Need for Speed – kann man wörtlich nehmen

Wenn man sich wegen Alexander Skarsgård einen Film wie Battleship ansehen kann, ist es natürlich auch möglich, sich wegen Aaron Paul und Rami Malek Need for Speed anzusehen. Wobei das ein wirklich grauenhafter Film ist, wenn man kein bisschen auf Autorennen steht – denn es geht tatsächlich um nichts anderes. Also im Gegensatz zum Alien-Streifen Battleship so überhaupt nicht mein Genre – ich spiele solche Spiele nicht und ich käme auch nie auf die Idee, mir Formel-1-Rennen oder ähnliches im Fernsehen anzusehen. Schon die wenigen Minuten Sport am Ende der Tagesschau finde ich schwer zu ertragen, wenn ich doch eigentlich nur die Wettervorhersage noch sehen will.

Wobei es natürlich schon Filme mit tollen Auto-Szenen gibt, die ich richtig gut finde, Klassiker wie Bullitt, American Graffiti, Blues Brothers und so weiter, auch Speed fand ich ziemlich beeindruckend, als ich den damals im Kino gesehen hatte. Zu Autos an sich habe ich auch ein eher kühles Verhältnis – ich hab halt kein Auto, weil man in Berlin keins braucht. Früher, als ich noch auf dem flachen Land gewohnt habe, war das anders. Außerdem verdiente ich mir eine zeitlang neben dem Studium etwas dazu, indem ich für eine Schrauberclique Gebrauchtwagen optisch aufgehübscht und verkauft habe.

Screenshot Need for Speed: Tobey (Aaron Paul)

Screenshot Need for Speed: Tobey (Aaron Paul)

Das ist inzwischen zwar Jahrzehnte her, aber zu der Zeit bin ich mit allen möglichen Autos herumgefahren und kannte mich damit ganz gut aus, wo eine Vergaser-Leerlaufdüse sitzt und wie man sie richtig einstellt, wusste ich durchaus. Natürlich haben wir auch ziemlich viel Unsinn gemacht, unverkäufliche Schrottschüsseln etwa, die auch mit erheblicher krimineller Energie nicht mehr durch den TÜV zu bringen waren, haben wir mutwillig total kaputt gefahren. Insofern hatte es dann doch wieder einen nostalgischen Touch, mir einen Film über Auto-Verrückte anzusehen.

Screenshot Need for Speed: Julia (Imogen Poots)

Screenshot Need for Speed: Julia (Imogen Poots)

Denn die Jungs in Need for Speed sind natürlich komplett meschugge – das ist auch das Konzept des ganzen Films : Sie machen eine Menge abgedrehter Sachen. Das macht dann doch irgendwie Spaß, wobei ähnlich wie in Blues Brothers der spannenste Teil der Geschichte ist, wie die Gang wieder zusammen gebracht wird. Eigentlich hat der Film alles, was ein ordentlicher Film braucht, nämlich einen tragischen Helden wie den Arbeitersohn Tobey Marshall (Aaron Paul), dem großes Unrecht angetan wird und der dann einen Rachefeldzug antritt, um Genugtuung zu verlangen, einen fiesen Schurken wie Dino Brewster (Dominic Cooper), der Tobey die Schuld am Tod eines Freundes zuschiebt, den er selbst auf dem Gewissen hat, eine schöne Blondine wie die Britin Julia Maddon (Imogen Poots), die auch mal ans Steuer darf (hier gab es ein gewisses Identifikationspotenzial für mich, nicht weil ich wie ein britisches Model aussehen würde, aber weil ich weiß, wie es ist, das Mädchen zu sein, dem alle Jungs erklären wollen, was ein Auto ist, obwohl es das besser weiß als die meisten von ihnen) es gibt einen geheimnisvollen Freak (Michael Keaton), der das sagenumwobene Deleon-Rennen ausrichtet, zu dem nur die besten der besten eingeladen werden, der Gewinner bekommt dann die Autos der anderen Teilnehmer.

Screenshot Need for Speed: Benny (Scott Mescudi)

Screenshot Need for Speed: Benny (Scott Mescudi)

Und dann gibt es natürlich noch die aufopferungsvolle Crew aus guten Freunden, die Tobey dabei helfen, es gegen alle Widrigkeiten überhaupt bis zu dem Rennen der Rennen zu schaffen, nämlich Benny (Scott Mescudi), Finn (Rami Malek) und Joe (Ramon Rodriguez). Ach ja, eine ordentliche Karre braucht es natürlich auch, günstigerweise haben die Jungs bevor Tobey in den Knast musste, einen legendären Ford Mustang aufgebaut, der unglaublich viele PS hat und wahnsinnig schnell ist. Den leiht sich Tobey kurzerhand aus und muss dann binnen 45 Stunden von New York nach Kalifornien fahren, wo das Deleon statt finden wird.

Screenshot Need for Speed: Finn (Rami Malek)

Screenshot Need for Speed: Finn (Rami Malek)

Das bietet Potenzial für allerlei Komplikationen, die von der engagierten Crew auch gelöst werden, trotzdem kommt die Sache nicht so richtig in Schwung. Für hartgesottene Actionfans ist vermutlich zu viel Drama dabei, für ein echtes Rennfahrer-Drama ist die Geschichte dann aber wieder zu simpel. Als Jesse Pinkman in Breaking Bad hatte Aaron Paul sehr viel bessere Gelegenheiten, sein Publikum zu beeindrucken. Den stärksten Auftritt des Films hat Rami Malek, als er sich von seinen Kumpels überzeugen lässt, dass er Tobey helfen muss, das Deleon zu gewinnen – er kündigt seinen Bürojob, in dem er sich auf dem Weg durch seine Firma komplett auszieht.

Screenshot Need for Speed

Screenshot Need for Speed

Mir fällt auch bei intensiven Nachdenken keine Szene aus einem anderen Film ein, bei der sich jemand auf so erfrischende Weise seiner Klamotten und sämtlicher Hemmungen entledigt. Wenn es einen Oscar für die beste Auszieh-Szene in einem Film gäbe, wäre hier zumindest eine Nominierung fällig. Das ist ein echtes Highlight, wobei das allein den Film auch nicht rettet – danach kann man dann auch abbrechen und sich etwas anderes ansehen. Es gibt natürlich noch ein paar interessante Stunts und eine Menge Sachschaden an wahnsinnig teuren Luxuskarossen, aber es ist einfach zu klar, wie die ganze Sache ausgeht. In sofern bin ich schon versucht, den Film in die „lohnt sich nicht“-Rubrik aufzunehmen, wären da nicht diese wenigen Minuten, die einfach großen Spaß machen. Also: Lohnt sich fast nicht. Den Titel Need for Speed kann man also wörtlich nehmen – ein bisschen mehr Speed hätte nicht geschadet, dann wären die zwei Stunden nicht so lang.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s