Homeland: Manisch-depressive Supermächte

Homeland geht weiter und ich habe mir entsprechend die dritte Folge Super Powers angesehen: Und schon sind wir wieder mittendrin im alten Carrie-Dilemma. Weil sie nun unbedingt herausfinden will, wer ihr nach dem Leben trachtet, setzt sie ihre Medikamente ab. Denn, das wissen wir ja seit der ersten Staffel: So richtig genial ist Carrie nur, wenn ihre psychische Störung für sich arbeiten lassen kann – dann ist sie zwar völlig durchgeknallt und tritt alle Menschen in ihrem Umfeld mit Anlauf vors Schienbein, aber sie kriegt auch alles raus, was sie rauskriegen muss.

Manische Depression als Superkraft – ich habe ja schon in der ersten Staffel bezweifelt, dass jemand mit einer solchen Störung überhaupt von der CIA angeheuert würde und wenn doch dann garantiert nicht als Führungskraft, die für Leben und Tod einer Menge anderer Menschen verantwortlich ist, aber egal – Homeland ist Fiktion, auch wenn die Serie gern realistisch tut, in dem sie aktuelle politische Ereignisse aufgreift.

Apropos – die Sache mit den Graffitis in der letzten Folge fand ich ja sehr witzig. Hoffentlich stimmt das – leider kann ich kein Arabisch, schon gar nicht schriftlich – insofern kann ich das nicht überprüfen. Aber es scheint zu stimmen, dass die Street-Art-Künstler Heba Amin, Caram Kapp und Stone tatsächlich andere Botschaften an die Kulissen des libanesischen Flüchtlingslagers gesprüht haben, als die Serienmacher eigentlich beauftragt hatten. Ist schon scheiße, wenn keiner Arabisch kann – was dann doch wieder peinlich ist: Man sollte doch annehmen, dass irgendjemand, der an der Produktion einer Serie beteiligt ist, die zu weiten Teilen in arabisch-sprachigen Ländern spielt, lesen können sollte, was an den Wänden geschrieben steht…? Andererseits – wenn in den Berliner Sequenzen Graffitis auftauchen würden, auf denen ähnliches auf Deutsch steht, würde man es am Ende auch unter „Lokalkolorit“ verbuchen. Wobei mir gerade auffällt, dass der zeitweise beliebte Slogan „Ami go home!“ auf Berliner Hauswänden derzeit nicht besonders häufig zu finden ist.

Wie dem auch sei: Showrunner Alex Gansa sagte gegenüber Entertainment Weekly: “We wish we’d caught these images before they made it to air. However, as Homeland always strives to be subversive in its own right and a stimulus for conversation, we can’t help but admire this act of artistic sabotage.” („Wir wünschen uns, diese Bilder entdeckt zu haben, bevor sie ausgestrahlt wurden. Aber Homeland ist stets bestrebt, subversiv zu sein und somit Anlass für entsprechende Diskussionen zu liefern – deshalb können wir nicht umhin, diesen Akt der künstlerischen Sabotage zu bewundern.“)

Carrie Mathsion (DClaire Danes) in Homeland - Season 5 Super Powers

Carrie Mathsion (DClaire Danes) in Homeland – Season 5 Super Powers (via nydailynews.com/)

Aber zurück zu Carrie: Die ganze Geschichte hat von Anfang an nur funktioniert, weil Carrie komplett gestört und deshalb so gut in ihrem Job ist. Und weil Saul Berenson, der als einer der wenigen davon wusste, schützend ihre Hand über Carrie gehalten hat. Aber damit ist es nun endgültig vorbei. Saul ist inzwischen auch ein anderer. Doch eins nach dem anderen: Carrie setzt (unter Tränen) ihre Tochter zu Otto Düring ins Flugzeug – er glaubt ja, dass Carrie ihm das Leben gerettet hat und ist ein entsprechend dankbarer Arbeitgeber, der Carrie nicht nur von ihrer Arbeit frei stellt und ihre Tochter höchstpersönlich in die Staaten fliegen lässt (damit sich die bewährte Tante Maggie um sie kümmern kann) sondern er lügt sogar für sie, als Saul Berenson bei ihm auftaucht: Nein, natürlich hat er keine Ahnung, wo seine Sicherheitschefin ist.

Aber das ist für einen CIA-Agenten wie Quinn natürlich kein Problem – er benutzt den Sohn von Carries Lebensgefährten Jonas, um ihr Versteck zu finden. Ja, das ist alles wieder sehr, sehr homelandmäßig, insofern bin ich mit dem Fortgang der Folge ziemlich zufrieden – wobei das schon zu weiten Teilen daran liegt, dass es mir Spaß macht, meine Ecken in Berlin zu sehen. So dermaßen wahnsinnig gut ist die Geschichte eigentlich nicht, Carrie-Cry-Faces habe ich inzwischen eigentlich schon wieder mehr als genug gesehen.

Aber es gibt wieder schöne Szenen rund um den Litfaßplatz, der bei mir direkt um die Ecke liegt, es gibt sogar eine Szene, die in „meinem“ S-Bahnhof gedreht wurde, Hackischer Markt, und ich komme jeden Tag mehrfach an der Straßenbahnhaltestelle vorbei, die zu sehen ist, als der Informant Numan die Journalistin Laura Sutton von der Menge weglockt, die wegen eines Feueralarms draußen versammelt ist, um ihr im S-Bahnhof gegenüber einen Daten-Stick mit weiteren Dokumenten zu übergeben. Der Skateboard-Laden Titus, aus dem Quinn Jonas‘ Sohn entführt, ist unten in meinem Wohnblock – und auf der Rückseite ist jene Einfahrt, in der Quinn den Van geparkt hat, in den er den Jungen festhält: „Bis zum Abendbrot bist du zuhause!“ So richtig gut ist Quinns Deutsch ja nicht, aber es reicht offensichtlich.

Insofern stimmt, zumindest was die Berliner Geografie angeht, vieles – ich hasse es ja immer sehr, wenn Berlin-Szenen zusammengeschnitten werden, die gar nicht stimmen können, wie das in anderen Filmen und Serien oft der Fall ist, wenn dann etwa der Protagonist aus dem Gebäude an der-und-der Ecke kommt, und dann an der nächsten Ecke ein Berliner Wahrzeichen zu sehen ist, von dem ich weiß, dass es tatsächlich ganz wo anders ist.

Wenigstens Berlin ist in der neuen Homeland-Staffel weitgehend authentisch. Und auch der Blick von der US-Botschaft aus über den Pariser Platz mit dem Brandenburger Tor Richtung Reichstag kommt hin – wobei ich da natürlich noch nicht drin war und schon gar nicht auf der Dachterrasse. Sonst weiß ich noch nicht so richtig, was ich vom Handlungsfortgang halten kann oder will: Carrie stellt eine ziemlich lange Liste mit Namen zusammen – 167 sind es, deren Angehörige sie nach dem Leben trachten könnten. Als der bis dahin sehr geduldige und verständnisvolle Jonas realisiert, dass Carrie diese 167 Menschen auf dem Gewissen hat, verliert er doch leicht die Fassung und muss einfach mal raus.

Natürlich wusste er, dass Carrie für die CIA gearbeitet hat – aber offenbar hat er sich nicht so richtig klar gemacht, was eigentlich ihr Job war. Als seine Ex ihn anruft, weil ihr gemeinsamer Sohn verhaftet wurde, weil der Junge angeblich in jenem Laden etwas geklaut hat, gerät der bisher erstaunlich unerschütterliche Jonas in Panik – aber aus anderen Gründen als Carrie, die schnell kapiert, dass es bei der ganzen Sache nur darum ging, heraus zu finden wo Jonas und damit auch Carrie sich gerade aufhalten.

Carrie will jetzt natürlich abhauen und versichert Jonas, dass seinem Jungen nichts passieren würde, weil er ja gar nicht das Ziel der ganzen Aktion sei, aber Jonas entscheidet sich natürlich im Zweifelsfall für seinen Sohn und fährt ziemlich planlos mit dem Auto weg. Carrie bleibt in dem Waldhaus zurück, in dem die beiden nach Carries Rückkehr aus Beirut abgetaucht sind. Carrie zieht sich mit einem Gewehr in den Wald zurück, ihr ist klar, dass wer immer hinter ihr her ist, demnächst hier auftauchen wird. Aber sie weiß ja nicht, dass Quinn hinter ihr her ist, der sich natürlich nicht so einfach von Carrie umlegen lässt.

Tja, was daraus wieder wird… Quinn hatte ja schon immer eine Schwäche für Carrie. Aber ist es damit nicht langsam mal gut?

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