Das fängt ja gut an: Fargo 2. Staffel

Nach der Enttäuschung mit der zweiten Staffel von True Detective – die, um fair zu sein, an sich gar nicht dermaßen schlecht ist, nur eben im Vergleich zur ersten Staffel einfach nicht das war, was ich (und viele andere) erwartet hatte – brauchte ich ein bisschen Überwindung, um mit der zweiten Staffel von Fargo anzufangen.

Aber meine Bedenken waren gänzlich unbegründet: Ähnlich wie Better Call Saul es geschafft hat, einen von den ersten Minuten an wieder ins Breaking-Bad-Universum zu versetzen, gelingt es Machern der zweiten Staffel von Fargo, gleich wieder dieses Fargo-Feeling herzustellen: Wir sind wieder im verschneiten Minnesota, in dem rätselhafte Verbrechen aufzuklären sind. Auch hier gibt es wieder eine unglückliche Verkettung aus krimineller Energie, Dummheit, Verzweiflung und Pech.

Screenshot Fargo - 2. Staffel

Screenshot Fargo – 2. Staffel Vorspann

Noah Hawley hat mit Fargo geschafft, den typischen Coen-Stil in eine Fernseh-Serie zu integrieren, und das gelingt ihm auch in der zweiten Staffel dieser Anthologie-Serie. Dabei sind wir weder am gleich Ort, noch in der gleichen Zeit: Die Zweite Staffel setzt 1979 ein, nach einem skurrilen Schwarzweiß-Vorspann des fiktiven Indianerfilms Massacre at Sioux Falls, in dem alle frierend darauf warten, dass Hauptdarsteller Ronald Reagan endlich mit Pfeilen gespickt wird, damit der Dreh weitergehen kann. Auch hier stellt sich dieses Zur-falschen-Zeit-am-falschen-Ort-Gefühl ein, obwohl doch offensichtlich alles, was hier passiert beabsichtigt ist.

Screenshot Fargo - 2. Staffel Vorspann

Screenshot Fargo – 2. Staffel Vorspann

Und genau so geht es auch weiter, auch wenn danach alles bunt wird. Wobei Gelb- und Brauntöne überwiegen – ach ja, diese 70er Jahre mit diesen eigenartigen Frisuren, den riesigen Autos, den bunten, großbemusterten Tapeten. Eine Zeit, in der Computer noch riesige Maschinen mit rotierenden Magnetbändern waren und es keine Mobiltelefone gab. Als man mit elektrischen Schreibmaschinen noch auf das ganz große Geschäft hoffen konnte.

Screenshot Fargo - 2. Staffel: Der Gerhardt-Klan

Screenshot Fargo – 2. Staffel: Der Gerhardt-Klan

Auf dieses Geschäft hofft auch Rye Gerhardt (Kieran Culkin), der jüngste Sproß des Gehardt-Klans, der die illegalen Geschäfte in dieser Gegend kontrolliert. Rye hat einen Teil der Schutzgelder, die er kassieren und an die Familie abführen soll, unterschlagen und sie in das Schreibmaschinengeschäft eines Geschäftspartners gesteckt, der leider nicht wie erwartet funktioniert. Aber Rye will endlich genau wie seine beiden großen Brüder ernst genommen und anerkannt werden. Doch stattdessen geht alles schief: Statt den erwarteten Batzen Kohle bekommt er von seinem Geschäftspartner die Empfehlung, eine gewisse Richterin zu bestechen, damit das Geschäft endlich ins Rollen kommt.

Screenshot Fargo - 2. Staffel: Rye Gerhardt (Kieran Culkin) und der Schreibmaschinen-laden

Screenshot Fargo – 2. Staffel: Rye Gerhardt (Kieran Culkin) und der Schreibmaschinen-laden

Es zeigt sich schnell, dass Rye sich mit der Falschen anglegen hat: Die unbestechliche Richterin will den unverschämten dummen Jungen mit Insektenspray vertreiben – doch sie hat nicht mit der verzweifelten Gegenwehr eines enttäuschten Losers gerechnet. Der missglückte Bestechungsversuch endet im Waffle-Hut-Massaker, bei dem Rye nicht nur die sture Richterin, sondern auch den anwesenden Koch und die Kellnerin erschießt. Aber weil das Verhängnis nun einmal seinen Lauf nimmt, landet Rey auf der Kühlerhaube des nächsten Autos, das am Waffle Hut vorbeifährt.

Screenshot Fargo - 2. Staffel: Sheriff Larson (Ted Danson) und State Trooper Lou Solverson (Patrick Wilson)

Screenshot Fargo – 2. Staffel: Sheriff Larson (Ted Danson) und State Trooper Lou Solverson (Patrick Wilson)

Am Steuer sitzt die Blondine Peggy Blomquist (Kirsten Dunst), die über diesen Vorfall so erschrocken ist, dass sie einfach mit dem Schwerverletzten, der mit dem Kopf in ihrer Windschutzscheibe steckt, nach Hause fährt. Sie glaubt, dass Rye tot ist. Das stellt sich zwar kurzzeitig als Irrtum heraus, doch weil sie ihrem Mann Ed (Jesse Plemons) nichts von dem Fremden, der vor ihr Auto gelaufen ist, erzählt hat, ist Rye wenig später tatsächlich tot: Ed hält ihn für einen Einbrecher und bringt ihn in vermeintlicher Notwehr um.

 Screenshot Fargo - 2. Staffel: Betsy (Cristin Milioti) und Lou Solverson (Patrick Wilson)

Screenshot Fargo – 2. Staffel: Betsy (Cristin Milioti) und Lou Solverson (Patrick Wilson)

Der anständige Ed will erst die Polizei anrufen, aber Peggy bringt ihn schnell davon ab: Einer von ihnen beiden würde dann so oder so für längere Zeit in den Knast müssen und das hieße keine Familie, keine eigene Metzgerei und keine Kinder – all das, wofür Ed atmet und lebt, wäre dann verloren. Also lässt Ed sich auf die zweifelhafte Idee seiner Frau ein, den Toten einfach verschwinden zu lassen und so zu tun, als ob nichts passiert sei.

Natürlich wird das nicht funktionieren – zum einen, weil der Gerhardt-Klan, von dessen Existenz die Blomquists gewiss noch nichts ahnen, bestimmt nachforschen wird, wo Rye geblieben ist, zum anderen, weil State Trooper Lou Solverson (Patrick Wilson), der Vater von der hartnäckigen Ermittlern Molly Solverson aus der ersten Staffel, die Aufklärung dieses rätselhaften Verbrechens zu seiner Lebensaufgabe machen wird.

Screenshot Fargo - 2. Staffel: Peggy Blomquist (Kirsten Dunst) hat einen "Wildunfall"

Screenshot Fargo – 2. Staffel: Peggy Blomquist (Kirsten Dunst) hat einen „Wildunfall“

Zwei Folgen sind bereits gelaufen – Jean Smart als Matriarchin Floyd Gerhardt ist fantastisch, wie auch Ted Danson als Sheriff Hank Larsson, Lou Solversons Schwiegervater und Chef. Und natürlich gibt es die üblichen coenesken Gestalten, etwa die Kitchen-Zwillinge, ein stummes Brüderpaar, das mit Mike Milligan, dem Vollstrecker des Kansas-City-Syndikats unterwegs ist. Oder Constance, Peggys Chefin im Friseur-Salon, die versucht, ihre Angestellte auf die Emanzen-Schiene zu bringen. Ich freue mich auf die restlichen acht Folgen – schade, dass es insgesamt nur 10 sind. Aber die richtig guten Serien sind halt gern Zehnteiler.

Screenshot Fargo - 2. Staffel: Peggy (Kirsten Dunst) und Ed Blomqist (Jesse Plemons)

Screenshot Fargo – 2. Staffel: Peggy (Kirsten Dunst) und Ed Blomqist (Jesse Plemons)

Und noch etwas: Die Titelmelodie (von Jeff Russo) wurde beibehalten. Das sorgt natürlich auch für einen gewissen Wiedererkennungswert. Vielleicht war es genau dieses eine Ding zuviel, was mir die zweite Staffel von True Detective noch extra verleidet hat – ich mochte den Vorspann und den Titelsong der ersten Staffel einfach sehr, obwohl das gar nicht unbedingt meine Musik ist – Far From any Road von The Handsome Family passte einfach perfekt. Nevermind von Leonard Cohen dagegen mochte ich viel weniger. Aber es passt natürlich zum Fargo-Stil ein quasi klassisches Filmmusik-Thema zu haben…

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