Homeland goes Germany

Inzwischen hat die Ausstrahlung der 5. Staffel von Homeland angefangen – zumindest in den USA, wo Homeland jetzt sonntags auf Showtime läuft. Im deutschen Fernsehen wird die neue Staffel ab Februar 2016 auf SAT1 laufen, man kann die erste Folge aber schon bei Amazon Instant Video, maxdome oder iTunes sehen – das kostet zwar, man muss erstens nicht warten und noch wichtiger: keine Werbeunterbrechungen ertragen.

Screenshot Homeland Staffel 5: Carrie (Claire Danes)

Screenshot Homeland Staffel 5: Carrie (Claire Danes)

Homeland ist eine dieser Serien, von der ich zwar nicht wirklich überzeugt bin, die ich aber trotzdem immer weiter kucken muss: Einerseits finde ich das Original Hatufim total gut. Außerdem handelt es sich um eines der gelungeneren US-Remakes ausländischer Serien – wie The Killing oder The Bridge America, die ja ein interessantes Eigenleben entwickeln. Wobei das kein Wunder ist, weil Showtime ja Hatufim-Autor Gideon Raff im Boot hat.

Andererseits fand ich aber auch, dass Homeland vor allem ab der dritten Staffel ziemlich aus dem Ruder gelaufen ist – dass Brody sterben musste, geht klar, der war so und so längst am Ende. Aber dafür noch eine ganze Staffel zu verschleißen, fand ich reichlich übertrieben. Die vierte Staffel ging dann wieder – es gab Höhe- und auch Tiefpunkte. Natürlich hat mich in erster Linie der eindeutige Bezug auf die aktuelle Außenpolitik der USA bei der Stange gehalten, US-Imperialismus, äh, US-Sicherheitspolitik, die zu islamistischem Terror, Drohnenkrieg, Kollateralschäden und zu noch mehr Terror führt – wobei Carrie (Claire Danes) ja keineswegs hinterfragt, was sie da tut.

Screenshot Homeland Staffel 5: Otto Düring (Sebastian Koch)

Screenshot Homeland Staffel 5: Otto Düring (Sebastian Koch)

Sie ist ein psychisch ziemlich instabiles, aber äußerst effektives Werkzeug der CIA – aufgrund ihrer psychischen Störung hat sie ja diese außergewöhnlichen analytischen Fähigkeiten und die nötige Paranoia, die sie für ihren Job braucht. Eins der Hauptthemen von Homeland ist ja der Kampf von Carrie gegen ihre Krankheit und gegen sich selbst – und eben nicht ihr Kampf gegen das System. Wenn sie gegen das System kämpft, dann nur, weil es sie ihren Job nicht machen lässt. Carrie ist ein Teil davon und will das offenbar auch sein. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass sie vieles einfach tut, weil sie es kann. Und niemand sonst.

Wobei sie mittlerweile bei der CIA gekündigt hat – oder rausgeworfen wurde, so richtig klar ist das nicht. Die neue Staffel beginnt mit einem Gottesdienst – einem katholischen, in German. Nachvollziehen kann ich das nicht – ich kann mich nicht erinnern, dass Carrie Mathison in den Staffeln zuvor besonders religiös gewesen wäre. Aber warum nicht, wenn Carrie plötzlich die Liebe zu ihrer Tochter Franny entdeckt, kann sie ja auch ihre Liebe zu Gott gefunden haben.

Screenshot Homeland Staffel 5: Carrie feiert mit ihrer Tochter Geburtstag

Screenshot Homeland Staffel 5: Carrie feiert mit ihrer Tochter Geburtstag

Immerhin kommt in der nächsten Einstellung gleich unser toller Berliner Hauptbahnhof, bei dem es sich zwar um eine der misslungensten postmodernen Architekturruinen unserer Zeit handelt – aber zumindest das Glasdach sieht doch sehr cool aus. Aus der einfahrenden S-Bahn steigt ein arabisch aussehender Mensch aus – Achtung, potenzieller Terrorist!

Aber nein, er hat keine Bombe in der Tasche. Aber Klischees werden noch reichlich bemüht, Rotlichmilieu, Server-Racks im Hinterzimmer, immerhin wird Deutsch gesprochen: „Du kommst zu spät! Wir sind hier in Deutschland!“ Und dann gibt es zur Abwechslung mal wieder eine von den nicht so guten Hacker-Szenen, wo sich CIA und Terror-Hacker gegenseitig hacken – und damit der Zuschauer das auch kapiert jede Menge Zeilen über den Bildschirm laufen, in denen die Buchstaben CIA hervorgehoben werden. Nun ja.

Screenshot Homeland Staffel 5: Quinn (Rupert Friend)

Screenshot Homeland Staffel 5: Quinn (Rupert Friend)

Aber Carrie als Prenzlauer-Berg-Mom, unterwegs mit Kind im Fahrradsitz, das ist allerliebst. Und natürlich wohnt sie mit Franny und ihrem neuen deutschen Lover Jonas (Alexander Fehling) in einer stilechten Berliner Altbauwohnung, in der sich auch wunderbar Kindergeburtstage feiern lassen. Carrie und Jonas verdienen bestimmt nicht schlecht, sie ist Sicherheitsbeauftragte für den Milliardär Otto Düring (Sebastian Koch), bzw. für seine Düring Foundation, Jonas arbeitet als Jurist ebenfalls für diese Stiftung.

Die Stiftung sitzt natürlich in dem anderen coolen Neubau in Berlin Mitte: Dem schwarzen „iPhone-Haus“, das die Werbeagentur Scholz & Friends von Ivan Reimann hat bauen lassen: Sechs Etagen schwarzes und transparentes Glas, abgerundete Ecken, mit eingebautem Display über dem Eingang. Das alles sagt natürlich nichts über die Qualität der Serie aus, aber wann sieht man schon mal die Lieblingsgebäude aus der eigenen Nachbarschaft in einer US-Serie?

Screenshot Homeland Staffel 5: Treffpunkt Gendarmenarkt, Berlin

Screenshot Homeland Staffel 5: Treffpunkt Gendarmenmarkt, Berlin

Inhaltlich ist Homeland wieder brandaktuell: Es geht um die kommende Flüchtlingskrise – gegen die Otto Düring etwas tun will und die Frage, warum Assad noch immer an der Macht ist und sich der IS noch immer ausbreiten kann – obwohl das Team von Quinn seit 28 Monaten in Syrien operiert. Offenbar nicht mit dem gewünschten Erfolg. Dar Adal und Saul Berenson sind nicht begeistert von dem Bericht, den ein offenbar sehr müder und ausgebrannter Quinn (Rupert Friend) erstattet. Nichtsdestotrotz macht Quinn weiter – aber wir wissen ja inzwischen, dass er im Zweifelsfall immer weiter macht. Also räumt er jetzt halt in Berlin auf: Bad Guys, die er im Auftrag der CIA killen muss, gibt es schließlich auch hier.

Screenshot Homeland Staffel 5: Treffen mit dem BND  - Astrid (Nina Hoss) und Adler (Martin Wuttke)

Screenshot Homeland Staffel 5: Treffen mit dem BND – Astrid (Nina Hoss) und Adler (Martin Wuttke)

Natürlich dauert es nicht lange, bis Carries beschauliches Familienleben von ihrem Job bedroht wird: Otto Düring hat sich in den Kopf gesetzt, ein libanesisches Flüchtlingslager zu besuchen und auf dieser Tour bei weiteren Milliardären eine Menge Geld für seine gute Sachen einzusammeln. Carrie versucht ihm das ausreden: Viel zu gefährlich. Aber wie Milliardäre so sind – natürlich hört er nicht auf seine Beraterin. Also versucht Carrie erst über ihre alten CIA-Kontakte Informationen einzuholen, wobei die Berliner CIA-Chefin Allison Carr (Miranda Otto) sie formvollendet abblitzen lässt. Jetzt sucht Carrie über einen lokalen Imam Kontakt zu einem Hisbollah-Funktionär, der im Berliner Untergrund lebt: Der soll Düring eine offizielle Einladung für den Libanon-Besuch verschaffen. Das ist natürlich keineswegs einfach, zumal sich herausstellt, dass Carrie seinen Sohn auf dem Gewissen hat, der bei einer der Operationen, die sie geleitet hat, getötet wurde.

Screenshot Homeland Staffel 5: Saul Bereson (Mandy Patinkin) und Allision Carr (Miranda Otto)

Screenshot Homeland Staffel 5: Saul Bereson (Mandy Patinkin) und Allision Carr (Miranda Otto)

Und dann ist da noch die engagierte Journalistin Laura Sutton (Sarah Sokolovic), die sicher nicht zufällig wie Laura Poitras aussieht und die ebenfalls für die Düring Foundation arbeitet. Ihr werden geheime Dokumente zugespielt, mit denen die illegale Zusammenarbeit deutscher und US-amerikanischer Geheimdienste belegt wird. Während Carrie diese Informationen erst einmal überprüfen soll, will Laura sie sofort veröffentlichen – und tut das schließlich auch, obwohl auch Jonas sie davor warnt.

Saul (Mandy Patinkin), der ohnehin nicht gut auf Carrie zu sprechen ist – er ist inzwischen der Ansicht, dass sie für die falsche Seite arbeitet und hat offenbar auch nicht verwunden, dass er statt auf dem Chefsessel der CIA nur Chef der Europa-Abteilung geworden ist – hat derweil ein Treffen mit dem Bundesnachrichtendienst. Und BND-Offizier Adler (Martin Wuttke) kündigt jenes illegale Agreement zwischen den beiden Diensten auf. Allerdings zeigt sich die BND-Agentin Astrid (Nina Hoss, kennen wir bereits aus der vierten Staffel, eine alte Freundin von Quinn) kompromissbereiter. Mal sehen, was noch daraus wird. Auf jeden Fall war der Auftakt schon mal nicht schlecht.

Carrie in Berlin, das schwarze Haus am Litfaßplatz

Carrie in Berlin, das schwarze Haus am Litfaßplatz

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2 Gedanken zu „Homeland goes Germany

  1. Hat Carrie Mathison die CIA von sich aus verlassen oder wurde ihr gekündigt? Ich glaube, Sauls Äußerung darüber, was er ihr heute nach mehr als zwei Jahren noch ankreidet, spricht für das erstere:
    „Needed to leave the CIA? Fine.
    Just don’t go over to the other side.“ (er meint ihre Arbeit für die Düring Stiftung).
    Den ersten Satz kann man zwar auch so lesen , dass er ihren Abschied für notwendig hielt. Der Zusatz „fine“ zeigt aber, dass er ihre Initiative zum Ausscheiden meint.

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