USA jahrzehntelang in Grund und Boden boykottiert wurde – im Vergleich zu anderen Karibik-Staaten aussehen, dann kann man schon auf die Idee kommen, dass die Idee des Sozialismus nicht dermaßen schlecht für die Menschen sein muss, wie die Kapitalisten immer behaupten. Die Leute auf Haiti beispielsweise wären sicherlich froh, wenn sie kubanische Verhältnisse hätten. Und wo wir schon dabei sind: Libyen wurde von der NATO innerhalb kürzester Zeit vom reichsten Land Afrikas mit vorbildlichem Gesundheits- und Bildungssystem zu einem Failed State gebombt. Weder die Freiheit, noch der Markt kriegen das jetzt irgendwie wieder hin – genau wie in diversen anderen Staaten, die in den letzten Jahren (und Jahrzehnten) mit Freiheit und Demokratie beglückt wurden und jetzt Trümmerwüsten sind.

Oliver, übernehmen Sie?

Zurück zu Savages. Das Drogengeschäft ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Kapitalismus funktioniert: Wo ein Bedarf ist, da ist auch ein Markt, egal, was die Moral und die gesetzliche Lage jeweils dazu sagen. Und weil in einer kapitalistischen Welt Menschen nun einmal gezwungen werden, Geld zu verdienen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, müssen sie halt buchstäblich um jeden Preis Geld verdienen. Wenn ihnen das gelingt, dann kann die Welt sehr schön sein. Wenn nicht, dann wird es ziemlich hässlich – dazu gibt es auch Filme, etwa den Dokumentarfilm Workingman’s Death von Michael Glawogger, der zeigt, was Menschen alles tun, um irgendwie zu überleben. Es gibt sehr viele sehr dreckige Jobs.

Screenshot Savages: O. (Blake Lively) und Ben (Aaron Taylor-Johnson)

Screenshot Savages: O. (Blake Lively) und Ben (Aaron Taylor-Johnson)

Und dann gibt es die Jobs, die erstmal nicht so dreckig wirken – so ein stylisches Hightech-Gewächshaus mit hübschen grünen Pflanzen darin ist sehr viel angenehmer als etwa ein Schlachthof oder ein Schrottplatz in Afrika, ein illegale Kohlenmine in Osteuropa (um bei den Beispielen aus Workingsman’s Death zu bleiben), ein Näherinnen-Job in Bangladesh oder auch ein Job am Band von Foxconn.

Savages setzt mit dem amerikanischen Traum ein. Das ist konsequent, weil sich daraus der amerikanische Alptraum entwickelt: Wir sind an der goldenen Küste Kaliforniens, in einem wunderschönen Haus in einer traumhaften Gegend, in der drei glückliche Menschen ihr perfektes Leben leben – oder leben würden, wenn man sie denn ließe.

Aber da ist dieses Video, das in einem Lagerhaus in Mexiko aufgenommen wurde. Mehrere Entführte werden mit einer Kettensäge bedroht. Und wie man sich denken kann, bleibt es nicht bei dieser Drohung. Es ist also eine Warnung aus der Hölle, die in das schöne Leben von Ophelia, Ben und Chon einbricht. Die drei sind jung, sehen gut aus und haben es einfach drauf: Sie genießen das Leben und versuchen – jeder auf sein Weise – etwas Sinnvolles zu tun. Und Geld zu verdienen.

Screenshot Savages: Chon, O. und Ben

Screenshot Savages: Chon, O. und Ben

Das Gehirn dieser Gruppe ist Ben (Aaron Taylor-Johnson). Ben hat einen Universitäts-Abschluss in Betriebswirtschaft und einen in Botanik. Somit liegt es nahe, dass er ins Marihuana-Business eingestiegen ist: Auf diese Weise macht er seine Kunden und sich selbst glücklich. Und weil man mit dem besten Gras nun einmal das beste Geschäft machen kann, hat seine bester Freund Chon (Taylor Kitsch) dafür gesorgt, dass sie das allerbeste haben: Als Soldat, der in Irak und Afghanistan eingesetzt wurde, kam er an das edelste Saatgut der Welt heran. Damit haben sich die beiden Jungs ein extrem einträgliches Geschäft aufgebaut – Millionen zufriedener Kunden können sich nicht irren.

O. (Blake Lively) liebt sie alle beide – den irgendwie naiven, aber genialen Weltverbesserer Ben und die attraktive Killermaschine Chon, die beide zusammen den perfekten Mann für sie abgeben. Die drei scheinen sehr glücklich mit ihrem Arrangement zu sein: Ben, der ständig in der ganzen Welt herumreist, um seine altruistischen Projekte voranzubringen – Geld genug hat er ja dafür – Chon, der mit den Traumata beschäftigt ist, die er aus seinen Kriegseinsätzen mitgebracht hat und O., die darin aufgeht, die Freundin und Muse dieser beiden doch sehr unterschiedlichen Männer zu sein.

Screenshot Savages: Chon (Taylor Kitsch) und Ben (Aaron Taylor-Johnson)

Screenshot Savages: Chon (Taylor Kitsch) und Ben (Aaron Taylor-Johnson)

Genau das sorgt im Verlauf der Geschichte aber für Irritationen – die konservativen Mexikaner vom Kartell, die einerseits keine Skrupel haben, Menschen mit Kettensägen zu zerlegen oder ihnen brennende Autoreifen um den Hals zu hängen, finden diese Dreiecksgeschichte höchst irritierend. Mit ihrem Begriff von Ehre ist so etwas jedenfalls nicht vereinbar.

Die Kartell-Leute wollen aber von dem prosperierenden Geschäftsmodell von Ben und Chon profitieren – die Jungs mit ihrem guten Stoff machen ihnen nämlich den Markt kaputt. Und aus ihrer Sicht machen sie den beiden ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann: Sie wollen von ihnen lernen, wie man das gute Zeug kultiviert und nur 20 Prozent des Umsatzes für die nächsten drei Jahre.

Screenshot Savages: Alex (Demián Bichir)

Screenshot Savages: Alex (Demián Bichir)

Aber Ben und Chon wollen natürlich keine Geschäfte mit diesen brutalen Kartell-Killern machen – sie bitten um Bedenkzeit und bereiten ihre Flucht vor. Wie sich unschwer vorstellen lässt, geht das gründlich schief. Während ihnen ihr Kontaktmann bei der DEA, der korrupte Agent Dennis (überzeugend wie immer als schmieriger Schleimer: John Travolta) dazu rät, den Deal anzunehmen, entführen die Mexikaner im Auftrag der Kartell-Chefin Elena (Salma Hayek) die ahnungslose O. Offenbar hatte Elena derartige Schwierigkeiten vorausgesehen.

Wie man aus Breaking Bad ja schon gelernt hat, ist es einfach nicht möglich, im Drogengeschäft sauber zu bleiben. (In anderen Geschäften aber auch nicht, wie uns der aktuelle VW-Skandal lehrt) Genauso, wie es nicht möglich ist, eine solches Geschäft gewaltfrei zu betreiben – in ihrem eigenen Laden mag das zwar irgendwie hinhauen, aber die internationale Konkurrenz wirft halt nicht mit Wattebäuschchen. Diese Sache mit O. zeigt Ben und Chon, dass hier andere Gesetze gelten – auf die sie sich dann aber erstaunlich schnell einlassen: Sie beschließen, O. gewaltsam zu befreien.

Screenshot Savages: Kartell-Chefin Elena (Salma Hayek)

Screenshot Savages: Kartell-Chefin Elena (Salma Hayek)

Die beiden brechen damit einen Krieg vom Zaun, der eine Menge Opfer fordert: Als erstes überfallen sie mit der Hilfe von einigen ehemaligen Navi Seals, die Chon von früher kennt, einen Geldtransport des Kartells und bringen dabei sieben Männer um. Die Tat schieben sie der rechten Hand von Elena unter, dem Anwalt Alex (Demián Bichir). Der wiederum wird von Elenas Mann fürs Grobe Lado (Benicio Del Toro) so lange gefoltert, bis er alles gesteht, was die anderen von ihm hören wollen, um damit wenigstens seine Familie zu retten. Ausgerechnet der friedliebende Ben wird dann gezwungen, Alex auf grausamste Weise zu töten. Aber wenn nicht nur das eigene Leben, sondern auch das der besten Freunde auf dem Spiel steht, gibt es eben keine andere Wahl.

Immerhin haben die beiden inzwischen erfahren, dass Elena eine Tochter hat, Magda, die in Kalifornien lebt. Sie beschließen, den Spieß umzudrehen und Magda zu entführen. Letztlich geht der Plan auf – es kommt am Ende zu einem Gefangenenaustausch, von dem es zwei Versionen zu sehen gibt, die eine, in der alle drei zusammen sterben und die andere, in der sie letztlich davon kommen.

Alles in allem trägt Stone ziemlich dick auf, der Film ist streckenweise durchaus trashig („von Tarrantino inspiriert“ könnte man auch sagen) – das ist es aber eben auch, was mir großen Spaß macht: Die Figuren sind allesamt Karikaturen ihrer selbst. Wobei die Brutalität der Kartell-Leute und die Härten ihrer Welt leider keineswegs übertrieben dargestellt werden – das ist eben nicht das holzschnittartige Weltbild eines alternden Oliver Stone, wie zahlreiche Kritiker enttäuscht diagnostiziert haben, sondern die hässliche Kehrseite einer Gesellschaft, die den Konkurrenzkampf als ultimatives Mittel für Erfolg und Fortschritt ansieht. Und die hat Stone ziemlich gut getroffen. Und ich finde auch die Diskussion müßig, wer jetzt denn die Wilden (Savages) sind – wenn es ums Überleben geht, sind die Wilden im Vorteil.

Screenshot Savages

Screenshot Savages

Und mich kotzen Kritiken an, in denen man jenen, die Rassismus und Sexismus aufgreifen und darstellen, eben Rassismus und Sexismus unterstellt – klar kann man sich darüber aufregen, dass die Mexikaner in dem Film allesamt brutale Kartell-Killer sind. Aber Stone wollte ja nicht „die Mexikaner“ in seinem Film porträtieren, sondern brutale Kartell-Killer, die eben aus Mexiko sind. Warum hat sich bei Breaking Bad niemand darüber aufgeregt? Da sind die Mexikaner doch auch die brutalen Kartell-Killer. Und die gibt es nun mal. Genau wie es in jeder Gesellschaft Arschlöcher gibt.

Und ist O. tatsächlich nur das naive blonde Dummchen? Eine Superheldin ist sie nicht. Aber auch nicht total blöd. Genau wie auch die eigentlich knallharte Kartell-Chefin Elena irgendwann Schwächen zeigt – natürlich ist es kein Vergnügen, einen solchen Job zu haben. Und sie ist eben auch Mutter. Hätte ein Mann sein Kind geopfert? Möglich, es gibt entsprechende Geschichten in der Bibel. Die übrigens tatsächlich Anlass zu Sexismus-Diskussionen liefert. Aber so gesehen ist ganz Hollywood ein einziges Rassismus-, Sexismus- und Klassenkampf-Problem. Darüber kann und muss man tatsächlich diskutieren. Aber hier führt das zu weit.

Tatsächlich ist die Welt für viele Menschen noch deutlich brutaler – da muss man sich ja nur mal die aktuellen Nachrichten ansehen. Ob sich am Ende dann nicht vielleicht doch die smarten Jungs, die es eigentlich gern besser gemacht hätten, aus der Affäre ziehen können, ist eben nicht ausgemacht. Wahrscheinlicher ist, dass sie alle dabei drauf gehen. Aber so pessimistisch, ähem realistisch, wollte Stone dann offenbar doch nicht sein. Natürlich will man sein Dope lieber von einem netten Typ wie Ben beziehen als vom Kartell. Aber wie Chon am Anfang schon festgestellt hat: „Werd erwachsen, Ben. Du veränderst die Welt nicht. Sie verändert dich!“

Schon gut, aber noch nicht großartig

Und noch einmal Mr. Robot – ich habe nämlich eine Kritik gefunden, die ich sehr gut finde. Matt Zoller Seitz bringt etwas auf den Punkt, das ich nach den letzten Teilen auch bei mir festgestellt habe, aber nicht so richtig fassen konnte: Das war ja alles richtig gut und interessant und innovativ und überhaupt – aber genau das, was man sich am Anfang von Mr. Robot versprochen hat, wurde dann eben nicht eingelöst: Über die ganzen raffinierten Wendungen, die ja alle ihren Charme hatten, ist die anfängliche Geschichte über das öde einsame Leben der 99 Prozent, die ohne Anerkennung in ihrem ungeliebten Brotjob festhängen, irgendwie abhanden gekommen.

Er schreibt in Vulture unter dem Titel Why Mr. Robot Is Not a Great Show (Yet)

Every program has a bug. Every person has a bug. Every TV show has a bug. The most important thing about bug-hunting, Mr. Robot tells us, is not locating and dealing with the bug, but understanding the conditions that allowed the bug to exist. A bug is a message, sometimes a distress signal, embedded within the program, and it exists in order to be discovered, so that the reasons for its existence can be understood.

What’s Mr. Robot’s bug? I ask because it has one, and it’s preventing the program (how convenient for this review that the word program is a synonym for show!) from functioning at its fullest artistic potential. I admire this show. I am engrossed in it. I might continue watching it even if it were tedious or stupid, for its committed performances, its surprising but always spot-on song choices (Neil Diamond in the pilot sealed my love for the series), Tim Ives’s geometrically off-center compositions, Mac Quayle’s retro ’80s-synth score, and the dense, playful sound design. (If you can watch Mr. Robot with headphones on, you absolutely should.) But there’s something not quite there about it, and it’s frustrating.

I suspect the bug is Mr. Robot himself — a character initially presented as a pontificating, hot-tempered revolutionary played by Christian Slater, a V-type (as in V for Vendetta) then revealed by our humble narrator, Elliot Alderson (Rami Malek), to be a hallucinated vision of the now-dead father who pushed him out of a window as a kid. This series about a computer hacker/revolutionary/mentally ill man-child is pretty openly catering to aficionados of Cinema de Dudebro, referencing a number of films and filmmakers that absolutely pass muster as art while also just happening to look and sound frickin’ awesome when you put them up on that 57-inch plasma screen with surround sound that hangs on a wall opposite your black leather couch. (Insulting, sure — but also autobiographical. I still have the TV, but a girlfriend convinced me to sell the couch.) Taxi Driver, American Psycho, The Matrix, the complete works of Stanley Kubrick and David Fincher — you name it, Mr. Robot probably carries it deep within its aesthetic DNA, along with the original Star Wars trilogy, which it exuberantly embraces in episodes eight and nine, when we learn that Elliot’s fellow hacker Darlene (Carly Chaikin) is his sister and Mr. Robot is their father. Creator Sam Esmail is so fluent in this core group of Pop Art classics that he can reference them in a somewhat casual, off-kilter way, as when the opening scene of the second episode ends with a music cue from Kubrick’s 1975 period drama Barry Lyndon, or when episode nine — the one where Elliot learns that he’s been taking orders from a psychic manifestation of his dead father this whole time, à la Fight Club’s Tyler Durden and Elvis in True Romance, which starred Slater — plays the hero off with a tenderhearted acoustic piano cover of the Pixies’ “Where Is My Mind,” the curtain-closer from Fight Club.

Here’s the thing, though: As much fun as this sort of thing is, and as much comfort and joy as it might give “fan theory” junkies who see movies mainly as puzzles to be solved and conquered rather than engaged with as emotional and aesthetic objects, I could not be less interested in the outward manifestations of Elliot’s breakdown and denial — not because I don’t care about Elliot (I do care very much, mainly because of the hilariously dry narration and Malek’s uniquely tortured performance), but because all this is the least original thing about Mr. Robot.

The series is brilliantly executed, for the most part. It might be the second-most voluptuous feast for the senses to air on American television this year, after Hannibal. I get a chill anticipating which frame they’ll emblazon with the show’s 1980s arcade-game logo (I am always surprised and delighted), and I look forward to all the little flourishes, visual, aural, and musical, that Esmail and his directors (including Jim McKay, an unsung hero of American independent film) smuggle into each scene — such as how, in that long shot of the Coney Island pier where Elliot is “pushed,” the top rail is positioned with the frame so that it perfectly aligns with the waterline, turning the whole stretch of railing into a grid of skinny horizontal azure rectangles.

But none of this is as fascinating, as original, as urgent, as necessary, as the show’s casual critique of what modern society has become. What initially captivated me about Mr. Robot was its vision of life, which was not new or especially deep, but nonetheless bracing because it was being presented on a major commercial cable channel, in an offhand way that just seemed to assume that large numbers of people would shake their heads and think, Yes, this is right, this is what life is like; this series understands my disquiet. Elliot is the first network protagonist to talk about the “invisible hand” of capitalism forcing people into slots and creating “prisons of debt” (an idea developed with vastly more moral urgency here than in Fight Club, the film that Esmail’s “erase all debt” plotline comes from). Although Malek’s character has a nondescript, Waspy name, his very presence diversifies commercial TV because his chiseled Egyptian-American face and gigantic Albert Einstein eyes make a statement that’s much more powerful than the words that appear on the character’s work badge (Esmail is Egyptian-American, too). And the fact that his uniform — his superhero outfit, practically — is a black hoodie sends a statement as well. I can’t think of the last American TV drama that was so defiantly rooted in the perspective of a cultural and psychological outsider — somebody who was participating in the circus of social media and late capitalism and virtual existence not because he enjoyed it but because he was conditioned to participate by virtue of having been born into it, and knew this, and resented it. “Our choices were premade for us a long time ago,” he says. I like how the show sees the outsider in almost every character and occasionally feels for the very worst of them — even Shayla’s drug dealer and rapist, Fernando Vera (Elliot Villar), whose every “bro” lands like the promise of a punch (“People who are violent get that way because they can’t communicate,” Mr. Robot reminds Elliot); and Martin Wallström’s hateful scumbag one-percenter Tyrell Wellick, who rehearses his “Please hire me as CTO” speech over and over before approaching the board, not just because he’s nervous but because English is not his first language. Having BD Wong’s Whiterose turn out to be a transgender character was movingly right, and would have resonated with all the show’s other nods to outsiderdom even if it hadn’t closed with Whiterose in cis male drag mode at a fat-cat party post-meltdown, listening to a harpist play “Nearer My God to Thee” (the final encore from the Titanic’s deck band) and talking about Nero fiddling and Rome burning.

I have no idea how the show’s cultural and technological jokes and references will date (probably quickly, and badly; that’s how this sort of thing tends to go), but I love them. They’re as precise and hilarious as the ones on HBO’s Silicon Valley, and much more despairing because Mr. Robot is a drama about alienation and psychosis and rebellion rather than a comedy about callow young dudes trying to get rich. Ben Parker (Ollie Parker), cheating boyfriend of Elliot’s childhood-trauma buddy Angela (Portia Doubleday), spits out cringe-inducing, in-crowd locutions like a ketchup dispenser (“We have this Groupon for four at Morton’s”; “I’ll tweet, but only if I like it”).

This is the true heart of the show: the continual tug-of-war between conformity and outsiderhood, self-awareness and narcoticized consumption, idiosyncrasy and normalcy (whatever normal even means; on Mr. Robot it sounds like a control word). Is it enough to make fun of a world where students carry tens of thousands in debt throughout their lives to become certified for jobs they probably won’t get anyway, or that will pay miserly freelance wages? Is it enough to joke about hearting things on Instagram and drinking lattes from Starbucks and going to Marvel movies like a good American middle-class zombie? Is that rebellion? Or is that just a game we play to pass time on the cradle-to-grave assembly line?

The more you listen to Elliot, the more likely you are to have those kinds of thoughts, and they’re not bad thoughts to have, tritely obvious as they might sound. The reflex to dismiss such questions as “trite” is smug, and is itself evidence of social conditioning. It’s great that a TV show is obsessing over this week after week, and making the ruminations uncomfortable-funny rather than ha-ha funny. It’s great that a TV show is weaving in footage of protests about economic disparity and consumers getting fat on processed, mass-produced corporate food. It’s great that all this is filtered through a hero as complex, wounded, eloquent, and observant as Elliot, as horrible as many of his deeds might be. He is, after all, a revolutionary. When’s the last time a major TV series was built around a guy who wanted to burn it all down, and gave you no choice but to find him likable?

This is what I want more of from Mr. Robot. Not “big reveals” of who somebody’s sister or dad is, or exactly why a character is so sad and depressed. (Orson Welles kept insisting that the end of Citizen Kane did not actually “explain” Kane, but no one listened to him.) I am not particularly interested in finding out what’s real and what’s not, and what happened to Tyrell, and whether Elliot/Mr. Robot had anything to do with it; and I am not particularly interested in seeing another lovely, charming, trusting, troubled young woman fall in love with the hero, as Shayla (Frankie Shaw) did, only to be fridged (look it up) to amplify the hero’s distress and cause problems for his revolutionary cellmates. It’s an awesome show, but I don’t want it to be just awesome. I want it to be great. That means less Cinema de Dudebro and more of other kinds of cinema, and maybe more literature and history, while we’re at it. Less cool, more school. Less mystery-box puzzle-making, more poetry. This show is capable of it, without a doubt. The proof is right there onscreen. But it keeps losing its way, week after week. And the bug was there from the start.

Mein erstes Jahr mit Netflix

Das erste Jahr mit Netflix ist vorbei – und die Fernsehrevolution hat zumindest bei mir nicht statt gefunden. Aber um fair zu sein muss ich natürlich klar stellen, dass ich auch vor Netflix schon sehr wenig im klassischen Fernsehen angesehen habe – die Sachen, die ich sehen möchte, will ich ohne Werbeunterbrechungen sehen und zwar dann, wenn ich Zeit und Lust dazu habe.

Das bedeutet, dass ich ohnehin fast alle Serien und Filme aufnehme und von Festplatten aus auf meinen noch nicht so richtig smarten, aber streaming-tauglichen Fernseher spiele. Mir zwischen unerträglichen Werbespots eine Serie häppchenweise in den Mund zählen zu lassen ist für mich unvorstellbar. Entsprechend habe ich keine Ahnung, wo in meiner Programmauswahl die Privatsender zu finden sind. Interessiert mich einfach nicht. Und auch die öffentlich-rechtlichen Programme interessieren mich zunehmend weniger, wobei ich ab und zu mal auf Phoenix oder ZDFneo hängen bleibe oder eine Doku auf einem der Dritten ansehe. Gut finde ich vor allem, dass über mein Apple TV neben Netflix jetzt auch die arte-Mediathek abgerufen werden kann. Damit habe ich fast alles, was ich brauche.

Fernsehe - der Imperativ mit der klassischen Note

Fernsehe – der Imperativ mit der klassischen Note


Und nun zu Netflix: Mein Hauptproblem ist, dass ich viele der guten Serien, die es auf Netflix gibt, schon gesehen hatte, bevor Netflix bei uns an den Start gegangen ist. Damit wurde die Sache weniger spannend, auch wenn es natürlich noch einige neue Highlights gibt, etwa Sense8 oder jetzt Narcos. Und ehrlich gesagt finde ich einige der momentan gehypten Netflix-Serien gar nicht so gut – in Orange Is The New Black habe ich mehrfach reingesehen – aber ich finde die Geschichte weder besonders lustig noch sonst bemerkenswert. Auch mit Daredevil oder Hemlock Grove werde ich nicht warm – vielleicht bin ich einfach zu alt dafür. Und die dritte Staffel von Lilyhammer war leider auch enttäuschend, obwohl die ersten beiden Staffeln durchaus ihre Höhepunkte hatten.

Ähnlich geht es mir mit dem Netflix-Flaggschiff House of Cards. Diese Serie finde ich gar nicht schlecht, insbesondere die erste Staffel, aber schon die zweite wurde etwas mühsam und die dritte, nun ja, Lars Mikkelsen als russischer Präsident ist natürlich sehenswert, aber hier wird das Problem, das ich schon mit den ersten beiden Staffeln hatte, nämlich, die Hauptfiguren keine interessante Entwicklung durchmachen, sondern von Anfang an Arschlöcher sind, die nie etwas anderes tun, als sich gegenseitig für die eigenen Ziele zu benutzen, wirklich grundsätzlich: Wie will man die Handlung noch so vorantreiben, dass ein Sog entsteht, wenn die Figuren das nicht leisten können?!

Ich finde Kevin Spacey und Robin Wright toll, aber ihre Charaktere sind einfach nicht so interessant wie Walt und Skyler White in Breaking Bad. Da haben Bryan Cranston und Anna Gunn einfach die besseren Karten gehabt. Da hat mir das andere Flaggschiff Sense8 besser gefallen – obwohl das bestimmt auch nicht jedermanns Sache ist. Aber ich mag nun man die Wachowskis und ich mag Tom Tykwer, und mir gefiel die Idee sehr gut, eine Geschichte mit acht Protagonisten zu machen, die in völlig unterschiedlichen Welten leben, aber auf seltsame Weise miteinander verbunden sind. Auf Narcos bin ich sehr gespannt, aber derzeit habe ich einfach nicht so viel Zeit, weshalb ich derzeit ja auch weniger schreibe.

In der zweiten Reihe gibt es auf Netflix durchaus eine ganze Menge sehenswerter Serien, Luther etwa, The Killing, Broadchurch, Deadwood, Person of Interest, um nur einige zu nennen, ansonsten fand ich einige erfreuliche Überraschungen im Doku-Bereich, etwa Chef’s Table. Bei der Filmauswahl überwiegen eindeutig die Lücken – aber Netflix will nach eigener Aussage ja auch kein Vollsortimenter sein, bei dem es gibt, was es überall sonst auch gibt, sondern Spezialist für besondere Inhalte. Nun ja. Ob das auf Dauer ausreichen wird, um in der Konkurrenz gegen Amazon, Maxdome oder Watchever zu bestehen, bleibt abzuwarten – ich werde mein Netflix-Abo erstmal behalten, zumal ich ja auch Kinder habe, die es intensiv mit nutzen – insofern lohnen sich die 8,99 Euro pro Monat allemal.

Obwohl ich eine Sache ganz schlimm finde: Netflix verweigert hartnäckig den Offline-Modus. Das bedeutet, dass ich mir unterwegs, etwa im Zug, wo die WLAN-Nutzung in absehbarer Zeit ein Glücksspiel mit eher schlechten Chancen bleiben wird, die Sachen, die ich sehen möchte, halt aus anderen Quellen als Netflix besorgen und auf meinen Laptop laden muss – genau, was laut Netflix angeblich zu kompliziert ist. Zu kompliziert für Netflix vielleicht, aber nicht für Serien-Profis, die dann eben auf Alternativen ausweichen. Wenn dann im nächsten Jahr die angekündigte Preiserhöhung auf für Bestandskunden kommt, werde ich gewiss noch einmal drüber nachdenken.

Need for Speed – kann man wörtlich nehmen

Wenn man sich wegen Alexander Skarsgård einen Film wie Battleship ansehen kann, ist es natürlich auch möglich, sich wegen Aaron Paul und Rami Malek Need for Speed anzusehen. Wobei das ein wirklich grauenhafter Film ist, wenn man kein bisschen auf Autorennen steht – denn es geht tatsächlich um nichts anderes. Also im Gegensatz zum Alien-Streifen Battleship so überhaupt nicht mein Genre – ich spiele solche Spiele nicht und ich käme auch nie auf die Idee, mir Formel-1-Rennen oder ähnliches im Fernsehen anzusehen. Schon die wenigen Minuten Sport am Ende der Tagesschau finde ich schwer zu ertragen, wenn ich doch eigentlich nur die Wettervorhersage noch sehen will.

Wobei es natürlich schon Filme mit tollen Auto-Szenen gibt, die ich richtig gut finde, Klassiker wie Bullitt, American Graffiti, Blues Brothers und so weiter, auch Speed fand ich ziemlich beeindruckend, als ich den damals im Kino gesehen hatte. Zu Autos an sich habe ich auch ein eher kühles Verhältnis – ich hab halt kein Auto, weil man in Berlin keins braucht. Früher, als ich noch auf dem flachen Land gewohnt habe, war das anders. Außerdem verdiente ich mir eine zeitlang neben dem Studium etwas dazu, indem ich für eine Schrauberclique Gebrauchtwagen optisch aufgehübscht und verkauft habe.

Screenshot Need for Speed: Tobey (Aaron Paul)

Screenshot Need for Speed: Tobey (Aaron Paul)

Das ist inzwischen zwar Jahrzehnte her, aber zu der Zeit bin ich mit allen möglichen Autos herumgefahren und kannte mich damit ganz gut aus, wo eine Vergaser-Leerlaufdüse sitzt und wie man sie richtig einstellt, wusste ich durchaus. Natürlich haben wir auch ziemlich viel Unsinn gemacht, unverkäufliche Schrottschüsseln etwa, die auch mit erheblicher krimineller Energie nicht mehr durch den TÜV zu bringen waren, haben wir mutwillig total kaputt gefahren. Insofern hatte es dann doch wieder einen nostalgischen Touch, mir einen Film über Auto-Verrückte anzusehen.

Screenshot Need for Speed: Julia (Imogen Poots)

Screenshot Need for Speed: Julia (Imogen Poots)

Denn die Jungs in Need for Speed sind natürlich komplett meschugge – das ist auch das Konzept des ganzen Films : Sie machen eine Menge abgedrehter Sachen. Das macht dann doch irgendwie Spaß, wobei ähnlich wie in Blues Brothers der spannenste Teil der Geschichte ist, wie die Gang wieder zusammen gebracht wird. Eigentlich hat der Film alles, was ein ordentlicher Film braucht, nämlich einen tragischen Helden wie den Arbeitersohn Tobey Marshall (Aaron Paul), dem großes Unrecht angetan wird und der dann einen Rachefeldzug antritt, um Genugtuung zu verlangen, einen fiesen Schurken wie Dino Brewster (Dominic Cooper), der Tobey die Schuld am Tod eines Freundes zuschiebt, den er selbst auf dem Gewissen hat, eine schöne Blondine wie die Britin Julia Maddon (Imogen Poots), die auch mal ans Steuer darf (hier gab es ein gewisses Identifikationspotenzial für mich, nicht weil ich wie ein britisches Model aussehen würde, aber weil ich weiß, wie es ist, das Mädchen zu sein, dem alle Jungs erklären wollen, was ein Auto ist, obwohl es das besser weiß als die meisten von ihnen) es gibt einen geheimnisvollen Freak (Michael Keaton), der das sagenumwobene Deleon-Rennen ausrichtet, zu dem nur die besten der besten eingeladen werden, der Gewinner bekommt dann die Autos der anderen Teilnehmer.

Screenshot Need for Speed: Benny (Scott Mescudi)

Screenshot Need for Speed: Benny (Scott Mescudi)

Und dann gibt es natürlich noch die aufopferungsvolle Crew aus guten Freunden, die Tobey dabei helfen, es gegen alle Widrigkeiten überhaupt bis zu dem Rennen der Rennen zu schaffen, nämlich Benny (Scott Mescudi), Finn (Rami Malek) und Joe (Ramon Rodriguez). Ach ja, eine ordentliche Karre braucht es natürlich auch, günstigerweise haben die Jungs bevor Tobey in den Knast musste, einen legendären Ford Mustang aufgebaut, der unglaublich viele PS hat und wahnsinnig schnell ist. Den leiht sich Tobey kurzerhand aus und muss dann binnen 45 Stunden von New York nach Kalifornien fahren, wo das Deleon statt finden wird.

Screenshot Need for Speed: Finn (Rami Malek)

Screenshot Need for Speed: Finn (Rami Malek)

Das bietet Potenzial für allerlei Komplikationen, die von der engagierten Crew auch gelöst werden, trotzdem kommt die Sache nicht so richtig in Schwung. Für hartgesottene Actionfans ist vermutlich zu viel Drama dabei, für ein echtes Rennfahrer-Drama ist die Geschichte dann aber wieder zu simpel. Als Jesse Pinkman in Breaking Bad hatte Aaron Paul sehr viel bessere Gelegenheiten, sein Publikum zu beeindrucken. Den stärksten Auftritt des Films hat Rami Malek, als er sich von seinen Kumpels überzeugen lässt, dass er Tobey helfen muss, das Deleon zu gewinnen – er kündigt seinen Bürojob, in dem er sich auf dem Weg durch seine Firma komplett auszieht.

Screenshot Need for Speed

Screenshot Need for Speed

Mir fällt auch bei intensiven Nachdenken keine Szene aus einem anderen Film ein, bei der sich jemand auf so erfrischende Weise seiner Klamotten und sämtlicher Hemmungen entledigt. Wenn es einen Oscar für die beste Auszieh-Szene in einem Film gäbe, wäre hier zumindest eine Nominierung fällig. Das ist ein echtes Highlight, wobei das allein den Film auch nicht rettet – danach kann man dann auch abbrechen und sich etwas anderes ansehen. Es gibt natürlich noch ein paar interessante Stunts und eine Menge Sachschaden an wahnsinnig teuren Luxuskarossen, aber es ist einfach zu klar, wie die ganze Sache ausgeht. In sofern bin ich schon versucht, den Film in die „lohnt sich nicht“-Rubrik aufzunehmen, wären da nicht diese wenigen Minuten, die einfach großen Spaß machen. Also: Lohnt sich fast nicht. Den Titel Need for Speed kann man also wörtlich nehmen – ein bisschen mehr Speed hätte nicht geschadet, dann wären die zwei Stunden nicht so lang.