Welche Farbe hat Elliot Alderson?

Ich weiß nicht, ob es jetzt nur ein Detail ist, über das ich immer wieder stolpere, weil meine Filter-Bubble entsprechend funktioniert, oder das tatsächlich eine breitere Diskussion ist – das ist ja das Ärgerliche an diesem rasenden technischen Fortschritt: Das Internet funktioniert eigentlich nicht mehr dem dem Sinne, dass man alles Relevante schon irgendwie mitbekommt. Im Gegenteil: Jeder von uns bekommt nur noch den Ausschnitt der Realität serviert, von dem Google und Konsorten annehmen, dass der uns interessiere. Insofern: Fuck Personalisierung.

Nun ja, wie dem auch sei, über meinen tumblr – das ist das einzige dieser sozialen Netzwerke, in dem ich freiwillig und aus Spaß an der Freude unterwegs bin, stoße ich immer wieder auf eine in meinen Augen ziemlich merkwürdige Rassismus-Diskussion, etwa hier: Don’t get it twisted: Mr. Robot is about a character of color.

Dazu ist mir vor einiger Zeit schon ein anderer Beitrag aufgefallen, der ebenfalls für Diskussionen sorgte, weil es tatsächlich Leute gibt, die an Mr. Robot nicht gut finden, dass ein „brauner“ Schauspieler eine „weiße“ Rolle spielt.

Damit bin ich jetzt auch schon wieder bei Mr. Robot, jener aus vielerlei Gründen lebhaft diskutierten Serie über den soziophoben Hacker Elliot Alderson, dessen korrekte ethnische Einordnung offenbar gar nicht so einfach ist: Die einen regen sich darüber auf, dass Elliot auch nur wieder nur so ein weißer Junge sei, zumindest dem Namen nach. Die anderen regen sich darüber auf, dass Elliot für seinen Namen letztlich nicht weiß genug ist. Denn Elliot Alderson wird von dem ägyptisch-stämmigen Schauspieler Rami Malek verkörpert, um den es wiederum eine kontroverse Diskussion gibt, ob der nun „weiß“ oder eben „farbig“ sei. Wobei sich alle einig sind, dass Malek diesen Elliot ganz fantastisch darstellt – offenbar ist er so gut, dass alle ihn gern für sich beanspruchen möchten.

Wobei ich natürlich zugeben muss, dass ich als hellhäutige Mitteleuropäerin in Sachen Diskriminierungserfahrung aufgrund meiner ethnischen Herkunft (aufgrund meiner sozialen Herkunft dagegen schon) hier eigentlich nicht mitreden kann – aber andererseits ist mir klar, dass es Rassismus gibt: Er tritt derzeit gerade wieder besonders hässlich zutage. Genau vor diesem Hintergrund erscheint mir diese Diskussion aber so absurd: Wäre Mr. Robot wirklich noch besser, wenn Elliot Alderson stattdessen Achmed Alderson hieße? Oder Elliot Malek, wie Amir Talai in seinem Artikel vorschlägt?

In der Serie 24 hat Rami Malek ganz dem gängigen Rollenklischee entsprechend den arabischen Selbstmordattentäter Marcos Al-Zacar gespielt – worüber man sich auch aufregen kann, denn es ist ja nun tatsächlich so, dass arabisch-stämmige Schauspieler in der Regel arabische Terroristen spielen – was Malek in einem Interview in der arabisch-sprachigen Sendung BBC Xtra auch traurig findet, und erklärt, dass er deshalb froh ist, dass er als Schauspieler arabischer Herkunft endlich jemanden spielen kann, bei dem diese Herkunft eben keine Rolle spielt – der Witz an der Figur des Elliot Alderson sei ja eben, dass dieser Typ wirklich überall auf der Welt sein könnte.

Trotzdem gibt es diese Rollenklischees weiterhin – genau wie Lateinamerikaner halt lateinamerikanische Dealer oder sonstige Verbrecher darstellen müssen – was übrigens auch in Mr. Robot der Fall ist, Elliot Carmelo Villar spielt den wirklich bösen Fernando Vera. Andererseits haben wir ja auch noch einen bösen Schweden, der von einem Schweden gespielt wird, und der Rest von fsociety ist doch mit Romero, Mobley, Trenton und Darlene eigentlich in einer Farbpalette von ganz schwarz bis ganz weiß politisch total korrekt abgedeckt. Und mit Elliots All-Safe-Kollegen Lloyd und der geheimnisvollen chinesischen Whiterose wird auch noch ein Asien-Kontingent bedient. Oder ist jetzt genau das wieder rassistisch?

Ist in den vergangenen Jahrzehnten echt so wenig in Sachen gesellschaftlicher Fortschritt passiert? Einer der Helden meiner Kindheit war Omar Sharif, der in den 60er Jahren als Ägypter die Hauptrolle in dem Hollywood-Blockbuster (wie man heute sagen würde) Dr. Schiwago die Hauptrolle gespielt hat – einen russischen Arzt. Nun könnte man natürlich anmerken, dass das für die alten weißen Männer in Hollywood vermutlich keine Rolle gespielt hat, weil ein Russe im Hollywood der 60er Jahre vermutlich noch viel exotischer war als ein Ägypter. Wobei Omar Sharif in Die Nacht der Generäle sogar einen deutschen Wehrmachtsoffizier gespielt hat – warum auch nicht.

Der Punkt ist, dass ich die berechtigten Beschwerden über Rassismus in den westlichen Gesellschaften gar nicht kritisieren will – es gibt ja leider mehr als genug Gründe dafür. Und ich bezweifle auch nicht, dass die westliche Film- und Fernsehindustrie, die tatsächlich weitgehend in der Hand von alten weißen Männern ist, fragwürdige Stereotype prägt, die die gesellschaftliche Realität in keiner angemessenen Weise abbilden. Das hat sich im Februar bei der ebenfalls völlig berechtigten Diskussion um die Nominierungen für die Academy Awards, die mal wieder so weiß gewesen sind wie schon lange nicht mehr, ja leider wieder bestätigt. Und da sehe ich eine Menge Stoff für Rassismus-Diskussionen.

Aber ein Elliot Alderson in einer Fernsehserie im Jahr 2015 muss entweder weiß sein oder anders heißen? Echt jetzt?

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