100 Code: Ein Amerikaner in Stockholm

In der letzten Zeit habe ich die Skandinavier etwas vernachlässigt – wobei ja nun auch nicht jede der erstaunlich vielen schwedischen Krimiserien wirklich gut ist. Diese ganzen Irene-Huss- oder Maria-Wern-Krimis muss ich mir nun wirklich nicht ansehen. Aber auf 100 Code war ich neugierig – eine internationale Serie, die von Sky Deutschland produziert wurde und mit Michael Nyqvist und Dominic Monaghan zwei international bekannte Stars als Ermittler aufbietet.

Michael Nyqvist kennt man aus Kommissar Beck und einer Menge Wallander-Filmen und natürlich aus der Original-Verfilmung der Stig-Larson-Trilogie, in der er den idealistischen Journalisten Michael Blomqvist spielt, der gemeinsam mit der genialen, aber ziemlich gestörten Hackerin Lisbeth Salander sehr vertrackte Verbrechen aufklärt. Dominic Monaghan hingegen kannte ich vor allem aus Lost, wo er das britische One-Hit-Wunder Charlie Pace spielt, Herr-der-Ringe-Fans werden ihn als Hobbit Meriadoc Brandybock kennen.

Thomas Conley (Dominic Monaghan) und Michael Eklund (Michael Nyqvist) in 100 Code

Thomas Conley (Dominic Monaghan) und Michael Eklund (Michael Nyqvist) in 100 Code (Bild via sky.de)

Interessante Mischung, dachte ich mir – ist es tatsächlich auch, natürlich kann der schwedische Kommissar Michael Eklund, der eigentlich den Polizeidienst quittieren will und jetzt noch einen letzten, wie sich herausstellt, überaus komplexen Fall aufgehalst bekommt, seinen Kollegen vom NYPD nicht ausstehen. Und Detective Thomas Conley ist keineswegs der Obersymphat – nicht nur, weil er ständig kotzt, weil ihm vom Fliegen, vom Autofahren und natürlich auch vom übermäßigen Saufen immer schlecht wird.

Er ist auf einer persönlichen Mission und hält sich nicht an die Regeln – als alter Ami lässt er sich von den Schweden nicht entwaffnen, und besonders mitteilsam ist er auch nicht. Eklund muss ihm Details über andere Fälle nach und nach aus der Nase ziehen. Andererseits weiß er auch ein Menge über Fälle, die möglicherweise mit aktuellen Morden in der schwedischen Hauptstadt zu tun haben – so viel, dass Eklund, der Conley nun wirklich nicht leiden kann, seine Chefin überzeugt, dass sie ihn als Experten für Serienmorde in Schweden behalten müssen – denn damit kennen sie sich in Schweden nicht aus.

Und die Morde an jungen, schönen, blonden Mädchen entwickeln sich zu einer schreckliche Serie – vor allem, als sich herausstellt, dass der (oder die) Mörder immer zwei Mädchen töten – eins gleich, brutal und offensichtlich, eins langsam und versteckt. Und immer sind Blumen am Tatort – Affodilgewächse, was die Ermittler auf mythologische Fährten lockt, der Raub Persephones durch den Gott der Unterwelt, Hades.

Das ist alles in allem gar nicht schlecht – Martin Wallström ist übrigens auch dabei, wenn auch nur in einer kleinen Rolle – aber irgendwie auch nicht so richtig gut. Zumindest im Vergleich mit anderen richtig guten Serien – was ich zuvor an Breaking Bad und jetzt an Mr. Robot so gut finde, ist, dass die Handlung wahnsinnig dicht und gut konstruiert ist – es gibt kein überflüssiges Gehampel, um Sendezeit zu schinden. Nicht nur, dass es unglaublich interessante Charaktere, eine spannende Entwicklung und immer wieder tolle Bilder gibt, jeder Satz, jede Geste, jedes Detail hat einen bestimmten Sinn, wie sich im Lauf der Handlung herausstellt.

So genial ist 100 Code nicht, auch wenn sich die Macher durchaus Mühe geben haben, keinen 0/8/15-Krimi abzuliefern. Ich habe jetzt drei Folgen angesehen und bin durchaus gespannt, wie es weiter geht – aber eben nicht völlig hin und weg. Solide Krimikost, wie von Skandinaviern zu erwarten ist – wobei der 100-Code-Autor Bobby Moresco ja US-Amerikaner ist, der für L. A. Crash sogar einen Oscar für das beste Drehbuch bekommen hat. Und einen Haufen anderer Auszeichnungen für andere Drehbücher. Also mal sehen was noch draus wird – es gibt ja immerhin zwölf Teile in der ersten Staffel.

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