The Strain – ein anstrengender Stamm

Horror-Serien sind wirklich nicht mein Genre – ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich mit The Walking Dead deshalb auch noch gar nicht angefangen habe. Ich mag Zombies einfach nicht. Okay, lustige Zombie-Filme wie Shaun of the Dead sind natürlich etwas anderes und World War Z habe ich mir natürlich auch angesehen, aber der war leider nicht besonders gut.

Dagegen habe ich durchaus etwas für medizinische Horroszenarien übrig – eine meiner Lieblingsserien in dem Bereich ist Regenesis und auch Helix fand ich nicht schlecht. Insofern war ich neugierig auf The Strain – zumal es sich dabei ja angeblich um eine Vampir-Serie handelt. Und in dem Bereich kannte ich mit True Blood ja immerhin eine ziemlich gute Serie, so dass ich neugierig auf mehr war. Inzwischen habe ich mich zu weiten Teilen durch die erste Staffel von The Strain durchgesehen – und obwohl ich bei den Untoten in The Strain auch eher von Zombies als von Vampiren reden würde, fand ich die ersten Folgen von The Strain gar nicht schlecht.

The Strain - Dr. Goodweather (Corey Stoll) von der Seuchenschutzbehörde in Aktion

The Strain – Dr. Goodweather (Corey Stoll) von der Seuchenschutzbehörde in Aktion

The Strain beruht auf einem Roman von Guillermo del Toro und Chuck Hogan und wurde vom US-Kabelsender FX produziert. Die Serie handelt von Kampf des Epidemologen Dr. Ephraim Goodweather (Corey Stoll) vom Disease Control Canary Team gegen eine rätselhafte Epidemie, die sich rasant ausbreitet und der zahlreiche Menschen zum Opfer fallen – einige überleben aber und verwandeln sich in blutdürstige Monster.

Als eines Tages eine Boeing 767 auf dem John F. Kennedy Airport in New York City landet und plötzlich vom Radar verschwindet, wird unter anderem Dr. Goodweather zu Hilfe gerufen – die in Berlin gestartete Maschine steht mit abgeschalteten Geräten und verriegelten Türen auf der Landebahn, im Inneren ist kein Lebenszeichen auszumachen. Doch woran sind die Menschen in diesem Flugzeug alle so plötzlich gestorben? Genau das sollen Goodweather und seine Assistentin Dr. Nora Martinez (Mia Maestro) heraus finden.

Mit entsprechenden Schutzanzügen sehen sie sich in der Maschine um, in der es auffällig kalt ist. Aber unter den 210 Menschen an Bord, die tatsächlich alle tot zu sein scheinen, finden sie vier Überlebende. Aber sie wissen weder, woran die einen gestorben sind, noch, warum die anderen überlebt haben. Schon bald wird sich aber herausstellen, dass nicht alle der Toten wirklich tot sind – sie suchen ihre Familien heim. Genauso, wie die Überlebenden nicht wirklich am Leben sind: Ein mysteriöser Parasit hat von ihnen Besitz ergriffen.

Dieser Parasit nutzt die menschlichen Hüllen, um sich zu verbreiten – das Ganze ist also ziemlich alienmäßig. Und obwohl ich die Idee von Alien interessant finde – ich mochte dieses Scheißvieh nie: es ist einfach zu hässlich. Trotzdem habe ich aus wissenschaftlichem Interesse natürlich sämtliche Alien-Filme inklusive Prometheus gesehen. Aber schön ist das alles nicht.

Das ist auch die Hauptkritik der Vampir-Fans: Diese Parasiten in The Strain sind wahnsinnig hässlich. Wobei Vampire eigentlich keine Schönheiten sein müssen – Nosferatu in Eine Symphonie des Grauens von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1922 war auch nicht hübsch. Und auch in der Neuinterpretation von Werner Herzog von 1979 mit Klaus Kinski als Graf Dracula ist der Vampir kein Schönling. Das mit den schönen Vampiren hat, soweit ich das überblicke, erst mit Interview mit einem Vampir (Neil Jordans Verfilmung von dem Buch von Anne Rice, 1994) so richtig angefangen – Tom Cruise und Brad Pitt waren aber auch ein wirklich schönes Vampir-Paar. Der Tiefpunkt für dieses Genre kam dann mit der unsäglichen Twilight-Saga, wobei ich an anderer Stelle ja schon schrieb, dass ich Robert Pattinson als Schauspieler jenseits dieses ganzen Twilightzeugs gar nicht schlecht finde. Und auch mein hochverehrter Mr-Robot-Darsteller Rami Malek ist noch in die Twilight-Welle geraten und spielt im (hoffentlich) letzten Teil einen ägyptischen Vampir. Der übrigens kein bisschen bleich ist, sondern eine deutlich gesündere Gesichtsfarbe hat als der morphiumsüchtige Hacker Elliot Alderson, für dessen geniale Darstellung Malek jetzt gefeiert wird – und das völlig zu Recht.

Aber in The Strain gibt es das alles nicht – hier gibt es keine schönen Vampire, sondern eine hässliche Seuche, die die Menschheit bedroht – und gerade diejenigen, die den verwandelten Monstern zuvor besonders nahe standen, sind in besonderer Gefahr – die Untoten nutzen die menschlichen Beziehungen, die Liebe zu ihren Nächsten aus, um sie zu infizieren.

THE STRAIN -- Pictured: David Bradley as Abraham Setrakian. CR.  Frank Ockenfels/FX

THE STRAIN — Pictured: David Bradley as Abraham Setrakian. CR. Frank Ockenfels/FX

Nur der Holocaust-Überlebende Professor Abraham Setrakian (David Bradley) weiß, was los ist. Und er macht sich in einsamer Mission auf, um die Infizierten mit seiner in einem antiken Gehstock verborgenen Silberklinge zu töten – ein verzweifeltes und hoffnungsloses Unterfangen, für das er dringend Hilfe braucht. Natürlich wird er auch von Dr. Ephraim Goodweather erst einmal für einen verrückten alten Mann gehalten, der Gespenster sieht. Zumal Eph gerade andere Probleme hat – da ist die Scheidung und der Sorgerechtsprozess für seinen Sohn – und Eph macht sich wirklich Sorgen um sein Kind und seine Ex. Denn dass diese Sache extrem gefährlich ist, kapiert er schon, auch wenn er erstmal nicht schnallt, dass Setrakian mit seinen scheinbar verrückten Erklärungen für das alles Recht hat.

Am Ende steckt unter anderem ein fieser Nazi dahinter – Thomas Eichhorst (Richard Sammel), ein treuer Gehilfe des Meisters, der diesen schrecklichen Plan eingefädelt hat – das erinnert mich dann doch ziemlich an Lord Voldemord aus Harry Potter. Setrakian kennt Eichhorst von früher, aus dem KZ, wo Setrakian den Sarg schnitzen musste, in dem der Meister reist und der eben an Bord jenes Flugzeugs war, das in New York vom Radar verschwunden ist. Die rätselhafte Vampir-Seuche grassierte nämlich zuletzt während des zweiten Weltkriegs in Europa. Aber zum Glück kannte Setrakians Großmutter sich mit den Strigoi aus, wie sie sie nannte, und konnte ihrem Enkel verraten, wie man sich vor ihnen schützt.

Meine derzeitige Lieblingsfigur ist Vasily Fet (Kevin Durand), ein Schädlingsbekämpfer mit ukrainischen Wurzeln, der zwar auch erstmal nicht kapiert, was tatsächlich hinter den merkwürdigen und schrecklichen Dingen steckt, die jetzt in seiner Stadt passieren, die Sache aber mit pragmatischem Scharfsinn angeht: Wenn die Ratten abhauen, dann nur, weil etwas wirklich Gefährliches sie aus ihren Revieren vertreibt. Er ist eigentlich der einzige, der, genau wie Setrakian selbst, in der Lage ist, zu tun, was getan werden muss – alle anderen sind zu sehr mit ihren moralischen Ansprüchen an sich selbst beschäftigt und deshalb nicht fähig, das Nötige zu tun: Nämlich alle Infizierten zu töten.

Das ist es, was ich an The Strain interessant finde: Es wird die verlogene Giftigkeit gezeigt, die hinter den gängigen Moralvorstellungen guter Bürger steckt (wobei ich mir nicht sicher bin, ob genau das tatsächlich die Absicht der Serienmacher war): Während die Doktoren von der Seuchenschutzbehörde noch versuchen, jeden zu retten anstatt die Überträger der Seuche konsequent aus dem Verkehr zu ziehen (also letztlich sie zu töten und die Leichen zu vernichten) tragen sie erstmal dazu bei, dass noch viele weitere infiziert werden. Und auch das Verhalten sonstigen staatlichen Institutionen ist mehr als zweifelhaft: Sie versuchen, die rätselhaften Ereignisse unter den Teppich zu kehren. Es gibt eine totale Nachrichtensperre, weshalb die Menschen nicht gewarnt werden können und den kommenden Ereignissen hilflos ausgeliefert sind.

THE STRAIN -- Kevin Durand as Vasliy Fet

THE STRAIN — Kevin Durand as Vasliy Fet


Dazu kommt, dass der fiese alte Mann, der Milliardär Eldritch Palmer, der diese Sache offenbar seit Jahren geplant hat, auch eine Hacker-Crew engagiert hat, die nach und nach sämtliche Kommunikationssysteme lahm legt: Das Internet funktioniert nicht mehr, die Mobilfunknetze fallen aus, man kann nicht mehr mit der Kreditkarte bezahlen, selbst, wenn man die Menschen warnen wollte, würde das jetzt extrem schwierig.

Dafür hat Eph endlich geschnallt, was Sache ist – er und Nora haben eins der Opfer seziert und herausgefunden, dass sie von Parasiten übernommen wurden, die sich in ihrem Innern ausbreiten. Übertragen wird der Parasit durch Würmer, die durch Verletzungen in den Körper neuer Opfer eindringen – es handelt sich also tatsächlich um eine Art Seuche, und Eph fängt endlich an, auf Setrakian zu hören. Dumm nur, dass inzwischen auch das FBI hinter Goodweather her ist, weil er angeblich einen der Überlebenden aus dem Flugzeug getötet hat.

Das hier könnte ein Werbepause sein, aber eigentlich hatte ich nur keine Zeit, den Artikel fertig zu schreiben – aber inzwischen ist einiges passiert

Inzwischen bin ich mit der ersten Staffel durch und muss konstatieren, dass sie alles in allem dann doch nicht so gut war – denn je mehr sich alles auf die Jagd nach dem Meister konzentriert, mit dem sämtliche Zombie-Vampire verbunden sind, desto schwächer wird die Geschichte. Denn diese ach so grausame und furchteinflößende Figur, die, wie sich herausstellt, auch den mächtigen, aber inzwischen alten und todkranken Eldritch Palmer als williges Werkzeug benutzt hat, ist tatsächlich nur eine ziemlich lächerliche Lord-Voldemord-Kopie. Und weil The Strain aber sonst nicht als Satire, sondern leider ganz ernsthaft angelegt ist, ist das nicht mal witzig.

Insofern ist mein Fazit: Kann man sich ansehen, wenn man auf Katastrophen-Grusel und Zombie-Apokalypse steht, muss man aber nicht. True Blood finde ich sehr viel besser – nicht nur, weil die Vampire (und die ganzen anderen Fabelwesen, die von Staffel zu Staffel dazu kommen) viel besser aussehen, sondern weil einfach viel mehr los ist: Die Geschichte ist besser, die Figuren sind interessanter und True Blood ist streckenweise auch ziemlich witzig, wobei es auch noch eine Menge sozialer Probleme und Herzschmerz ohne Ende gibt. In The Strain wird einiges davon auch angedeutet, aber letztlich bleibt alles doch sehr an der Oberfläche.

Mir fällt gerade auf, dass es mir mit Helix letztlich ähnlich ging: Es geht ziemlich vielversprechend los, was aber erstmal wie eine interessante Serie mit einem gewissen wissenschaftlichen Anspruch daher kommt, gleitet streckenweise in eine ziemlich platte Horrorstory ab, wo dann die ganze Wissenschaft schnell als optisch eindrucksvolle Kulisse enttarnt wird – in dem Bereich Wissenschaft/Medizin/Biotech kommt halt nichts an die kanadische Serie Regenesis heran, auch wenn da die dritte und vierte Staffel auch ziemlich nachgelassen haben. Und das Genre anspruchsvoller Horror ist noch schwieriger – das hat The Strain ja gerade wieder gezeigt. Es ist halt nicht so einfach eine Serie zu machen, in der alles stimmt und mit The Strain ist das leider nicht gelungen.

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